Das Leben meiner Großmutter

Tyskerbarn oder eine verbotene deutsch/ norwegische Liebesgeschichte

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich habe es immer geliebt wenn mir meine Großeltern Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählt haben. Besonders meine norwegische Oma erzählte mir unzählige Anekdoten aus ihrem Leben und vielleicht ist das ja auch mit ein Grund, warum ich eine ganz besondere Beziehung und Liebe zu Norwegen hege. Als ich klein war, kuschelte ich mich oft morgens zu ihr ins Bett und sie erzählte mir von ihrer glücklichen Kindheit am Ufer des Trondheim-Fjords aber auch vom harten und entbehrungsreichen Leben mit ihren Eltern und 7 Geschwistern. Denn Norwegen zählte nicht immer zu den reichsten Ländern der Erde. Bis zur ersten Förderung des Erdöls in den 70er Jahren war es sogar ziemlich arm.

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Meine Oma in Trondheim, ca. 1940

Deutsche Soldaten in Norwegen

Während des zweiten Weltkrieges wurden zwischen 1940 und 1945 fast 200.000 deutsche Soldaten in Norwegen stationiert. Einer meiner Lieblingsgeschichten war immer, wie sich meine Oma Hals über Kopf in meinen Opa, einen deutschen Soldaten, verliebte. Beim Erzählen kicherte sie auch als alte Frau immer noch wie ein verliebter Teenager. Den Feind zu lieben war natürlich ein absolutes No-Go und ihre Familie war entsetzt. Und doch siegte, trotz aller Vernunft und Androhung von Strafen, die Liebe.

„Vom ersten Augenblick stand für mich fest: Wenn Du einmal heiraten solltest, dann nur ihn.“

Kurzfristige Beziehungen zu norwegischen Frauen waren von den Nationalsozialisten eindeutig erwünscht, denn es galt „rassisch und erbbiologisch wertvolle Kinder“ zu zeugen und das arische Volk durch das nordische Blut  zu „veredeln“. Fast 12.000 Kindern entstanden aus diesen Liebschaften und 1941 wurden die ersten Lebensborn-Heime in Norwegen eröffnet, wo die Tyskerbarn (Deutschkinder) geboren, ggfs. zurückgelassen und zur Adotion freigegeben werden konnten. Nicht unbedingt happy war man nämlich über ernsthafte Beziehungen zwischen den Deutschen und den Norwegerinnen. Weder auf der einen noch der anderen Seite.

Das Leben meiner Großeltern und insbesondere das meiner Oma war u.a. Ausschlag dafür, daß wir letzten Sommer unsere Rundreise durch das nördliche Trøndelag gemacht haben. Ich war zwar von klein auf immer wieder mal in Norwegen, aber dieses Mal wollte ich unbedingt auf den Lebensspuren meiner Großmutter wandeln und wurde nicht enttäuscht. An dieser Stelle danke ich meiner Großtante Erna und meinem Großonkel Knute von Herzen dafür, daß sie sich die Zeit genommen haben, mich zu den Lebensschauplätzen ihrer Schwester zu führen.

Ranheim – Kindheit am Ufer des Trondheimfjords

Zum kleinen Ort Ranheim, bei Trondheim, wo meine Großmutter 1924 geboren wurde, aufwuchs und zur Schule ging. Noch heute steht das Haus in dem sie vor ca. 90 Jahren mit ihrer Familie lebte. Als meine Jungs am Strand des Trondheimfjordes entlangliefen, hatte ich wahrlich einen fetten Kloß im Hals. Vor fast einem Jahrhundert spielte meine Oma mit ihren Geschwistern an diesem Strand. Als sie 12 Jahre alt war, musste die Familie dann nach Trondheim umziehen und meine Oma mit für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen. Sie arbeitete als Kindermädchen oder in einem der Cafes in der Trondheimer Altstadt und am Hafen.

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Kriegstage in Trondheim

Als Zweitälteste von 8 Kindern musste sie zudem ihrer Mutter helfen, die jüngeren Geschwister zu versorgen. Mein Uropa turnte derweil beruflich auf den Dächern des Nidaros-Domes herum (mehr dazu findet Ihr -> hier.) Als sie 15 Jahre alt war, brach dann der zweite Weltkrieg aus.

„Den Tag an dem der Krieg ausbrach, habe ich nie vergessen. Er war das Ende meiner Kindheit.“

Es war ein seltsames Gefühl im Jahr 2015 durch die gleichen Gässchen von Trondheim zu laufen, wie meine Oma in den 30er und 40er Jahren. Ich vermisste sie schmerzlich. Meine Oma war immer ein Sonnenschein gewesen und ich kann mich nicht daran erinnern, daß sie mal schimpfte oder schlechte Laune hatte. Ständig hörte man sie lachen und ihr lustiges deutsch-norwegisches Geplapper mit dem rollenden R. Wie gerne hätte ich sie an meiner Seite gehabt und mir von ihr alles zeigen lassen.

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Immer mehr und mehr deutsche Soldaten kamen nach Trondheim und meine Oma musste zusammen mit anderen norwegischen Mädchen zwangsweise in einer Großküche arbeiten, um diese zu verpflegen. Viele der deutschen Soldaten waren noch halbe Kinder. Gerade mal 17 Jahre alt.

„Ich stellte fest, daß auch einige sehr nette Menschen unter ihnen waren, die nur ihre Pflicht taten.“

Bomben fielen auf Trondheim, die Häuser der Norweger wurden niedergebrannt und die Stadt Namsos dem Erdboden gleich gemacht. Mitten in diesen schrecklichen Zeiten trafen sich dann meine Großeltern und es passierte etwas, was meine Oma bis dahin für unmöglich gehalten hatte. Sie verliebte sich sofort unsterblich in den jungen deutschen Soldaten, der doch eigentlich ihr Feind war. Norwegische Frauen die sich mit Deutschen einließen wurden von der Bevölkerung natürlich insgeheim verachtet und u.U. sogar der Kopf kahl geschoren. Ich möchte nicht wissen, wie oft meiner Oma Prügel angedroht wurde und wie groß das Entsetzen der Familie war. Besonders ihre Brüder durften nichts von der Beziehung wissen und jedes Treffen fand heimlich statt.

Hochzeit in Rørvik

Irgendwann wurde mein Opa dann ins 300 km nördlich gelegene Rørvik versetzt und die Beiden konnten sich nur noch ganz selten sehen. Eins der wenigen Wiedersehen blieb nicht folgenlos. Meine Oma wurde schwanger und im März 1945 wurde ihre erste Tochter (meine Tante) unehelich im Lebensborn-Heim in Trondheim geboren. Zwei Monate später kapitulierte Deutschland und der Krieg war zuende.

Rorvik 1945 - Das Hochzeitsfot meiner Großeltern. Und ich finde man sieht ihnen die Strapazen des Krieges an.

Rørvik 1945 – Das Hochzeitsfoto meiner Großeltern. Und ich finde man sieht ihnen die Strapazen des Krieges deutlich an.

Nach dem Ende des Krieges kam mein Opa dann in Rørvik in Kriegsgefangenschaft. Im Oktober 1945 ließ meine Oma dann ihre kleine Tochter bei meiner Uroma (die übrigens aus dem kleinen Ort Mosvik stammt, den wir hier besucht haben) und reiste allein mit dem Schiff nach Rørvik. Kurz zuvor hatte mein Opa ihr geschrieben, daß sie dorthin reisen solle, damit er sie endlich heiraten könne.

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Rørvik war also einer unserer Stationen auf unserem Trip durchs Trøndelag. Da wir dort auch langjährige Freunde der Familie haben, passte die kleine Gemeinde auf der Halbinsel Vikna perfekt in unseren Roadtrip und so verbrachten wir dort eine Woche. Könnt Ihr Euch vorstellen wie groß meine Enttäuschung war, als ich erfuhr, daß die alte Holzkirche in der meine Großeltern geheiratet hatten 3 Jahre zuvor abgebrannt war? Aber tatsächlich hat unser Freund Arve es geschafft bei der Kirchengemeinde von Rørvik eine kleines Zettelchen für mich zu organisieren, das mich wieder mal zum Heulen brachten. Eine Kopie der Heiratsurkunde meiner Großeltern.

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Auszug aus dem Kirchenbuch in Rørvik – die Heiratsurkunde meiner Großeltern

Wenn eine norwegische Frau einen Deutschen heiratete, musste sie sofort ihre norwegische Staatsbürgerschaft aufgeben. Andersrum stand dies allerdings nie zur Debatte. Tatsächlich gab es nämlich auch deutsche Frauen die sich mit Norwegern eingelassen hatten.

„Meine Mutter sagte: Lieber sehe ich Dich tot, als daß Du nach Deutschland gehst. Da ist nichts für Dich, außer Hungersnot und Elend.“

„Es tat mir so unglaublich leid, daß ich meinen Eltern soviel Sorgen bereitete und es bald einen Abschied für immer geben würde“.

Abschied von Norwegen und Neuanfang im zerstörten Deutschland

1946 stiegen meine Großeltern also auf ein Frachtschiff nach Deutschland. Meine Oma war bereits hochschwanger mit meiner Mutter und es ging in eine absolut ungewisse Zukunft im total zerstörten Deutschland. Mein Opa liebte Norwegen, sprach norwegisch und wäre gerne dort geblieben. Aber Deutsche waren verhasst und erst Recht die Kinder aus diesen Beziehungen. Die Tyskebarn hatten bis Mitte der 80er Jahre ein extrem schweres Leben in Norwegen. Sie wurden misshandelt, missbraucht, als Psychopathen deklariert oder zwangsadoptiert. Mit verheerenden Folgen für die Psyche dieser Menschen. Erst 1998 bat der damalige Staatsminister die Tyskebarn und ihre Mütter um Entschuldigung. Ich denke Kriegsliebschaften und daraus entstandene Kinder gab es wahrscheinlich in fast allen von Deutschland besetzten Ländern. In Norwegen nahm dies aber scheinbar in jederlei Hinsicht besondere Ausmaße an und Deutsche sind bei manch einem alten Menschen bis heute nicht sehr beliebt. Die Familie meiner Oma hielt jedoch immer zu ihr. Wenn vielleicht auch hinter vorgehaltener Hand. Vielleicht weil ihnen irgendwann klar war, daß nicht jeder Deutsche auch ein Feind war.

Die mehrtägige Schiffsreise nach Deutschland war die Hölle. Es gab kaum Essen und Trinken und noch nicht mal genug Platz um sich hinzulegen. Viele Babies an Bord starben, Erwachsene drehten durch, fingen an zu schreien, randalierten und mussten festgebunden werden. Kurz nach der Ankunft in Deutschland kam dann meine Mutter, „unter den traurigsten Umständen die man sich vorstellen kann, zur Welt“ und für die kleine Familie begann „die schwerste und schlimmste Zeit ihres Lebens“. Diese Worte aus den Memoiren meiner Oma brachten mich sehr um meine Fassung.

Was muß meine Familie durchgemacht haben im  Hungerwinter 1946/1947 ? Meine Oma sprach kaum deutsch und war nicht erwünscht, sie hatten kein Dach über dem Kopf, kein Essen, keine Kohle zum Heizen und es herrschten eisige Temperaturen. In diesem Winter starben in Deutschland schätzungsweise mehrere hundertausend Menschen an den Folgen des Hungers und der extremen Wetterbedingungen.

Immer auf der Suche nach Essen und Arbeit war mein Opa nur selten bei seiner Familie und meine Oma somit allein mit zwei kleinen Kindern. Weil sie kaum der deutschen Sprache mächtig war, sprachen die Kinder die ersten Jahre nur norwegisch, was logischerweise große Probleme mit sich brachte. Als dann noch mein Onkel geboren wurde, verbot mein Opa ihr mit den Kindern norwegisch zu sprechen. Zu dieser Zeit war alles wichtiger als eine zweisprachige Erziehung. Es galt einfach nur irgendwie zu überleben.

Überlebt haben sie. Und glücklich wurden sie auch wieder. Auch wenn ich davon überzeugt bin, daß sie für den Rest ihres Lebens mit schweren Traumata klarkommen mussten. Daher versuche ich heute auch oft milde meinen Großeltern und Eltern gegenüber zu sein. Was sie im Krieg und im Nachkriegsdeutschland erleben mussten, können wir wohlbehüteten „Kriegs-Enkel“ sicher noch nicht mal ansatzweise nachvollziehen.

Meine Oma war jedenfalls eine wahre Heldin. Tapfer und mutig. Für die Liebe hat sie alles aufgegeben und ihre sichere Zukunft in Norwegen gegen Tränen und Leid in Deutschland eingetauscht.

Bestemor ♥

Für Dich, Bestemor ♥

Ab den 60er Jahren kehrt meine Oma dann auch immer wieder für Besuche in ihr Heimatland zurück und somit war es zum Glück kein Abschied für immer von ihren Eltern und Geschwistern. Sie lebte jedoch nie wieder in Norwegen. Mein Opa starb 1990 an Krebs. Meine Oma 2004 an Demenz und Altersschwäche. Sie vergass ihr Leben, wer ihre Kinder und Enkel waren und sogar, daß sie in Deutschland lebte. In ihren Tagträumen war sie wieder eine junge Frau, sprach mit uns auf norwegisch und das letzte woran sie sich erinnerte, war ihre Kindheit am Trondheimfjord.

PS: Ich habe lange überlebt, ob ich diese sehr persönliche Geschichte mit euch teilen soll. Aber ich finde die Vergangenheit unserer Großeltern sollte niemals in Vergessenheit geraten. Besonders in diesen Zeiten, wo sich in Europa z.T. die gleichen Szenen wie 1946 abspielen.

 

 

19 Kommentare

  1. Das ist eine wundervolle Geschichte, die das Leben schrieb und die du erzählt hast. Romantisch aber auch traurig… Meine Oma hatte auch eine sehr bewegende Geschichte Ihres Lebens zu erzählen. Ich finde dass es wichtig und richtig ist, die Geschichten unserer Vorfahren zu bewahren, um ihrem Leben somit Beachtung zu geben und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Danke, dass du die Leser deines Blogs daran teilhaben läßt.
    Das mit der deutschen Besatzung und den Tyskebarn habe ich nicht gewußt…

    Die Fotos von Norwegen sind sehr schön und haben in mir die Lust geweckt, auch einmal in den hohen Norden zu reisen.
    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Danke schön, liebe Birgit! Das mit den tyskebarn wissen viele Menschen nicht. Aber nun gut….warum sollte es einen auch interessieren, wenn man man keinen Bezug zu Norwegen hat. Und ja….Du solltest auf jeden Fall mal dorthin reisen. Norwegen ist in der Tat unwirklich schön. LG, Nadine

  2. Oh Gott Nadine, ich habe Deinen Bericht gerade verschlungen!
    Das ist eine so spannende, ergreifende, traurige und hoffnugsvolle Familiengeschichte und ein Stück deutsch-norwegische Geschichte und auch noch Deine Persönliche, wahnsinn. Und so wunderbar aufgeschrieben! Ich bin froh, dass Du Dich dazu entschlossen hast, und für Deine Kinder wird dies ganz sicher mal eine sehr wertvolle Geschichte sein.
    GlG /inka

    • Nadine sagt

      Danke schön, liebe Inka! Ich muss gestehen, daß mich die Geschichte auch immer wieder rührt und ich echt so froh bin, daß meine Oma die Highlights ihres Lebens wenigstens aufgeschrieben hatte. Vieles wusste ich auch gar nicht und die ganz krassen Sachen hat sie auch nur kurz angerissen. Ich glaube das war so heftig, daß sie es nicht in Worte fassen konnte und wollte. Ich wünschte ich könnte sie nochmal treffen und sie noch nach so vielen Dingen fragen. Aber mit ihr sind auch all die Geschichten gestorben. Traurig, daß ich als ich jung war, auch viel zu oft nicht hingehört habe. LG, Nadine

  3. Dankeschön für das Teilen Eurer Geschichte. Ich finde es ebenso wichtig nie zu vergessen woher wir kommen und wie international und herrlich bunt diese Welt zum Glück ist.
    Drück Dich!
    K.

  4. Wow, eine ganz tolle Geschichte! Toll, daß du sie hier teilst und in die Vergangenheit gereist bist! Die Fotos, vor allem die Stelzenhäuser, sind super!

    Meine Großmutter hat ähnliches erlebt, sie war Chinesin, mein Opa Deutscher. Sie lernten sich 1940 in China kennen, dort wurde meine Mutter geboren. Damals wollte man meinen Opa aus dem Land vertreiben, ohne Familie wollte er aber nicht gehen. Es war alles ziemlich schlimm und brutal, bis er endlich mit seiner Familie das Land verlassen durfte.
    Hier in Deutschland war es dann aber nicht leicht für die Kinder, die in einem Dorf in der Eifel aufwuchsen, anders aussahen, die Sprache nicht sprachen…..
    2002 war ich mit meiner Mutter zusammen in China. Wir haben allerdings nicht die Verwandten und ihr Dorf besucht, das war ihr zu viel. 2009 war sie dann mit meiner Schwester in ihrem Dorf und ich hoffe, daß ich eines Tages mit meinen Kindern auch dort hin komme! Einen kleinen „Anfang“ haben wir am Wochenende gemacht, als wir uns die Terracotta Armee in Nürnberg angesehen haben.

    Viele Grüße,
    Martina

    • Nadine sagt

      Vielen Dank, liebe Martina! Und wow….da haste aber auch ne krasse Geschichte auf Lager. Wahnsinn, bis in welche Länder es die deutsche Wehrmacht verschlagen hat und wieviele Nachkommen dadurch gezeugt wurden. Und das es die Kinder dann in der Nachkriegszeit in einem Dorf in der Eifel schwer hatten, kann ich mir sehr gut vorstellen. Meine Mutter sah ja wenigstens gewünscht „arisch“ aus und fiel dadurch nicht weiter auf. Als halbe Chinesin biste ja quasi ein bunter Hund. Das wäre in der Tat auch Stoff für einen Film. GlG/ Nadine

  5. flögi sagt

    Liebe Nadine,
    ich habe deine Geschichte durchgelesen, und es hat mir Tränen in die Augen geholt. Ich finde es sehr schön, wie du es alles beschrieben hast, daß es dir so viel bedeutet und viele Teile erinnern mich an meine eigene Oma, viele Ähnlichkeiten ziehen in den Geschichten von deinen und meinen Großeltern. Auch sehr schön, daß du diese Orte aufgesucht hast, die Fotos sind auch wunderschön.
    Meine Oma hat auch einiges erzählt, aber nicht so detailliert, oder eben ich hatte als Jugendliche noch nicht so viel Interesse daran, als ich jetzt gerne alles wissen wollen würde.
    Ist leider zu spät. Und die Nachkommen von den 11 Geschwister von meiner Oma kenne ich nicht, weiß ich gar nichts über sie. Es wäre eine mächtige Arbeit, die aufzusuchen, nachzurecherchieren…
    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Liebe Flögi, danke schön. Ja, diese Geschichte bedeutet mir in der Tat sehr viel. Sie hat mich aber auch mein ganzes Leben begleitet. Und ich glaube die Alten erzählen vieles, aber wenn man jung ist hört man nicht so richtig hin. Und wenn es einen endlich interessiert, sind sie nicht mehr da. Eigentlich traurig. Und ja bei 11 Geschwistern wird es schwierig. Aber so riesig ist Ungarn ja auch wieder nicht. Vielleicht könntest Du wenigstens ein bisschen was in Erfahrung bringen? In Norwegen leben ja nicht ganz so viele Menschen, da ist sowas nicht sooo schwierig. Da ist ja quasi eh jeder mit jedem verwandt. Lach. GlG/ Nadine

      • flögi sagt

        Nur meine Großeltern und noch twei Geschwister sind nach Ungarn gekommen, die anderen sind in heutigen Rumänien geblieben…

  6. Die GEschichte ist soooo schööön. Und so traurig. Und spannend und schrecklich zugleich. Ich kannte sie ja schon ein wenig. Sie wäre reif für eine Verfilmung. Du hast das beste getan um deine Oma und deinen Opa und ihr wirklich ungewöhnliche Geschichte zu ehren: Du hast sie aufgeschrieben. Wie großartig! Und so nebenbei: Du hast wunderbar geschrieben! Ich drück dich, Anne

    • Nadine sagt

      Danke schön, Du Liebe! Ja, das wäre in der Tat Stoff für einen Film. Ich habe so viele Szenen in meinem Kopf, obwohl es ja gar nicht meine Geschichte ist. Aber da ich an vielen Orten war, wo all das passiert ist, hab ich so einiges bildlich vor mir. Eigentlich kaum zu glauben, daß das nicht nur ein Film ist, sondern das Leben meiner Großeltern und Mutter.

  7. Anita sagt

    Was für eine berührende Geschichte, Nadine. Danke, dass du sie mit uns geteilt hast.

  8. Liebe Nadine,

    Danke für deinen Mut, die Geschichte deiner Großmutter mit uns zu teilen. Im Rahmen der Buchbesprechung „Lesereise Norwegen“ hatte ich schon über die Tyskebarn gelesen. Es war sicher schwer für deine Großmutter, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, aber die Tyskebarn in Norwegen litten z.T. auch lebenslang unter Diskriminierungen etc.
    Es muß eine sehr bewegende innere und äußere Reise für Dich gewesen sein und ich sehe, daß der Begriff „Kriegsenkel“ Dir auch nicht fremd ist.

    Herzlichst aus den Niederlanden, Sabine

  9. Aww, was für eine wunderschöne Liebesgeschichte! <3 Ich will hier nichts verklären, denn deine Großmutter hatte sicherlich ein hartes und manchmal auch trauriges Leben, dennoch freut es mich, dass du diese wunderschöne Geschichte mit uns geteilt hast! Ich hab sie sehr gern gelesen 🙂
    Liebe Grüße,
    Kathi

  10. Dennis sagt

    Hej Nadine,

    danke für das teilen eurer Familien Geschichte. Ich habe die Seite gefunden, Gedanken verloren an meine beste mor. Sie war ebenso Norwegerin. Und die Geschichten sind ganz ähnlich, jedoch kommt unsere Familie aus weiter südlichen Teilen des Landes.
    Vielleicht hast du Lust dich mal auszutauschen 🙂

    Hjertelig hilsen
    Dennis

    • Nadine sagt

      Hej Dennis, wie spannend. Hast Du denn noch viel Kontakt zu Deiner norwegischen Familie? Dank Facebook habe ich zu ein paar Leuten regen Kontakt und sehe diese auch alle paar Jahre wieder. Ich befürchte nur, daß dieser Kontakt im Laufe der Zeit verloren geht, weil die Verwandschaftsabstände natürlich immer größer werden. Ich bin als Kind noch fast jeden Sommer mit meinen Eltern und Großeltern dorthin gefahren. Mit meinen Kindern sieht das nun natürlich schon anders aus. LG/ Nadine

  11. Felicitas Gottschalk sagt

    Liebe Nadine, gerade eben, in einer Schreibpause, habe ich deine Geschichte entdeckt. Ich bin ganz begeistert darüber, denn ich schreibe gerade ein Buch über so ein ,Deutschenfeind‘. Sie wurde vom Vater verleugnet und erfuhr erst 2000 nach der Öffnung der Archive seinen Namen. Sie kam schon als ältere Frau hierher zu der Familie des Vaters, die nichts wußte. In einer Form Dokumentarroman schreibe ich über den weiteren Weg bis heute. Es ist die Enkelgeneration, die einen gemeinsamen Weg zu gehen versucht. Ich erfuhr von den ,Deutschenkindern‘ bei einem unserer zahlreichen Norwegenbesuche. 1999 las ich in der Zeitung vom Antrag der Tyskebarn an die Regierung auf Entschädigung. Und dann erfuhr ich durch Zufall von dem Geschehen in meiner Nachbarschaft. Es ist erschreckend, immer, wenn ich mein Thema erwähne, gibt es einen/eine Betroffene.
    Schön, dass ich deine Geschichte gefunden habe. LG/ Felicitas

    • Nadine sagt

      Liebe Felicitas, vielen Dank. Da meine Mutter ja dann gar nicht in Norwegen aufgewachsen ist, mußte sie zum Glück nicht mit diesen negativen Konsequenzen leben. Dafür hatte sie dann die ersten Jahre in Deutschland den Stempel Ausländer und konnte noch nicht mal deutsch sprechen. Das war natürlich auch nicht so leicht. Meine Oma ist aber schon in den 50er Jahren wieder mit ihren Kindern in ihre Heimat gereist und wurde von ihrer Familie in Norwegen mit offenen Armen aufgenommen. Und wir, die Enkelgeneration, versuchen die Bande zwischen unseren Ländern zu halten und ich habe zu ein paar Cousinen meiner Mutter, die nur ein paar Jahre älter sind als ich, ein herzliches Verhältnis. Liebe Grüße und viel Erfolg mit Deinem Buch, Nadine

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