Südafrika mit Kindern

Die Highlights von Kapstadt und warum das keine Liebe auf den ersten Blick war

Kapstadt und ich….. das war zugegeben nun echt keine Liebe auf den ersten Blick. Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen, denn Capetown wird seit einiger Zeit ziemlich gehypt und besonders Instagram ist voller Lobeshymnen auf die Stadt am Kap. Zugegeben: Capetowns Lage ist einmalig und sie ist eingebettet in eine absolut großartige Natur. Dafür kann man nur ein WOW! aufbringen. Zudem ist Capetown für afrikanische Verhältnisse ein Muster an Stadt und in der Form einzigartig auf dem gesamten Kontinent.

Kapstadt hat mich aber einfach nicht direkt gekriegt, weil mich die unendlichen Townships vor den Toren der Stadt, die vielen Warnungen, im Dunkeln ja nicht herumzulaufen und die Unmengen schwarzer Obdachloser, zu sehr abgeschreckt haben. Nichtsdestotrotz gehört Kapstadt natürlich trotzdem zu den Orten, die man auf einer Südafrikareise unbedingt gesehen haben sollte. Und wenn man die vielen Probleme dieser Stadt ausblendet, hat sie auch ein paar wirklich großartige Sachen zu bieten.

Unser Erlebe Familienreise-Baustein „Herzlich Willkommen in Kapstadt“

Im Zuge unseres Trips mit Erlebe Familienreisen hatten wir das Paket „Herzlich Willkommen in Kapstadt“ gebucht und waren 3 Nächte/ 2 Tage in der Stadt. Das reicht eigentlich nur, um die Stadt anzukratzen. Ich empfehle daher besser 4 Nächte/ 3 Tage dort zu bleiben. Zudem würde ich Kapstadt beim nächsten Mal auch besser auf das Ende meiner Reise legen, denn wenn man Shoppen möchte, wird man hier auf jeden Fall fündig. Das mit dem Einkaufen ist ansonsten nämlich eher schwierig in Südafrika.

Bei unserer Ankunft in Capetown wurden wir am Flughafen in Empfang genommen und zu unserer Unterkunft, dem Port View Guesthouse gebracht. Das hübsche Bed & Breakfast mit Garten und kleinem Pool liegt ca. 20 Minuten Fußweg von der Waterfront entfernt. Es gibt jedoch auch ein paar Restaurants und Shops in unmittelbarer Laufnähe und man muß daher kein Taxi nehmen, wenn man abends noch einen Happen Essen möchte. Das Bed & Breakfast hat geräumige Familienzimmer mit eigenem Bad, die Dusche fand ich jedoch etwas sehr einfach. Da man sich aber wirklich nur zum Schlafen und Frühstücken dort aufhält, fand ich die Unterkunft ok.

Die Highlights von Kapstadt muß man eigentlich gar nicht mehr groß beschreiben, denn die kennt fast jedes Kind. Trotzdem haben wir ein paar Erfahrungen gemacht, die dem ein oder anderen vielleicht weiterhelfen.

Family Walking Tour mit Joepie Adams

Bevor ich die eigentlichen Attraktionen aufliste, möchte ich Euch direkt unseren wunderbaren Guide Joepie Adams ans Herz legen, der uns einen halben Tag lang die Ecken von Capetown gezeigt hat. All das kann man natürlich auch ohne Führer machen, aber Joepie hat uns soviel Persönliches über Land und Leute, sowie das Leben der Schwarzen erzählt – das wäre ohne ihn wahrscheinlich an uns vorüber gegangen. Vermutlich haben seine Geschichten auch meinen Blick auf Südafrika verändert und ich konnte einfach nicht mehr alles durch die rosarote Reisebrille sehen. Mal ganz davon abgesehen, wusste ich aber auch schon sehr viel durch meinen Onkel, der 25 Jahre lang in Johannesburg gelebt hat.

Unser Kapstadt Guide Joepie Adams

Der City-Walk mit Joepie war Bestandteil unseres Erlebe Familienreise-Pakets und er holte uns morgens nach dem Frühstück mit seinem Wagen vom Hotel ab. Wir besichtigten das Castle of Good Hope, das alte Rathaus (wo Nelson Mandela das Ende der Apartheid verkündete), den Company´s Garden und High Court, die Slave Lodge und den Green Market Square. Dort gibt es einen täglichen Markt, wo man ohne Ende Souvenirs kaufen kann. Habe ich am ersten Tag natürlich nicht gemacht, was ein Fehler war. Danach hatten wir auf unserer Reise nie wieder so ein Angebot. Am Ende fuhr er uns noch für einen kurzen Abstecher zum Boo Kaap und dann zur Waterfront.

Falls Ihr Interesse an einer Tour durch Kapstadt habt und nicht mit Erlebe Familienreisen unterwegs seid, kontaktiert Joepie am Besten direkt. Er arbeitet zwar für eine Agentur, aber ich denke, den Schwarzen ist am Meisten geholfen, wenn man sie direkt unterstützt. Joepie Adams, Mail: FFAdams@telkomsa.net, Tel. +27 825057111

Der Tablemountain

Absolutes Must-See! Aber Achtung: die Warteschlange um mit der Gondel hochzufahren ist lang und man steht mitunter Ewigkeiten an. Wir haben daher unsere Tickets im Internet vorgebucht und waren so etwas schneller durch. Das Blöde ist jedoch, dass man sich vorab für das Zeitfenster vor- oder nachmittags entscheiden muß. Spontan kann man also nicht mehr sein. Es ist aber möglich das Ticket zurückzugeben, falls man doch nicht hochfährt. Wir hatten zudem das Pech, dass es trotz strahlendem Sonnenschein so stürmisch war, dass die Gondel quasi ständig ausfiel. Man muß also immerzu den Weatherforecast im Auge behalten.

Kaum oben angekommen, hatten wir dann auch gerade mal 10 Minuten Zeit um einen kleinen Abschnitt zu laufen und die traumhafte Aussicht zu genießen. Da ertönten auf dem Tafelberg auch schon wieder laute Sirenen. Das Zeichen für starken Wind und der Hinweis, doch bitte sofort mit der Gondel wieder runterzufahren. Na toll! Das wollten dann natürlich auch 200 andere Touristen und schon standen wir in der nächsten Endlosschlange. Wird die Gondel aus Sicherheitsgründen ganz geschlossen, muß man sich wohl auf einen mühsamen Abstieg einstellen. Für uns Große eigentlich kein Problem. Mit kleinen Kindern im Schlepptau dann doch ne andere Nummer. Aus genannten Gründen fallen meine Tablemountain-Bilder daher auch eher spärlich aus.

Der rote Hop On – Hop Off-Bus nach Camps Bay

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Stadtrundfahrten, in Kapstadt kann ich eine Fahrt mit dem roten Hop On/ Hop Off-Bus jedoch nur empfehlen. Wir sind von der Waterfront durch die Innenstadt bis zum Tafelberg hoch und auf der Rückfahrt über Camps Bay entlang der Küste zurück. Eine Strecke auf der man unglaublich viel zu sehen bekommt. Gerade wenn man wenig Zeit hat, um die Stadt zu entdecken. Die berühmte Long Street haben wir nur vom Bus aus gesehen – mit Kind im Gepäck fanden wir die Einkaufsstraße nicht ganz so interessant. Aber wer will, kann hier aus- und irgendwann wieder zusteigen. Wir legten lieber einen Stop in Camps Bay ein, um einen Kaffee zu trinken und ein bisschen am traumhaften Strand entlang zu schlendern.

Die Victoria & Alfred Waterfront

Die Waterfront ist Kapstadts Amüsement- und Shoppingmeile. Es gibt ohne Ende tolle Restaurants, Cafes, Bars, kleine Boutiquen, Kunstgalerien, Spielplätze, ein Aquarium und großes Shoppingcenter mit vielen Ketten. Hier ist eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit was los und wir haben uns an der Waterfront wirklich absolut sicher gefühlt. Arme Südafrikaner sucht man hier jedoch auch vergebens. Mein persönliches Highlight waren die großartigen kleinen Foodstalls und bunten Boutiquen in der Water Shed.

Der Company´s Garden und High Court

Inmitten der Großstadt eine Oase der Ruhe – der Company´s Garden, der 1652 angelegt wurde. Hier kann man entspannt einen Kaffee im Company´s Garden Restaurant trinken, während die kids auf dem wundervollen Spielplatz herumtoben oder Eichhörnchen füttern.

Direkt um die Ecke vom Company´s Garden ist das High Court und erinnert an Südafrikas traurige Geschichte der Apartheid. Die Whites only und Black only-Bänke stehen heute noch als Mahnmal vor der Tür.

Das Bo-Kaap

Nirgendwo sonst ist Südafrikas bunte Geschichte so präsent wie im Bo-Kaap, das zu Füßen des Signal Hill liegt. Die Bauweise und Architektur der grellbunten Häuschen hat sich seit dem 17. Jahrhundert nicht großartig verändert, als sich freigelassene Sklaven dort niederließen. Die heutigen Bewohner bzw. Kap-Malaien sind Nachfahren dieser Sklaven, die von der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie aus Indonesien, Sri Lanka, Indien und Malaysia dorthin verschleppt wurden.

Nach unseren 2 Nächten in Kapstadt bekamen wir unseren Mietwagen zum Hotel geliefert und starteten unseren Roadtrip entlang der Garden Route:

Plant für Südafrika mindestens 3 Wochen ein. Wir waren nur 2 Wochen im Land und das war eindeutig zu kurz, denn wir haben zuviel von der Garden Route verpasst. Auch Kapstadt sollte man mindestens 3 volle Tage widmen um vielleicht noch Robben Island, das Gefängnis, in dem Nelson Mandela 27 Jahre als Häftling verbrachte, das Two Oceans Aqarium oder  The Old Biscuit Mill – der Klassiker unter Kapstadts Märkten, zu besuchen. Außerdem hätte ich supergerne mal eine Wanderung zum Lions Head gemacht und ein Township besucht.

Wenn ich mir das so Recht überlege, sollte ich Kapstadt wohl noch eine zweite Chance geben. Oder was meint Ihr? Und Südafrika´s Natur hat mich sowieso spätestens nach meiner Begegnung mit einem Warzenschwein gekriegt ;). 

Offenlegung: Unsere Reise durch Südafrika wurde von Erlebe Familienreisen unterstützt. Meine Meinung bleibt davon wie immer unangetastet.

8 Kommentare

  1. Auf jeden Fall hat Kapstadt eine zweite Chance verdient – es ist definitiv meine Lieblingsstadt. Allein die Lage, wie ein Amphitheater mit Tafelberg, Lions Head und Signal Hill.. grandios.

    Und ja, Robben Island lohnt einen Besuch, Bloubergstrand zum Sonnenuntergang mit dem sagenhaften Blick auf die Stadt (und für Kinder: demnächst auch wieder Pinguinrettungsstation von SANCCOB), an einem anderen Abend der Signal Hill zum Sundowner, der botanische Garten von Kirstenbosch mit der Boomslang (und den sagenhaften Summer Concerts), das Two Oceans Aquarium an einem regnerischen Tag (aber auch bei gutem Wetter, es ist wirklich toll gemacht) – all das kann ich Euch nur ganz dringend ans Herz legen.

    • Nadine sagt

      Ja, ich glaube manchmal braucht man zwei Anläufe. Bei mir lag es eindeutig an den zu hohen Erwartungen (ich hatte mir irgendwie ein zweites Sydney vorgestellt) und dem ersten Afrika-Schock. Diese extreme Rassentrennung ist mir bisher in keinem Land der Welt so extrem aufgefallen. Aber das war auch mein erster Besuch auf dem Kontinent (bis auf Marokko). Deine Tipps hören sich cool an. Kirstenbosch fand ich auch schön, aber für alles Andere fehlte die Zeit. LG, Nadine

  2. Kurioserweise hat mich der Kontinent noch nie wirklich gereizt, aber wenn die Möglichkeit bestände dann wohl auch so geführt um wirklich viel zu erfahren und nicht selbst alles erkunden zu müssen. Dies aus deinen genannten Gründen.

    Viele Grüsse

    N☼va

    • Nadine sagt

      Bei Afrika scheiden sich glaub ich echt die Geister, Nova. So richtig gereizt hat es mich auch nie. Mich zieht es da eher nach Asien. Aber die Natur ist so wunderschön und einzigartig, das muß man einfach mal gesehen und erlebt haben. Und gerade Du, bist ja ganz nah am afrikanischen Kontinent dran. Einfach mal rübergehüpft ;). GlG nach Teneriffa, Nadine
      PS: Ich bin mir sicher, daß man solche Reisen auch komplett geführt machen kann, kostet nur sicher ein Sümmchen.

  3. Hey 😉

    Ich denke auch, dass Kapstadt eine zweite Chance verdient hat. In Nordafrika habe ich mich zwar schon ein paar Male rum getrieben, aber bis in den Süden habe ich es dann leider doch noch nicht geschafft. Die Fotos sehen so schön aus! 🙂 Die bunten Häuschen sehen auch richtig interessant aus. Vielleicht schaffe ich es ja nächstes Jahr Mal dort runter zu fliegen, um mir ein eigenes Bild von Südafrika zu machen. Der Artikel motiviert mich auf jeden Fall schon mal mich über das Land und die Kultur noch schlauer zu machen.

    Toll geschrieben und wirklich lesenswert!

    Liebe Grüße,

    Joshua. (journeyofjp.com)

    • Nadine sagt

      Vielen Dank, Joshua! Das war mit Sicherheit auch nicht unser letztes Mal Südafrika. Dafür hat uns das Land dann außerhalb von CP auch zu sehr geflasht. Fröhliches Reisen weiterhin, Nadine

  4. Ach wie schade, dass Kapstadt Dich nicht so geflashed hat. Da CT ja bekanntlich für mich die Stadt der Städte (natürlich mit Ausnahme von NY) ist, ist das für mich immer sehr schwer nachzuvollziehen. Allerdings war ich ja auch monatelang dort, und zwar schon vor 20 Jahren, als die Apartheit gerade erst begonnen wurde aufzuarbeiten. Ich finde, SA hat da schon sehr sehr viel geschafft, aber ein Jahrhunderte lang andauerndes Unrecht wird nicht in ein paar Jahren oder Jahrzehnten wett gemacht. Als ich vor ein paar Jahren im Urlaub dort war, war ich nach wie vor hingerissen, fand aber auch, dass die Stadt durch den zunehmenden Tourismus (Stichwort Hop On/Hop Off Busse) ein wenig an Charme verloren hat. Ich glaube aber auch, man braucht mehr Zeit für CT. Die Waterfront zB ist aus meiner Sicht eines der am wenigsten interessanten Ziele der Stadt- es gibt so viel Spannenderes zu sehen…… :-)) Liebste Grüße, Emi

    • Nadine sagt

      Ooooh, liebste Emi! So schön von Dir zu lesen. Ja, wenn man lange in einer Stadt ist, ist das natürlich ne ganz andere Nummer. Ich war dafür ja lange in Sydney und habe jede Ecke kennen und lieben lernen dürfen. Capetown an sich fand ich ja nicht doof, aber dieser extreme Rassenunterschied und die Hoffnungslosigkeit der Schwarzen hat mich total abgeschreckt. Das habe ich in der Form bisher noch nie woanders gesehen. Außer vielleicht in Australien, aber da sieht man die Aborigines in den großen Städten kaum, weil die alle rausgeschafft werden und es auch viel weniger gibt. Ist aber de fakto genauso fürchterlich. Die Waterfront fand ich auch nicht so interessant, ist ja nur ne Shoppingmeile. Und den Bus nur spannend, weil man innerhalb kürzester Zeit soviel sieht. Aber es gibt ja auch noch den Post zur Kaphalbinsel, falls Du den nicht gelesen haben solltest. Die fand ich großartig, denn die Natur ist wirklich unvergleichbar. Liebste hibbelsche Grüße, Nadine
      https://planethibbel.com/suedafrika-mit-kindern-die-kapregion-ein-mikrokosmos-an-highlights/

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