Morsbach im Oberbergischen Land

Von einem Jugendherbergswochenende anno 1986 und ner Wanderung mit der Maus

Wandern finden die meisten Kinder in der Regel ja nicht so cool. Ich erinnere mich selber noch mit Schrecken an die Wander-Ankündigungen meiner Eltern. Damals dachte ich: spießiger gehts ja wohl kaum.  Aber man wird ja älter und weiser. Warum das Thema Wandern in Deutschland so „uncool“ ist, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel? In Norwegen ist das ganz anders… da wandert groß und klein, jung und alt. Selbst Teenies schnappen sich mit ihren Freunden am Wochenende die Rucksäcke, um wandern zu gehen. Es wird also echt Zeit, aus Wandern mal ne neue „Trendsportart“ zu machen und das verstaubte Ommi-Image aufzupolieren.

Als ich über die Bergische Wanderwoche von der Maus-Wanderung (ja genau, die WDR-Maus) erfuhr, dachte ich direkt: Müssen wir machen. Das wird sicher lustig für die Jungs. Die 7 km lange Wanderung ist besonders für Familien mit Grundschulkindern geeignet, daher waren wir besonders stolz auf unsere zwei Kindergartenkinder, die diese Strecke extrem souverän gemeistert haben.

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We did the Maus-Trail – Die Hibbels und Travelistos

Das hübsche Örtchen Morsbach liegt direkt am Fernwanderweg „Bergischer Panoramasteig“ und eignet sich perfekt für einen Tagesausflug von Köln aus. Da die Maus-Wanderung aber schon Sonntag morgens um 09:30 Uhr beginnen sollte und Morsbach ca. 100 km von uns entfernt ist, war es keine Option, in der Früh anzureisen. Warum also nicht einfach vorher in der Morsbacher Jugendherberge übernachten, um am nächsten Morgen entspannt mitwandern zu können? Gesagt getan. Mit Wander- und Jugendherbergsunterstützung in Form der Travelisto-Familie ging es für uns also auf ins Oberbergische Land.

Jugendherbergsfeeling anno 1986

Hab ich schon erwähnt, daß das Thema Jugendherberge nach mind. 30 Jahren ein echtes Revival für mich war? Meine Jugendherbergserinnerungen anno 1986 beschränkten sich auf  Stockbetten, Hagebuttentee, Lachanfällen und nächtlichen Wanderungen der Jungs in die Mädelszimmer. In der Tat erlebte ich in Morsbach ein echtes Déjà-vu.

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An der architektonischen Optik hat sich seit den 80ern nicht unbedingt viel verändert und vor meinem geistigen Auge sah ich das Fräulein Hibbel in Vanilla Hose, Netzhemd, hohen Adidas-Sneakers sowie toupierter Frise a la Madonna durch die Gänge laufen. Ehrlich: ich fands total lustig. Eigentlich hätten wir uns stilecht kleiden und direkt noch die holzvertäfelte Disco im Keller unsicher machen müssen. Vom Konzept hat sich seit 1986 natürlich einiges geändert, denn die Jugendherberge hat sich auf Musik- und Naturerlebnisse spezialisiert und bietet gerade in der Ferienzeit viele spannende Programmangebote wie z.B. die Bergische Safari oder das English-Brainstorm Camp.

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Wohntechnisch hatten wir den Luxus des Familienzimmers mit eigenem Bad und zwei getrennten Schlafräumen. Die Kleinen im Stockbett, die Großen tatatata… in zwei Einzelbetten. Dazu Halbpension mit Frühstück und warmem Abendessen, sowie Herbergseltern, die uns superfreundlich empfangen haben. Was braucht man also mehr für ein nettes Wochenende? Außer lustiger Begleitung, anständigem Wetter und ein paar Bierchen.

Wir Großen hatten jedenfalls jede Menge entspannte Zeit, denn unsere Jungs waren fortan nicht mehr zu sehen. Spiel- und Freizeittechnisch ist die Jugendherberge bestens ausgestattet und liegt zudem total idylisch inmitten von Feldern und Wiesen. Die Jungs hingen ständig in den Bäumen rum oder streiften durchs Gebüsch. Wie sich das für Kinder gehört.

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Wandern mit der Maus am Morsbacher Baumweg

Am nächsten Morgen ging es mit 6 weiteren Familien auf die 7 Kilometer lange Maus-Wanderung, die direkt an der Jugendherberge startetete. Spätestens als unser Wander-Guide Guido Wagner, Journalist & Autor mehrerer Bergischer Wanderbücher, die Maus, den Elefanten und die Ente aus seinem Rucksack zauberte, hatte er auch die volle Aufmerksamkeit der Kinder.

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Die Maus-Wanderung war für uns an diesem Tag eine organisierte Familien-Rallye im Zuge der Bergischen Wanderwoche. Den Morsbacher Baumweg, dessen Motto die WDR-Maus ist, kann man ansonsten immer erwandern. Ziel der Tour war der Aussichtsturm auf dem Berg Hohe Hardt und unterwegs hatten wir jede Menge kniffliger Fragen zu lösen und Wettspiele zu meistern. Die Spiele waren super und unsere Jungs rannten die Berge hoch um Buchstaben einzusammeln, überquerten Hängebrücken und waren ständig auf der Suche nach neuen Rätseln.

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Angekommen am Aussichtsturm warteten unsere Herbergseltern schon mit kühlen Getränken und Snacks auf die müden Wanderer. Wer den Mumm hatte, den 30 Meter hohen Turm zu erklimmen, wurde noch mit einer tollen Aussicht über das Oberbergische Land belohnt und dann ging es auch schon wieder bergab und zurück zur Jugendherberge.

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Was soll ich sagen? Wir waren danach happy, aber auch ganz schön k.o. Aber der Lohn für unsere müden Knochen war dann der erste Platz für die Blogger-Gang bei der Maus-Rallye. Alle Fragen und Aufgaben mit Bravour gemeistert.

Und die Moral von der Geschicht? Wir fanden es super und wollen in Zukunft öfters mal wieder wandern gehen. Und auch eine Übernachtung in einer Jugendherberge ist eine lustige Abwechslung zu Hotels oder Ferienwohnungen und besonders für Kinder ein Riesenspaß.

Einen weiteren Bericht über unseren schönen Wander- und Jugendherbergstrip findet Ihr im Übrigen auch auf der Seite der Jugendherbergen im Rheinland.

Und was die Travelisto-Familie über unser gemeinsames Wochenende zu berichten hat, erfahrt ihr hier.

Offenlegung: Wir wurden von der Jugendherberge Morsbach zu diesem Event eingeladen. Meine Meinung zu dieser Reise bleibt davon unangetastet.

9 Kommentare

  1. Cool! Die Maus! Ich mag die Maus – und bin wohl wie viele andere mit ihr groß geworden (und das als Ossikind ;)). Das mit dem Wandern kommt bei mir sehr stark auf die Begleitung an. Ich kann mich noch an Schulwandertage erinnern, als ich seelig neben einem jungen Herren laufen konnte (ach lassen wir das…). Auf jeden Fall klingt das nach einem spannenden Wochenende! Und die Jungs scheinen sehr viel Spaß gehabt zu haben.

    Gruss Janett

    • Nadine sagt

      Ach und ich dachte im Osten gab es nur das Sandmännchen, Pittiplatsch und Schnatterinchen ;). Meine Jungs lieben die Maus auch. So hab ich sie auch direkt mit der Wanderung gekriegt und ja, die Begleitung war natürlich auch das A und O. Mit netten Leuten läuft es sich immer leichter. Und netten Herren, haha…sowieso. Die Ecke Morsbach ist auf jeden Fall super, Janett und wäre sicher auch was für Dein Team der Teilzeitreisenden. LG umme Ecke, Nadine

  2. Hey Nadine, das hört sich nach jeder Menge Spaß für die ganze Familie an! Oft braucht es ja gar nicht den großen Luxus um eine schöne Zeit zu haben.

    • Nadine sagt

      Liebe Sabine, ja wir hatten echt jede Menge Spaß. Besonders für die Jungs war es super. Die Tage hat mir eine Freundin erzählt, daß sie einmal im Jahr immer gemeinsam mit 10 Familien vom Kindergarten ein Jugendherbergswochenende einlegen. Das nächste Mal lustigerweise in Morsbach. Ich finde das ist eine super Idee, denn die Kinder sind echt nur draußen und spielen. Klar ist Luxus ne nette Sache, aber Kinder interessiert das ja meist nicht so sehr und ich finde es einfach toll, daß man sie auch immer noch mit so einfachen Sachen total glücklich machen kann. GlG/ Nadine

  3. flögi sagt

    Hallo Nadine,
    ich habe schon al Kind eine Wanderung voll cool und interessant gefunden, es hat immer schon Spaß gemacht, aber woher ich komme, ist der größte Berg nur tausend Meter hoch, deshalb ist es für mich hier direkt ein Wanderparadies. Ich als Ungarin, als ich hier herkam, habe es ganz anders kennengelernt, als du darüber schreibst, Deutsche sind für mich absolut der Wanderfreekvolk 🙂 Immer wenn wir in Ausland sind und wandern gehen, und Menschen treffen, sind es immer ältere Deutsche.
    Ich finde, es ist eine super Möglichkeit für Kinder die natur, Pflanzen und Tiere kennenzulernen, Ehrgeiz entwikeln und Freude schon im Voraus auf lustige Pausenbrotzeiten haben usw….
    Liebe Grüße

    • Nadine sagt

      Hallo Flögi, ja die Deutschen sind ein Wandervolk…..aber halt meist nur die alten Leute. Junge Menschen sieht man selten bis nie wandern, weil es halt als völlig uncool und spießig angesehen wird. Ich finde es auch erst toll, je älter ich werde. Ich würde mich nun echt nicht als Wanderfreak bezeichnen, aber so hin und wieder muß das schon mal sein und die Kinder haben meist einen Riesenspaß daran die Natur zu entdecken. LG/ Nadine

      • flögi sagt

        Ich finde wirklich, daß es anders ist, in unserer Umgebung gibt es so viele ganz junge Menschen, die absolut auf Wandern heiß sind. Und auch wenn du richtig wandern gehst, also nicht nur so „Rentnerwege“ sondern richtig harte Wege hoch in die Berge, dann siehst du sehr viel jugendliche…also, ich sehe es anders. 😉 LG

  4. Hallo Nadine,
    „Wandern ist uncool“, oh ja, was hatte ich damals Bock mit meinen Eltern wandern zu gehen – null Komma nullnull :-). Sport ja viel und zwar alles mögliche. Das Wandern kam erst im Fortgeschrittenen Alter. Aber ich glaube beobachten zu können, dass sich daran was ändert. Auf meinen Wanderungen oder Schneeschuhtouren fallen mir immer öfter Jugendliche, besonders in Gruppen auf, die anscheinend Bock drauf haben die Berge zu erwandern. Was mir aber besonders imponiert hat, war ein Erlebnis im März dieses Jahres beim Abstieg vom Geigelstein und der Priener Hütte, da wanderten um 15:00 Uhr mehrere Familien, unabhängig voneinander, die 2 Stunden zur Printer Hütte hoch um zu übernachten. Da waren Mütter mit Säuglingen bei, auch Kinder von 5 – 10 Jahren – Respekt. Was ich damit sagen will, wenn Kinder von klein auf an die Natur gewöhnt werden und Spaß daran entwickeln, dann ist es für sie vollkommen normal. Servus Oliver Huber

    • Nadine sagt

      Hallo Oliver, das mit der Wanderliebe hängt mit Sicherheit auch vom Bundesland ab. Ich glaube, ihr Bayern kommt schon aufgrund der schönen Natur vor der Haustür mit einem Wandergen auf die Welt. 😉 So auch die Norweger. Bei uns im Rheinland gibt es da nicht viel, ergo ist Wandern auch was total Spießiges, was nur alte Leute machen. Aber wir sind mit unseren Kids so oft es geht in der Natur und ich hoffe irgendwann bleibt davon doch auch etwas hängen. LG ins Frankenland, Nadine

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