Zeit zu Zweit ist Mangelware
Eltern sein, verliebt bleiben. Geht das überhaupt?

14. Februar 2019

Nachdem ich heute Morgen auf Instagram spontan ein Valentinsfoto von Herrn Hibbel und mir gepostet und gefragt habe, wieviel Zeit euch denn so als Paar bleibt, dachte ich mir, dass ein Post zu dem Thema doch mal spannend wäre. Denn wenn wir mal ehrlich sind, ist es zwischen Jobs, Kindern, Haus und drölfzigtausend Dingen, die ständig anstehen, gar nicht leicht ein verliebtes Paar zu bleiben. Umso leichter ist es jedoch, sich in den Wirren den Alltags aus den Augen zu verlieren. Auch bei uns gibt es Zeiten, wo es sich mehr nach Arbeitskollegen in einem Familienbetrieb anfühlt und wir abends so platt sind, dass wir gerade mal 5 Worte miteinander sprechen. Das hat nichts damit zu tun, das wir nicht die Zeit mit unseren Kindern genießen würden, denn die werden ja bekanntlich sehr schnell groß. Aber es ist nun mal Fakt, das die lieben Kleinen enorm viel Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. So viel, dass man sich manchmal darüber selbst und erst Recht auch seinen Partner vergisst. Obwohl man sich liebt.

Wie leicht das passieren kann, weiß ich aus Erfahrung. Denn (auch) deswegen bin ich von meinem Ex-Mann geschieden und unser Sohn lebt seit 9 Jahren im Wechselmodell bei uns. Und das ist de fakto nichts, was man sich für sein eigenes und das Leben seines Kindes wünscht. Daher finde ich es enorm wichtig, seine Partnerschaft zu hegen und zu pflegen. Und ja, da darf dann hin und wieder auch gerne mal das Kind hinten anstehen. Zeit zu Zweit ist bei uns auf jeden Fall Mangelware. Diesen sperrigen Titel gab es von uns mal bei Spiegel Online, aber irgendwie passt er auch. Wir haben nur ein Großelternpaar in der Nähe, die manchmal einspringen, aber selber auch recht busy sind und ein Babysitter hat sich bisher auch nie ergeben. Unsere komplett kinderfreie Zeit beläuft sich daher auf maximal 4 Abende und ein Wochenende pro Jahr. Diese Zeit genießen wir dann immer sehr, aber es ist natürlich viel zu wenig.

Kleine Auszeiten im Alltag

Daher bauen wir uns in unseren Alltag immer kleine Auszeiten zu Zweit ein. Der gemeinsame Kaffee am Morgen, ein Spaziergang ohne nörgelnde Kinder im Schlepptau (tagsüber bleiben die mittlerweile auch immer öfters mal allein), abends die Lieblingsserie auf Netflix zusammen gucken und vor allen Dingen reden, reden und nochmals reden. Und ja, auch den Partner und seine täglichen Leistungen wertschätzen und mal danke sagen. Ich kenne Paare die reden scheinbar nicht mehr miteinander oder wenn dann nur noch über die Kinder. Dabei ist es so wichtig, auch noch seine eigenen Träume, Pläne und Wünsche zu haben, die man dann natürlich auch mit seinem Partner teilt. Mit zwei so Labertaschen wie uns, mag das sicher einfacher sein, als mit einem introvertierten Partner. Aber ich halte Austausch für wahnsinnig wichtig. Und natürlich ist es auch essentiell die körperliche Bindung aufrecht zu erhalten, auch wenn das als Eltern mitunter extrem viel Improvisation und Einfallsreichtum erfordert. Manchmal hilft dann tatsächlich nur verabreden, auch wenn es erstmal extrem unromantisch erscheinen mag. Eltern sein, verliebt bleiben? Geht das überhaupt? Ich finde schon, aber es ist ein gutes Stück Arbeit, das definitiv nicht von allein angeflogen kommt oder einfach so erhalten bleibt.

Paarzeit auf Reisen

Noch komplizierter als daheim, ist es jedoch auf Reisen. Da sehen wir uns zwar „24 Stunden“ am Tag, haben aber gefühlt auch genauso lange je ein Kind am Bein kleben. Und da die Kinder älter werden, bleiben sie logischerweise auch immer länger auf und gehen bisweilen zeitgleich mit uns zu Bett. Paarzeit gibt es auf Reisen daher so gut wie gar nicht mehr. Meine Reisebloggerkollegin Jenny von den Weltwunderern hat mal einen recht amüsant, pikanten Post zum „Thema Sex auf Reisen“ geschrieben. Auch meine Freundin erzählte mir kürzlich, dass ihre Jungs mittlerweile im Urlaub zur gleichen Zeit wie sie ins Bett gehen würden und ihr Mann nach einer Woche entnervt zu den Kids sagte: „Ihr geht jetzt ins Bett. Eure Mutter und ich wollen endlich mal wieder Sex haben!“ Die peinlich berührten Gesichter… haha…. hätte ich zu gern gesehen. Danach gingen sie jeden Tag ensprechend früh in die Falle.

Mit fast 8 und 12 Jahren sind unsere Kinder halt nicht mehr klein, aber auch noch nicht groß genug. Als sie klein waren und pünktlich zu Bett gingen, war in Punkto Paarzeit vieles noch einfacher. Auf Reisen achten wir daher immer darauf, dass wir immer auch Unterkünfte mit zwei Schlafzimmern haben. Zwei Wochen Urlaub zu Viert in einem Hotelzimmer, Zelt oder kleinen Wohnmobil kann ich mir daher tatsächlich auch nicht vorstellen. Ich möchte immer die Möglichkeit haben, mich auch mal zurückziehen zu können. Und wenn ich nur abends noch mein Buch lesen oder mich mal 5 Minuten unterhalten möchte, während die Kinder schon im Bett liegen.

Und wie ist das bei euch so? Wieviel Zeit habt ihr als Paar? Gönnt ihr euch öfters mal einen Babysitter oder denkt ihr gerade: Ups, wird mal dringend Zeit!

 

 

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5 Comments

  • Reply Carla 14. Februar 2019 at 16:49

    Schultermine, Jobstress, ungemachte Betten, kaputtes Auto, unbezahlte Rechnungen, offene Zahnpastatube….. der Alltag ist manchmal sowas von anstrengend und wir schieben manchmal nur noch Termine hin und her und lamentieren über die Kinder. Man vergisst so schnell, warum man eigentlich mal zusammen gekommen ist. Ich leier direkt mal den Babysitter an und lade meinen Kerl zum Überraschungsdinner ein. Danke für den Wink mit dem Zaunpfahl. Carla

  • Reply Viermal Fernweh 14. Februar 2019 at 19:21

    Auch bei uns passiert das viel zu selten. Einmal im Jahr gönnen wir uns ein Eltern-Wochenende und gelegentlich einen freien Abend. Aber das können wir an beiden Händen abzählen. Es ist echt schwer zwischen all dem Alltagskram Zeit für Zweisamkeit zu finden. Irgendwie haben wir es die letzten 25 scheinbar doch hingekriegt und sind immer noch happy.
    Wenn die Kinder im Bett sind, gibt es heute ein Sektchen. 🙂 Cheers und liebe Grüße, Ines

    • Reply nadine 18. Februar 2019 at 12:15

      Liebe Ines! 25 Jahre ist aber auch schon ne krasse Zahl. Seid ihr bereits in der Schule zusammengekommen? 😉 Ihr müsst ja auf jeden Fall jede Menge richtig machen, wenn ihr das auch ohne allzuviel Paarzeit geschafft habt. Also herzlichen Glückwunsch! Ich kenne Paare, die schon totale Krisen hatten, obwohl sie in Punkto Kinderbetreuung ohne Ende Unterstützung haben und quasi ständig auch mal alleine ausgehen können. Cheers, Nadine

  • Reply Hartmut | 58GradNord 15. Februar 2019 at 23:22

    Liebe Nadine,
    4 Abende und ein Wochenende ist ja schon richtig gut! Das bekommen wir eigentlich nie hin… als wir das erste Mal nach der Geburt unseres Sohne ein paar Tage nur zu zweit unterwegs waren, war der bereits 11!!! Und dafür mussten wir auch die Großeltern aus Deutschland einfliegen. Na ja, wir sind halt nicht verwöhnt, was die Hilfe von den Großeltern anbelangt – ein großer Nachteil, wenn man Tausende Kilometer von den Großeltern entfernt wohnt.

    Wir haben allerdings auch keine Probleme, zu viert wochenlang in einem kleinen VW-Bus oder so zu verbringen. Dabei muss man auch nicht unbedingt auf Zweisamkeit verzichten… aber zugegeben, wir kämpfen auch inzwischen damit, dass die Kids mit oder sogar nach uns ins Bett gehen… aber irgendwann kommen auch wieder andere Zeiten!

    LG
    Hartmut

    • Reply nadine 18. Februar 2019 at 12:12

      Hej Hartmut! Ok, verglichen mit nix, ist vier natürlich viel. Wir hatten auch schon Jahre mit höchstens 2 Abenden. Mir fehlt das dann schon, auch mal Zeit als Paar zu haben. Das hat ja nichts damit zu tun, dass man die Zeit mit seinen Kindern nicht geniesst. Aber ich denke, es kommt halt auch immer auf die kids an. Wir haben halt zwei Krawalltröten, die sich auch permanent kloppen. 😉 In einem kleinen Van ist das dann wenig lustig und entspannend. Ich habe den Eindruck, dass ihr es mit einem Geschwisterpaar da schon einfacher habt. Das Thema hatten wir ja schon ein paarmal. Ich bin auch mit einem Bruder groß geworden und kann mich nicht an ständige Fehden erinnern. Gleichgeschlechtliche Kinder konkurrieren glaube ich einfach sehr viel mehr. Aber auch hier bahnt sich mit bald 8 und 12 Jahren natürlich langsam Entspannung an. Ich warte schon auf den Tag, wo wir sie das erste Mal einen Abend allein lassen können, ohne das die Bude zusammenbricht. Haha. LG nach Schweden, Nadine

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