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Michaela vom Blog Kindheiten

Planet Hibbel und  onvacation, baby! fragen wieder mal eine individualreisende Familie nach Ihren Tipps, Tricks und Erlebnissen in der großen weiten Welt. Heute möchten wir Euch gerne Michaela, Autorin des Buches und Blogs Kindheiten vorstellen. Michaela ist Journalistin und Diplom-Sozialwirtin und hat vor Kurzem das Buch „Kindheiten – Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden“ veröffentlicht (meine derzeitige Gute-Nacht-Lektüre und fast so spannend wie ein guter Krimi :)).

Michaela lebte vor der Geburt Ihrer Kinder in Südamerika, in den USA und den Niederlanden und reist nun mit Ihrer (Patchwork-)Familie so oft es geht um den Erdball. Das wollten wir natürlich genauer wissen :).
Michaela, wie und wohin seid Ihr vor Euren Kindern gereist?
Als Kind habe ich mit meinen Eltern in den Ferien viel Zeit in Schweden verbracht, Sommer wie Winter. Meine Eltern hatten zusammen mit einer befreundeten Familie ein klassisches rotes Holzhäuschen im Värmland gekauft, mit Stromversorgung, aber zunächst ohne fließend Wasser. Das gab es erst ein Jahr später. Wir mussten also zunächst auf einen Plumpsklo draußen in einem Schuppen, das wir nachts nicht aufzusuchen wagten, aus Angst vor Elchen. Morgens hat mein Vater Wasser gepumpt, und wir haben uns dann in eiskaltem Wasser gebadet. Wir waren zu dritt, die andere Familie hatte sechs Kinder, hinzu kamen Freunde, die irgendwie in den Bulli gestopft wurden. Ich weiß nicht, wie meine Eltern das überstanden haben, aber sie sind mit uns Jahr für Jahr quer durch Skandinavien gereist. Diese Reiselust hat mich also früh geprägt!
Als Studentin bin ich sehr viel gereist, innerhalb von Europa, aber auch nach Asien und Afrika. Ich habe längere Zeit in Südamerika und den USA verbracht und von dort als Journalistin gearbeitet. Nach dem Studium war ich ein Jahr lang in den Niederlanden beschäftigt. Sobald ich etwas Geld auf meinem Konto hatte, ging es wieder los! Mein Mann hat zehn Jahre in Frankreich gelebt, meine Stiefkinder haben eine französische Mutter. Uns zog und zieht es uns deshalb häufig nach Frankreich.
2. Wie haben sich euer Reiseverhalten und die Reiseziele aufgrund der Kids verändert?
Als die Kinder noch sehr klein waren, sind wir mehrere Monate durch Thailand gereist, von Bangkok in den Norden, dann nach Kanchanaburi und runter in den Süden auf die Inseln. Da wir viel Zeit hatten, hat uns die lange Anreise nicht gestört. Weil wir inzwischen aus beruflichen und familiären Gründen nicht mehr so lange unterwegs sein können, beschränken wir uns im Moment auf europäische Ziele: Dänemark, Frankreich, Italien, die Alpen! Da gibt es ja wunderbare Orte zu entdecken. Aber bald geht es wieder in die Ferne!
3. Was sind eure Tipps und Erfahrungen, damit im Urlaub jeder auf seine Kosten kommt?
Auf jeden Fall Zeit lassen, langsamer reisen. Wir planen immer wieder Tage ein, in denen die Kleinen einfach nur am Strand buddeln oder im Garten des Ferienhauses nach Schnecken suchen. Wir machen häufig einen Deal mit den Kleinen: Heute besichtigen wir ein „village de charactère“, morgen dürft ihr entscheiden usw. Die Kleinen sind aber zum Glück noch in dem Alter, in dem sie es eigentlich fast überall spannend finden, ob auf einer mittelalterlichen Burg, in engen italienischen Gassen oder auf einem normannischen Fischmarkt.
4. Reisen mit Kind kann ja manchmal chaotisch bis komplett nervenzerreißend sein…was ist euch schon mal ‚Lustiges‘ passiert?
Nach dem langen Flug nach Thailand vor drei Jahren kamen wir ziemlich erschöpft an. Die Kleinen waren ausgeruht. Sie hatten zwölf Stunden friedlich auf unserem Schoß geschlafen. Wir dagegen fühlten uns wie 95. Sobald wir durch die Passkontrolle gingen, gab es einen riesigen Aufschrei. Wir schauten uns um, weil wir dachten, irgendein asiatischer Popstar sei ebenfalls gelandet. Aber der Begeisterungssturm galt unseren kleinen Töchtern. Die Kleinen wurden geknuddelt und geherzt, man gratuliert uns, als wären sie gerade erst auf die Welt gekommen. Überall, ganz besonders im Norden Thailands, waren die Mädchen eine Attraktion. Männer oder Frauen machten Späße mit Ihnen oder brachten ihnen Spielsachen, egal in welcher Situation. Wir aßen meist auf Märkten und konnten ganz entspannt speisen, denn es gab immer Babysitter!
Auch in Italien bin ich stets verblüfft, das kleine Kinder wie in Thailand absolut vogelfrei sind. Keiner stört sich an ihrem Gebrüll. Überall kriegen sie Süßes, ein Stück Käse oder Wurst zugesteckt. Meine Töchter halten Italien für das Paradies!

 

5. Was für B&Bs, Hotels, Bauernhöfe, Fincas & Co könnt ihr empfehlen?
Eines unserer Lieblingsorte ist der Binder-Hof in Osttirol bei Assling. Die Aussicht ist genial, die Wohnung urgemütlich. Es gibt Ponys und Schafe und eine Menge Spielsachen!
Auf Kho Lanta sind die Escape Cabins von Yuko genial für Familien mit Kindern. Die Handvoll sehr geschmackvoll und günstiger Bungalows liegen ca. 5 bis 10 Minuten Fußmarsch entfernt vom Phra Ae Strand (deshalb auch sehr ruhig). Die Vermieterin stammt aus Japan, hat lange in Kanada gelebt und ist ein Schatz! Es gibt auch einen kleinen Pool, übrigens auch manchmal Schlangen im Garten, wie überall auf Kho Lanta. Das war für unsere Mädels sehr aufregend. Sie haben beobachtet, wie ein Mann eine Giftschlange erlegt!
6. Welche Reisepläne stehen als Nächstes an?
In den Herbstferien zieht es uns in die Alpen. Weihnachten wollen wir uns mal wieder ein wenig weiter wagen. Es geht nach Marokko, zwei Kleinkinder, zwei Teenager, mein Mann und ich. Das ist schon ein Experiment. Nächstes Jahr liebäugeln wir mit der amerikanischen Ostküste, da Freunde von uns nach New York ziehen und wir sie natürlich unbedingt dort besuchen müssen, jupiieh!
Liebe Michaela, danke für das spannende Interview. Punkt 3) kann ich voll und ganz unterschreiben. Ich lese immer wieder mal, das kinderlose Reisende über reisende Familien denken: die armen Kinder. Kann ich nachvollziehen, wenn man einen gelangweilten 14jährigen (gegen seinen Willen) auf ne Kulturreise mitschleppt. Ich habe bisher aber immer andere Erfahrungen gemacht. Unsere Kinder finden auf Reisen meist (fast) alles spannend. Man muss ihnen halt nur Zeit lassen auch mal innezuhalten und einfach nur Ameisen am Straßenrand beobachten zu können.
Danke auch für den tollen Koh Lanta-Tipp. Diese Insel war unser Relax-Highlight in 2 Monaten Thailand. Und ich bin schon sehr gespannt auf Eure Marokko-Reise und freue mich auf einen ausführlichen Bericht von Dir.
Im Übrigen gibt es bei Michaela auch ein Interview von mir zu lesen. Wenn Ihr Lust und Zeit habt hüpft doch mal rüber. Da erzähle ich u.a. was es so für Erziehungsunterschiede gibt, wenn man (also ich ;O)) ein halbspanisches Kind hat.
XOXO

Frau Hibbel

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