Vermont – der grüne, liberale Staat

Von Baumhäusern, Ben & Jerrys und weltbewegenden Veränderungen

Eigentlich war mein Beitrag über Vermont schon vor 2 Wochen fertig. Aber dann kam Mr. Trump dazwischen. Seitdem dümpelt mein Post nun im Postausgang herum und bereitet mir Kopfschmerzen. Wie soll man derzeit einen USA-Bericht veröffentlichen, ohne auf diese neuen weltbewegenden Ereignisse zu sprechen zu kommen? Ich bin jedoch zu dem Schluß gekommen, daß ich derzeit keine Lust auf noch mehr politische Diskussionen habe. Nicht weil mich das Thema nicht interessiert oder bewegt, sondern weil das schriftlich meist nach hinten losgeht und man immer von irgendwem mißverstanden wird. Ich mag Amerika sehr und möchte nicht eine ganze Nation nur wegen eines Wahlergebnisses schlecht machen. Da sollten wir dann wohl doch alle erstmal vor unseren eigenen Haustüren kehren.

Ich möchte Euch jedoch von Greg und Willi  erzählen, an die ich in letzter Zeit des Öfteren denken muß. Ein homosexuelles, verheiratetes Paar, das sich vor 20 Jahren in Vermont, mit der Moose Meadow Lodge einen Lebenstraum erfüllt hat. Also genau eine der Zielgruppen, die Trump in seinen rechtsradikalen Reden angegriffen hat. Wie mag es den Zwein nun ergehen in diesen sonderbaren Zeiten? Einem wohlhabenden, gebildeten Paar, das Bilder von sich mit den Clintons oder amerikanischen Stars in ihrem Haus hängen hat.

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Aber fangen wir mal von vorne an. Vermont ist grün. In jeglicher Hinsicht. 77 % des amerikanischen Bundesstaates sind von Laubwäldern bedeckt, die im Herbst für ihre spektakulären Farborgien bekannt sind. Die größte Stadt Vermonts, Burlington, hat gerade mal 42.000 Einwohner. Wer sich in diesem Bundesstaat niederlässt ist also sehr naturverbunden. Oder liberal. 1999 war Vermont der erste US-Bundesstaat, der die gleichgeschlechtliche Ehe zuließ. Kein Wunder also, daß sich in Vermont viele homosexuelle Paare niederließen und mit ihnen eine bunte und innovative Kunst- , Kultur- und Gastroszene.

Bekanntestes Vermonter Produkt ist wohl das Eis von Ben & Jerrys, dessen Icecream-Factory wir auch besucht haben.  Wer sich dafür interessiert, wie die zwei Jungs 1978 in einer Garage in Burlington auf die Idee kamen, verrückte Eissorten herzustellen und sie damit ein weltweites Eisimperium aufgebaut haben, der sollte sich eine Führung durch die Fabrik nicht entgehen lassen. Mir persönlich ist das Eis oftmals zu süß, aber ich mag die Mission von Ben & Jerrys. Faire Produkte, nachhaltige Herstellung sowie Umwelt- und Tierschutz.

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Als wir nach unserem Ben & Jerrys Besuch dann auf das riesige Anwesen der Moose Meadow Lodge bei Waterbury fuhren und uns Greg freudestrahlend begrüßte, waren wir direkt hin und weg. Von unseren Gastgebern und Ihrem wundervollen Guesthouse. Denn das, was die Zwei da vor 20 Jahren auf die Beine gestellt haben, ist ein echtes Träumchen. Ein Paradebeispiel des American Dreams. Zugegeben…. es ist wahrlich nicht der minimalistische Style, auf den ich normalerweise abfahre. Denn das Haus der Beiden ist ein kurioses Sammelsurium an Antiquitäten und ausgestopften Tieren, die Greg im Laufe der Jahre gejagt oder geangelt hat.

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Wer jetzt jedoch meint, daß Greg ein gnadenloser Trophäenjäger ist, liegt falsch. „Alle Tiere, die Du hier siehst, haben wir auch gegessen.“ sagt er. „Auch den Bären?“ frage ich überrascht. „Ja, auch den.“ Das kann man nun finden wie man will und alle Vegetarier werden nun wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber ich finde, wenn man im Einklang mit der Natur lebt und einmal im Jahr einen Elch, der glücklich durch die Wälder gezogen ist, schießt und anschließend ißt, völlig in Ordnung.

Das Haupthaus, in dem die Zwei selber leben und auch Bed & Breakfast-Gäste beherben, ist schon mal ein Hingucker. Als wir aber unser Baumhaus mit eigenem Steg am Mini-See betreten, ist es vollends um uns geschehen. Die Kids sind völlig aus dem Häuschen und tollen durchs Unterholz oder fahren vergnügt mit Willie auf dem Golf-Cart durch die Gegend. Unser zweistöckiges Baumhaus ist der absolute Knaller und wir sind wahrlich im Himmel.

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Die Kleinen schlafen auf Matratzen auf der unteren Etage vor einem gemütlichen Elektrokamin. Wir Großen haben das Dachgeschoss für uns und ich würde ab jetzt am Liebsten immer in Bäumen schlafen. Gute Nacht, John Boy! Großen Anklang findet besonders bei den jungen Herrschaften das Luxus-Campingklo, das bei einer sehr hohen Temperatur alles verbrennt und nur ein paar Krümelchen hinterlässt. Ich muß sie daran hindern nicht alles hineinzuwerfen, was  nicht niet- und nagelfest ist ;). Und auch das tolle Outdoor-Badezimmer mit marmornen Waschbecken und Waldblick beim Duschen ist unbezahlbar. Das da auch riesige Spinnen mit mir das Bad teilten, blende ich rückblickend mal aus.

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Im Haupthaus brutscheln wir uns abends in der megaausgestatteten Gemeinschaftsküche unser Essen, die Kinder hocken derweil im Wohnraum auf der Sofalandschaft und gucken Cartoons auf Netflix. Kamin und Elchkopf inklusive. Irgendwann kommt Greg mit einer Gruppe amerikanischer Übernachtungsgäste zurück, die er irgendwo abgeholt hat. Allesamt kluge, freundliche Menschen der privilegierten Schicht Amerikas. Sie sind sehr interessiert an uns und stellen viele Fragen. „Oh Germany! How beautiful. Da würden sie nächstes Jahr ja auch hinreisen. Zum 60ten Geburtstag geht es per Schiff den Rhein hinunter.“

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Am nächsten Morgen frühstücken wir noch alle gemeinsam Willies French Toasts auf der Terrasse, verabschieden uns und fahren weiter. Nicht ohne zig gute Wünsche mit auf den Weg zu bekommen und etliche Male Darling und Sweetheart genannt worden zu sein. Smalltalk, interessante Gespräche und schöne Worte können sie einfach, die Amerikaner. Und dafür liebe ich sie. Und sofern Amerika und die ganze Welt nun nicht durchdreht, werde ich auch immer wiederkommen.

Weitere Beiträge über unseren sommerlichen Neuengland-Roadtrip findet Ihr hier.

Offenlegung: Unsere Reise durch Neuengland wurde von Neuenglandusa und VermontVacation  unterstützt. Meine Meinung bleibt davon wie immer unangetastet.

3 Kommentare

  1. Flögi sagt

    Wow, das Baumhaus ist absolut klasse. Ich würde so eins auch gerne ausprobieren.
    Es gibt sogar eine Serie irgendwo im Fernseher, wo ich manchmal bei Durchschalten zufällig darauf stoße, welche um Baumhausbauer geht und um die verrücktesten Ideen.
    Lieb Grüße

  2. Anette sagt

    Liebe Nadine,
    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Wie schon so oft habe ich mich gefragt, wie du das nur machst, dass du immer so tolle/besondere/schöne Unterkünfte findest! Hast du nicht Lust, darüber mal einen Post zu schreiben? Ich fänd’s toll!
    Liebe Grüße Anettchi

    • Nadine sagt

      Vielen Dank, liebe Anette! 🙂 Ich suche ehrlich gesagt immer Ewigkeiten in den Weiten des www nach solchen Schätzen. Aber natürlich finden sie mich auch immer wieder mal im Zuge von Kooperationen. In diesem Fall waren wir über Vermont Tourism in dieses Baumhaus eingeladen. Und es war echt traumhaft dort. LG/ Nadine

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