7 Reisefakten

Quer durch Myanmar anno 2006

Eine Reise durch Myanmar war 2006 echt kein Zuckerschlecken. Mittlerweile hat sich durch die Wahl des ersten zivilen Staatspräsidenten 2011 sicher einiges zum Besseren verändert. Trotzdem sollte man ein paar Dinge bedenken, bevor man individuell durch dieses Land reist.

1) Myanmar ist riesig. Zudem sind die Straßen außerordentlich schlecht und größtenteils nicht geteert. Öffentliche Busse die längere Strecken über Land zurücklegen, sind also nur was für Hardcore-Traveller die richtig viel Zeit haben. Da wir zu Viert gereist sind, haben wir uns den Luxus von zwei privaten Fahrern gegönnt, die uns auf der Straße angehauen haben. Sie haben uns 18 Tage lang mit ihrem Minibus durchs Land kutschiert. Die Kosten lagen 2006 bei ca. 10 US $ am Tag. Ein echtes Schnäppchen. Trotz des Mini-Vans saßen wir jedoch fast täglich bis zu 8 Stunden im Auto und wurden echt durchgeschüttelt.

2) 2006 stand das Land noch unter einer strengen Militärdiktatur. D.h. es gab immer und überall Straßenkontrollen des Militärs. Die wenigen Rucksackreisenden wurden genaustens unter die Lupe genommen und gefühlt gab es alle 10 km eine Passkontrolle. Oftmals wurden wir regelrecht beschattet. Ich bin mir sicher, daß die burmesische Regierung über jeden Schritt von uns Bescheid wusste. Manchmal bemerkten wir z.B. Leute, die uns von unserer Unterkunft zum nächsten Restaurant und zurück gefolgt sind. Fand ich schon sehr Stasimäßig. Außerdem wurde vom Militär regelmäßig landesweit der Strom abgeschaltet. Da saßen wir dann auch mal des Öfteren im Dunkeln im Restaurant oder bei Kerzenschein im Hostel. Straßenarbeiten wurden zum Teil von Kindern verrichtet, die Steine kloppen müssen. Erwachsene wurden als Zwangsarbeiter für solche Arbeiten verdonnert. Und das waren nur die „offen zu sehenden“ negativen Seiten des Landes. Es war z.T. echt bestürzend, wie sehr die Burmesen von der Regierung geknechtet werden.

3) Myanmar ist sehr arm. Nicht zu vergleichen mit anderen Ländern in Südost-Asien. Nichtsdestotrotz gab es kaum bettelnde Kinder oder Menschen, die einen in irgendeiner Form belästigt haben. Die Menschen waren extrem freundlich und neugierig, aber auch recht scheu. Da kam es dann auch mal vor, daß eine Traube von Menschen um uns herum versammelt im Restaurant stand und uns beim Essen beäugt hat. Hat man sie angelächelt, sind sie kichernd weggelaufen.

4) Das Essen ist überraschenderweise ziemlich schlecht. Vermutet man nicht unbedingt wenn man nach Asien reist, aber das burmesische Essen ist nicht mit der thailändischen oder laotischen Küche zu vergleichen. Unsere Mahlzeiten bestanden z.T. 3 Wochen lang aus Spiegeleiern, Toast oder fried ride. Ich bin echt nicht etepetete was Essen angeht, aber ne Suppe die aus dem brackigen Flusswasser hinterm Haus gekocht wurde, lässt nicht gerade mein Herz höher schlagen.

5) Während der Reise habe ich echt darauf geachtet was ich esse und trinke. Da selbst das Wasser in den Flaschen ominös aussah, war mein Hauptgetränk also Coca Cola (ja, die gibt es seltsamerweise). Trotzdem bin ich am Ende der Reise ziemlich krank geworden. Lamblien. Ein Parasit der durch kontaminiertes Wasser übertragen wird. Aber wer weiß schon was da manchmal so aus der Dusche getröpfelt kam? Gut gerochen hat es jedenfalls nicht. Kennt ihr diese Szene aus dem Sex and the City-Film, als Charlotte in Mexiko krank wurde? So war das wohl bei mir ;). Glücklicherweise brach die Erkrankung erst daheim aus, was mir eine Vorstellung im Tropeninstitut und den Besuch des Gesundheitsamtes bei mir zuhause beschert hat. Wie burmesische Ärzte so arbeiten, kann ich also glücklicherweise nicht berichten.

6) Die gesundheitliche Lage in dem Land ist desaströs. In der Nähe von Mandalay habe ich das erste Mal in meinem Leben Lepra-Kranke gesehen. Man möchte dort also nicht wirklich krank werden oder gar einen Unfall haben.

7)  Landschaftlich fand ich Myanmar ehrlich gesagt nicht so berauschend, da es sehr trocken und karg ist. Und auch das Herumreisen war wirklich anstrengend und alles andere als erholsam. Aber allein wegen der Menschen und der atemberaubenden Bauten und Kultur war die Reise ganz besonders. Also nicht abschrecken lassen. Myanmar ist es Wert endlich von der Welt entdeckt zu werden und ihnen hoffentlich bald ein besseres Leben zu ermöglichen.

Aber stellt Euch auf ziemlich schmutzige Füsse ein ;).
Weitere Posts zu meiner Myanmar-Reise 2006 findet ihr hier:

Der Inle Lake
Rangoon und die Road to Mandalay

9 Kommentare

  1. Danke für die Einblicke!
    Musste erstmal nachlesen was Lamblien sind, du Arme. Klingt nicht so sonderlich!
    Und jetzt aber Füße waschen!

    LG

  2. Ich denke in den letzten Jahren hat es sich schon ein bissle zum besseren veraendert, aber das essen soll immernoch uebel sein. 🙂 Witzig, wo das Essen in den benachbarten laendern ja super lecker ist… danke fuer den interessanten bericht!

  3. Durchgeschüttelt und bis zu 8 Stunden pro Tag im Bus 🙁 … Das kenne ich von Indien. 😉
    Das ist der Nachteil an großen Ländern…

  4. Da hat sich eigentlich seither nicht viel veraendert. Zumindest nicht im Vergleich zum Zeitpunkt als ich vor etwas mehr als einem Jahr dort war. Das Essen ist immer noch grottenschlecht und wird nur vom Zustand der Strassen unterboten. Auch sind noch immer viele Gebiete nicht zugaenglich. Der einzige Unterschied ist, dass das Land nun voll mit Backpackern ist…

  5. Charlotte sagt

    Das Essen ist echt katastrophal dort. Ich wünsche mir sehr dass sich das in Zukunft ändert, weil das Land an sich sehr schön ist. VG aus Wengen Hotel

  6. Ich muss jetzt echt mal eine Lanze brechen für das burmesische Essen! Wir hatten ja vor unserer Myanmar-Reise 2012 auch so einiges über das grottige Essen gehört und waren dann echt sehr positiv überrascht. Zum einen: Myanmar ist ein Vielvölkerstaat, und so vielseitig haben wir auch das Essen erlebt. Aber auch das burmesische Essen im Speziellen – die vielen verschiedenen Eintöpfe, von denen man immer verschiedene Schälchen zum Reis bekommt plus weitere Beilagen – fanden wir lecker. Ja, okay, es ist deutlich deftiger und teilweise öliger als z.B. in Thailand oder Vietnam, was uns bei 40 Grad im Schatten oft in eine komatöse Mittagsruhe befördert hat. Aber definitiv nicht „bäh!“.
    Und dann haben wir noch ein paar landestypische Spezialitäten entdeckt. Den Teeblattsalat zum Beispiel, köstlich! Oder die Wachteleier, die man hartgekocht im Dutzend von fliegenden Händler bei jedem Bus- oder Bootsstop durchs Fenster angeboten bekommt oder frittiert und pikant gewürzt an Straßenständen. Oder das beste Tofu aller Zeiten (es hatte tatsächlich Eigengeschmack!), das irgendwo am Inle See hergestellt wird, wir haben es auf einem der Wochenmärkte am See entdeckt.
    In unserem Blog gibt es auch Beweisfotos vom guten Essen 🙂
    Ansonsten haben wir vieles, was Du beschreibst, auch sechs Jahre nach Deiner Reise noch genau so erlebt… Rumpelstraßen, Passkontrollen, bedrückende Armut. Aber auch Aufbruchstimmung (wir waren genau während der Wahlen da), Hoffnung, Mut und unglaublich offene und herzliche Menschen. Wir würden sofort nochmal hinreisen.

    • Nadine sagt

      Ja komisch das mit dem Essen, Julia. Aber das haben ja schon echt viele Traveller berichtet. Ich muß dazu sagen, daß wir 2006 als Backpacker echt nicht einfach überall hinreisen durften. Es gab quasi nur eine Route die erlaubt war und da sind dann wahrscheinlich alle Backpacker auch in den gleichen Absteigen und Restaurants (sofern man das so nennen konnte) gelandet. Vielleicht haben wir einfach nur immer das Touri-Menü vorgesetzt bekommen? Lach. Also Spiegeleier, Toast und Fried Rice. Große Auswahl gab es auch nicht. Vielleicht hatten die Menschen aber 2006 auch echt nix und das was sie hatten, haben sie dann lieber selber gegessen? Keine Ahnung. Aber da ich Essen liebe und auf Reisen auch echt wichtig finde, hat mich das schon ziemlich genervt. Und ja, die Menschen fand ich auch unglaublich. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob ich nochmal hinreisen würde. Manches behalte ich tatsächlich lieber in Erinnerung wie es mal war. LG, Nadine

      • Das mit der Touri-Route könnte tatsächlich der Grund sein. Auf dem Inle See haben wir eine Bootstour gemacht, um die Fischer zu sehen und den Wochenmarkt zu besuchen, und die Zigarrendreher und all das, was da halt jeder macht. Um die Mittagszeit hat unser Bootsmann uns dann zu einem Restaurant gebracht, in dem außer uns nur Touristen saßen. Bestimmt dachte er, dass er uns damit etwas Gutes tut. Da haben wir dann das schlechteste Essen unserer Reise gegessen 😀
        Und ja, vielleicht ist es wirklich besser, es so in Erinnerung zu behalten wie es war.
        Liebe Grüße, Julia

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