Polen mit Kindern
Warum ihr unseren Landesnachbarn auf eure Reiseliste setzen solltet

22. Januar 2020

„Ihr macht Urlaub in Polen? Na, dann passt mal schön auf euer Auto auf. Haha!“ Das war in etwa der Tenor, wenn wir von unseren Sommerreiseplänen nach Polen berichteten. Das Polen aber natürlich auch nicht im Jahr 1989 stehengeblieben ist, ist manchen Menschen scheinbar gar nicht klar. Da wir aber bisher wenig Reiseerfahrung in Osteuropa gesammelt haben, waren wir dann auch wirklich ziemlich gespannt, ob die üblichen Klischees stimmen würden. Tatsache ist, dass wir sehr positiv überrascht wurden und ein modernes Polen mit hübschen Städten und wunderschönen Landschaften vorfanden. Das mobile Internet hat fast überall 1A funktioniert und selbst an Marktständen konnten wir kleine Beträge ganz einfach mit unserer EC-Karte zahlen. Zwei Punkte, in denen uns unser Landesnachbar schon mal eindeutig voraus ist.

Da wir mit der Fähre von Schweden nach Gdynia ins Land gereist sind, führte uns unser Trip von Danzig, über Leba, Torun und Posen bis nach Berlin. Die genaue Strecke könnt ihr euch hier anschauen.

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Warum ihr Polen auf eure Reiseliste setzen solltet

#1 Historische Städte mit Hipster Flair

Historische Städte wie Danzig, Toruń und Posen haben uns wirklich begeistert, denn sie sind modern, wunderschön und traditionsreich zugleich. Staubigen Ostblockcharme findet man eigentlich nur noch in den Vorstädten. Gerade Danzig ist so bezaubernd hübsch, dass wir uns zeitweise wie in einer Disneyland-Kulisse vorkamen. Wenn man bedenkt, dass Danzig am Ende des 2. Weltkrieges komplett zerstört war, ist es glatt ein Wunder wie originalgetreu die Stadt wieder aufgebaut wurde. Ende Juli war Danzig sehr gut besucht, allerdings noch nicht so voll, dass man es überfüllt nennen könnte. Auch Toruń und Posen sind superschön und unbedingt einen Besuch wert. In den wunderschönen Altbauten verbergen sich oft kleine hippe Restaurants und Cafés und bieten leckeren Kaffee, bunte Buddha Bowls, Wonder Waffles oder trendig aufgemotzte Piroggi an. Nur nette Geschäfte muß man in den Innenstädten eher suchen. Denn die findet man fast ausnahmslos in den riesigen, hypermodernen Shoppingmalls am Stadtrand.

#2 Ereignisreiche Historie

Da mein Opa aus Westpreußen kam, war unser Trip für mich auch gleichzeitig eine spannende Reise in meine Familiengeschichte. Die Provinz Westpreußen lag zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches im Nordosten des deutschen Reichs und grenzte an Ostpreußen, Posen und Pommern. Diese Grenzen haben sich in den letzten Jahrhunderten zigfach verschoben und daher war Polen, genetisch gesehen, bis zum 2. Weltkrieg ein Vielvölkerstaat. Über viele Epochen lebten ethnische und religiöse Minderheiten, wie z.B. Deutsche, Ukrainer, Weißrussen und Juden in der Region und machten bis zu einem Drittel der Gesamtbevölkerung aus. Diese genetischen Unterschiede machen sich bis heute im Aussehen der Bevölkerung bemerkbar. Da ich vor einigen Jahren einen Gentest gemacht habe, weiß ich, dass ich u.a. zu 25 % polnische und baltische Gene in mir trage. Und irgendwie fühlte ich mich dann auch auf Anhieb mit dieser Region verbunden.

#3 Traumhafte Strände und spektakuläre Wanderdünen

Einen Eindruck der Ostseestrände konnten wir im Strandort Leba bekommen. Leba selbst fanden wir ehrlich gesagt etwas abschreckend. Das wohl einst romantische Fischerörtchen muß man im Sommer suchen, denn dann ist es laut und komplett überfüllt. Außerdem scheinen Polen ein etwas anderes Verständnis für Urlaubsidylle zu haben. Wer auf Blingbling, skurile Animation und Kirmesfeeling steht wird hier sein Glück finden. Für uns war das definitiv nichts. Es war so voll, das wir noch nicht mal in Strandnähe kamen. Zum Glück hatten wir wenigstens eine richtig nette Unterkunft. Das Apartamenty Pogodna* kann ich sehr ans Herz legen. Eine hübsche, kinderfreundliche Anlage, nette Vermieter und gemütliche, kleine Häuschen.

Sobald man die Tore von Leba verlässt, steht man jedoch gefühlt in der Pampa. Wälder so weit das Auge reicht. Tatsächlich habe ich dann von einem Einheimischen auch einen echten Geheimtipp für einen Strand bekommen, den wir so nie gefunden hätten. Man mußte nämlich erstmal 1,5 km durch sandige Kiefernwälder laufen, um zu diesem Paradies zu gelangen. Absolut malerisch, endlos lang, blendend weiß und weit entfernt von überlaufen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.

Bei Leba gibt es zudem das UNESCO Biosphärenreservat Slowinsky Nationalpark. Wer die Dune du Pilat bei Arcachon in Frankreich kennt (guckt ihr hier), wird vielleicht nicht mehr so beeindruckt sein. Aber das polnische Pendant ist auf jeden Fall auch sehr  sehenswert. Die Kosten für die Parkgebühren, den Eintritt und die Fahrt mit dem Elektrobus sind für polnische Verhältnisse relativ hoch. Da sich die Strecke (hin und zurück 10 km) vom Eingang des Nationalparks bis zu den Dünen jedoch endlos zieht, empfehle ich mit Kindern trotzdem den kostenpflichtigen Bus zu nehmen. Alternativ kommt man nur noch mit dem Fahrrad dorthin.

#4 Unberührte Natur

Außerhalb der Städte betritt man eine andere Welt. Die Straßen sind z.T. kopfsteingepflastert, man fährt durch unendliche Baumalleen, Wälder, Wiesen und Felder. Hin und wieder kleine Dörfer, alte Gutshöfe, historische Holzkirchen und viele Störche. Das einstige Westpreußen erinnerte mich sehr an Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern vor ca. 15 Jahren. Alle Fotos die nun folgen, sind im Übrigen im Wielkopolski Park Etnograficzny entstanden, den ich euch sehr ans Herz legen kann. Das Freilichtmuseum liegt in der Nähe von Posen und spiegelt die Geschichte Polens wunderschön wieder.

#5 Straßenverhältnisse und Autosicherheit

Negativ aufgefallen ist uns in Polen der unglaubliche Verkehr, der sich durchs ganze Land zieht. Auf der Strecke von Danzig nach Leba standen wir gefühlt nur im Stau und die Straßenverhältnisse machten ein Fortkommen auch nicht gerade komfortabel. Die polnische Autobahn (Autostrada) verbindet jedoch die größten Städte und auf diesen kommt man gut voran. Die Autobahnen A1, A2 und A4 sind in Polen für alle Fahrzeuge gebührenpflichtig und die Höchstgeschwindigkeit auf polnischen Autobahnen beträgt 140 km/h.

Im Übrigen hatten wir mit unserem schrabbeligen Skoda null Probleme und nicht einmal Sorge, dass dieser gestohlen werden könnte. Ehrlich gesagt, fuhren nämlich fast alle teurere und größere Autos als wir ;). Ich habe von mehreren Leuten über Instagram jedoch erfahren, dass es mit manchen Autos de fakto Probleme gibt. Mit einem protzigen SUV, Porsche, Landcruiser und Co. würde ich den Versuch dann also vielleicht doch besser nicht wagen.

#6 Großartiges Essen

Wenn uns in Polen eins in Erinnerung bleiben wird, dann wohl das großartige Essen. Die Küche ist zwar deftig und beinhaltet oft Fleisch, aber auch Vegetarier werden in Polen glücklich. Gerade Piroggi (gefüllte Teigtaschen) hatten es uns sehr angetan. Es gibt sie in allen möglichen Versionen, gefüllt mit Blaubeeren, Kartoffeln, Sauerkraut, Käse oder Fleisch. Einmal täglich musste für unsere Kinder natürlich ein Lodi (Softeis) sein, dass zu spektakulär hohen Türmchen geformt wird. Kleckergefahr hoch 10!

Die Wochenmärkte bieten im Sommer zudem eine schier unglaubliche Hülle und Fülle an heimischem Obst und Gemüse. Dann biegen sich die Verkaufsstände unter allen möglichen Beerensorten, riesigen Tomaten, Pilzen, Rüben, Gurken etc. Eine ähnliche Auswahl findet man in Deutschland wohl nur in teuren Feinkostabteilungen oder auf dem Viktualienmarkt.

#7 Geringe Reisekosten

Da man in Polen immer noch mit dem Zloty bezahlt, macht sich dies in der Reisekasse auf jeden Fall bemerkbar. Aktuell sind 4,2 Zloty in etwa 1 €. Dadurch sind die Preise (noch) günstig. Gerade in den Supermärkten wie z.B. Biedronka bezahlt man z.T. nur die Hälfte und die Auswahl an Lebensmitteln ist wirklich riesig. Nur für „westliche Produkte“ zahlt man in etwa den gleichen Preis wie bei uns. In normalen Restaurants kostet ein Hauptgericht ca. 4 bis 7 Euro pro Person. Nur an den zentralen Touristenplätzen und in gehobeneren Restaurants zahlt man Preise wie bei uns.

#8 Moderne Unterkünfte

Da ich ja ein Faible für hübsche Unterkünfte habe, hat mich Polen in dieser Hinsicht ebenfalls extrem positiv überrascht. Gerade in den Städten gibt es eine sehr große Auswahl an schnieken und zugleich bezahlbaren Unterkünften. Da ich aktuell unsere Reise durch das Baltikum plane, kann ich schon mal sagen, dass das dort nicht so ist. Etwas Schönes und zugleich Günstiges zu finden, ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

In Danzig haben wir superzentral in dem kleinen Altstadt Apartament Przy Żurawiu* gewohnt. In Torun ebenfalls sehr zentral im Apartamenty Europa* und in Posen in den brandneuen Near Apartments*. Alle Unterkünfte haben wir selber bezahlt und ich kann sie uneingeschränkt empfehlen.



Booking.com

Ein persönlicher Nachtrag:

Die aktuelle politische Lage im Land finde ich fatal, als Tourist bekommt man davon aber nicht wirklich etwas mit. Manch einer wird mir nun vielleicht vorwerfen, dass man Polen nicht als touristisches Ziel anpreisen darf. Aus meiner Sicht muß man dann aber viele andere Länder, in denen sich der Populismus ausbreitet, ebenfalls auf den Reiseindex setzen. Uns sind jedenfalls nur freundliche Menschen begegnet und als Deutsche sind wir mit Sicherheit auch nicht überall beliebt und gern gesehen. Am Ende des Tages bin ich immer für Gespräche zwischen den Menschen, um die Mauern in den Köpfen niederzureißen. Denn viel zu oft, werden wir von einseitigen Medienberichten beeinflusst. Auf der einen und der anderen Seite. Einen recht interessantes Interview dazu habe ich hier gelesen.

Weitere spannende Beiträge über Polen findet ihr hier:

Viermalfernweh: Ein Kurztrip ins Riesengebirge – Winterfreuden abseits der Skipiste

Teilzeitreisender: Kulturhauptstadt Breslau – ein junges, kreatives Polen erleben

Habt ihr noch Fragen zu Polen? Dann gerne her damit! Für uns war das auf jeden Fall nicht unsere letzte Reise in unser Nachbarland. Wir fanden es wirklich toll und beim nächsten Mal würden wir gerne Warschau, Krakau, Breslau und die Hohe Tatra sehen.

Mein Lesestoff für Polen:

   

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4 Comments

  • Reply Tanja 23. Januar 2020 at 8:08

    Das sieht ja wirklich toll aus. Ich muß gestehen, dass ich Polen bisher nicht auf dem Schirm hatte und zu denen gehöre, die eher noch tristen Ostmuff im Kopf haben. Keine Ahnung warum. Aber wird wohl mal Zeit das zu ändern. Viele Grüße, Tanja

  • Reply Julia 24. Januar 2020 at 9:53

    Hallo,
    das mti der Autosicherheit ist so ein Klischee. Ich komme ursprünglich aus Polen und kann mit gutem Gewissen sagen, dass die guten Autos in Polen genauso oft geklaut werden wie in Hamburg 😀 In Hamburg überlegt man 2 mal ob man ein neues Auto im Park abstellt. Und den mittelklassigen Wagen in Polen zu klauen lohnt sich angeblich nicht mehr… Zusammenfassend: Ihr braucht Euch da keine Gedanken machen 🙂

    Ansonsten kann ich Wroclaw empfehlen – da pulsiert das Leben. Und natürlich die Ostsee Küste. Östlich von Gdansk kann man Bernstein sammeln. Westlich von Gdansk hat man schöne Dünnen (aber Swinoujscie meiden. Da sind die Preise wg den deutschen Turisten sehr hoch!)

  • Reply Christina Burkhardt 29. Januar 2020 at 12:15

    Sollen sie nur alle mit Klischees um sich werfen, ich finde Polen fabelhaft. Da hast Du ganz recht. Wenn ich Deine Bilder aus Danzig und aus der Natur sehe, bekomme ich gleich Lust, wieder hinzudüsen. Und die Suppe im Brotlaib. Mjam. Wobei ich die vor allem aus Slowenien kenne…
    Danke fürs Fernweh wecken, Nadine.
    Viele Grüße, Christina

    • Reply nadine 3. Februar 2020 at 14:40

      Liebe Christina, es gibt mit Sicherheit Klischees die zutreffen. Auch für Deutschland. Aber das sollte einen nicht davon abhalten, sich seine eigene Meinung zu bilden. Wir fanden Polen toll und werden auf jeden Fall wieder hinreisen. Jetzt durchstöbere ich aber erstmal Deine Beiträge über dass Baltikum ;). GlG, Nadine

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