Die niederländische Provinz Gelderland
6 Tipps, für einen Besuch mit Kindern im „anderen Holland“

26. September 2018

Niederlande oder Holland? Shame on me, aber ich muß gestehen, dass mir bis Anfang des Jahres nicht bewusst war, das es hier einen Unterschied gibt. Geschichte? Setzen 6. In der Regel sagen wir nämlich immer: wir fahren nach Holland. Auch wenn wir eigentlich die Niederlande meinen. Diese bestehen aus 12 Provinzen, von denen man genau zwei als Holland bezeichnen darf. Nämlich Noord- und Zuid-Holland. Noch verwirrender wird es, wenn man wie wir, in die Provinz Gelderland fährt, die sich als „das andere Holland“ bezeichnet und gar nicht am Meer, sondern mitten im Landesinneren liegt.

Anders nennt es sich deshalb, weil es fernab der Holland-Klassiker Käse und Küste, Mühlen und Grachten noch so viel mehr in den Niederlanden zu entdecken gibt. Da wir mind. 4-8 mal im Jahr bei unseren Landesnachbarn unterwegs sind, wussten wir das natürlich schon längst. In dieser Ecke waren wir jedoch auch noch nicht und daher nehme ich euch heute mit in das entzückende Gelderland. Dort war ich im August nur mit den beiden kleinen Jungs unterwegs und wir haben mal die Lage gecheckt, was man dort so Schönes mit Kindern machen kann. Aber natürlich gibt es auch für die Erwachsenen jede Menge zu sehen.

#1 Ein Besuch im Wipe Out

Das Wipe Out ist eine Mischung aus Strandbad, Freizeitpark und Parkouranlage für kleine und große Menschen. In den Niederlanden ist die Anlage durch eine Gameshow von Endemol berühmt geworden und als meine Jungs die verrückten Parkourstationen sahen, waren sie logischerweise erstmal aus dem Häuschen. Die meisten ausgeflippten Gerätschaften sind jedoch nur für Erwachsene und die Anlage bietet sich daher perfekt für Feiern von Firmen, Sportmannschaften etc. an. Nach den Teambuilding-Spielen, kann man hier auch direkt noch direkt im Beachclub Party machen. Für Kinder gibt es jedoch auch eine kleinere Parkouranlage, diverse Wasserrutschen und Möglichkeiten zum Klettern. Bei schlappen 33 Grad Außentemperatur hielt sich die Aktivität meiner Söhne jedoch in Grenzen und sie tummelten sich lieber im Wasser herum. Die monatelange Hitze hat in der Anlage jedoch ein paar Spuren hinterlassen. Sowohl der See, als auch einzelne Rutschen waren veralgt und rutschig. Ich nehme jedoch an, dass das normalerweise nicht der Fall ist und an dem extrem heißen Sommer lag.


#2 Das Waisenhausmuseum in Culemborg

Wie megagut es ihnen geht, mussten meine Kinder bei einem Besuch im historischen Elisabeth-Waisenhaus-Museum in Culemborg feststellen. Das Waisenhaus wurde 1560 von der adligen Elisabeth von Culemborg gegründet, deren Ziel es war, auch armen Kindern eine gute, christliche Erziehung und Ausbildung zu ermöglichen.

Von 1560 bis 1952 war es Zuhause für mehr als 700 Waisen und Halbwaisen, die meist aus aus extrem armen Verhältnissen kamen. Mädchen und Jungen wurden streng getrennt und wohnten in verschiedenen Gebäudetrakten. Selbst Geschwister wuchsen so auf, was zur Folge hatte, dass sich Brüder und Schwestern nicht mehr sehen durften. Was sich erstmal ziemlich traurig und traumatisch anhört, war für die Waisen trotzdem ein großes Glück. Denn Kinder die hier aufgenommen wurden, bekamen Kleidung, zu essen und eine Schul- sowie Berufsausbildung. Zudem hatten sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr ein Dach über dem Kopf und waren somit sehr privilegiert. Wenn sie volljährig wurden und das Waisenhaus verließen, waren sie gut vorbereitet auf das Leben und bekamen zum Abschied eine kleine Geldsumme sowie eine Aussteuer-Truhe mit auf ihren Weg.

In dem wunderschönen alten Gebäude wird den Besuchern das alltägliche Leben der Waisenkinder anschaulich vermittelt. Welche Kleidung trug man als Waisenkind? Wie sah der Speisesaal aus und was gab es zu essen? Wie wohnte die Waisenhausmutter bzw. der -vater? Und warum waren die Betten der Kinder, trotz der recht guten Lebensverhältnisse, so voller Ungeziefer? Hygiene spielte jahrhundertelang halt kaum eine Rolle. Auch kleine Besucher werden an verschiedenen Spielstationen mit in das Leben der Waisenkinder einbezogen.

Ein Spaziergang durch das historische Culemborg

Die historische Innenstadt von Culemborg ist im Übrigen unbedingt einen Spaziergang wert. Die alten Häuser sind wunderschön und es gibt zahlreiche nette Shops und süße Cafés, wie z.B. Lekkers a/d Leek mit seinem Pippowagen. Leider hatte es jedoch geschlossen, als wir dort waren.

#3 Pfannekuchen essen

Wenn meine Kinder eine Sache lieben, dann Pfannekuchen. Im t`Veerhuys Beusichem gibt es Pfannekuchen in jeder erdenklichen Version. Ob süß oder herzhaft – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Zudem hat das Restaurant eine Spielecke für Kinder, was die Wartezeit für Eltern und Kinder enorm verkürzt und angenehm macht.

#4 Das Geofort – ein Besuch im besten Kindermuseum der Welt

Das Geofort wurde 2016 zum besten Kindermuseum der Welt gekürt und unsere Erwartungen waren dementsprechend hoch. Denn Kindermuseen haben wir, rund um die Welt, schon einige gesehen. Was direkt ins Auge sticht, ist auf jeden Fall die außergewöhnliche Lage und Architektur des Museums. Das Geofort ist nämlich eine alte Militärbasis, eingebettet in die idyllische wasserreiche Auenlandschaft von Gelderland. Heute dient das Museum nur noch als Wissens- und Erfahrungszentrum auf dem Gebiet der Geotechnik. Anhand von Spielen, Ausstellungen, Filmen und anderen Testprojekten erhalten kleine und große Besucher Einblick in die Welt der Kartografie und Navigation.

Die Aktivitäten drinnen und draußen sind zahlreich: Labyrinth, Spurensuche, Klettergarten, Workshops zum Erstellen von Karten oder Kompass oder Schnitzeljagd. Man kann zum Mittelpunkt der Erde reisen, erbebensichere Häuser bauen, Minecraft spielen oder geocachen. Die Attraktionen sind spannend und unterhaltsam, für nicht niederländisch sprechende Kinder z.T. jedoch nur schwer nachvollziehbar. Ein kleiner Minuspunkt für das Museum, das ansonsten wirklich cool gemacht ist. Auch das 3D Café mit Zugang zum Abenteuerspielplatz ist ziemlich nett und gemütlich. Während meine Jungs im Bat Trail Garden in den Seilen hingen, konnte ich entspannt meinen Kaffee schlürfen.

#5 Das Kasteel Ammersoyen

Das die Niederlande auch hübsche Burgen zu bieten haben, war mir bis dato auch nicht wirklich bewusst. Man verbindet die Niederlande halt eher mit Windmühlen als Schlössern. Im anderen Holland liegt jedoch das mitteralterliche Kasteel Ammersoyen, das zu den schönsten und besterhaltenen Wasserschlössern der Niederlande gehört. Es wurde 1350 von Grad Floris dem Fünften erbaut, wurde im zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und erstrahlt heutzutage, nach einer aufwendigen Restauration, wieder im neuen Glanz.

Das Kasteel Ammersoyen kann man fast täglich besichtigen und auf eigene Faust entdecken, um einen Eindruck vom Leben und Alltag auf der Burg zu bekommen. Vom Rittersaal, zum Kaminzimmer über die 8 Burg-Toiletten bis hin zu den vielen archäologischen Fundstücken, die rund um die Burg ausgegraben wurden. Kinder haben die Möglichkeit sich als Ritter oder Prinzessin zu verkleiden und merken schnell, das 50 Kilo Rüstung weniger cool waren, als in der Regel gedacht.

#6 Stand-Up Paddling oder Kanu fahren in Kerkdriel

Was eigentlich noch auf unserer Programmliste stand, war Stand Up Paddling oder Kanu fahren bei SUP76 in Kerkdriel. Aber hatte es das Wetter die Tage zuvor doch mehr als gut mit uns gemeint, war es diesen Tag stürmisch und kühl und daher haben wir diesen Punkt gestrichen. Zudem war auch hier das Wasser, durch die wochenlange extreme Hitze, durch Blaualgen in Mitleidenschaft gezogen. Schade, denn beides finden wir eigentlich toll. Alternativ gab es Burger und heiße Chocomel im Restaurant Dukdalf, direkt nebenan. Von deren Terrasse hat man an warmen Sommertagen eine schönen Blick auf den Yachthafen.

Unser Fazit:

Gelderland ist hübsch, idyllisch und abwechslungsreich und bietet jede Menge Aktivitäten für Groß und Klein. Ich bin auf diesem Trip eindeutig ein wenig zu kurz gekommen, denn ich hätte mich zu gerne mal quer durch die netten Cafés und Shops gestöbert, die extrem hübschen Häuschen bei einem Spaziergang bewundert oder einfach nur mit einem Kaffee in der Hand, in die Landschaft gesetzt. Wir kommen also auf jeden Fall wieder und zum Glück ist das andere Holland für uns ja so nah.

Wo wir übernachtet haben und warum wir uns dort fast wie bei Freunden zu Besuch fühlten, verrate ich euch demnächst.

Weitere Berichte zum „anderen Holland“ findet ihr bei meinen Reisebloggerkollegen:

Travelistos: 48 Stunden im anderen Holland

Sonstige Reiseinspirationen von Texel über Efteling und Camping bis Städtetrip findet ihr in meiner Rubrik Niederlande.

Offenlegung: Wir wurden vom anderen Holland zu dieser Recherchereise eingeladen. Ein herzliches Dankeschön dafür. Beiträge dieser Art könnte ich nicht schreiben, wenn ich mir nicht ein eigenes Bild vor Ort machen würde. Da meine Reise keine Vorgaben enthielt, könnt Ihr euch wie immer darauf verlassen, dass mein Bericht meine eigene Meinung und Begeisterung widerspiegelt.

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1 Comment

  • Reply Reisblog Planet Hibbel te gast in Rivierenland - Rivierenland.biz 28. September 2018 at 10:58

    […] Lees hier het artikel. […]

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