Stadt versus Dorf

Wo lebt es sich besser? Ich plauder mal aus dem Nähkästchen.

[Dieser Beitrag ist vom 25.  Juli 2016 und wurde aus aktuellem Anlass wieder aus dem Dunkel der Blogversenkung geholt. Siehe Beitrag auf Instagram.]

Als wir vor über 3 Jahren raus aus der Stadt zogen, hatte ich eine klare Vorstellung davon, wie meine Jungs auf einem Dorf aufwachsen würden. Ich stellte mir vor, wie sie unbeschwert mit vielen anderen Kindern in der Gegend herumstreifen, im Stroh herumtollen, auf Bäume klettern und kleine Abenteuer erleben würden. Herrlich! All das kannte ich als Stadtkind nur aus den Ferien. Meine Kinder sollten das bitte immer haben. Mir war natürlich klar, dass der Dunstkreis von Köln oder Düsseldorf nicht gerade Bullerbü ist, aber so sah halt meine (naive?) Vorstellung vom Leben auf einem Dorf aus.

LandlebenmitKindern

Hach, wie schön ist´s in Bullerbü….

Die Realität sieht leider etwas anders aus und das Landleben hat zuweilen Tücken, die mir vorher nicht bewusst waren.

 

  • In unserem Dorf herrscht manchmal genauso viel Verkehr wie in der Kölner Innenstadt und es gibt z.T. noch nicht mal anständige Bürgersteige oder Zebrastreifen. Das macht den Fußweg zur Schule und in den Kindergarten einigermaßen unangenehm und ich habe des Öfteren Sorge, dass meine Jungs vom nächsten Trecker oder Hirni, der mit 100 Sachen über ne schmale Landstraße rast, überfahren werden. In der Stadt gibt es überall breite Gehwege, Ampeln und Zebrastreifen, die einen sicheren Fußweg zur Schule, Bäcker, Freunden etc. ermöglichen.  Kaum zu glauben, aber wahr.
  • Spielplätze sind auf dem Land Mangelware. Unser Spielplatz liegt am anderen Ende des Dorfes und ist zu Fuß nicht mal so einfach (ohne Mama) zu erreichen. Daher spielen viele Kinder gar nicht erst draußen, sondern nur hinter hohen Gartenzäunen. Was einen manchmal vermuten lässt, dass es gar keine Kinder mehr gibt. In der Stadt ist immer irgendwo ein Spielplatz an der nächsten Ecke, der auch meist rappelvoll ist. In Köln hat mich das früher total genervt…. Schlangestehen für einmal schaukeln. Mittlerweile denke ich…..Yeah……da sind wenigstens andere Spielkameraden. Bei Freunden die mitten in Düsseldorf leben, sehe ich spielende Kinder auf der Straße. Auf unserem Dorf sind z.T. sogar am Wochenende die Spielstraßen verwaist. Spielen meine Kinder btw tatsächlich mal am Feldrand und klettern auf in Plastik verpackten Strohballen rum, werden sie doch glatt vom Bauern beschimpft und verjagt.
  • Auf dem Land ist alles weit entfernt und man braucht für jeden Einkauf und die Fahrt ins Büro ein Auto. Für uns bedeutete das, die Anschaffung eines Zweitwagens. Wer also wegen der geringeren Mietkosten aufs Land zieht, sollte erstmal ausrechnen was der Unterhalt eines zweiten Autos kostet. Einziger Vorteil ist, dass man auf dem Land als Familie überhaupt noch die Chance hat Wohnraum zu finden. In der Stadt haben wir 2 Jahre lang nach einer 4 Zimmer-Wohnung gesucht, die nicht ein komplettes Monatsgehalt verschlingt. Und zu Viert in ner 2-3 Zimmer Wohnung ist nur so semioptimal. Auf dem Land haben wir glücklicherweise ein bezahlbares kleines Häuschen gefunden. Wobei auch das mittlerweile ein wahrer Glücksgriff und kaum noch zu bekommen ist. (Stand 2016 – im Jahr 2018 ist auch hier nichts mehr zu bekommen) Ein Zustand, der auf Dauer überhaupt nicht tragbar ist und die Politik dringend mal handeln müsste.
  • In unsere Grundschule gehen Kinder, die aus allen Dörfern im Umkreis von bis zu 10 km kommen. Bedeutet, das Schulfreunde u.U. nicht gerade um die Ecke wohnen und ein spontanes Treffen am Nachmittag nicht so einfach möglich sind. Immerhin arbeiten auch die meisten Eltern und die Kids gehen bis 15/16 Uhr in die Nachmittagsbetreuung. Einfach so nach der Schule verabreden ist also oft schwierig. Und um ein Stündchen draußen zu spielen, fährt man die Brut ja auch nicht erstmal 20 km durch die Gegend. In der Stadt gehen in der Regel alle Kinder eines Viertels in die gleiche Schule, man hat den gleichen Weg nach Hause und der Schulkamerad wohnt meist einfach quer rüber. Total easy peasy. So bekomme ich das jedenfalls von meinen Freunden in der Stadt mit.
  • Wenn man auf einem Dorf wohnt, hat man die Wahl zwischen Neubaugebiet oder altem Dorfkern. Die Vorstellung mit 20 cm Hausabstand in einem dieser „Klon-Viertel“ zu wohnen, war mir ehrlich gesagt immer ein Gräuel. Daher wohnen wir im alten Ortskern des Dorfes, in einem alten ehemaligen Bauernhäuschen. Leider wohnen in dieser Ecke jedoch fast nur ältere Generationen und Kinder sind Mangelware. Ergo haben meine Jungs kaum Spielkameraden in der Nachbarschaft. Ich muß mir also mittlerweile die immensen Vorteile der Neubausiedlung eingestehen, wo alle Kinder auf der Spielstraße (außer am Wochenende ;)) rumhängen. In der Stadt kennt man diese Probleme nicht wirklich und es gibt eigentlich immer Kinder in der Nachbarschaft.
  • Auch nach 3 1/2 Jahren fühle ich mich auf dem Dorf zuweilen wie die Städterin. Mit „Schützenfest, Dorfgeklüngels, Kännchen Kaffee und Dackelzuchtverein“ (jetzt mal überspitzt gesagt) werde ich wohl nie was anfangen können. Dafür vermisse ich mein Yoga-Studio um die Ecke, wenigstens ein hippes Cafe oder netten Shop oder einfach mal ein bisschen Leben auf der Straße. Warum haben deutsche Dörfer nicht mal ein bisschen mehr Flair? Da wohnen schließlich auch junge und mitteljunge äh alte Menschen. Unser Dorf hat doppelt!! so viele Einwohner wie das australische Byron Bay und der Coolness-Faktor könnte nicht unterschiedlicher sein. Und die Holländer bekommen das doch auch hin.
  • Nichtsdestotrotz wohne ich eigentlich gerne ländlich und habe derzeit so gar keine Lust mit den Jungs wieder mitten in der Stadt zu leben. Ich genieße die Ruhe und Natur vor der Haustür, liebe das morgendliche Krähen des Hahnes und unser Höfchen mit Mini-Garten und ziehe die Pferdekoppel der Einkaufsstraße vor. Und wenn mir wirklich mal der Sinn nach Großstadtflair steht, fahre ich einfach in 20 Minuten nach Köln oder Düsseldorf. Ich finde jedoch, dass das Landleben mal eine dringende Generalüberholung braucht. Nicht jedes Kind möchte in den örtlichen Fußball- oder Tennisclub. Warum also nicht mal einen Theater-, Parkour- oder Spanischkurs anbieten? Ich will nicht nur in der Dorfschänke mit alten Opis mein Schnitzel essen, sondern in einem halbwegs netten Cafe mit anderen Müttern auch mal was trinken gehen können. Ich plädiere für mehr Spielplätze und die Vernunft der Eltern, ihre Kinder auch mal wieder vor der Tür spielen zu lassen. Ich finde, es sollte echt mal der Preis fürs modernste Dorf Deutschlands ins Leben gerufen werden. Denn auch wenn Deutschlands Bevölkerung immer älter wird, müssen ja nicht automatisch alle vergreisen. Davon mal abgesehen wollen sicher auch alte Menschen nochmal was jenseits von Bingoabenden und ihren Stützstrümpfen erleben.

Und wie ist das bei Euch? Wohnt ihr in der Stadt oder auf dem Land und wie empfindet ihr das?

Anmerkung: Dieser Beitrag ist bereits 2 Jahre alt. Mittlerweile leben wir seit 5 1/2 Jahren auf dem Dorf und es hat sich nicht viel geändert, außer das die Jungs nun zur Grundschule und aufs Gymasium gehen, was die Sache auch nicht einfacher macht. Der Schulbus fällt manchmal aus und Freunde wohnen z.T. noch weiter entfernt. Da muß also das Mama-Taxi herhalten. Für angehende Teenies ist die Pferdekoppel vor der Tür nicht mehr wirklich spannend und das Angebot an Freizeitaktivitäten ist neben der Schule auch nicht nennenswert besser geworden. Was auffällig schlechter geworden ist, ist jedoch die allgemeine Mietlage quer durch alle Städte Deutschlands und die Randgebiete. Mal abgesehen davon, dass es kaum noch Wohnraum gibt, ist dieser unbezahlbar geworden. Ein Reihenmittelhaus in der Vorstadt kostet mittlerweile +500.000 € und 3 Zimmer Wohnungen +1400 € Miete. Selbst wenn wir wollten, könnten wir nicht mehr zurück in die Stadt ziehen. Wie sieht es bei Euch aus? Stadt oder Dorf?

 

 

 

 

 

17 Kommentare

  1. flögi sagt

    Hallo Nadine,
    ich bin in Großstadt aufgewachsen und bis 27 gelebt. Mir war es daals unvorstellbar nicht so zu leben. Aber seit 13 Jahren lebe ich auch ländlich und fahre höchstens einmal in Jahr in die Stadt rein (nach München, ab jetzt wahrscheinlich noch weniger). Ich mag auch die Ruhe und bekomme hier genauso alles, was ich brauche.
    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Liebe Flögi, ich wohne mittlerweile ja auch total gerne ländlich. Meine Probleme beziehen sich halt auch echt eher auf das Leben mit Kindern. Da muss ich eindeutig sagen, daß in der Stadt vieles leichter war. Aber wie ihr das miettechnisch in München macht ist mir eh ein Rätsel. Das ist ja auch jenseits von Gut und Böse. LG/ Nadine

  2. Carmen sagt

    Ich bin am Land (kleines Dorf, aber gut öffentlich angebunden) aufgewachsen, zuerst in eine Klein-, dann in eine Großstadt gezogen, wo ich jetzt, mit 2 kleinen Kindern, immer noch wohne. Aus all den Gründen, die du nennst, wohnen wir auch dort und nicht im umland – auch weil wir uns (noch) wohnung mit Garten am stadtrand leisten können. Das stadtleben ist definitiv teurer, ABER, wenn man sich ein schönes eck aussucht, dann kann man genauso ein nettes miteinander erleben, und hat, wenn man will, immer noch die möglichkeit, ein bissl anonym zu sein.

    • Nadine sagt

      Hallo Carmen, ich bin mir gar nicht sicher ob das Stadtleben soviel teurer ist. Denn wenn man das zweite Auto, die Spritkosten etc. draufrechnet, kommt es am Ende wahrscheinlich wieder aufs gleiche raus. Allerdings gibt es bei uns in Köln oder Düsseldorf einfach gar keinen Wohnraum mehr für Familien. Und auf ne 3 Zimmer-Wohnung mit ömmeligen Balkon und den zwei Rabauken hab ich nun auch echt keinen Bock. Kommt aber sicher auch auf die Stadt an. Ob Heidelberg oder Frankfurt, ob München oder Saarbrücken. Da liegen ja Welten zwischen. LG/ Nadine

  3. Ich hab die Schule und den Spielplatz direkt hinter dem Haus hier – aber ich denke auch, so ein Landleben hat Vor und Nachteile. Für mich ist es ideal, da ich nie Großstadtmensch war – aber ein wenig mehr Kleinstadtflair fänd ich auch nett. Und wir haben es hier doch gut – ich bin sogar mit öffis in nur 30 Minuten in Köln oder Düsseldorf. Wenn ich da an früher denke! Selbst nach Erfurt habe ich immer knapp 1 1/2 Stunden gebraucht.

    • Nadine sagt

      Das stimmt schon, Janett. Wir sind schnell in beiden Großstädten und eigentlich isses ja auch (fürs Rheinland) ganz nett. Meine „Probleme“ beziehen sich in der Tat auch mehr auf die Kinder. Wir sprechen nochmal wenn Du soweit bist :). Liebe Grüße in die Nachbarschaft, Nadine

  4. Hallo Nadine,
    ach das ist gut das mal zu hören! Wir wohnen in Hamburg Ottensen, also mitten drin im quirligen Großstadtleben. Wir haben eine schöne nicht zu teure 4 Zimmer Mietwohnung (großes Glück!), nette Nachbarn und könnten zufrieden sein. Aber natürlich ist es auch oft voll und laut und wenig grün und irgendwo im Hinterkopf ruft doch immermal wieder die Sehnsucht nach Landleben und Eigenheim. Mal lauter mal leiser. Um im Hamburger Umland etwas bezahlbares zu finden muss man allerdings sehr weit raus und dann kommen bei mir all die Befürchtungen zum Tragen die Du beschreibst! 😉 Ich denke auch oft, dass das ein deutsches „Problem“ ist und würde sofort ja Rufen beim Preis für das modernste Dorf! 😉 Deine Neubauphobie kann ich auch sehr gut verstehen.
    Wir haben uns für´s erste für einen Schrebergarten in einer entspannt scheinenden Siedlung am Rand von Hamburg entschieden, mit Kindern in den anderen Gärten drum herum. Dort ist sonst nichts, dafür aber: Badesee, ein Seitenarm der Elbe mit kleinem Yachthafen, jede Menge Felder und somit ganz viele Möglichkeiten für Radtouren. Mit dieser Art Wochenendhaus hoffen wir das Stadt Land Dilemma etwas ausgehebelt zu haben und beides verbinden zu können. Und natürlich ein kleines Bullerbü für die Kinder zu schaffen.
    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Liebe Lena, hachz….Ottensen find ich dafür aber auch sehr toll und euer Alternativprogramm zum Landleben hört sich doch super an. Da würd ich glatt tauschen. 🙂 Liebe Grüße ins schöne Hamburg, Nadine

  5. Ein guter Beitrag der passender nicht sein könnte. Ich bin zwar selbst in einer Stadt geboren aber aufgewachsen in einem kleinen Ort mit 30.000 Einwohnern. Als Kind war es dort super, es gab Kinder in der Nachbarschaft, eine Spielstraße und neben unserem Reihenhaus ein Bauland mit viel Wildwuchs zum Verstecken, Buden bauen, Cowboy und Indianer spielen und im Winter haben wir dort sogar mal ein Iglu gebaut. Erst als man aus dem Alter raus war wurde auf dem Stück ein großer Mehrfamilienklotz gebaut. Je älter ich wurde, desto mehr zog es mich aus dem beschaulichen Ort weg in Richtung Stadt. Gerade als Junggeselle genoss ich dann später die Bars, Cafés und das Straßenbahnfahren wenn man mal ein paar Bierchen getrunken hat. Ich würde behaupten ich bin eher Stadtmensch. Aber wie das so ist, irgendwann ändern sich die Ansprüche, dann hat man Familie und Kinder und möchte ein anderes Umfeld, mehr Platz, einen eigenen Garten… Wir hatten bis vor kurzem eine echt schöne Stadtwohnung im Hochparterre mit Balkon und großen Gemeinschaftsgarten. Aber seit 2-3 Jahren waren wir auch schon auf der Suche nach etwas größerem, weil mit zwei Kindern die unaufhaltsam größer werden, war eine 3-Zimmerwohnung echt grenzwertig.
    Es wurde auch nervig die Kinder immer über den Balkon in den Garten zu hieven oder durch den Keller rein und raus zu schicken. Nicht so schön war auch die Entwicklung auf der Straße. Wenn man dann Sonntagsmorgen aus dem Küchenfenster blickt und direkt davor stehen zwei mit Ihrem Mariacronfrühstück. Jetzt haben wir seit kurzem ein kleines Häuschen mit Garten an der Stadtrandgrenze in einer Spielstraße zu einem noch bezahlbarem Mietpreis. In Köln und Düsseldorf ist es ja echt unbezahlbar aber selbst in Krefeld waren die Wohnungen oder Häuser entweder sau teuer oder bezahlbare Bruchbuden. Die Suche war echt ätzend, da unsere Ansprüche aber auch entsprechend waren, hat es länger gedauert als gedacht. Jetzt genieße ich morgens den Kaffee im Garten und bin froh einfach nur die Terrassentür öffnen zu müssen um die Jungs in den Garten zu lassen oder kann sie bedenkenlos auf der Spielstraße Roller fahren lassen. Natürlich gab es in der Stadt die Vorteile mal eben zu Fuß zum Bäcker oder mal eben zur Apotheke zu gehen oder nebenan am Kiosk am Wochenende was zu kaufen, wenn man was vergessen hat. Selbst das Kino war zu Fuß zu erreichen. Dafür brauchen wir jetzt das Auto. Abgesehen davon sind wir aber mit dem Auto in 5min. Im Stadtzentrum. Und abgesehen davon, sind die jetzigen Vorteile für die Kinder wichtiger gewesen, weil man damit tagtäglich den Nutzen der jetzigen Wohngegend spürt. Und jetzt kann ich endlich meine Palettenlounge auf der Terrasse bauen. Die Urlaubsfeelingpalme steht schon parat.

    • Nadine sagt

      Hallo Christian, na wenn ihr in 5 Minuten mit dem Auto in der City seid, ist das ja fast noch Stadtzentrum. Oder nennen wir es Speckgürtel ;). Und genau wie Du aufgewachsen bist, hätte ich das auch gerne für meine Kinder. Aber das sehe ich in der Form eigentlich nicht mehr. Vielleicht muss man für so ein „Feeling“ ja in ein Dorf fernab der Zivilisation ziehen oder halt in ein Neubaugebiet. Oder es gibt sowas wie zu unserer Kindheit halt einfach nicht mehr. Keine Ahnung. Und ja, die Wohnungssuche in Köln, Düsseldorf und Umgebung ist ein Graus. Aber in Hamburg, Berlin, Frankfurt oder München wahrscheinlich ähnlich schlimm. Liebe Grüße unter Deine Palme, Nadine

  6. Eben gerade ein schönes geschenkte Dekobild bei einer Bloggerin gesehen musste mal nach: „Wir Dorfkinder wissen wenigstens noch“ unter Bilder nachgucken. Da gibt es ein Schild das den Nagel mit auf den Kopf trifft.

    Selbst ja als Kind am Rande von Köln gelebt konnten wir dort uns auch noch ausleben, es gab noch Spielplätze und zudem gab es bis zur Schule viele Besucher bei meiner Omi in Österreich, wo ich mich auf dem Bauernhof gegenüber mit austoben konnte.

    Später dann auch in den Norden aufs Dorf gezogen (eigentlich Stadt-gelbes Schild) fand ich es klasse doch alles vor Ort zu haben und dennoch nicht der Hektik der Großstadt ausgesetzt zu sein. Das ging mir auch nach dem letzten Umzug aufs Ländle (durch Heirat).

    Allerdings musste ich damals schon feststellen das genau die Punkte die du ansprichst vorhanden sind d.h. immer mehr vorhanden sind. Viel mehr als Landfrauen, Schützenverein und jegliche Klüngelei gibt es kaum noch, nicht zu sprechen von der schlechten Versorgung jeglicher Art. Man ist gezwungen ein Auto zu haben um auch nur Brot zu kaufen. Kinder finden kaum Spielplätze und wenn werden sie vernachlässigt oder von Jugendlichen eingenommen.

    Tja, was soll ich sagen….meinen Umzug nach hier auch auf ein Dorf (Stadt?) abseits des Tourismus gewählt habe ich sofort feststellen können das es anders geht. Hier gibt es für Kinder viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen, schon alleine die Spielplätze die es in meiner direkten Umgebung gibt. Es gibt ein Miteinander, die Infrastruktur stimmt absolut denn man bekommt alles im Ort. Nicht nur das wir mehrere Schlachter haben, es gibt auch mehrere Gemischtwarenläden, Ärzte, Cafes, Tankstelle, Bäcker, Läden die von bis verkaufen…also wirklich alles. Auch Busse fahren regelmässig und wer so gar nicht mehr kann der kann dann auf die fahrenden Händler zurückgereifen (Obst-Gemüse/Fischwagen/Bäcker/Klamotten/Gasflaschen).

    Das Schöne ist auch das Jung und Alt wunderbar harmonieren….aber ich glaube du weisst wovon ich spreche…so ganz anders in südlichen Ländern halt.

    Ein Leben in der Großstadt? Kämen für mich in D. nur zwei Städte in Frage und da aber auch nur mit Penthousewohnung und Dachterrasse…tja, und dafür ist der Geldbeutel zu klein ;-), und hier auf der Insel…neeee, schon gar nicht in Touristengebiete. Ich liebe mein Landleben und die Herzlichkeit mit den Nachbarn. In keinem Verein wird man dennoch bei jeder Fiesta supergut mit aufgenommen und herzlich begrüßt, vor allem wenn man als Deutscher so normal lebt und sich gibt wie die Tinerfeños selbst.

    Liebe Grüsse

    N☼va

    • Nadine sagt

      Liebe Nova, ja, ich weiß ganz genau was Du meinst. Die Tage habe ich die Jungs noch gefragt wo sie lieber leben wollen würden. Mitten in New York in einem coolen Loft oder in einer schnieken Hütte an einem norwegischen Fjord. Ich würde natürlich beides liebend gerne nehmen, am Ende aber doch den Fjord vorziehen. Die Kurzen waren für New York. Ist mit Sicherheit auch immer eine Frage des Alters. Früher hätte man mich im Leben nicht aufs Land bekommen. Heute sehe ich das anders, aber das Leben auf einem Dorf ist in Deutschland tatsächlich noch sehr ausbaufähig. Ich freue mich jedenfalls für Dich, daß Du genau den Platz gefunden hast, wo Du sein willst. Ich brauche glaub ich noch ne Weile um diesen Ort zu finden ;). Liebe Grüße, Nadine

  7. Dodo sagt

    … ich weiß genau, was du meinst! Wir wohnen ländlich (tatsächlich gibt’s hier mehr Pferde als Menschen) und wir genießen das ‚Bullerbü-Feeling‘. Meine Kinder sagen ganz klar, dass sie nicht in der Stadt wohnen wollen – ist ihnen zu laut. Mir geht’s ähnlich. Allerdings finde auch ich meine Erfüllung nicht im Eichenambiente einer Dorfschänke … Dass es so ein entweder / oder ist, nervt; Latte oder Eichenfunier quasi … Ich hab‘ nun meine Dosis an ‚modern, kreativ, weltoffen‘ weniger an Orten, sondern in ein paar Gleichgesinnten gefunden. Interessante Frauen in ähnlicher Lebenslage, mit denen das ‚Landleben‘ eine zusätzliche Komponente bekommt. Ok; ähnlich wie die Kinder, treffen wir uns in den Gärten hinter’m Gartenzaun, der Kaffee ist selbst gekocht und nicht vom ‚Portugiesen‘ mitgenommen … aber das fällt bei spannenden Gesprächen auch nicht weiter auf 😉

    • Nadine sagt

      Liebe Dodo, cool das ihr wenigstens echtes Bullerbü-Feeling habt und Du dazu Gleichgesinnte gefunden hast. Besser gehts doch kaum und alles kann man ja auch nicht haben. Aber mir ist gerade erst wieder in den USA ganz krass aufgefallen, daß auch die letzten Käffer im tiefsten Vermont hünscher und spannender sind als bei uns. Da gibt es dann trotzdem ein Yoga-Studio oder auch ein nettes Cafe. Gleichgesinnte habe ich hier mittlerweile auch gefunden. Nur mit den Kindern hapert es aus den genannten Problemen leider noch. Liebe Grüße nach Bullerbü :), Nadine

  8. Natsuki sagt

    Liebe Nadine,
    du schreibst mir aus dem Herzen! Ich wohne mit Mann und Kind in der Großstadt Hamburg und mich würde es sehr aufs Land ziehen, denn ich bin als Klein(st)stadtkind aufgewachsen, mit vielen anderen Kindern der Dörfer ringsum. Eigentlich würde ich das unserer Tochter auch gerne zeigen, aber es gibt scheinbar keine kinderfreundlichen Dörfer in Deutschland. Spielplätze? Fehlanzeige. Dafür jede Menge Leute, die vom kleinsten Kindergeschrei schon genervt sind. Das ist schon frustrierend. Und wie du schon schreibst, den deutschen Dörfchen fehlt auch einfach das Flair. In England oder Frankreich gibt es z.B. diese wunderhübschen kleinen Ortschaften, in denen trotz all der uralten Cottages hippe Geschäfte und Cafés und sonstwas untergebracht sind. Zieht ja auch die Leute an, kommt also den Dörfern schlussendlich wieder zugute.

    Liebe Grüße,

    Natsuki

  9. Stephanie sagt

    Liebe Nadine,

    ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und fand das als Kind und Jugendliche auch ziemlich gut so. Wir hatten ein Reihenhaus in einer ruhigen Gegend mit Wald und Wiesen hinter dem Garten. Also draußen spielen war überhaupt kein Problem. Auf dem Gymnasium hatte ich dann einige Freunde, die auf dem Dorf wohnten und fand das immer ganz schrecklich. Vor allem das Busfahren zur Schule… Dann bin ich zum Studium erst in eine etwas größere Stadt und schließlich nach Frankfurt gezogen. Zunächst war die Großstadt schon toll und gewisse Annehmlichkeiten habe ich sehr genossen und vermisse sie auch manchmal, aber Kinder wollte ich dort nicht großziehen. Nach 7 Jahren hat es mich erst nach Hannover und schließlich kurzzeitig nach Hamburg verschlagen (beides tolle Städte, in denen ich mir prinzipiell ein Leben vorstellen könnte), ehe ich vor gut vier Jahren wieder in meiner Heimatstadt gelandet bin.
    Durch meinen Mann bin ich dann in einem Dorf gelandet. Allerdings hat dieses Dorf keinen wirklichen Dorfkern und auch kein -leben. Ich fand es da schrecklich. Dann haben wir uns überlegt, ein Haus zu bauen und da Grundstücke in der Stadt rar, teuer und klein sind, kam nur das Nachbardorf in Frage. Hier haben wir in einem Neubaugebiet gebaut, die Häuser liegen aber mehr als 20 cm auseinander. Es gibt hier viele Kinder im Alter von wenigen Monate bis 13 Jahren, die bei gutem Wetter entweder über die Straße pesen oder in einem Garten zusammen spielen. Zur Grundschule fahren hier aus dem Dorf ca. 20 Kinder mit dem Rad 2 km über den Radweg an der Kreisstraße und schließlich über einen ordentlichen Überweg und Gehweg. Eine Dorfkneipe gibt es nicht, aber natürlich den Schützenverein. Ein Auto bzw. Zweitwagen ist schon von Vorteil, aber rein theoretisch kann man den 3 km entfernten Supermarkt auch mit dem Rad erreichen und die 5 km in die City sind auch machbar. Also, irgendwie ist hier vieles anders als bei Euch;-).

    Was ich nur schade finde, der Weg in die nächste Großstadt beträgt mind. 80 km (Landstraße) und das macht halt nicht mal eben so. V.a. nicht, wenn der Gatte da keinen Sinn drin sieht… Es hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

    LG Stephanie

    • Nadine sagt

      Hallo Stephanie, ja scheinbar ist bei euch vieles anders. Ich bin aber auch in 15 Minuten in der Großstadt und ich denke das liegt definitiv auch an der Neubausiedlung. Die Vorteile für Kinder habe ich ja nun mittlerweile erkannt, auch wenn es nicht so meine ursprüngliche Vorstellung vom Leben auf einem Dorf ist. Dafür müsste ich dann wohl echt in ein Dörfchen in die tiefste Uckermark oder so ziehen. Da habe ich so Orte gesehen. Aber da ist man dann halt so richtig off und das will ich ja auch nicht. Wie gesagt…in Australien oder in den USA habe ich so kleine Ortschaften gesehen, die ländlich liegen aber trotzdem cool sind. Ich weiß nicht, ob es das in Deutschland gibt. Liebe Grüße, Nadine

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