Elterndasein

Von reisenden Müttern und dem schlechten Gewissen

Eva von hiddemgem, selber leidenschaftlich reisende Mama, wollte von mir wissen, ob ich als reisefreudige Mutter ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich meine Kinder ständig durch die Weltgeschichte schleppe? Denn Kinder finden es ja meist nicht so spannend stundenlang Auto zu fahren oder durch Tempelanlagen gescheucht zu werden. Ihnen ist es egal ob sie am Strand von Goa oder auf Norderney sitzen. Und um Himmels willen, was ist denn wenn sie auf Reisen krank werden? Irgendwas ist immer: die Hitze, die Kälte, das Essen oder einfach nur die Mitmenschen die ihre Ruhe haben wollen.

boys

my happy kids somewhere in Apulia/ Italy

Ein sehr spannendes Thema wie ich finde, gehöre ich doch leider zu den Müttern die im Alltag quasi unter einem dauerschlechten Gewissen leiden. Ich bin also tief in mich gegangen und bin zu dem Entschluss gekommen, daß ich zumindest in diesem Punkt ausnahmsweise mal absolut kein schlechtes Gewissen habe.

Denn ich finde, meine Kinder führen im Gegensatz zu den meisten Menschen auf diesem Planeten ein sehr wohlbehütetes, reiches Leben und ich biete Ihnen von klein auf die Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen. Meine Eltern sind mit mir auch schon früh gereist und ich habe das immer als eine große Bereicherung in meinem Leben empfunden. Und mit Sicherheit hat mich das auch sehr geprägt.

Natürlich reisen wir im kinderfreundlichen Schonwaschgang und machen nur noch Reisen, die wir für unsere Kinder unbedenklich halten. Roadtrip durch Schottland statt Trekking auf Sri Lanka oder Beachlife in Thailand statt Backbacking durch Myanmar. Und wir verzichten auf Reisen natürlich auch auf sehr viele Dinge, die wir als Erwachsene eigentlich sehr gerne machen würden. Shopping in den coolsten Städten der Welt (New York, Bangkok, Berlin..schluchz) fällt leider flach. Ebenso wie ein entspanntes Essen in einem schönen Restaurant oder einfach mal ein Bierchen in einem Pub. Waghalsige Outdoorabenteuer oder ein längerer Walk durch schöne Natur – Vergangenheit. Oder einfach nur entspannt in der Sonne liegen und ein Buch lesen. Gibts nicht mehr. Für mich zumindest schon seit 7 Jahren nicht mehr. Aber auch diese Zeit ides Verzichts ist absehbar.

Warum sollte ich also ein schlechtes Gewissen haben?

Weil meine Kinder mal ein paar Stündchen im Auto sitzen müssen und dabei Cartoons auf dem IPad schauen? Weil wir u.U. auf einem langen Flug ein paar Menschen stören, die keine Lust auf Kinder haben? Weil sie vielleicht krank werden könnten? An einem ordinären Tag im Kindergarten kommt der Kleine mit mind. 3 verschiedenen Seuchen wie Läusen, Magen-Darm oder Hand-Mund-Fuss-Krankheit in Kontakt und hat eine sehr viele höhere Chance krank zu werden, als in 2 Monaten Thailand. Weil meine Kinder an den schönsten Stränden der Welt ihre Sandburgen bauen dürfen und mit zum Teil sehr viel kinderfreundlicheren Völkern in Kontakt kommen, als mit den Deutschen?

Meine Kinder kommen mir auf Reisen meist sehr ausgeglichen und glücklich vor und wenn sie mal jammern oder ihnen gar langweilig ist, dann sicher nicht weil sie reisen. Schlechte Tage haben sie zuhause auch. Also nein, ich habe absolut kein schlechtes Gewissen. Ich habe jedoch oft ein schlechtes Gewissen wenn ich im Alltag zu ungeduldig bin, zu viel erwarte und schimpfe, zu wenig Zeit habe, zu übertrieben reagiere oder zu wenig mit ihnen spiele.

In diesem Sinne, liebe Familien! Rockt die Welt!

13 Kommentare

  1. Und Ungeduld und zu viel Schimpfen, genau das passiert beim Reisen viel weniger, oder? Bei uns ist das zumindest so.

    Ich stimme dir ganz zu – für mich hat Reisen mit Kindern überhaupt nichts mit elterlichem Egoismus zu tun. Zumindest, wenn man es richtig macht, so wie du es beschreibst. Meine Kinder jammern auch nicht, wenn sie lange im Auto sitzen müssen (und das sogar ohne iPad). Wenn ich die beiden frage: „Da kommt bald wieder ein langes Wochenende, was wollen wir denn da machen?“, kommen von beiden (7+9) Vorschläge wie: „Wir waren lange nicht Couchsurfen!“- „Ich möchte mal wieder eine neue Stadt erkunden.“ – „Können wir mal wieder xyz besuchen und da ins Museum gehen?“ Konditionierung von frühestem Kindesalter an, klar. Aber ich denke, das Ergebnis spricht für sich. 🙂

    Viele Grüße,
    Lena

  2. Liebe Nadine

    Vielen Dank für Deinen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele!
    Wir Reisemütter sollten eher stolz auf uns sein, als ein schlechtes Gewissen zu haben! Reisen mit Kindern ist nicht einfach- wir tun es trotzdem – ich nun schon seit 16 Jahren. Mein Fazit ist ganz eindeutig: Es lohnt sich. Wir können unseren Kindern so unendlich viel mitgeben in ihr Leben. Die Erlebnisse und Begegnungen, die sie während der Reisen haben, machen sie zu weltoffen Menschen. Was wollen wir mehr! Bitte eine Tüte Stolz für alle Reisemütter und auf gar keinen Fall ein schlechtes Gewissen!

    Lieber Gruss,
    Patotra (aka Ellen)

  3. Liebe Nadine,

    Du sprichst mir aus dem Herzen, genau so ist es bei uns. Zuhause wartet immer Arbeit und mein Kopf ist nie frei … auf Reisen sind einfach alle entspannt, warum also ein schlechtes Gewissen haben.

    Entschuldige auch noch, denn ich musste Deinen Titel kopieren, war einfach so passend.

    apropos schlechtes Gewissen … ich denk noch dran an das Interview 🙂 bin nämlich schon halb fertig

    lgr, Ute.

    • frau hibbel sagt

      Kein Problem, liebe Ute und ich freu mich schon auf Dein Interview! LG, Nadine

  4. Flögi sagt

    Hallo Nadine,
    ich finde, es ist völlig in Ordnung, so werden sie viel mehr offen für Sachen, wie Natur und Kultur und alles, als andere Kinder, die nie weiter als zu dem benachbarten Spielplatz kommen. Ich habe eine Freundin mit drei Kinder, sie sind total reiseverrückt und sind mit jedem Kind schon als die 3 Monate alt waren gereist. Wenn man damit gut umgehen kann, warum nicht? Ihre Kinder waren schon mit 2-3 Jahren so reisebegeistert, daß sie ständig davon geredet haben und später den Weltatlas geöffnet haben und studiert haben usw…sie lernen nur davon. Liebe Grüße

  5. Du hast sooooo recht. Kann ich zu 100 Prozent unterschreiben nach knapp viermonatiger Weltreise mit meinen Kids

  6. Ich kann es auch nur unterschreiben….auch wenn schon lange mit durch, hatte ich auch nie ein schlechtes Gewissen, und genau das habe ich auch später gehört: Toll was ich alles erleben durfte. Ich weiß nicht warum man da als Mutter ein schlechtes Gewissen haben sollte….kann ich nicht nachvollziehen.

    Liebe Grüssle

    N☼va

  7. Ich habe mir ehlich gesagt noch nie Gedanken gemacht, ob ich da jetzt ein schlechtes Gewissen haben sollte? Wir reisen ja auch schon seit vielen Jahren mit den Kindern um die Welt.
    Alltag ist sicher schlechter für die Kids 🙂 Wir waren mal drei Monate in den USA und Kanada unterwegs, reisten dort tausende Kilometer im Wohnmobil, hörten die Klapperschlangen klappern und sahen in die tiefe Schlucht es Grand Canyons – alles mit 1, 3 und 5 jährigen – es passierte gar nichts, außer dass wir glückliche Kinder in der Natur hatten!
    Dann, am ersten Tag im Kindergarten, knallte ein anderes Kind unserem Sohn einen Legostein so fest an die Stirn, dass die klaffende Wunde geklammert werden musste!
    Also, wir fahren weiterhin mit den mittlerweile jugendlichen Kids durch die Welt und haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir die schöne Zeit mit den Kindern daheim im Alltag verbringen anstatt gemeinsam die Welt zu erleben und dabei zu wachsen 🙂
    liebe Grüße

    Gabi

    • frau hibbel sagt

      Ehrlich gesagt habe ich mir auch noch nie Gedanken darüber gemacht, aber wenn ich schon mal gefragt werde ;). Leben ist immer lebensgefährlich, aber ich habe auch die Erfahrung gemacht das daheim oftmals viel Schlimmeres passiert als auf Reisen. Ich finde das grandios wie Ihr immer so mit Euren Kids durch die Welt reist und ich denke auch: Reisen ist die beste Schule! GlG, Nadine

  8. Was heißt den hier schlechtes Gewissen? Ich finde es toll, was Du Deinen Kids bietest. Die Reisen meiner Kindheit gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Mit Langstreckenflügen, Autofahrten, etc. kam ich relativ gut klar und fand alles immer spannend, was man mir on-the-go geboten hat.
    P.S. – Hab‘ gerade nochmals die Einladung rausgeschickt.

  9. Ganz. Genau.
    Nix da mit schlechtem Gewissen! Aber offene Kinder, die auf Menschen zugehen und viel Eltern-Zeit mitnehmen haben wir dafür!

  10. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht egoistisch – aber ich sehe überhaupt keinen Grund dafür, ein schlechtes Gewissen zu haben. Auch wenn die Kinder das Programm auf Reisen nicht immer super finden, ich bin ganz sicher, dass sie es spätestens in ein paar Jahren richtig zu schätzen wissen. Nicht umsonst heißt es „reisen bildet“. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Kinder die Möglichkeit haben, Neues kennenzulernen und über den Tellerrand zu blicken. Reisen ist eine intensive gemeinsame Familienzeit – und die möchten wir alle nicht missen.

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