Die Kanalinsel Sark
Wildes Naturparadies und jüngste Demokratie Europas

23. September 2019

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass es auch in Europa noch Orte gibt, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Die Kanalinsel Sark , die man nur per Fähre ab Guernsey oder Jersey erreicht, ist so ein Fleckchen Erde. Sie liegt 20 Seemeilen von Frankreich und 80 von England entfernt und ist mit 5,5 Quadratkilometern gerade mal so groß wie der Englische Garten in München. Ihre isolierte Lage hat z.T. skurile Spuren auf der Insel hinterlassen. Sark ist die zweitkleinste bewohnte Insel im Ärmelkanal und es gibt weder Autos noch  Straßenbeleuchtung. Dafür jedoch Fahrräder, Pferdekutschen und ein paar Traktoren. Autos sind verboten und auch der inseleigene Krankenwagen muß von einem Trecker gezogen werden. Die Straßen zu teeren lohnt sich also nicht. Die Menschen leben naturnah, ruhig und entschleunigt. Sobald man das Schiff verlässt, fühlt man sich daher auch augenblicklich ins Jahr 1900 zurückgebeamt. Und das gibt der Insel ein wirklich einzigartiges Flair.

„It’s like a step back in time.“

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Sark: die jüngste Demokratie Europas

Die ca. 600 Einwohner von Sark führen auf den ersten Blick ein recht entspanntes Leben. Lärm und Hektik sucht man vergeblich und es gibt weder Arbeitslose noch Einkommenssteuer. Kein Wunder also, das die Sarkees nicht besonders an den Problemen der EU und Großbritannien interessiert sind. Wie die anderen Kanalinseln auch, ist Sark nicht Teil von Großbritannien, sondern direktes Eigentum der britischen Krone. Trotzdem ist Sark noch ein Tick spezieller als seine Nachbarinseln Guernsey, Jersey, Herm und Alderney.

Vor ein paar Jahren kauften die britischen Barclays Milliardäre den schroffen Felsen Brecqhou, der vor Sark liegt. Dort bauten sie eine Art Disneyschlösschen, übernahmen 4 Hotels auf Sark und versuchten mit Geld und Macht einen Verfassungswechsel zu erzwingen. Bis dahin war Sark nämlich die letzte Hochburg des Feudalismus in Europa. Nach über 400 Jahren Feudalherrschaft wurde 2008 dann auch zum ersten Mal gewählt und Sark wurde zur jüngsten Demokratie Europas. Die politische Geschichte ist kompliziert und bis heute hängen die Sarkees an Relikten aus feudaler Zeit.

Auf ein Tässchen Tee mit dem Seigneur und Staatsoberhaupt von Sark

Das Staatsoberhaupt von Sark ist nach wie vor der „Seigneur“. Der altertümlich-französisch klingende Titel und das Herrenhaus „La Seigneurie“ wird seit Generationen vererbt. Und so lenken die Seigneurs seit ca. 400 Jahren die Angelegenheiten der Insel und bemühen sich, nicht zu gut mit England befreundet zu sein. Nichtsdestotrotz waren jedoch bereits einige Mitglieder der königlichen Familie zu Besuch.

Der sympathische Seigneur Christopher Beaumont empfängt uns höchstpersönlich und wir bekommen eine Führung durch seine privaten Gemächer und die prachtvolle Gartenanlage. Wir stehen im Gästezimmer und erfahren u.a., dass in diesem Himmelbett auch schon Prinz Charles und Camilla genächtigt haben. Von einem Staatsoberhaupt empfangen zu werden, ist eine recht skurile und witzige Efahrung. Ob Frau Merkel sich wohl auch Zeit für uns nehmen würde ;)?

Touristen können den wunderschönen La Seugnerie Gardens natürlich ebenfalls besichtigen. Nach einem Spaziergang, sollte man sich auf jeden Fall noch ganz stilecht ein Tässchen Tee und ein paar leckere Scones mit Clotted Cream im Cafe der La Seugnerie gönnen. Man fühlt sich glatt wie im Highgrove House.

Wilde Naturschönheit und Rosamunde Pilcher-Feeling

Sark ist vollgepackt mit wilder Naturschönheit und man kann die Insel an einem Tag entspannt per Fahrrad entdecken. Alternativ auch per Pferdekutsche oder in Wanderschuhen. Wir fahren mit unseren Rädern gemächlich über die holprigen Wege der Insel, vorbei an blühenden Büschen, Wildblumenwiesen, grasenden Schafen, gackernen Hühnern, wunderschönen Sandbuchten und Küstenpfaden. Sark ist wahrlich ein Naturparadies und als wir ganz im Norden der Insel an La Coupée ankommen, geht mein Herz auf. Die Aussicht auf das schmale Verbindungsstück zwischen Great Sark und Little Sark ist spektakulär. Bis zur Betonierung und Absicherung war die Überquerung des Grats an manchen Tage lebensgefährlich. Heute tuckert dann aber auch mal ein Traktor gemächlich auf die andere Seite.

The Village – Hauptort der Insel

The Village klingt ein bißchen nach einer gruseligen Netflix-Serie, ist jedoch der entschleunigte Hauptort der Insel. Neben zwei Fahrradverleihstationen gibt es hier einen kleinen Supermarkt, Souvenirläden, sowie Cafés, Pubs, Restaurants und Hotels.  Außerdem gibt es das kleine Occupation and Rural Life Museum, das Sark Visiter Centre und das kleinste Gefängnis der Welt. Es wurde 1856 erbaut, besteht nur aus zwei fensterlosen Zellen und wurde bisher äußerst selten genutzt.

Anreise nach Sark:

Ab St. Peter Port auf Guernsey gehen je nach Jahreszeit mehrere Fähren die Woche nach Sark. Hier könnt ihr die genauen Fahrzeiten und Preise checken. Die Fahrzeit beträgt ca. 50 Minuten und die Überfahrt ist wirklich sehr schön. Wenn man Glück hat, kann man Delfine und Papageientaucher sehen. Die Fähre ist in der Hochsaison sehr frequentiert, es lohnt sich daher unbedingt Tickets vorab im Internet zu buchen.

Wer Zeit hat, dem empfehle ich unbedingt ein paar Tage auf der Insel zu bleiben und die Natur und Stille zu genießen. Mit Sicherheit erlebt man Sark ganz anders, sobald die Tagestouristen abgereist sind und wieder „Ruhe“ einkehrt. Im Sommer wächst die Menschenzahl nämlich immerhin auf sage und schreibe 1000 an. Sollte ich in diesem Leben nochmal Schriftstellerin werden, quartiere ich mich auf jeden Fall für ein paar Wochen auf Sark ein. Dann schreibe ich meine Memoiren ;), schaue nachts in den gigantischen Sternenhimmel, wander die Küste entlang und genehmige mir hin und wieder ein Pie & Pint im Pub von The Village. Und auch wenn das normalerweise nicht so mein Genre ist…. ich finde, so ein klitzekleines bißchen Rosamunde Pilcher-Feeling hat Sark ja schon.

Mehr über meinen Trip nach Guernsey könnt ihr hier lesen:

Die Kanalinsel Guernsey: Der kleine Garten Eden im Ärmelkanal

Offenlegung: Ich wurde zu dieser unbezahlten Pressereise von Visit Guernsey eingeladen. Ein herzliches Danke schön dafür! Beiträge dieser Art könnte ich nicht schreiben, wenn ich mir nicht ein eigenes Bild vor Ort machen würde. Da meine Reise keine Vorgaben enthielt, könnt Ihr euch wie immer darauf verlassen, dass mein Bericht meine eigene Meinung und Begeisterung widerspiegelt.

 

 

 

 

 

 

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3 Comments

  • Reply Thorsten M. 24. September 2019 at 16:44

    Das nenn ich mal einen ausgefallenen Reisetipp! Und dazu noch in Europa. Sehr cool. Danke!

  • Reply Luisa 25. September 2019 at 11:43

    Wow, das klingt wirklich sehr interessant. Ich würde auch gerne mal dahin und mal Urlaub machen.
    Leider habe ich im Moment einfach nicht die Zeit dafür.
    Liebe Grüße

  • Reply Bernhard 30. Oktober 2019 at 19:17

    Da könnte man sich doch glatt niederlassen. Raus aus der Hektik. Aber das wird leider ein Traum bleiben.

    Vielen Dank für Deinen Bericht und die schönen Bilder.

    LG Bernhard

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