Die Kanalinsel Guernsey
Der kleine Garten Eden im Ärmelkanal

20. Mai 2019

Obwohl die Kanalinsel Guernsey nur 2 Fährstunden vom europäischen Festland entfernt liegt, hat man fast das Gefühl auf einem anderen Kontinent gelandet zu sein. Weder europäisches Festland, noch britische Inseln – die Kanalinseln liegen nicht nur geographisch zwischen zwei Welten.  Bei Ankunft auf Guernsey habe ich auch sofort das Empfinden, dass die Uhren hier ein wenig langsamer ticken.

Ende April ist es auf Guernsey ruhig und es geht herrlich entspannt zu. Bis auf ein paar Busladungen Rentnern und uns, scheinen sich auch noch nicht allzu viele Touristen auf die Insel zu verirren. Als Geheimtipp kann man Guernsey sicher nicht mehr deklarieren, aber zum Glück auch noch nicht als überlaufenes Touristenhighlight. Es wäre schön, wenn sich die Insel dieses Feeling noch lange bewahrt.

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Die Kanalinsel Guernsey – der kleine Garten Eden im Ärmelkanal

EU oder nicht EU? Das ist hier die Frage!

Vor meinem Trip nach Guernsey war mir nicht bewusst, dass die Kanalinseln autonom sind. Als britischer Kronbesitz sind sie der Königin von England unterstellt. Sie gehören jedoch weder zum Vereinigten Königreich, noch sind sie Kronkolonie. Das bedeutet, dass die  Kanalinseln noch nie zur EU gehörten und somit auch nicht vom Brexit betroffen sein werden. Die Insulaner wählen ihr eigenes Parlament und haben eine eigene Währung: das Guernsey Pound, das man auch wirklich nur hier nutzen kann. Es ist jedoch an das britische Pfund gekoppelt, das ebenfalls als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

Auch wenn Guernsey nicht zur EU gehört, gilt das EU-Zollrecht. Je nach Handyvertrag telefoniert man daher wie im restlichen Europa, ohne zusätzliche Roaminggebühren. Mit meinem O2 Vertrag war ich jedoch meistens offline. Auch mal schön. Guernsey ist zudem als Steueroase bekannt und daher ist es nicht verwunderlich, dass das Finanzwesen hier den größten Wirtschaftszweig ausmacht.

Britisches Understatement und französisches Savoir Vivre!

Der französische Einschlag wird auf Guernsey spätestens dann sichtbar, wenn es um das Thema Essen geht. Die Restaurants sind extrem gut und es gibt eine hervorragende Auswahl an Seafood. Die Kanalinseln gehörten aufgrund ihrer Lage einst zur französischen Normandie. Im Jahre 1066 eroberte Wilhelm der Eroberer (Herzog der Normandie) jedoch England und wurde gar englischer König. Infolgedessen verlor Frankreich immer mehr Ländereien und irgendwann auch die Channel Islands. Bis 1700 war Französisch jedoch die gängige Sprache auf den Inseln und bis heute hört man in manch einem Pub noch das normannische Patois, einen mittelalterlichen französischen Dialekt. Auch viele Ortsnamen und Straßenschilder erinnern noch an die französische Geschichte.

„Ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde“

– Victor Hugo –

Die Zeit der Besetzung und ihre Spuren

Auch der 2. Weltkrieg hat auf Guernsey viele Spuren hinterlassen. Die Kanalinseln wurden 5 Jahre lang durch die deutsche Wehrmacht besetzt und Hitler ließ die Inseln durch unzählige Bunker, Tunnelsysteme und Panzerabwehrwälle, zur uneinnehmbaren Festung ausbauen. Wer sich dafür interessiert sollte sich unbedingt das La Valette Underground Museum in St. Peter Port anschauen. Ich habe noch nie eine so große Sammlung an Hinterlassenschaften aus der NS-Zeit gesehen. Für mich als Deutsche etwas verstörend, aber auch gleichzeitig so interessant. Wer mehr zur Besatzungszeit erfahren möchte, sollte zudem den Island Occupation Trail besichtigen.

A long way down to Guernsey

Die Kanalinseln liegen für uns nicht gerade um die Ecke und eine nachhaltige Anreise kostet etwas Zeit. Von unserer Haustür bis zum  Fährhafen St. Malo sind es 840 km und dann geht es nochmal weiter mit der Fähre. In diesem Fall lohnt sich also unbedingt ein Stop Over, bestenfalls in der wunderschönen Normandie. Schaut ihr mal hier: Die Alabasterküste: Steilküsten, Wikingergeschichte, Mahnmale und Architekturschätze

Per Fähre: Wer länger unterwegs ist, sollte unbedingt mit Condor Ferries ab St. Malo oder Dielette in der Normandie anreisen. Die Überfahrt dauert ca. 2 Stunden.

Per Flugzeug: Ab Düsseldorf gibt es an vereinzelten Tagen Direktflüge nach Guernsey, z.B. mit Eurowings. Ansonsten geht es nur mit Zwischenstop in London. Der Flug ab London dauert dann nur ca. 35 Minuten und wird von Aurigny Airways oder FlyBe durchgeführt.

Per Eurostar & Flugzeug: Ich habe die Kombi aus Bahn und Flugzeug gemacht. Da ich mit meiner Familie im Nordwesten der Normandie unterwegs war, gab es für mich nur eine Möglichkeit: per Auto in 3 Stunden bis nach Lille,  per Eurostar-Zug in 1 1/2 Stunden von Lille nach London, per Flieger in 35 Minuten von London nach Guernsey. Mit zigmal Umsteigen war ich also volle 12 Stunden unterwegs und das, obwohl ich Luftlinie doch schon so nah war. Meinen CO2-Ausstoß für diesen Flug habe ich mit Atmosfair (klick aufs Zertifikat) kompensiert.

Da ich die Anreise mit dem Eurostar nach London aber sehr cool fand, möchte ich euch diese unbedingt ans Herz legen. Ab Köln kann man mit einmal umsteigen in knapp 5 Stunden mit der Bahn bis nach London St. Pancras fahren. Und dann ist man auch schon mitten in der Londoner City. Falls ihr also Guernsey mit einem Abstecher in London verbinden möchtet, bietet sich diese Kombi auf jeden Fall an.

Per Bus über Guernsey: Wer nach Guernsey kommt, benötigt nicht unbedingt ein Auto. Der Inselbus 7 bzw. 7a fährt ab St. Peter Port in 1 1/2 Stunden rund um die Insel und hält an sehr vielen Stellen. Er soll zudem lt. einheimischer Info sehr regelmäßig fahren und pünktlich sein.

Wilde Küstenpfade und subtropisches Hinterland

Guernsey´s Natur ist eine kuriose Mischung aus schroffen Küsten, langen Sandstränden, kleinen Buchten, üppig blühenden Gärten und urwaldartigen Wäldern. Durch den Golfstrom fallen die Temperaturen hier auch im Winter selten unter 5 Grad. Im Sommer wird es jedoch auch nicht viel wärmer als 20 Grad. Ende April ist die Insel bereits voll erblüht und ich staune über die wild wuchernde Pflanzenwelt, die regelmäßig zurückgeschnitten werden muß. Guernsey erscheint fast wie der Garten Eden. Wandern entlang des Küstenpfades macht hier wirklich Freude. Es geht ständig bergauf und bergab, durch subtropischen Dschungel, verwunschene Wäldchen und vorbei an kleinen Buchten mit glasklarem Wasser. Ich bin, genau wie Victor Hugo, auf Anhieb verliebt. Der französische Schriftsteller war während seines Exils auf Guernsey so von der Schönheit inspiriert, dass er große Werke wie Les Misérable oder Der Glöcker von Notre-Dame schrieb.

Sonne, Nebel, Regen, Wind und ein bißchen Guernseyhaut

Wie auf so vielen Inseln kann man sich auch auf Guernsey natürlich nie auf die Wettervorhersage verlassen. Morgens Nebel, mittags Sonnenschein, abends Regen. Dazu immer ein Windchen aus irgendeiner Richtung, der uns Mädels fast immer eine „Guernseyhaut“ (kleiner Insider) bescherte. Man sollte also immer für jeden Wetterfall gerüstet sein. Der Friesennerz war daher mein ständiger Begleiter. Von April bis Oktober ist wettertechnisch auf jeden Fall die beste Reisezeit.

Die Inselhauptstadt St. Peter Port

St. Peter Port, die Hauptstadt der Insel hat gerade mal 18.798 Einwohner, ist jedoch ein quirliger Ort mit vielen netten Shops, traditionellen Pubs, stylishen Restaurants und gemütlichen Cafes. Unsere heimatliche Kreisstadt wirkt mit ihren 65.000 Einwohnern dagegen wie ein verschlafenes Dorf. Samstag Abends geht man gerne aus, die Pubs sind voll und die Damen aufgebrezelt. Während ich mit meinem Friesennerz, Schal und Guernseyhaut durch die Straßen laufe, trägt Frau hier natürlich heroisch nacktes Bein. Das haben sie eindeutig von der britischen Insel übernommen.

St. Peter Port hat ein paar ganz hervorragende Restaurants, die ich unbedingt empfehlen kann. Für eine riesige Auswahl an lokalem, frischem Seafood mit toller Aussicht auf das Meer und die Insel Herm empfiehlt sich das Octopus. Wer es etwas fleischlastiger mag und Lust auf ein lokales Bier hat, der sollte die stylishe Bar & Eatery Slaughterhouse aufsuchen. Dort bekommt man u.a. auch den preisgekrönten und waschechten Blue Bottle Guernsey Gin. Das Brauen von Gin hat auf der Insel eine lange Tradition und es gibt Distillerien die Gin Tastings anbieten. Die rauhe Küste und vielen heimischen Kräuter wie z.B. Meerfenchel, haben die Einheimischen scheinbar inspiriert. 

Guernsey unterliegt im Übrigen einem der krassesten Gezeitenhubs Europas. Schlappe 12 Meter liegen hier zwischen Ebbe und Flut. Das sieht man ganz extrem im Hafen von St. Peter Port, wenn die Schiffe plötzlich in der Tiefe herumdümpeln.

Das Boutiquehotel Ziggurat

Die Stadt schmiegt sich an die Steilküste der Insel und unsere Unterkunft, das hübsche Boutiquehotel Ziggurat erreicht man daher nur über unzählige Treppen. Der etwas anstrengende Aufstieg wird dafür jedoch mit einer tollen Aussicht belohnt. Manch ein Zimmer hat einen grandiosen Aufblick über die Dächer der Stadt und das Meer. Das familiär geführte Hotel ist gemütlich und marokkanisch inspiriert. Durch die vielen nordafrikanischen Interior-Details wirkt es wie ein Riad in Marrakesch. Morgens gibt es im Restaurant ein leckeres Frühstück und ich empfehle unbedingt die pochierten Eier mit Avocadopüree. An wärmeren Tagen lockt die Dachterrasse und ein kleiner Garten mit marokkanisch eingerichteten Beachhuts.

Falls ihr das Hotel buchen möchtet, könnt ihr dies sehr gut über Booking machen, die oftmals günstige Angebote haben. Über meinen Empfehlungslink * bekommt ihr zudem 10 % Ermäßigung auf eure Reise, die nach dem Trip gutgeschrieben werden.

Inselhüpfen nach Sark und Herm

Guernsey ist aufgrund seiner Temperaturen vielleicht nicht unbedingt das klassische Badeparadies. Die vielen Naturstrände sind jedoch schön, sauber und laden zum Surfen und Chillen ein. Highlights sollen Cobo Bay und Vazon Bay sein, die ich jedoch nicht gesehen habe. Wem nicht nach Strand ist, hat auch die Möglichkeit in St. Peter Port die Valette Bathing Pools zu besuchen.

Nahezu paradiesische und sehr familientaugliche Strände soll es auf der nahegelegenen Insel Herm geben. Und wer Lust hat, sich 100 Jahre in die Geschichte zurückzubeamen, sollte unbedingt einen Abstecher nach Sark einlegen. Dort gibt es bis heute nur unbefestigte Straßen und statt Autos nur Räder und Pferdekutschen. Die genauen Fahrzeiten und Ticketpreise erfahrt ihr hier. Mehr zu unserem Trip nach Sark gibt es demnächst. Ich habe mich jedenfalls schwer in diese schroffe und zugleich liebliche Insel verliebt.

Lesestoff und Tipps für die Reisevorbereitung nach Guernsey

In Punkto Reisevorbereitung stehe ich neben dem Lesen von Blogs und Instagram auch immer noch auf die klassischen Reiseführer.

Für weitere Infos über Guernsey schaut daher unbedingt mal bei meinen Reisebegegleitern rein:

Elke von Meerblog: Guernsey – eine Insel zum Verlieben und Teatime auf Sark 

Thies von Uberding: Guernsey – Geheimtipp im Ärmelkanal

Außerdem lege ich euch den wundervollen Film „Dear Juliet“ ans Herz, der in den 40er Jahren auf Guernsey spielt. Eine Mischung aus Kriegsdrama und Liebesgeschichte, der aber auch viele tolle Naturaufnahmen und geschichtliche Hintergründe von Guernsey zeigt.

          

Offenlegung: Ich wurde zu dieser unbezahlten Pressereise von Visit Guernsey eingeladen. Ein herzliches Danke schön dafür! Beiträge dieser Art könnte ich nicht schreiben, wenn ich mir nicht ein eigenes Bild vor Ort machen würde. Da meine Reise keine Vorgaben enthielt, könnt Ihr euch wie immer darauf verlassen, dass mein Bericht meine eigene Meinung und Begeisterung widerspiegelt.

* Dieser Beitrag enthält mit * gekennzeichnete Produkte mit Link im Rahmen eines Affiliate-Programms. Alle verlinkten Materialien wurden von mir mit Sorgfalt ausgewählt. Wie immer, empfehle ich nur Produkte, die ich auch selber benutze und/ oder kaufen würde. Falls Ihr etwas über diese Links kauft, unterstützt Ihr mich mit einer kleinen Provision. Nur durch solche Einnahmen, kann ich diesen Blog  überhaupt am Leben erhalten. Vielen Dank für Eure Unterstützung!

 

 

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3 Comments

  • Reply Guernsey – Insel zwischen Ebbe und Flut | Kanalinseln, England 20. Mai 2019 at 17:00

    […] den Kollegen weiterlesen? Das haben Nadine vom Familienreiseblog Planet Hibbel und Thies vom Uberding Blog über unsere Reise […]

  • Reply Miuh 20. Mai 2019 at 20:58

    Ach, Guernsey, mein Guernsey! Hier liegt ein Teil meines Herzens, meiner Heimat… hier habe ich drei Monate lang gelebt. Da stellt sich wirklich ein wenig Wehmut ein, beim Betrachten Deiner Fotos! Manches ist heute wohl anders als damals… ganz vieles ist aber bestimmt auch noch gleich! Da geht’s um die Ecke, die wie eine Sackgasse aussieht zur Treppe… die Treppe bin ich jeweils hoch und runter… in dieser Gasse gab es das coole Restaurant… und dann die Bars! Gewohnt habe ich wohl ganz nah bei Eurer Unterkunft, man sieht den Ort gar auf zwei der Fotos. Ob hier noch immer ein Appartementhaus so freundlich geführt wird? Grad kürzlich habe ich gesagt, ich möchte unbedingt wieder einmal Guernsey besuchen… das letzte Mal ist nun auch schon wieder weit über zehn Jahre her. Vielen Dank für die Erinnerungen und liebe Grüsse, Miuh

  • Reply Bali Nerede 24. Mai 2019 at 7:51

    Eine tolle Gegend. Ich will dahin. Vielen Dank.

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