Elterndasein {how to live….ein Leben als Teilzeit-Mama}

Seit dem Wochenende ist mein großer Kleiner für 2 Wochen mit seinem Papa und seiner Tante in Spanien. Wieder mal ist er fort. Wieder mal muss ich damit klarkommen, das andere Menschen ihn behüten und durchs Leben leiten. Er ist 5 Jahre alt und doch bin ich seit 2 ½ Jahren nur noch eine Teilzeit-Mama. Dafür habe ich mich (mehr oder weniger) freiwillig entschieden.

Als ich mich vor fast 3 Jahren von seinem Vater getrennt habe, gab es eigentlich keine Alternative. Auch wenn mein Ex und ich zuletzt keine guten Partner mehr waren, so ist sein Vater doch ein sehr guter Papa, der sein Kind über alles liebt. Wie hätte ich ihm also seinen Sohn nehmen können? Habe ich als Mutter automatisch mehr Rechte an meinem Kind als sein Vater? Auch wenn es sich als Frau manchmal so anfühlt. Allein deshalb weil ich dieses Kind von der ersten Sekunde an gefühlt und nach 37 Wochen geboren habe. Ich musste mir viele Fragen stellen und auch Vorwürfe machen lassen, als ich mich dazu entschieden habe mir seine Betreuung 50/50 mit seinem Vater zu teilen. Viele Mütter waren der Meinung das sie das nicht könnten und haben damit auch mein Mutter-Sein in Frage gestellt.

Ich bewundere mein Kind. Denn jede zweite Woche packt er mit mir ohne Murren sein Köfferchen und zieht dann wieder für eine Woche zu seinem Papa. Immer wieder muss er sich verabschieden und trennen. Immer vermisst er einen von uns Beiden (oder seinen Bruder und Ersatz-Papa). Und doch macht er das alles mit – weil seine Eltern sich für das Wechselmodell entschieden haben. Trotzdem geht es ihm scheinbar gut damit. Noch nie haben wir Klagen oder Hinweise aus unserem Umfeld erhalten, das er Auffälligkeiten zeigt. Er ist ein glücklicher und fröhlicher kleiner Junge.
Wenn er nach einer Woche wieder fort ist, stehe ich jedoch abends manchmal an seinem leeren Bettchen und vermisse ihn so sehr, daß mir Tränen in die Auge treten. Eigentlich sollte er bei mir, seiner Mutter sein. Aber ich tue das für ihn. Er liebt seinen Papa und ich würde es nicht übers Herz bringen die Zwei auseinander zu reißen. Ich bin selber ein Scheidungskind und weiß wie sich das anfühlt wenn die Eltern sich angiften und umeinander streiten. Das wollte ich ihm ersparen. Und bisher schaffen wir als Eltern das auch weitestgehend. Manchmal sogar ziemlich gut (siehe hier). Auch wenn das für meinen Ex und mich viel Arbeit, Organisation, Kompromisse und Einschränkungen bedeutet. 
Aber gibt es DEN perfekten Weg wenn eine Familie auseinanderbricht und ein Kind plötzlich auf Mutter oder Vater verzichten soll?

10 Kommentare

  1. Puh, harter Tobak am frühen Morgen – aber das meine ich im positiven Sinne.
    Ich bewundere es sehr, dass ihr 3 dieses Modell so gut umsetzen könnt. Seitdem wir einen Sohn haben, haben mein Freund und ich auch mehrfach über dieses Thema gesprochen (auch wenn wir hoffen, dass diese Situation natürlich nie eintreffen wird). Wir wüssten beide nicht, wie wir damit umgehen sollten, da keiner auf den Kleinen verzichten könnte/möchte.
    Daher kann ich Deine Traurigkeit, wenn Dein Sohn wieder einmal weg ist, sehr gut verstehen.
    Aber da ich ebenfalls ein Scheidungskind bin, finde ich diese Lösung wiederum ganz toll – ich hätte was darum gegeben, wenn mein Vater sich meiner Mutter gegenüber so fair gezeigt hätte. Das Ende vom Lied ist nämlich, dass er und ich heute gar keinen Kontakt mehr haben.

    Auch wenn die Situation für euch alle nicht immer einfach sein wird, so denke ich doch, dass euer Sohn davon definitiv profitieren wird – und ich ziehe meinen Hut vor euch.
    Ich freue mich wirklich, dass solch ein Thema angesprochen wird und finde es gut, die Erfahrungen anderer zu lesen zu können.

    Vielen Dank & lieben Gruß*

  2. Ja liebe Frollein Pfau….das hofft man immer. Das dieser Kelche Trennung + Kind an einem vorbei geht. Leider sieht die Realität ja dann doch anders aus. Aber Dich trifft das natürlich nicht :O). Und mich + meinen Freund und unseren Mini-Mann auch nicht. Hab mein Soll für dieses Leben schon verbraten. Ich denke auch das das Wechselmodell ein guter Kompromiss ist. Der Kontakt zum Vater bleibt bestehen. Schade das Du keinen Kontakt mehr hast. Aber vielleicht ändert sich ja doch nochmal was in Deinem Leben? Es ist nie zu spät….
    Und irgendwie ist so ein Papa doch auch ziemlich toll für ein Kind. Meine Kinder haben jedenfalls echt Glück mit ihren Vätern.
    Liebe Grüße!

  3. Liebe Hibbeline, Du weißt ja, dass ich das schon immer toll fand, wie Ihr beide das für J. meistert. Und wenn andere Leute das nicht verstehen, ist es wirklich ihr Bier. J. gibt Euch ja Recht, indem er glücklich und zufrieden ist. Ich denke, Ihr habt den bestmöglichen Kompromiss gefunden. LG Emi

  4. Ich finde deine Entscheidung eher als sehr bewunderswert. Eben wie du schreibst können sich das viele Mütter nicht vorstellen und rein aus Egoismus heraus würden sich viele dagegen entscheiden. Du aber entscheidest, was das Richtige für deinen Sohn ist. 🙂

    Danke dir für den Flohmarkt-Tipp. Neuss ist leider am anderen Ende von Köln, aber ich werde es meinem Mann mal vorschlagen (Der Name „Gare du Neuss“ klingt schon so hitverdächtig!)

  5. Ach, Du Liebe, ich kann Dich so gut verstehen – und auch wieder nicht, denn natürlich kann ich mir gaaar nicht vorstellen, dass wir uns trennen – ich mich von meinem Sohn oder von meinem Mann… (siehe die Nummer mit dem vorübergehenden Kelch…) Aber das mit den Tränen am Bettchen – da wird das schon sehr plastisch, was Ihr da lebt. Ich weiss, Du machst alles richtig, ich glaube auch, das Javi Euch das mal danken wird. Und eine Woche ist ja nicht sooo lang… und er kommt ja immer wieder…
    Ganz liebe Grüße, Heidi

  6. Das kann man sich auch nicht vorstellen. Und sollte man sich im Normalfall auch nicht vorstellen. Kinder sollten bei ihrer Mama und ihrem Papa sein. Obwohl es ja echt sooo viele Väter gibt, die aus beruflichen Gründen schon meist gar nicht oder wenig bei ihren Familien sind. Da hat J. es ja noch richtig gut. Liebe Grüße zurück!

  7. Ich bewundere dich dafür 🙂 So soll es sein. Das Wohl des Kindes im Vordergrund und das braucht in der Regel beide Elternteile.

  8. Wow!

    Ich wünschte wir würden das auch so hinbekommen. tun wir aber nicht. Außer großer Verachtung ist bei uns nichts mehr geblieben und ich traue meinem Ex auch nicht zu, dass er das könnte…
    Kann er objektiv aber auch wirklich nicht, weil er beruflich viel Unterwegs ist.

    Abgesehen davon, dass ich eine Trennung länger als eine Nacht vermutlich nicht aushalten könnte…
    Ich habe große Hochachtung davor, dass du das kannst.

    Und ich glaube für das Kind ist es eine gute Lösung. Klar vermisst er denjenigen der nicht da ist manchmal, aber er weiß, dass er denjenigen bald wieder sieht.Er hat die Sicherheit und das Vertrauen, dass beide für ihn da sind.

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