Leben mit dem Wechselmodell

10 Tipps, Fakten und Gefühlsfragen

Vor zwei Jahren habe ich mal einen Beitrag über mein Leben als Teilzeit-Mama mit meinem Sohn geschrieben. Seitdem bekomme ich immer wieder private Mails mit Fragen, Gedanken und Sorgen rund um das Thema Wechselmodell. Ich danke jedem Einzelnen von Euch dafür. Ich hoffe jedoch, daß ihr Verständnis dafür habt, daß ich es zeitlich einfach nicht schaffe, jede Mail persönlich zu beantworten. Daher habe ich mir überlegt, daß es vielleicht eine gute Idee wäre, hier mal alles zu dem Thema zu bündeln. Auch wenn das wirklich sehr komplex ist und mir allein beim Schreiben immer wieder was Neues einfällt. Wenn Ihr also weitere Fragen, Ideen, Anmerkungen und Tipps dazu habt, lasst es mich wissen.

Wer es bisher noch nicht wusste: mein 9jähriger Sohn lebt seit 7 Jahren im 50/50 – Wechselmodell bei mir und meinem Ex-Mann.

Wechselmodell1

Was ist das Wechselmodell?

Konkret heisst das einfach, daß sich ein getrenntes Elternpaar die Erziehung des gemeinsamen Kindes teilt. D.h. das Kind lebt in der Regel 50 % der Zeit bei der Mutter und 50 % beim Vater. Bei uns gibt es aufgrund der Jobs manchmal auch Abweichungen und unser Sohn ist einen Monat auch mal zu 60 % bei mir. In der Regel versuchen wir die 50/50-Zeit aber schon einzuhalten, damit unser Kind einen geregelten Alltag hat.

Ist das Wechselmodell für jeden etwas?

Das kann man per se natürlich nicht so einfach beantworten, da jedes Kind anders ist. Es macht sicherlich keinen Sinn, ein Kind, das extrem an seine Mutter/ Vater gebunden ist, auf einmal dem anderen Elternteil zu übergeben, das sich bis dato vielleicht kaum um das Kind gekümmert hat. Ich denke aber, daß es prinzipiell für fast jedes Kind eine Möglichkeit ist. Insbesondere aber natürlich für die Kinder, die sowieso schon immer viel Kontakt zu beiden Elternteilen hatten. Das Wechselmodell ist aber de facto (leider) nicht für alle Eltern geeignet. Denn beim Wechselmodell ist es nun mal zwingend erforderlich, sehr viel mit dem Ex-Partner zu kommunizieren, um den Alltag des Kindes organisiert zu bekommen. Zudem muß man auch noch nahe beeinander wohnen, damit das Kind überhaupt die Möglichkeit hat, in die Kita und Schule zu gehen.

Ist man beim Wechselmodell unterhaltspflichtig?

Rein theoretisch nicht. Denn wenn sich jedes Elternteil exakt zu 50 % um die Erziehung und Pflege des Kindes kümmert, wird keiner finanziell benachteiligt. Was ja nun mal so ist, wenn ein Kind nur bei einem Elternteil lebt. Ich bin aber kein Anwalt und kann daher nur darüber berichten, wie wir es handhaben. Wir hatten im Übrigen nie einen Anwalt und waren auch nie beim Jugendamt, sondern haben alles unter uns geregelt.

Welche Kosten kommen auf einen zu?

Keine Frage, das Wechselmodell ist teuer. Man hat allein schon höhere Kosten durch die Miete, da man ein Kinderzimmer braucht, das aber die Hälfte des Monats leer steht. Gleichzeitig kann man aber meist nicht Vollzeit arbeiten gehen, da man sonst die Betreuung des Kindes nicht gewährleisten kann. Beispiel: ich musste meine Arbeitszeit auf 8 bis 15:30 Uhr reduzieren, um mein Kind überhaupt von der Kita abholen zu können. Ich hatte also hohe Kosten für eine 3-Zimmer-Wohnung, konnte aber nur noch Teilzeit arbeiten und bekam keinen Cent Unterhalt. Das Wechselmodell ist also recht kostenintensiv. Es hat dafür aber den immensen Vorteil, daß man sich selten mit seinem Expartner ums Geld streiten muß. Ein großes Thema, mit dem sich viele Expartner rumschlagen müssen und das sicherlich nicht zur Verbesserung des Verhältnisses beiträgt.

Welche Vorteile hat das Wechselmodell?

Ich hatte die Vor- und Nachteile vor über 2 Jahren schon mal hier aufgelistet, aber ich würde mal sagen, daß sich diese im Laufe der Jahre auch verändern. Konnte ich z.B. ganz am Anfang die Zeit ohne Kind für mich nutzen, fällt dieser Aspekt nun schon seit Jahren für mich weg. Ich habe nämlich noch ein zweites Kind von meinem „neuen“ Partner. Nichtsdestotrotz ist die kinderlose Zeit zwar einerseits ein bißchen traurig und viele fallen in ein großes Loch, wenn das Bettchen abends leer steht. Ich finde aber, daß man diese Zeit sinnvoll nutzen und nicht Trübsal blasen sollte. Damit ist nämlich niemanden geholfen. Pflegt Eure Hobbies, trefft Freunde, macht Sport, geht aus und findet bestenfalls einen neuen Partner. Außerdem ist der Akku nach einer Woche wieder relativ aufgeladen und man geht mit mehr Schwung, Elan, Geduld und Muße in die Woche mit seinem Kind. Außerdem überträgt sich Dauertraurigkeit auf das Kind und das macht die Trennung noch schwerer.

Ich selber habe nicht wirklich Vorteile durch das Wechselmodell. Meist ist der Alltag mit zwei Kindern sogar einfacher für mich, da die Jungs miteinander spielen und sich beschäftigen. Einziger Vorteil ist höchstens, daß es mit einem Kind sehr viel ruhiger zugeht, da es nicht ständig Geschwisterstreit gibt und ich auch mal Zeit habe, mich nur dem Kleineren zu widmen. 

Welche Nachteile hat das Wechselmodell?

Für uns sind es eindeutig die ständigen Trennungen. In unserem Fall wird mein Sohn, jede zweite Woche aus unserem Familienleben gerissen. Der kleine Bruder vermisst ihn dann schmerzlich und fragt ständig, wann er denn wiederkommt. Eigentlich vermissen wir uns alle immer. Ein blöder Zustand, der sich aber leider nicht ändern lässt. Für unseren Sohn ist das ständige neue Einleben natürlich auch nicht immer einfach, auch wenn er es nicht anders kennt. Manchmal fällt ihm der Wechsel leichter, manchmal schwerer. Seltsamerweise fallen mir die Trennungen schwerer umso älter mein Sohn wird. Vielleicht weil ich merke, daß mir die Zeit mit ihm davonläuft und es nicht mehr lange hin ist, bis er ein Teenie ist und sich eh von uns abnabeln wird. Das Gefühl, das ich die Hälfte seines Lebens verpasst habe, macht mich öfters  traurig. Denn eigentlich ist die wertvolle Zeit mit unseren Kindern eh schon so kurz.

Wie geht es mir dabei als Mutter?

Ich denke als Frau hat man eine ganz besondere, spirituelle Verbindung zu seinem Kind, die ein Mann niemals nachvollziehen kann. Einfach weil er keine Kinder zur Welt bringen kann. Ich schrecke nachts beim kleinsten Röcheln meiner Kinder auf, manchmal sogar bevor sie einen Piep von sich gegeben haben. Das mit dem Ammenschlaf hört also scheinbar niemals auf ;). D.h. jedoch nicht, daß eine Mutter ihre Kinder mehr liebt als ein Vater. Ein Punkt, den Mütter gerne mal als Begründung angeben, warum das Kind nur bei ihr leben kann/darf/soll. Und d.h. auch nicht, daß Mütter der bessere Elternteil sind. Ich denke, ein Kind braucht Mutter und Vater und lernt von beiden Geschlechtern alles, was es für seine Zukunft braucht. Ein Mann macht vieles anders als eine Frau, aber nicht schlechter. Manchmal machen sie es sogar besser. Ich habe immer versucht so wenig wie möglich über den Zustand, daß mein Kind nun wieder mal fort ist, nachzudenken und  nicht in Grübeleien zu verfallen. Damit bin ich meist gut gefahren. Ich vertraue meinem Ex-Mann wenn es um das Wohl unseres Kindes geht. Auch wenn er vieles anders macht als ich und wir nicht immer einer Meinung sind. Das ist unter Paaren die zusammen sind, aber auch nicht anders.

Und wie leben wir das Wechselmodell?

Unser Sohn lebt jetzt seit 7 Jahren diese Konstellation, also seitdem er 2 Jahre alt ist. Finde ich das toll? Nein, natürlich nicht. Mir wäre es auch lieber, wenn er in einer normalen Familie groß werden würde und wir uns nicht jede Woche trennen müssten. Aber wir haben für ihn das Bestmögliche aus unserer Trennung herausgeholt und er beteuert auch nach 7 Jahren noch, das er es nicht anders haben möchte. Er möchte weder auf Mama, Bruder und Stiefvater noch auf seinen Papa verzichten. Wenn es nach ihm ginge, würden wir alle auf einem großen Bauernhof zusammenwohnen. Das geht natürlich nicht, aber wir Erwachsenen bemühen uns so gut es geht, ihm trotz der Umstände eine glückliche Kindheit mit wenig Reibungen zu ermöglichen. Mein Sohn wechselt jeden Montag nach der Schule das Zuhause. Dann zieht auch sein Koffer mit Kleidung, Schulsachen, Gitarre und Co. mit ihm um. Ansonsten hat er aber in jedem Zuhause ein voll ausgestattetes Kinderzimmer. Einmal die Woche besucht er zudem nachmittags das andere Elternteil, da wir eine Woche gar nicht sehen, als zu lang empfinden.

Wie klappt das mit dem Ex-Partner?

Ich denke bei den meisten getrennten Paaren scheitert das Wechselmodell, weil die Eltern sich nicht einigen können und immer wieder streiten. Ein Geheimrezept wie das besser klappen könnte, habe ich nicht. Nur den Tipp, daß man sich von seinen eigenen negativen Gefühlen dem Anderen gegenüber lösen muß. Egal was war….. das gemeinsame Kind hat in der Regel nichts damit zu tun. Wenn der Ex-Mann schon vor der Trennung ein guter Vater war, wird er das nach der Trennung auch weiterhin sein. Wir haben uns damals Hilfe bei Pro Familia geholt, die uns sehr unterstützt haben. Ich weiß nicht, ob wir das ohne diese externe objektive Hilfe so zustande bekommen hätten.

Mein Ex-Mann und ich streiten mittlerweile nicht mehr allzu oft. Trotzdem kracht es aber auch bei uns immer wieder mal. Aber das ist ein Zustand den Kinder auch mal ertragen können müssen. Paare, die zusammen sind, streiten ja schließlich auch mal. Nichtsdestotrotz haben mein Ex und ich ein recht gutes Verhältnis und trotz unschöner Trennung einen Weg gefunden, miteinander auszukommen. Geburtstage, Einschulungen oder andere wichtige Anlässe feiern wir zusammen.  Wir haben das Wechselmodell sogar mal unter Palmen fortgeführt, als wir 2 Monate in Thailand waren. Da kam dann mein Ex-Mann dazu und hat unseren Sohn für 10 Tage übernommen, um auch mit ihm Urlaub machen zu können. Es geht also. Man muß es nur wirklich wollen. Seinem Kind zuliebe.

Mein Fazit!

Das Wechselmodell ist mit Sicherheit nicht die Lösung schlechthin. Aber den perfekten Weg gibt es bei einer Trennung mit Kindern leider nicht. Egal für welchen Weg man sich entscheidet…. irgendwas läuft immer suboptimal. Mutter oder Vater nur alle zwei Wochen mal für ein Wochenende zu sehen, halte ich ebenfalls für nicht gut. Für uns ist das Wechselmodell also immer noch der beste Weg. Bis mein Sohn sich selbständig für ein anderes Lebensmodell entscheidet oder uns aus anderweitigen Gründen die Entscheidung abgenommen wird.

So und nun her mit Euren Statements (nur bitte keine privaten Mails – ich kann sie eh nicht beantworten). Hier dürft ihr euch aber gerne austoben!

 

42 Kommentare

  1. Hallo liebe Nadine,

    vielen Dank für dein Offenheit bei so einem persönlichen Thema! Und es ist für mich persönlich sehr interessant zu lesen, wie ihr das handhabt. Sicherlich nicht einfach.

    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Danke, liebe Heike! Nein, es ist oft nicht einfach. Aber auch nicht so schwer wie man vielleicht annimmt. Das erste halbe Jahr war die schlimmste Zeit. Danach hat sich peu a peu alles eingespielt und heute denke ich da oft gar nicht mehr drüber nach. Es ist wie es ist.

  2. Ich finds sehr einfühlsam geschrieben und bewundernswert offen. nicht jedem wird das leicht fallen über dieses sensible Thema so reflektiert zu schreiben. Aber du hast ja nun auch schon vielviele Jahre Übung und die Methode hat sich bewährt. Ich findet ihr alle geht mit der Situation ganz toll um, jeder einzelne von euch, die beiden Männer, der Kleine, du und natürlich vor allem der Große……wirklichwirklich toll. Da gehören einfach immer viele dazu, die so eine Entscheidung tragen. Ich drück dich! Anne

  3. Sehr schöne und treffend Beschreibung des Wechselmodells.
    Das mit der engeren Verbindung zwischen Mutter und Kind kann ich natürlich nicht beurteilen.
    Meine Kinder und ich sind vor drei Jahren aus dem Haus ausgezogen. angefangen hat alles mit dem Wechsel (auch jeden Montag).
    Ich glaube es ist auch für jedes Kind im einzelnen zu sehen was geht und was nicht.
    Der eine kam damit gar nicht klar. In der Schule und auch sonst wurde er immer unruhiger.
    Er konnte dann mit elf für sich selber entscheiden. Nun macht der eine weiter mit dem Wechsel und der andere lebt bei mir.
    Was ich selber als schlimm erlebe ist die Entfremdung die inzwischen bei Mama und dem elf-Jährigen enstanden ist. Die Mama war sehr verletzt weil er unbedingt bei mir leben wollte. Aus dieser Verletzung hat sie für sich entschieden sich nicht mehr zu melden bzw nur noch einmal im Monat.
    Wir haben versucht über das Amt und anderen Mediatoren irgendwie wieder einen gemeinsamen Weg zu finden aber dieser Weg ist mit Vorwürfen im Moment verbaut.
    Für mich scheint es so als wenn jedes Modell das Richtige sein kann in dem Beide Eltern bereit sind ihre Eitelkeiten und kindlichen Gefühle beiseite zu schieben und wie echte Erwachsene zu handeln.
    Man darf auch nie vergessen dass so ein Modell auch beruflich von den Eltern gelebt werden muss. Nicht jeder Arbeitgeber spielt da mit und nicht jeder Arbeitnehmer kann (in Schicht z.B.) das leisten. Jedes Modell muss nicht nur mit Zeit sondern auch mit Inhalt gefüllt werden können.

    • Nadine sagt

      Hallo! Papa nenn ich Dich jetzt mal nicht, das kommt mir komisch vor ;). Du hast Recht. Jobtechnisch ist es nicht immer leicht. Mein Ex-Mann arbeitet auch im Schichtdienst und musste auf Teilzeit verkürzen. Das ist immer ein wahnsinniges hin und her, damit wir das bewältigen können. Und wie ihr das handhabt, ist sicher auch sehr schwer. Ich hab schon öfters darüber nachgedacht, wie ich damit umgehen würde, wenn mein Sohn nur noch bei seinem Papa leben wollen würde. Das ist sicher erstmal total verletzend und ich kann Deine Ex-Frau einerseits verstehen. Andererseits müssen wir Eltern uns wohl einfach daran erinnern, daß unsere Kinder nicht unser Eigentum sind. Ja, wir haben sie zur Welt gebracht und sie sind für ein paar Jahre in unserer Obhut. Nichtsdestotrotz sind sie freie Menschen. In Naturvölkern werden Kinder von einem ganzen Dorf großgezogen. Vielleicht sollten wir uns da hin und wieder was abschauen. Danke für Deinen Kommentar! Liebe Grüße, Nadine

  4. Aus Neugier und weil es ja gerade wieder vor der Tür steht… Wie macht ihr das mit Weihnachten? Auch im Wechsel?

    Und wie fühlt sich das Model für die neuen Partner an? Denn die haben dann ja zwangsläufig mehr mit dem Ex zu tun als sonst…

    LG, Claudia

    • Nadine sagt

      Hallo Claudia, ja…auch im Wechsel. An Heiligabend liegt mir persönlich nicht soviel. Wenn er mal ein Jahr nicht dabei ist und erst am 1. Feiertag kommt, ist das auch ok. Ich würde mich aber auch Heiligabend zusammen mit meinem Ex unter den Weihnachtsbaum setzen. Und der dürfte dann sogar noch seine Freundin mitbringen. 😉 Ich bin selber Scheidungskind und meine Eltern haben bis zu meiner Hochzeit gefightet (und dann erst Frieden geschlossen). Das wollte ich meinem Kind niemals antun. Und es klappt.
      Und klar war das für meinen jetzigen Partner am Anfang schwer und sicher ist er auch immer mal wieder genervt, wenn mein Ex und ich aus organisatorischen Gründen zusammen „rumhängen“. Aber er wusste von Anfang an, daß es mich nur in dieser Konstellation gibt. Aber er ist zum Glück ein sehr offener, toleranter Mensch und hat ebenfalls im Laufe der Jahre gelernt. Wie gesagt….wir Erwachsenen müssen da halt auch zusehen, daß wir erwachsen mit der Situation umgehen. Eifersüchteleien und Co. sind da fehl am Platz und kindisch. Man hat sich ja nicht grundlos getrennt.
      LG/ Nadine

  5. Liebe Nadine,
    Hut ab, liebe Nadine. Im Grunde habt Ihr eine optimale Lösung gefunden, um das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Dass das nicht immer einfach ist kann ich absolut nachvollziehen und ich bewundere Eure Fähigkeit damit umzugehen. Letztendlich geht sowas ja nur, wenn beide Elternteile + Kind es wollen und daran arbeiten, dass es klappt. Und das ist bei den meisten Trennungsfamilien wohl das große Problem, emotional + beruflich gesehen.

  6. Mir erscheint Eure Lösung extrem fair für alle Beteiligten und kann Euch nur bewundern wie ihr das handhabt. Ich finde das zeugt von großer geistiger Reife (und Organisationstalent 😉

    • Nadine sagt

      Danke, liebe Eva! Das war und ist, weiß Gott nicht immer leicht. Und wie ich das alles immer neben Jobs, Blog, Haus und kids organisiert bekomme, ist mir fast schon ein Rätsel.

  7. Liebe Nadine,
    ich schließe mich dem Dank für diesen so persönlichen Einblick an; Danke, dass du diesen teilst und bestimmt vielen anderen damit Mut machst, die noch nicht einen gangbaren Weg für ihre getrennt lebende Familie gefunden haben.
    Was ich vor allem unterstreichen möchte, ist, die persönliche Verletztheit / Wut auf den anderen Elternteil aus dem Lebensbereich des gemeinsamen Kindes zu verbannen. Das hat da nichts zu suchen! Zumal das Leben weitergeht, Verletztheit und Wut vergeht (zumindest, wenn man sich bemüht, Frieden damit zu schließen, dass es ist, wie es ist und die neue Lebenssituaion annimmt). Das Wohl der Kinder in dieser Situation ins Zentrum zu stellen ist sicherlich etwas, wofür man sich selbst immer Nachhinein dankbar ist. Denn dann hat man nichts versäumt, war nicht egoistisch und kann sich sagen: ich hab’s so gut gemacht, wie ich konnte. So geht es mir zumindest.

    • ……. selbstlos, nicht egoistisch und nicht verletzt. Die Frage ist doch ob man das wirklich hin bekommt.
      Nadine hat es bereits erwähnt Die Kinder bekommen trotz allem etwas mit und keiner ist frei von egoistischen Gefühlen.
      Wenn ich ganz ehrlich mit mir Umgehe dann ist mir klar das ich nicht frei davon bin und nicht nur die Mama oder der Papa bin sondern auch der Trennungsverletzte der hin und wieder dem anderen nicht das schwarze unter dem Nagel gönnt. Jede Regelung für die Kinder ist davon geprägt das jeder Elternteil glaubt das Beste für die Kleinen zu kennen.
      Am Ende wird sich zeigen welche Abmachung die beste ist.
      Frei von diesen Gefühlen ist hier keiner sonst wären wir selbstlos und edel einfach zusammen geblieben zum Wohle der Kinder.
      Es ist die Entscheidung für einen Weg und der Versuch aus dem Egoismus etwas Annehmbares und Vertretbares für alle zu machen zu machen.
      Ich will hier kein doofer Nörgler sein aber Nadine ist zu loben weil sie und der Vater eine Lösung für ein Problem gefunden haben das sie selber erzeugten. Die Offenheit der Beschreibung und die damit verbundene Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist das was hier hervosticht.
      Herzlichen Dank

      • Nadine sagt

        Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß man dem Ex-Partner mitunter den Dreck unter den Fingernägeln nicht gönnt. Es kommt halt auch immer darauf an, was passiert ist. In meinem Fall, habe ich meinem Ex aber tatsächlich immer nur das Beste für sein weiteres Leben gewünscht, auch wenn wir so viel gestritten haben, daß es für 10 Leben reicht. Sicher ist es leichter, wenn man derjenige ist, der gegangen ist (wie in meinem Fall). Aber auch hier denke ich, daß zu einer Trennung immer zwei Personen gehören und man in den seltensten Fällen Knall auf Fall verlassen wird, wenn man zusammen suuuperglücklich war. Und da kann ich mich Dodo nur anschließen…..Verletzheit und Wut vergehen in der Regel irgendwann. Ich bin aber auch kein besonders nachtragender Mensch und wir sind alle nicht fehlerfrei.

        Und ich erwarte weiß Gott kein Lob, Pama. Ehrlich nicht. Ich fühle mich bis heute schlecht, daß mein Kind so leben muß, weil wir Erwachsenen es nicht auf die Kette gekriegt haben. Aber wir sind halt alle nur Menschen, verändern uns mitunter im Laufe der Jahre und irgendwann passt es vielleicht einfach nicht mehr. Aber ich bin glücklich darüber (ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein), daß wir das trotz der doofen Umstände so hinkriegen. Und da kenn ich wahrlich andere Fälle.

        PS. Und keine Sorge….Du bist kein doofer Nörgler.

      • … jetzt bin ich unsicher, ob ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt habe? Das wäre mir – vor allem Nadine gegenüber – unangenehm. Mein Kommentar war in keinster Weise eine Kritik, sondern eine absolut zustimmende und persönliche Reaktion (bestimmt auch emotional) auf einen persönlichen Artikel. Allerdings weniger zum Wechselmodell; da kann ich nicht mitreden; sondern vielmehr generell zu meinen eigenen Erfahrungen und Überzeugungen zum Thema ‚Trennung mit Kindern‘. Nadines Weg und der ehrliche Umgang mit sich selbst und allen Beteiligten ist bemerkenswert und mich berührt die schnörkellose Offenheit des Erzählens. In vielem (nicht allem, aber das macht ja nix ;)) stimme ich auch dir, Pama, zu, wenngleich ich nicht denke, dass es die EINE beste Abmachung gibt.
        Herzliche Grüße

  8. Britta sagt

    Liebe Nadine, Du -nein, ihr alle- habt meine absolute Hochachtung dafür wie ihr mit der Situation umgeht. Auch wenn es nicht einfach ist: Dein Sohn wird sich zu einer sußergewögnlich kobfliktfähigen, toleranten und kompromissbereiten Persönlichkeit entwickeln. Und der Kleine mit großer Wahrscheinlichkeit auch.

    • Nadine sagt

      Danke schön, liebe Britta! Wie er das sehen wird wenn er groß ist, wird sich zeigen. Vielleicht wird er das uns sein Wechselleben ja auch irgendwann vorwerfen. Wer weiß?

  9. Liebe Nadine,
    bei uns in Schweden ist das Wechselmodell der „Normalfall“, wenn sich Eltern trennen oder vielleicht besser gesagt, der Ausgangspunkt bei einer Trennung, vor allem auch rechtlich, da das Kind eben ein Recht auf beide Eltern hat. Ich finde das ganz wichtig, auch wenn das nicht in allen Fällen klappt, eben aus den von dir genannten Gründen mit Arbeit, Zusammenarbeit der Eltern usw.
    Ich finde es toll, dass ihr das Beste aus eurer Situation gemacht habt, und letztendlich wäre eurem Kind ja auch nicht geholfen gewesen in einer von vielen Konflikten geprägten Familiensituation aufzuwachsen. Ich sehe das täglich bei meiner Arbeit und auch im unserem privaten sozialen Umfeld, welche Schwierigkeiten auch das Wechselmodell so mit sich bringt – also Hut ab, dass ihr das für euch so prima hinbekommen habt!

    Ich habe deine persönlichen Zeilen gerne und interessiert gelesen… aber dass man nur als Mutter eine besondere, spirituelle Verbindung zu seinem Kind haben kann, die ein Mann niemals nachvollziehen kann, stelle ich hier einfach mal in Frage… 😉

    Liebe Grüße
    Hartmut

    • Nadine sagt

      Lieber Hartmut! Ja, das ist auch in Norwegen der Normalfall und ich finde das gut. Eigentlich sollte die Regelung, daß das Kind nur bei einem Elternteil groß wird, eher die Ausnahme sein. Wenn sich z.B. das andere Elternteil eh nie gekümmert und interessiert hat. Da wäre das Wechselmodell ja dann eine Zumutung für das Kind. Und ich sag es mal so…… wir Frauen spüren so ein Kind von der ersten Sekunde seiner Entstehung, es wächst in unserem Bauch heran, wir spüren seine Bewegungen, wir reden mit ihm und kommunzieren auch oft im Stillen mit dem ungeborenen Kind. Wir sind über die Nabelschnur miteinander verbunden und wir Frauen ertragen ziemlich viel bei der Geburt. Du kannst nicht abstreiten, daß uns das mit unseren Kindern auf eine ganz besondere Weise miteinander verbindet, die Männer de facto nicht nachvollziehen können. Das ist ja nicht böse gemeint. Es ist nun mal von der Natur so gegeben. 😉 Liebe Grüße nach Schweden, Nadine

      • Hmmm, also die Vorgänge der Zeugung, Schwangerschaft und Geburt streite ich natürlich überhaupt nicht ab, würde mir nie im Traum einfallen. Dass sich daraus eine andere (mir gefällt eigentlich vor allem die Wertung nicht) Beziehung zum Kinde ableiten kann, will ich auch gar nicht abstreiten. Ich habe doch leider schon eine Menge Mütter in meinem Leben getroffen, deren „spirituelle Bindung“ zum Kind eine ganz ungesunde war (aber auch das will ich nicht verallgemeinern)…
        Mensch Nadine, ich glaube, dass könnte ein ganz spannendes Gespräch werden, wenn wir mal die Möglichkeit bekämen, uns darüber zu unterhalten (aber vielleicht nicht hier).
        Liebe Grüße nach Kölle und weiterhin schönes Wochenende,
        Hartmut 🙂

        • Nadine sagt

          Hahaha…..das wird sicher eine spannende Diskussion, Hartmut. Ich freu mich schon drauf. 🙂

          PS. Und genau weil ich diese Einstellung von anderen Müttern kenne, schrieb ich ja, daß Männer aber ihre Kinder deshalb nicht weniger lieben als Mütter und eine genauso enge Beziehung zu ihnen haben können. Das „spirituelle“ (ein anderer Begriff fällt mir dazu nicht ein) ist aber nun mal naturgegeben.

  10. Hallo Nadine,
    Hallo Hartmut,

    och, dann hänge ich mich doch an dieser Stelle mal in die Kommentare mit rein, es passt grad so schön.
    Nadine, vieles an deinem Artikel kann ich so nur unterschreiben, aber bei dem Absatz mit der „besonderen spirituellen Verbindung“ hat es mir ehrlich gesagt auch die Fussnägel hochgekringelt. So ein Spruch ist für mich ungefähr genauso unpassend wie „Frauen können nicht Autofahren“. Man könnte da lächelnd drüber hinwegsehen, aber es ist leider so dass sich aus diesem „die spezielle Rolle der Mutter“ eben auch sehr praktische Konsequenzen ergeben.
    Ich habe selber 4 Kinder, drei davon haben im Wechselmodell gependelt, was nur dadurch möglich war dass die zugehörige Mutter (ähnlich wie offensichtlich bei euch) eben auch der Meinung war dass es für die Kinder wichtig ist wenn sie beide Eltern gleichberechtigt „haben“.
    Beim vierten Kind (andere Mutter) war daran gar nicht zu denken, und Du glaubst ja nicht wie es sich anfühlt wenn man von den Mitarbeiterinnen des Jugendamts ganz unverblümt gesagt bekommt dass „ein Kind halt zur Mutter gehört“. Natürlich ohne den Einzelfall wirklich zu kennen. Oder eine Richterin entscheidet dass sich, wenn sich die Eltern nicht einig werden, dann eben das Kind zur Mutter kommt. Wohlgemerkt, das alles *nachdem* ich davor schon zehn Jahre ein Wechselmodell mit drei Kindern praktiziert habe. Spätestens seitdem reagiere ich auf dieses „spezielle Mutter-Kind Beziehungsding“ allergisch, denn das ist eben nicht nur „was spirituelles“, sondern hat auch ganz praktische Konsequenzen. Und die sind übrigens auch für euch Frauen eben nicht immer nur positiv, denn ich wurde bei meinen Bewerbungsgesprächen z.b. nie danach gefragt wer denn im Krankheitsfall auf die Kinder aufpasst – obwohl ich das an „meinen“ Kind-ist-krank Tagen natürlich genauso gemacht habe wie die Mutter der Kinder das eben notfalls auch machen würde: ich bleibe zuhause.
    Den von Hartmut angesprochenen Standard-Fall (nämlich Wechselmodell als Voreinstellung, und nur wenn einer was daran ändern will kommt das Ganze im Zweifelsfall vor Gericht) finde ich großartig. Wie in vielen anderen Bereichen gilt auch hier: die Skandinavier haben’s echt drauf.

    Übrigens: Richtet euch schon mal darauf ein dass das mit dem Wechselmodell (wahrscheinlich) nicht für immer funktionieren wird. Meine drei „Großen“ haben sich irgendwann alle entschlossen nur noch bei ihrer Mutter resp. nur noch bei mir zu wohnen. Irgendwann geht denen das Pendeln nämlich auf die Nerven. Wenn das passiert tut das natürlich erstmal dem „verlassenen“ Elternteil weh, aber man muss einfach mal anerkennen dass die lieben Kleinen eben *auch* das Recht auf dieses *eine* Zuhause haben. Mal ehrlich: würden *wir* denn sowas wollen? Ständig an zwei Orten leben? Mir scheint es (auch) eine Altersfrage zu sein ob ein Wechselmodell passt. Mal abgesehen davon, irgendwann sind sie ja eh flügge und ziehen ganz aus. Seufz.
    Bei uns waren die Kinder übrigens alle so um die 14 oder 15 als sie sich entschieden haben – ein paar Jahre habt ihr also vermutlich noch Ruhe. 😉

    Und um noch ein bisschen mehr Senf dazuzugeben: Einen wirklich wichtigen Punkt hast Du schon angesprochen, und ich würde ihn gerne nochmal unterstreichen: nämlich dass man seinem Ex-Partner Vertrauen entgegenbringen muss und nicht versuchen sollte sich in „seine“ bzw. „ihre“ Tage einzumischen. Es ist super wenn man wichtige Feiertage auch zusammen verbringen kann (wir feiern z.B. auch dieses Jahr an Heiligabend zusammen mit Ex-1), aber man sollte nicht versuchen die passende Zahnpastasorte für den anderen auszusuchen.

    lg,
    /hauke

    • Nadine sagt

      Hei Hauke!
      Erstmal danke für Deinen Kommentar. Ich finde es immer spannend, wenn sich auch mal Männer zu solchen Themen äußern und gerade bei Dir, finde ich es sehr bewundernswert, wie Du das mit 4 Kindern handelst. Hut ab!

      Zu Deinem „Vorwurf“ muß ich allerdings anmerken, daß Ihr Jungs mich scheinbar ein wenig mißverstehen wollt. 😉 Ich kann nachvollziehen, daß es Männern vielleicht nicht gefällt, wenn Mütter über eine „naturgegebene, enge“ Beziehung zu ihren Kindern sprechen. Ich habe aber auch mehrfach betont, das Männer ihre Kinder nicht weniger lieben oder nahe stehen. Daher finde ich so Sprüche wie „Kinder gehören zur Mutter“ auch nicht in Ordnung und ja, es nervt mich auch extrem, daß ich immer diejenige bin die z.B. zuhause bleibt, wenn die Brut mal krank ist. Ich gebe Dir da völlig Recht.

      Fakt ist jedoch, daß Schwangerschaft, Geburt oder Stillen Frauensachen sind und Männer da einfach nicht mitreden können. Sorry, aber da werden wir auch nicht überein kommen. Das wäre so, als würde ich behaupten ich wüsste genau wie das bei euch Männern so läuft. Das ist ja nicht böse gemeint, aber ihr könnt einfach nicht wissen wie es sich anfühlt, wenn ein Kind in einem heranwächst. Diese 10 Monate verbinden Mütter halt sehr mit ihren Kindern. Und mal ganz im Ernst…ich kenne so einige Männer die erst realisiert haben, daß sie jetzt Vater sind, als das Kind geboren war. Die Schwangerschaft der Frau ist halb an denen vorbeigegangen.

      Und ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn ein Kind irgendwann keinen Bock mehr auf das Wechselmodell hat und stelle mich mental auch schon mal darauf ein, daß mein Sohn vielleicht irgendwann nur noch bei seinem Vater sein will. Ich weiß jetzt schon, daß ich darüber sehr traurig sein werde, denn meine Zeit mit ihm war dann wirklich sehr kurz. Aber er ist ein freier Mensch und ist halt nur für ein paar begrenzte Jahre in meiner Obhut. So wie alle Kinder.
      LG/ Nadine

      PS. Hartmut lebt btw nicht das Wechselmodell, sondern hat das große Glück immer mit seiner Frau und Kindern zusammen zu leben.

      • Hauke sagt

        Hallo Nadine,

        das stimmt selbstverständlich dass ich nicht nachvollziehen kann wie Du oder irgendjemand anders seine Beziehung zu seinem Kind empfindet. Allerdings ist das natürlich ein Allgemeinplatz der für uns alle gilt: Ich könnte jetzt zum Beispiel auch behaupten dass es zwischen Vater und Kind eine ganz besondere spirituelle Verbindung gibt die ihr Frauen leider niemals werdet nachvollziehen können – denn schliesslich mussten wir und unsere Kinder uns unsere Beziehung erst erarbeiten, es war also ein ganz besonderer und bewusster Prozess!
        Aber ich fürchte Du hast recht, in dem Punkt kommen wir vermutlich nicht zusammen. Umso wichtiger dass wir trotzdem *beide* das Wechselmodell sozusagen von beiden Seiten aus zur Nachahmung weiterempfehlen können.

        lg,
        Hauke

      • Nadine, ich glaube ich möchte Hauke auch zu unserem Gespräch einladen, falls es denn mal stattfinden sollte… 😉 kann ja vieler seiner Gedanken gut nachvollziehen…

        Und ja, ich bin wirklich sehr dankbar, dass wir als Familie zusammenleben dürfen. Und ich wünsche euch beiden, dass ihr das Wechselmodell oder welches Modell auch immer weiterhin erfolgreich leben könnt, für euch und für eure Kinder. Keep up the good work!

        LG aus dem Norden,
        Hartmut

        • Nadine sagt

          Oha….dann hole ich mir aber noch Unterstützung dazu. Mit Euch Beiden als Diskussionspartner hab ich ja sonst nix zu lachen ;). Oder ich brauche viel Bier und Wein. Chrchr.

  11. Maria Theresa sagt

    mein kleiner Sohnemann der grad bei mir vor deinem Blog sitzt sagt dein Foto gefalle ihm auf deinem Blog am besten! Er möchte auch so eines machen! Schöne Grüße an dich von Maria-Theresa und Frank

  12. Hey Nadine,
    du weißt ja, wir leben hier auch im Wechselmodell – wohl genau so lang wie du. Aber eine Sache ist nicht ganz korrekt: Unterhaltspflichtig sind Eltern sehr wohl, auch im Wechselmodell. Die Rechnung ist nur ein bisschen komplizierter (an sich wie Düsseldorfer Tabelle + 2. Wohnung + 2. Anschaffungen + Fahrtwege etc…) und lohnt sich in meinen Augen meist auch nur dann, wenn ein Elternteil deutlich mehr verdient.

    Bei uns ist es halt leider so, dass ich zwar das Kindergeld bekomme, aber 90% der anderen Kosten (Kleidung, Schulzeugs, Schuhe) auch an mir hängen bleiben. Schlimmer ist eigentlich nur noch, wenn aus dem 50/50 Modell zwar ein nach aussen überall gepredigtes „Wir teilen alles hältig“ Modell sein soll, das Kind aber eigentlich 40/60 lebt…

    Sonst bin ich aber der Meinung, dass das Modell meist eine gute Sache ist, sofern das Kind damit klar kommt. Unsere kann es sich bisher gar nicht anders vorstellen auch wenn sie inzwischen öfter mal äussert, dass es durchaus anstrengend ist (wir wohnen auch nicht gerade um die Ecke). Auch in der Schule kommt sie gut klar, es wird selten mal etwas vergessen, aber da ist es halt auch wieder wichtig: Die Eltern müssen miteinander reden. Und nach mehr als sieben Jahren Trennung kann ich sagen: geht 😉 und die dünne Eisfläche ist viel dicker geworden.

    Es ist für getrennte Paare ein harter Weg, aber er lohnt sich – denn sorry, aber kein Elternteil (mit dem man mal zusammen war) schadet nach der Trennung einem Kind, er ist einfach genau so wichtig wie der andere. Und inzwischen ist das Wechselmodell immerhin auch hierzulande nicht mehr so krass ausgefallen wie noch vor ein paar Jahren 😉

    • Nadine sagt

      Ah…siehst Du mal, Dani….ich hab echt keine Ahnung von der Düsseldorfer Tabelle. Wir haben da noch nie reingeschaut. Aber klar macht Unterhalt dann Sinn, wenn ein Elternteil viel mehr Geld verdient als der Andere. Das wäre ja sonst echt ungerecht.

      Wir teilen uns das Kindergeld und auch ansonsten alle Kosten. Entweder zahlt halt mal der Eine oder der Andere oder wenn es ein größerer Betrag war, hole ich mir z.B. die Hälfte zurück. Das klappt soweit. Und über die 10 % die das Kind vielleicht öfters mal bei mir ist, sehe ich hinweg. Die Miete muss ich eh zahlen und so viel mehr Kosten fallen dadurch dann auch nicht mehr an. Dafür sehe ich aber mein Kind mehr.

      Ja, es ist ein harter Weg. Aber ob der andere Weg soviel leichter ist, sei mal dahingestellt. Trennung mit Kind ist halt immer scheiße. Wenn sich unsere Kids irgendwann mal wiedersehen sollten, sind sie dann Bruder und Schwester im Geiste und können sich austauschen. 😉 In unserem Umfeld ist mein Sohn immer noch ziemlich allein mit diesem Modell.

      LG/ Nadine

  13. Pama, Papa, Rik sagt

    zum einen muss ich zu meinen ersten beiden Texten eines ergänzen. Ich finde den Originaltext sehr schön geschrieben. Vielleicht etwas zu Frauenlastig aber im Kern Beschreibt er auch meine Situation und die damit verbundenen Gefühle. Auch war meines keine Kritik an Nadine oder Dodo, zumindest habe ich das nicht so gemeint. Die verbindung zwischen Mama und dem KInd kann ich nicht so nachvollziehen und das im doppelten Sinn. Ich bin Vater und die Kinder aus meiner Zweiten Beziehung leben wie bereits beschrieben bei mir.
    Meine Erfahrung aus dieser Beziehung waren nicht positiv und ja ich HATTE genug Wut und Misstrauen ihr gegenüber und als mein Jüngster in das Wechselmodell ging hatte ich Angst. Meine Angst bezog sich nicht auf meinen Verlust sondern auf meine Erfahrungen mit ihr und die Erfahrungen meiner Söhne (auch mit ihr).
    Sie hat sehr lange sehr viel getrunken und vor allem viel geschlagen!
    Das war für die Kinder schwer und für mich auch!
    Bevor jetzt wieder gedacht wird das ich kein Mann bin – doch ich bin einer! Nur wurde mir von meiner Mutter und meiner Oma beigebracht eben nicht zu schlagen! Vor allem keine Kinder oder Frauen.
    Nun scheint das mit dem trinken vorbei und den Rest scheint sie auch zumeist im Griff zu haben, aber manchmal merkt man schon wie es in ihr hoch kommt und sie ……..
    Ich glaube ein Band kann man nur entwickeln wenn man das schon zu sich selber hat und genau da wäre auch meine einzige Kritik.
    Mütter haben nicht aus sich heraus dieses Band. Und Mutter ist man ab der Geburt nur ist das kein Ehrentitel sonder genauso wie Vater ein Titel der ebenfalls gelebt werden muss.
    Ich finde das Wechselmodell klasse aber es kostet mich in meiner Situation sehr viel Kraft nicht bei jedem kleinen Anzeichen von Schieflage eingreifen zu wollen.
    Ich schreibe dieses nur weil ich mich am ende erklären möchte den nicht Dodo und auch nicht Nadine sind hier Missverständlich sondern meine Kommentare kommen aus meiner Erfahrung.
    LG
    Rik

    • Nadine sagt

      Hallo Pama oder Rik, naja….ich bin ja nun mal eine Frau, daher kann ich die Situation ja auch nur aus meiner weiblichen Sicht beschreiben ;). Zu Deiner Situation kann ich nur sagen, daß sich das alles sehr gruselig anhört und es in manchen Fällen wirklich besser ist, wenn ein Kind nur bei einem Elternteil lebt. In diesem Fall bei Dir, dem Vater. Und ich gebe Euch Männern in sofern Recht, als das natürlich NICHT alle Frauen eine Beziehung zu ihrem Kind haben (da gibt es ja die verschiedensten Gründe wie Schwangerschaftsdepression, Trauma durch die Geburt oder was auch immer). Und ich wurde natürlich auch nicht als Mutter geboren, sondern musste in diese Rolle erstmal reinwachsen. Genau wie Väter. Ansonsten gehe ich in meinen Posts meist nur von meinem Leben aus und rede hier somit auch nur von einem relativ normalen Trennungsfall. Zu so extremen Geschichten kann ich nichts beitragen, weil ich die zum Glück noch nie erleben musste. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und alle Liebe, Nadine

  14. Jacqueline sagt

    Ich finde diesen Bericht sehr interessant und hilfreich. Mein Mann hat sich diesen Sommer getrennt und ich bin aus der Wohnung ausgezogen. Wohnung ist im Haus seiner Eltern. Wir haben einen 14 jährigen Sohn, um den ich mich hauptsächlich gekümmert habe. Er wollte und konnte sich nicht entscheiden. So habe ich ein 14 tätiges Wechselmodell vorgeschlagen. Er fand das gut. Es ist alles noch sehr frisch. Das Modell besteht seit Anfang Oktober. Für mich als Vollblutmutter fällt das loslassen sehr schwer und ich leide sehr unter Verlustangst. Dennoch wollte ich dem Vater das gleiche Recht ermöglichen. Bei jedem Wechseln fühlt sich mein Sohn nicht wohl. Ich gewähre alles, nur mein Nochmann stellt sich manchmal quer. Er meint, er kann alle Regeln aufstellen und respektiert meine Regeln nicht. Zumal er schon eine neue Partnerin hat und mit ihr und meinem Sohn plötzlich einen auf Familie macht. Wenn mein Sohn von selber erzählt, dann lass ich ihn. Aber selber sag ich nicht dazu. Dennoch habe ich das Gefühl, die Großeltern wollen meinem Sohn auch das Gefühl geben, daß er wohl zu seinem Vater gehört weil er dort aufgewachsen ist. Meine Wohnung ist im nächsten Teilort, vielleicht 10 km. Also keine Benachteiligungen zum bisherigen Leben. Er hat sein eigenes Zimmer, ich schlafe auf dem Sofa. Also alles nach meinem Sohn ausgerichtet. Ich hoffe sehr,.daß sich das mit diesem Modell einpendelt und mein Sohn wirklich damit gut zurecht kommt. Nur leider ist die Kommunikation mit meinem Mann noch sehr schwierig. Er versucht, diese zu vermeiden. Ausser es geht darum, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Gerichtliche Wege möchte ich in der Hinsicht vermeiden.

    • Nadine sagt

      Ja, das ist natürlich noch sehr frisch bei euch und ich drücke euch die Daumen, daß sich das einpendelt, Jacqueline. Euer Sohn ist ja schon relativ groß und packt das sicher. Und Du auch. Und das mit dem Ex-Partner wird sich im Laufe der Zeit auch regeln. Das ist halt leider immer so, daß erst viel Wasser den Rhein hinunterfließen muß. Euch alles Liebe, Nadine

  15. Antonio sagt

    Ich dachte als Nadines Ex und als der Vater der an dieser Sache ebenfalls seit all den Jahren beteiligt ist lass ich auch mal einen kurzen Kommentar hier 🙂 auch wenn alles wichtige sicherlich schon gesagt wurde

    Ein zwei Sachen kann ich ja vielleicht trotzdem noch beisteuern. Zunächst mal es war grade am Anfang eine sehr harte Zeit für alle. Ein Paar das sich trennt braucht eigentlich ganz viel Abstand voneinander um zu verarbeiten und einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können. Stattdessen mehrmals täglich Kontakt zu haben die Wut aufeinander und die Trauer zu verdrängen all das kostet sehr viel Kraft. Auch einen neuen Partner und damit einen zweiten „Papa“ zu akzeptieren und Raum und Verantwortung zu geben ist alles andere als einfach. Aber was soll ich sagen wir haben all das geschafft und unserem Sohn geht’s gut und darauf können wir in der Tat stolz sein.

    Als letztes noch ein großes Danke von Herzen dass Nadine es damals geschafft hat sich auf das Wechselmodell einzulassen trotz all der Vorurteile die ihr von anderen Müttern entgegen geschlagen sind und ich weiß dass es ihr alles andere als leicht gefallen ist und ich weiß auch dass sie es jederzeit hätte anders haben können. So ist das leider in Deutschland wenn’s um die Rechte der Väter geht.

    Ich bin mir eigentlich sehr sicher dass wir für unseren Sohn das beste aus einer beschissenen Situation gemacht haben und auch er wird das wenn älter ist nicht anders sehen.

    Also auf die nächsten acht Jahre 😉

    • Nadine sagt

      Das Lob und Dank gebe ich an Dich zurück, mein Lieber! Das war wirklich eine schwere Zeit für alle. Aber das Leben geht immer weiter und man muß solche Dinge überwinden. Sich selber und seinem Kind zuliebe. Denn man hat ja nur ein Leben. Na und ich seh uns beide schon mit grauem Haar und Krückstock und unseren gemeinsamen Enkeln. 😉 So ist das halt mit Kindern. Für immer verbunden.

  16. Wechselpapa sagt

    Liebe Nadine,

    auch meine Tochter lebt seid im WW mit Papa und Mama.
    ich kann sagen, dass es eine gute Umschreibung des WW ist und ich gut finde, wenn du Mutter und Vater gleichwertig behandels wenn du z.B. schreibst „das extrem an seine Mutter/ Vater gebunden “
    Leider ist es doch die Mehrheit der Mütter „da draußen“, die glauben, dass ein Kind zur Mutter gehört, dass Mütter von höherer Instanz auserkoren sind, die Kinder zu „bekommen“. Und tatsächlich glauben, dass sie automatisch bessere Erziehungsfähigkeiten haben.
    Allein eine solche Einstellung einem Kind mit auf dem Lebensweg zu geben ist schon wieder schlecht Erziehung. (Meine Meinung)

    Ich sage auch immer, dass die Mutter meiner Tochter, halt eben andere Ansichten und andere Erziehungmethoden hat. So lange diese dem Kind nicht massiv schaden, kann ich nicht sagen ob es besser oder schlechter ist. Anders eben. Vielleicht macht meine Ex manches besser/schlechter aber sicher auch ich. Und wenn uns was wirklich nicht gefällt, dann sagen wir es möglichst ohne einem Vorwurf.
    Ich versuche immer am besten nicht so viel zu wissen. Dann kann ich mich auch nicht aufregen :-). Das heißt nicht, dass ich beide Augen zu drücke. Ich weiß eben, dass meine Ex eine gute Mutter ist und nur das beste für unsere Kind möchte. Ich vertraue ihr da in meister Hinsicht.

    VG

    • Nadine sagt

      Hallo Wechselpapa, vielen Dank für Dein Feedback. Ich finde es immer besonders spannend die Sichtweisen der Väter zu lesen. Und ja…ich weiß genau was Du meinst. Mittlerweile machen wir das mit dem Wechselmodell ja schon seit 7 Jahren, aber anfangs hatte ich auch mit den Müttern zu kämpfen, die mir unterstellten eine schlechte Mutter zu sein. Auf die Idee, dass ich das nur zum Wohle meines Kindes und nicht für mich mache, sind sie scheinbar gar nicht gekommen. Zum Glück etabliert sich das Wechselmodell immer mehr und die meisten Leute finden fast nur noch anerkennende Worte dafür. Und das mit den „anderen Erziehungsmethoden und Ansichten“ ist ja auch so, wenn man zusammen ist. Der eine ist strenger, der andere lockerer. Da muß man ja auch irgendwie einen Weg finden auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. LG/ Nadine

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