Friendstravel: Ulli + Frank aus Berlin
8 Monate Eltern- und Kindergartenzeit am schönsten Ende der Welt

12. August 2016

Als wir vor 4 1/2 Jahren zwei Monate unserer Elternzeit in Thailand verbrachten, lernten wir Ulli und Frank mit ihrer kleinen Tochter Charlotte auf Koh Lanta kennen. Die kleine Familie war ebenfalls in ihrer Elternzeit und reiste für 3 Monate durch Südostasien.

Mittlerweile sind aus drei Personen vier geworden und auch die zweite Elternzeit hat die Berliner Familie dazu genutzt die Welt zu entdecken. Da ich solche Stories liebe und total inspirierend finde, stelle ich Euch die Vier heute mal vor. Denn sie haben diesmal eine Reise gemacht, von der ich in so einer Form auch noch nicht gehört habe.

AUS Whitsundays Whitehaven Beach_Uli

8 Monate Elternzeit am schönsten Ende der Welt (Foto: Ulli Gorsleben)

Die Elternzeit im Ausland zu verbringen wird ja immer beliebter und viele Familien verbringen bereits die Zeit in Australien, Neuseeland oder Asien. Das Besondere bei den Vieren war jedoch, daß sie zwar 8 Monate unterwegs waren, Ulli 4 Monate davon jedoch allein mit den zwei Töchtern Charlotte und Henriette in Neuseeland verbracht hat. Frank hatte nicht so viel Zeit und ist während dieser Zeit seinem Job in Berlin nachgegangen. Die 4jährige Charlotte ist zudem in Neuseeland in den Kindergarten gegangen.

Liebe Ulli, erzähl mal ein bisschen was über euch und wie es zu dieser 8monatigen Reise kam.

Wir sind Ulli und Frank aus Berlin- Flugbegleiterin in Elternzeit und Lehrer für Geografie und Geschichte. Die Liebe und Begeisterung fürs Reisen liegt uns also im Blut. Mit unseren beiden Kindern Charlotte (jetzt 5) und Henriette (1,5) waren wir zwischen Ende Oktober 2015 und Ende Juni 2016 – also 8 Monate – auf Reisen. Bereits 2011 /2012 waren wir mit Charlotte in der Elternzeit in Thailand, Malaysia und Vietnam unterwegs, damals allerdings nur 3 Monate.

Wir wollten unbedingt Australien und Neuseeland kennenlernen und die lange Auszeit nutzen, diese Länder am anderen Ende der Welt zu bereisen. Wann hat man schon mal so lange am Stück frei und dann noch in der idealen Reisezeit für Australien und Neuseeland? Wir haben es von vornherein in Betracht gezogen länger in Neuseeland zu bleiben, da wir aber noch nie dort waren und die Gegebenheiten nicht kannten, war noch nicht klar, ob alles so klappen würde.

Traumziel Neuseeland

Traumziel Neuseeland (Foto: Ulli Gorsleben)

Unsere beiden Kids wachsen zweisprachig deutsch/ englisch auf. Ich spreche von Anfang an mit beiden Kindern Englisch. Charlotte war bereits in Berlin 3 Jahre lang in einem bilingualen Kindergarten, daher hatte ich die Idee sie im englischsprachigen Ausland im Kindergarten anzumelden. Nach ein bisschen Recherche fand ich heraus, daß in Neuseeland alle Kinder über 3 Anspruch auf einen kostenfreien Kinderbetreuungsplatz für 20h/Woche haben. Unabhängig vom Visa Status. Da entstand die Idee, dass ich mit den Kindern allein auch über Franks Elternzeit hinaus, noch im Land bleiben könnte.

NZ Waikourupupu Springs_Uli

Maori Schild in Waikourupupu Springs (Foto: Ulli Gorsleben)

NeuseelandMix_Uli

Abenteuer in Neuseeland mit Kindern (Foto: Ulli Gorsleben)

NZ Abel Tasman NP Split Apple Rock_Uli

Abel Tasman Nationalpark (Foto: Ulli Gorsleben)

Um den Kindergartenplatz habe ich mich bereits in Deutschland gekümmert und einige Kindergärten angeschrieben. Eine Zusage haben wir dann im Dezember erhalten als wir in Australien waren. Als Wohnort hatten wir uns Nelson ausgesucht. Nelson wurde als „sonnigste Stadt Neuseelands“ beschrieben. Die Kleinstadt liegt direkt am Meer. Das waren unsere Kriterien und die Auswahl stand schnell fest. Nelson liegt im Norden der Südinsel und die ganze Gegend dort ist wunderschön. So war also der Entschluss gefasst dieses Abenteuer anzugehen!

Wie lange warst Du dann mit den Kindern alleine, wie sah euer Tagesablauf aus und wie war das so plötzlich alleinerziehend zu sein? 

Ich war die Hälfte der Zeit, also insgesamt 4 Monate mit den Kindern allein. Da Frank nur 3 Monate Elternzeit hatte, haben wir beschlossen, daß ich mit den Kindern in Neuseeland bleibe, wenn alles klappt. Wenn wir also einen Kindergartenplatz und eine Wohnung bekommen. So waren wir dann von Februar bis Ende März allein (Frank kam in den Osterferien nochmal nach Nelson) und dann von April bis Ende Juni.

Die ersten 2 Wochen waren sehr anstrengend. Dann haben wir uns jedoch gut eingespielt. Ab Anfang Februar ging Charlotte täglich von 08:30 bis 14:45 Uhr in den Kindergarten. Meistens war ich mit der Kleinen immer noch eine Weile mit im Kindergarten und habe sie dort ebenfalls spielen und entdecken lassen. Danach haben wir meist Einkäufe erledigt oder etwas im Haushalt gemacht (Wäsche, sauber machen, kochen o.ä.). Später hat die Kleine ca. 1- 1,5 Stunden Mittagsschlaf gemacht und dann war es auch schon wieder fast Zeit Charlotte abzuholen. Nachmittags haben wir Ausflüge zum Spielplatz, an den Strand oder in Parks gemacht, waren Erdbeeren pflücken, in der Bibliothek oder haben Freunde aus dem Kindergarten getroffen.  Dann haben wir zu Hause Abendbrot gegessen, gespielt und Gute- Nacht Geschichten von den Maoris gelesen.

NZ Christchurch_Uli

Highlight der Woche/ Der Farmersmarket (Foto: Ulli Gorsleben)

Jeden Samstag waren wir in Nelson auf dem Markt – dort gab es alles vom indischen Masala Chai bis Biogemüse aus der Region, mexikanische Burritos, Schmuck, Manuka Honig, Erdnussbutter aus Nelson oder Holzspielzeug – ganz viele tolle Dinge und es war jeden Samstag ein Event. Sehr gerne waren wir auch auf dem „Centre of New Zealand“ Walk- eine ca. 20-30minütige Wanderung auf den Botanical Hill in Nelson zum geografischen Zentrum Neuseelands. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und das Meer.

Wie kamen die Kinder denn damit klar? Besonders auch, das der Papa gefehlt hat?

Die kamen gut damit klar. Wir haben regelmäßig mit Oma, Opa und Papa geskypt. Aber natürlich haben sie ihn auch vermisst und sich sehr gefreut ihn wiederzusehen. Wir haben uns immer damit getröstet, dass er ja eh jeden Tag arbeiten muss und es in Deutschland zu der Zeit sehr kalt war. Natürlich hätten wir auch in Deutschland sein können, aber ohne Kitaplatz wäre ich mit beiden Kids allein zu Hause gewesen. So war unser Leben einfach viel spannender, lehrreicher und abwechslungsreicher. Es ist natürlich anders, wenn nur die Mama da ist. Ich musste mich um alles kümmern. Da ich mit der Kleinen zu Hause war, war meine einzige freie Zeit der Mittagsschlaf tagsüber.

Ansonsten haben sie die Reise insgesamt super mitgemacht, sogar die langen Autofahrten in Australien gingen erstaunlich gut mit den beiden. Am Ende bin ich mit beiden Kids alleine geflogen (Nelson- Auckland- Sydney- Denpasar- Bangkok- Frankfurt- Berlin). Es ging super. Insgesamt ca. 28 Stunden Flug, dazu An- und Abreise zum Flughafen, Check- In, Security usw. Ich habe mir vorher einfach keine Gedanken darüber gemacht. Warum sollte es „schlimm“ werden, nur weil ich mit beiden allein bin? Es war einfach völlig normal, dass wir da jetzt einfach mal hinfliegen.

AUS Great Barrier Reef Snorkeling_Uli

Schnorcheln am Great Barrier Reef geht auch mit Kindern (Foto: Ulli Gorsleben)

AUS Litchfield NP 4x4_Uli

Im Lichtfield Nationalpark bei Darwin (Foto: Ulli Gorsleben)

In Nelson haben wir ganz anders und auf viel engerem Raum gewohnt als in Berlin, aber den Kindern ist es total egal, wo sie wohnen, solange ihre Vertrauensperson(en) da sind. Sie haben keine vorgefestigte Meinung. Auf Reisen sehen und erleben sie so viel Neues und es ist einfach immer spannend.

Welche Hürden musstet ihr denn in Neuseeland meistern? Ihr brauchtet ja schließlich auch eine Wohnung. Und wie lief das mit dem Kindergarten?

Wir brauchten natürlich eine bezahlbare Unterkunft und das stellte sich zunächst als etwas schwierig heraus. Erstmal sind die Mieten recht hoch, das meiste wird unmöbliert vermietet und die Vermieter möchten meistens 1-Jahresverträge machen. Für vieles braucht man auch Referenzen, wie Einkunftsnachweise o.ä.

Doch wir hatten Glück und haben eine möblierte 2-Zimmer Wohnung am Campus des NMIT (Nelson’s Uni/ Fachhochschule) bekommen. Da wir erst 2 Wochen später (Ende Januar 2016) einziehen konnten, haben wir noch eine kleine Rundreise gemacht. Zu den Thermalquellen von Hamner Springs, dann nach Christchurch auf den tollsten Spielplatz ever (der Margret Mahy Playground – von Kindern für Kinder entworfen) und nach Kaikoura um im Meer mit Delfinen zu schwimmen. Frank ist Ende Januar dann zurück nach Deutschland geflogen und ich war erstmal „alleinerziehend“.

Zum Thema Kindergarten: Neuseeland war das erste Land mit einem offiziellen Curriculum für die frühkindliche Bildung. Wir fanden das Konzept einfach unglaublich toll. Natürlich haben wir nur wenig Vergleichsmöglicheiten, aber Charlottes Kindergarten in Nelson war die tollste Kindergartenerfahrung. Die Kinder lernen dort völlig frei und können jederzeit selbst entscheiden, wann sie drin oder draußen spielen möchten. Es geht nicht eine ganze Gruppe raus und alle Kinder müssen mit, sondern die Kinder entscheiden zu jeder Zeit selbst. Es gab immer „Outside und Inside“-teachers. Es gab einen großen Raum mit verschiedenen Spielmöglichkeiten- alle Kinder haben schließlich unterschiedliche Interessen- aber alle sind trotzdem zusammen in einem Raum und spielen. Die Erzieherinnen waren unglaublich toll und professionell. Wir konnten kommen und gehen, wann wir wollten, niemand hat sich daran gestört, wenn man länger geblieben ist. Ganz im Gegenteil, es wurde sogar so kommuniziert und gewünscht. Vor dem Mittagessen, gab es eine Art „(Morgen)kreis“, wo vorgelesen und gesungen wurde, die Kinder haben gelernt sich und ihre Familie auf Maori vorzustellen. Es gab sowieso einen starken Fokus auf die Kultur der Maori. Um kurz vor 3 wurden alle Kinder abgeholt. Vor dem Eintreffen der Eltern gab es einen zweiten Kreis (mat time), wo die Kinder sich Bücher angeguckt haben und Entspannungsmusik gehört haben. Es war fantastisch und wir werden das hier in Berlin sehr vermissen.

In welchen Ländern seid ihr noch gewesen und warum habt ihr diese ausgesucht?

Zuerst waren wir eine Woche in Kuala Lumpur zum Akklimatisieren und Chillen. Dann ging es weiter nach Bali: 5 Wochen tropisches Strandfeeling, Meer, frische Kokosnüsse, tolles Essen, Kultur, Yoga, Reisterassen usw. Von dort aus nach Australien (Darwin- Cairns- Port Douglas- Cape Tribulation, dann die Küste runter bis nach Brisbane, wo wir Silvester gefeiert haben und weiter mit dem Flieger nach Melbourne). Nach einem Monat (Dezember) in Australien ging es für uns dann nach Auckland, auf die Nordinsel Neuseelands. Dort haben wir uns ein Auto gekauft und sind die Nordinsel via Lake Taupo runtergefahren nach Wellington. Von dort haben wir uns mit der Fähre auf die Südinsel übersetzen lassen und sind direkt nach Nelson gefahren, wo wir uns niederlassen wollten.

Bali Mommy and Daughter_Uli

Entspannte Tage auf Bali (Foto: Ulli Gorsleben)

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Unterwegs auf Bali (Foto: Ulli Gorsleben)

Bali Kids_Uli

Charlotte mit Kindern auf Bali (Foto: Ulli Gorsleben)

Und wie habt Ihr das Ende eurer Reise verbracht?

Anfang Juni war Charlottes letzter Tag im Kindergarten in Neuseeland und wir sind dann zu Dritt von Nelson via Auckland nach Sydney geflogen, um uns noch ein paar Tage die Stadt anzugucken, weil wir Sydney auf unserer Australienreise im Dezember ausgelassen hatten. Von Sydney war es dann ein 7- stündiger Flug nach Bali. Dort hatte es uns im November so gut gefallen, daß wir am Ende unserer Reise (Juni) dort nochmal Urlaub machen wollten. Da es in Neuseeland ab Mai immer kälter wurde und der Winter nahte, haben wir uns wieder riesig auf Bali gefreut. Nach 3 Wochen Bali sind wir dann via Bangkok und Frankfurt zurück nach Berlin geflogen.

Wie ist denn Dein Fazit zu dieser Reise und würdest Du so etwas wiederholen? 

Auf jeden Fall. Wir planen sogar schon unsere nächste Reise. Das nächste Mal soll es ein ganzes Jahr werden (Sabbatjahr), wir möchten durch Mittel- und Südamerika reisen. Umsetzen werden wir das Ganze aber erst in ein paar Jahren. Vielleicht geht es dann auch nochmal nach Neuseeland.

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich es nur jedem empfehlen solche Reisen zu unternehmen. Viele denken, man kann das mit Kindern nicht machen oder sie sind so in ihrem Alltag festgefahren, dass sie nicht wissen wie man das umsetzen kann. Viele trauen sich das auch einfach nicht zu. Man braucht Mut und Lust das Unbekannte zu entdecken und den Willen das auch durchzuziehen. Wenn man das will, findet man immer eine Lösung zur Umsetzung. Alles andere sind Ausreden oder man möchte es eben nicht genug. Dann ist das auch ok.

Wir haben während unserer Reise viel reflektiert und oft darüber gesprochen, wie wir leben möchten. Wir haben versucht, uns von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen völlig frei zu machen und so zu leben wie wir möchten.

Liebe Ulli, lieber Frank! 1000 Dank für diesen spannenden Einblick. Ich finde es absolut großartig, daß ihr diesen Trip gemacht habt und sowieso bin ich ja der Meinung, daß es nicht viel bessere Chancen im Leben gibt, als Familie so viel konstruktive Zeit miteinander zu verbringen, wie in der Elternzeit. So und jetzt möchte ich bitte auch direkt nach Neuseeland. Ich war 3 Monate während meiner einjährigen Weltreise dort, aber das ist schon sage und schreibe 16 Jahre her.

Mehr über Ulli, Frank, Charlotte und Henriette erfahrt ihr auf Facebook: 2kiwikids oder Instagram: 2kiwikids.

Weitere friendstravel-Interviews findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Comments

  • Reply Ani 12. August 2016 at 11:55

    Wow, Dauemn hoch für diese gewaltige Portion Mut!
    Tolle Geschichte!

    xx
    ani von ani hearts

    • Reply Nadine 12. August 2016 at 20:43

      Ich finde das in der Tat auch mutig, Ani. Reisen in der Elternzeit ist ja nun mittlerweile echt salonfähig geworden. Aber mal eben alleinerziehend den Schritt zu wagen….das macht wirklich nicht jeder. Ich weiß nicht, ob ich mich das allein mit meinen beiden Rabauken gewagt hätte. LG/ Nadine

    • Reply Nadine 12. August 2016 at 20:43

      Ich finde das in der Tat auch mutig, Ani. Reisen in der Elternzeit ist ja nun mittlerweile echt salonfähig geworden. Aber mal eben alleinerziehend den Schritt zu wagen….das macht wirklich nicht jeder. Ich weiß nicht, ob ich mich das allein mit meinen beiden Rabauken gewagt hätte. LG/ Nadine

  • Reply Ani 12. August 2016 at 11:55

    Wow, Dauemn hoch für diese gewaltige Portion Mut!
    Tolle Geschichte!

    xx
    ani von ani hearts

    • Reply Nadine 12. August 2016 at 20:43

      Ich finde das in der Tat auch mutig, Ani. Reisen in der Elternzeit ist ja nun mittlerweile echt salonfähig geworden. Aber mal eben alleinerziehend den Schritt zu wagen….das macht wirklich nicht jeder. Ich weiß nicht, ob ich mich das allein mit meinen beiden Rabauken gewagt hätte. LG/ Nadine

    • Reply Nadine 12. August 2016 at 20:43

      Ich finde das in der Tat auch mutig, Ani. Reisen in der Elternzeit ist ja nun mittlerweile echt salonfähig geworden. Aber mal eben alleinerziehend den Schritt zu wagen….das macht wirklich nicht jeder. Ich weiß nicht, ob ich mich das allein mit meinen beiden Rabauken gewagt hätte. LG/ Nadine

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