Quebec mit Kindern

Die Mauricie: Der wilde Westen fängt gleich hinter Montreal an

Schon mal was von der Region Mauricie gehört? Ich auch nicht, bis wir im Juli ins kanadische Quebec reisten. Wir kamen über die östlich gelegene Region Canton de L`Est, die größtenteils von Landwirtschaft geprägt und eher flach ist. Kurz hinter dem St. Lorenz-Strom, der die Provinz Quebec durchquert, ändert sich dieses Bild dann aber schlagartig. Die Landschaft der Mauricie wird hügeliger, ist stark bewaldet und es wird zusehends einsamer. Dazwischen liegen unzählige kleine und große Seen. Genau so hatten wir uns Kanada vorgestellt und waren direkt begeistert. Landschaftlich kann die Mauricie vielleicht nicht ganz mit der spektakulären Westküste mithalten, aber uns war das sehr Recht, denn schließlich war das unser erster Trip mit den Kindern nach Kanada. Kanada Light sozusagen. An der Ostküste gibt es z.B. nämlich nicht die angriffslustigen Grizzlybären.

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Quebec – Wiege des Ahornsirups

Erster Stop in der Mauricie war für uns Chez Dany´s Sugar Shack und einen Besuch dort, darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen, auch wenn mitunter Busladungen von Touristen oder Schulklassen dort angekarrt werden. Japaner fliegen z.T. über den halben Kontinent, nur um einmal im Sugar Shack essen zu gehen und bei traditioneller Musik zu schunkeln, erzählte uns der Besitzer Dany. Im ersten Moment fühlten wir uns kurz nach Bayern gebeamt. Rot-weiß karierte Tischdecken, uriges Ambiente mit viel Holzinventar und Life Musik zum Essen, die mich ebenfalls sehr an den Süden Deutschlands erinnerte. Allerdings wird die lustige Folkmusic von Quebec auch gerne mal auf ner Art Holzlöffel gespielt. Dann wurden uns auch schon Suppen, Pies, Fleisch, Speck, Omelette, bakes beans und Kuchen aufgetischt und wir erfuhren schnell…. auf alles kippt man ne Ladung Maple Syrup drauf. Und bloß nicht zu wenig ;).

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Quebec ist im Übrigen quasi die Wiege des Ahornsirups und in Dany´s Sugar Shack erfährt man zudem wie der klebrig süße Saft gewonnen wird. Die Erntezeit ist Ende Februar bis April und die Quebecer feiern das gerne in Form von diversen Sirup-Festivals. Entdeckt haben ihn aber bereits die Irokesen, mit einem zufälligen Tomahawk-Wurf gegen einen Ahornbaum. Erst die französischen Einwanderer haben diese Tradition dann fortgeführt und zigfach erweitert. Aus dem Sirup kann man im Übrigen auch Lollis machen, wenn man ihn auf Eis erkalten lässt. Die Jungs waren im Ahornsirup-Himmel.

Auf den Spuren von Trappern und Indianern

Von dort aus ging es für uns weiter in den La Mauricie Nationalpark, vor dessen Toren wir übernachtet haben. Die Auberge Refuge du Trappeur ist ein ganz besonderer Platz, denn wir fühlten uns wahrlich ein bisschen wie die ersten französischen Trapper, die sich durch die kanadische Wildnis geschlagen haben. Auf keinen Fall verpassen solltet ihr im Übrigen, die Poutine du Trappeur. Zu den Fritten mit Bratensauße und Gummikäse kommt noch ne ordentliche Ladung Hackfleisch. Ich hätte mich reinlegen können. Im Ernst!

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Auf dem Gelände gibt es eine Art Freilichtmuseum, das einen anhand der verschiedenen stilechten Behausungen, das Leben der elf Amerindian Nations näherbringt. Wer mag, kann ganz stilecht in einem der Teepees oder Langhäuser aus Holz übernachten. Wir haben jedoch im sehr geräumigen Cottage mit 3 Schlafzimmern, direkt neben dem Restaurant, geschlafen. Die Auberge du Trappeur kann zudem verschiedene Aktivitäten wie Elch- oder Bären-Safari, Kanutour o.ä. für einen arrangieren. Kleine Französischkenntnisse sind in dieser Ecke Quebec´s im Übrigen sehr hilfreich, denn englisch hört man hier nur noch selten.

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Und was, wenn doch mal ein Bär kommt?

Für den Mauricie Nationalpark hatten wir leider nicht so viel Zeit, aber man kann ihn gut mit dem Auto durchfahren und an diversen Spots parken, um kleinere Walks machen. Spätestens als wir dann vor den ersten Bären-Warnschildern standen, war uns dann aber so mulmig zumute, daß wir schnell kehrt machten. Prinzipiell sind wir jedoch immer laut trampelnd und redend durch den Wald gelaufen oder hatten einen großen Stock dabei. Bären mögen nämlich keine Überraschungen. Von den Kanadiern wurde uns jedoch mehrfach versichert, daß gerade Schwarzbären eher Angst vor Menschen haben und nicht aggressiv sind. Und wenn doch? Bloß nicht zu tief in die Augen schauen, Ruhe bewahren, groß machen, Rucksäcke und alles Spannende am Körper vor die Nase des Bären werfen und langsam rückwärts gehen. Aber niemals rennen oder auf einen Baum klettern. Der Bär ist immer schneller! Gut das wir das nicht testen mussten ;).

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Ein chilliges Haus am See und Abenteuer in der Natur

Ein wundervolles Highlight unserer Reise war dann die Pourvoirie du Lac Blanc, wo wir in einem riesigen Holzchalet übernachten durften. Mitten im Wald mit Blick auf den Lac Blanc. Unser Chalet hatte 5 Schlafzimmer und war eigentlich für 13 Personen gedacht. Wir haben dort allein geschlafen und wussten gar nicht wie uns geschah. Erst Recht nicht, als wir am nächsten Morgen das fette Achtung Bären!-Schild direkt hinter unserem Haus sahen. Nicht auszudenken…. ich steh morgens mit Kaffee in der Hand auf der Terrasse und nebenan wühlt ein Schwarzbär in der Mülltonne herum. Argh.

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Blick von unserer Terrasse ♥

Blick von unserer Terrasse ♥

Die Pourvoirie du Lac Blanc liegt sehr malerisch direkt am gleichnamigen See, mit eigenem kleinen Strand, Spa, Schwimmbad, Sauna, Mini-Gym und einem absolut hervorragendem Restaurant zu moderaten Preisen. Gäste können sich jederzeit eins der Tretboote, Kanus etc. ausleihen, über den See schippern oder einfach auf dem Steg chillen. Ein kleines kanadisches Träumchen.

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Und zwischen den Bäumen unser Cottage...

Und zwischen den Bäumen unser Cottage…

Zudem werden auch hier verschiedene Aktivitäten angeboten, die besonders für Familien sehr cool sind. Danke an dieser Stelle, für unseren großartigen Guide Pierre, der die Trips zu einem sehr unterhaltsamen Event hat werden lassen.

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Kanu fahren und Biber sichten

Kanu fahren ist ja schon mal Pflichtprogramm in Kanada und wir sind ne Runde zu einem 60 Jahre alten Biberstaudamm gepaddelt. Tatsächlich bauen Biberfamilien z.T. über Generationen an so nem Ding herum und setzen mitunter ganze Straße unter Wasser. Dann müssen Teile des Staudammes gesprengt werden. Ich hab mich auf unserer Reise ja total in die putzigen, dicken Gesellen verliebt, die sich auch durch kreischende Kinder nicht unbedingt aus der Ruhe bringen lassen.

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Picknick mit Bären

Sehr spannend war auch die Bären-Safari, auf der wir immerhin drei Schwarzbären aus relativer Nähe gesehen haben. Die Ranger füttern die scheuen Tiere jedoch an, damit man sie überhaupt mal zu Gesicht bekommt. Praktischerweise lag an ein kleiner Teich zwischen uns und ihnen, daher hielt sich unsere Furcht in Grenzen. Spätestens als der größte Bär, dann aber genau über den Weg abdackelte, über den wir zurück zu unserem Pick-Up laufen mussten, hatten wir dann aber doch wieder die Hosen voll. So ein Bär in freier Natur flößt dann halt doch Respekt ein.

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How to make a campfire without matches...

How to make a campfire without matches…

Sehr interessant war auch der Trip mit einem Ranger in die Sumpfgebiete der Region. Denn dort erfuhren wir viel über Flora und Fauna und insbesondere die unterschiedlichen fleischfressenden Pflanzen, die dort wachsen. Und natürlich ist es für kleine Jungs auch immer spannend zu erfahren, wie man ein Feuer in freier Natur entfacht. Ohne Feuerzeug und Streichhölzer natürlich.

Planet Hibbels Familienreise-Fazit:

Die Region Mauricie ist top für Familien, die Abenteuer light suchen. Von Montreal aus, sind es gerade mal 1 bis 1 1/2 Stunden Fahrtzeit und man ist direkt mitten in der Natur. Umgeben von Trappern und Indianern, Bären und Bibern. Wir haben während unserer Woche in der Region im Übrigen nicht einen einzigen Deutschen oder Europäer getroffen und wurden sehr oft von Kanadiern angesprochen, die sich wunderten, wie wir uns in diese Ecke „verirren“ konnten. Scheinbar hat sich noch nicht herumgesprochen, wie toll diese Gegend zum Urlaub machen ist.

Weitere Reisefakten über Quebec:

– Hauptsprache ist Französisch und ein paar Worte sprechen zu können, ist sehr hilfreich. Außerhalb Montreals hört man nämlich nur noch selten englisch.

– Die Preise sind moderat und daher sehr familienfreundlich. Sowohl Übernachtungen als auch Essen gehen ist z.T. günstiger als bei uns und erst Recht als im benachbarten Neuengland.

– Das Essen ist französisch angehaucht und daher kann man sich sehr lecker und gesund ernähren. Eine wahre Freude. Gerade wenn man aus den USA kommt.

– Anders als im benachbarten Amerika, gibt es hier jedoch nicht an jeder Ecke Fast-Food-Ketten und Shoppingmalls. Wenn man weitere Autostrecken fährt, sollte man also vorsorgen und Proviant einpacken. Wir haben interessanterweise z.B. fast kaum einen MCDonalds gesehen.

Weitere von uns aufgeschnappte Reisefakten und Eindrücke durch Neuengland und Quebec findet Ihr hier.

Offenlegung: Unsere Reise wurde von Tourisme Mauricie und Quebec Authentique unterstützt. Meine Meinung bleibt davon unangetastet.

4 Kommentare

  1. flögi sagt

    Tolle Umgebung, tolle Erlebnisse, diese Gegend zieht mich auch sehr an, aber ich kenne von dort nichts, mősste ich mit einer Reiseorganisation ewig lang nachrecherchieren. Aber ich behalte es mal im Kopf. Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Was denn für eine Reiseorganisation, Flögi? Das kann man doch prima alles individuell bereisen oder verstehe ich Dich gerade falsch?

  2. Na ist doch klar für den die restlichen 3 Zimmer im Chalet waren ;-D…für die Bääären ! Haste die nicht gesehen? Im allgemeinen sind die ja auch voll friedlich und im Morgengrauen weg. Prust.

    Hach ich fühl mich so an unsere USAReise letztes Jahr erinnert, wenn ich deine Bilder seh, auch wenns bei dir ja Kannada ist. Dieses Kanufahren und die Seen und der Wald….die Adirondacks sind schon ein wenig ähnlich.

    Äh und Ahornsiruplollies……sind die nicht schon fast grauenhaft süß und vor allem superschnell im Mund wieder aufgetaut und dann haste so nen halben Liter Sirup um Mund und so…..;-P……klär mich mal auf. Winkewinke Anne

  3. Nadine sagt

    Ich gebe zu…ich hab die Lollis nicht gegessen. Ich hatte schon meinen ersten Zuckerschock weg, nachdem auf dem kompletten Mahl eine Wagenladung Sirup drauf hatte. Da sind die Kanadier ja beinhart. Erstmal ne Flasche Ahornsirup auf den gebratenen Speck. Haha.

    Und die Adirondacks kenne ich nicht. Gibts da auch Bären? Hei, aber im Haus wäre noch jede Menge Platz für Familie Ü gewesen. Nxt time, baby ;).

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