Die Provence mit Kindern
Von Päpsten, Lavendelfeldern und dem süßen Savoir Vivre

17. Mai 2021

[Ein Beitrag von Co-Autorin Petra]

Die Provence ist eines dieser Ziele, die dich schwer verliebt zurücklassen, sobald du einmal dort warst. Es stimmt nämlich: Das Licht, die Luft, die Farben … irgendwie ist dort alles ein bisschen intensiver, wärmer, heller, leichter. Und aus genau dem Grund liebe ich diesen Flecken Erde schon seit meiner Kindheit. Und wie das eben ist mit der Liebe: Sie vergeht nicht, auch wenn man eine Zeit lang nicht da war. Ein guter Grund, um mal wieder dorthin zurückzukehren! Ich nehm euch mit …

Eins vorweg: Eine Reise in die Provence mit kleineren Kindern sollte man idealerweise ein wenig vorausplanen, gerade was das Programm angeht. Denn so vieles, was einem als Erwachsenem dort Spaß macht, ist für viele Kids eher so semi-cool. Stundenlang im Café sitzen und mit dem fünften Café au Lait vor sich dem Treiben auf dem Markplatz zuschauen zum Beispiel. Weingüter abklappern. Oder Fußmärsche vorbei an lilawogenden Lavendelfeldern, weil es halt so wunderschön ist. („Mama, der Lavendel stinkt total schlimm!“). Mit ein bisschen Orga-Arbeit und Planung kann man idealerweise beides verbinden: Schönen Momente für die Erwachsenen und tolle Erlebnisse für die Kids. Hier kommen meine ultimativen Tipps für eure Familienreise in die Provence.

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Meine Top-Tipps für entspannte Familienferien in Südfrankreich

#1 Abwechslung reinbringen

Erst einmal ein Tipp für die Unterkunftssuche: Die Provence eignet sich prima, um auch ein paar Tage am Meer in die Reise einzubauen. Von Avignon aus seid ihr in einer guten Stunde am Wasser. Denn, sind wir ehrlich: Die Kinder wollen an den Strand, baden und buddeln und eher nicht durch romantische Kopfsteinpflastergassen schlendern, zumindest nicht den kompletten Urlaub lang.

Ich persönlich mag alles westlich von Marseille lieber als die Côte d’Azur. Weil: weniger Trubel und weniger teuer. Die Camargue ist superschön und teilweise immer noch wildromantisch mit Pferdekoppeln und Flamingos, die in den seichten Lagunen stehen. Auch die Küste rund um Sète (mein Geheimtipp – ein superschönes Städtchen mit urig-hipsterigen Fischlokalen) und Cap d’Agde hat viele schöne Abschnitte mit Dünen, kleinen Beach Clubs und feinem Sand zu bieten.

Wir haben das also bisher so gemacht, dass wir eine Woche im Landesinneren gebucht haben und dann noch eine Woche am Meer. Auf Airbnb und Co findet ihr mit etwas Recherche tolle Häuser direkt am Strand. Auf der Holzterrasse sitzen und den Kids beim Spielen zusehen: Das ist für mich sowieso das reine Paradies.

#2 Eine Reise in die Vergangenheit machen

Die Provence ist voll mit Geschichte(n). Der Papstpalast in Avignon. Die Pont du Gard. Das Amphitheater von Orange. Es gibt echt viel Spannendes zu erzählen und anzuschauen. Mein perfekter Tag in Avignon sieht beispielsweise so aus: Ein bisschen durch die Straßen schlendern, einen Stopp in einem süßen, kleinen Café einlegen, in den Markthallen frische Köstlichkeiten fürs Abendessen einkaufen und dann ab ins Mittelalter bei einer Tour durch den Papstpalast. Okay, vielleicht drehen wir die Reihenfolge um und kaufen erst nach dem Sightseeing ein (oder essen gleich alles auf). In jedem Fall wird so jede*r glücklich.

#3 Bilderbuch-Orte anschauen

Overtourism hin oder her: Es gibt diese Orte, die man einfach besuchen MUSS. Denn sie sind einfach viel zu toll, um sie als „zu touristisch“ einzustufen und deswegen links liegen zu lassen. Saint-Rémy-de-Provence beispielsweise, das definitiv ein Realität gewordenes Bilderbuch ist. Und es gibt keine Chance, diesem Charme zu entkommen (außer man fährt nicht hin, aber das wäre wirklich ein Fehler). Nehmt eine zusätzliche Kamera-Speicherkarte mit, ihr werdet sie brauchen!

Auch Les-Baux-de-Provence ist einer dieser Orte, die einfach magisch sind. Überhaupt, die Alpilles, die hinter Saint-Rémy in den Himmel ragen – ein kleines Mini-Gebirge mitten in der Provence. So schön wie dort ist selbst die Provence selten. Es tut fast in den Augen weh, so wunderhübsch ist es. Kleiner Tipp: Am späteren Nachmittag kommen (oder ganz früh), dann ist es ruhiger und man hat die kleinen Gassen (fast) für sich alleine.

#4 Den Style des Südens leben

Ich weiß, gerade mit kleinen Kids ist das eben nicht so einfach, aber für mich gehört das einfach zu Südfrankreich dazu: Sich in ein Café zu setzen und einfach nur zu schauen. Stundenlang. Kann man auch direkt in einem Restaurant machen, dann gibt es auch noch was Leckeres zu essen dazu.

Das Schöne in Frankreich ist ja, dass es immer und überall gutes Essen gibt. Gerade im Süden! Hier ein Salat mit Chèvre Chaud, dort eine kleine Tarte, frisches Gemüse in Hülle und Fülle, alles immer wunderbar arrangiert, ein Glas Pastis als Aperitif, eine Mousse au Chocolat zum Dessert. Himmlisch. Essen gehen mit Kindern in Frankreich ist nicht immer so easy wie in Italien, weil hier Chaos am Tisch nicht allzu gerne gesehen wird (französische Kinder sind tatsächlich oftmals erstaunlich gut erzogen – aber ich hab sie auch schon rumrennen und rumkippeln gesehen, also alles gut).

Mein Tipp für ein typisch provenzalisches Örtchen ist Eygalières mit seinen unzähligen süßen Cafés und Bistros. Eine dieser prototypischen provenzalischen Ortschaften inmitten von Olivenhainen und Weinreben. Besonders hübsch an den Markttagen, dann könnt ihr auch gleich noch die kulinarischen Highlights der Provence einkaufen – Oliven, Käse, frisches Obst wie Kirschen, Melonen oder Aprikosen …

#5 Die Provence als Ganzes erleben

Wenn wir über die Provence sprechen, meinen wir gerne das Herzland der Region. Also Avignon und Aix, dazu diese „Must-see“ Orte wie Saint-Rémy oder die Lavendelfelder im Hochland. Aber an den Rändern der Region gibt es auch noch ein paar Plätzchen, die superschön und höchst spannend sind, gerade für Familienferien. Im Norden beispielsweise rauscht der Verdon durch die gleichnamige Schlucht, die Gorges du Verdon. Und über allem thront der Mont Ventoux, den manche vielleicht von den Bergetappen der Tour de France kennen und von dem man sagt, er sei ein heiliger Berg der Kelten gewesen. Die Landschaft dort im Norden der Provence ist ebenfalls wunderschön – Oliven, Hügel, Obstplantagen, kleine süße Orte – aber eben nicht ganz so voll wie an den Hotspots etwas weiter südlich.

Außerdem lohnt es sich, die Rhone zu überqueren. Am Gard beispielsweise gibt es tolle Badestellen fürs Wild Swimming – teilweise mit Blick auf die berühmte Pont du Gard, ein Aquädukt aus der Römerzeit. Wir sind in einem anderen Departement, aber auch dort ist es einfach wunderschön, sogar noch ein wenig wilder und ursprünglicher als drüben in der „richtigen“ Provence.

MEINE TOP 5 FÜR FERIEN IN DER PROVENCE

1 Saint-Rémy: Ich liebe dieses Städtchen schon seit vielen Jahren. Für mich ist es der Inbegriff der Provence. Auch wenn echt viel los ist, denn schöne Orte bleiben natürlich nicht geheim.

2 Avignon: Der Papstpalast ist ein Muss für Kids. Museum und Geschichtsstunde in einem! Lest euch vorher die Geschichte der Päpste durch, das ist wirklich aufregender Stoff, um ihn weiterzuerzählen.

3 Les-Baux-de-Provence: Wenn ihr „das Licht“ sucht, das die Provence so besonders macht: Dort findet ihr es garantiert.

4 Die Verdonschlucht: So schön. So smaragdblau. So wunderbar für Aktivurlaub. Vor allem mit schon etwas größeren Kindern: Wandern, Kajaken, Raften, Wild Swimming. La vie est simplement belle.

5 Ein Ferienhaus im Provence-Style: Schöner kann man kaum wohnen als in den kleinen steinernen Häusern mit den hölzernen Fensterläden. Am besten mit Pool buchen, das entschädigt die Kinder für das nicht vorhandene Meer und die Stunden, die sie im Café verbringen mussten, um euch beim Kaffeetrinken zuzusehen ;).

Ein paar Basis-Infos

HINKOMMEN: Mit dem Auto (empfehlenswert, da ihr dann vor Ort mobil seid) entweder über den Osten Frankreichs (Lothringen, Elsass, Burgund) und dann auf der Autoroute du Soleil (heißt echt so) nach Süden. Oder (von Bayern aus beispielsweise praktischer, da kürzer) über die Schweiz. Reine Fahrtzeit von München nach Avignon sind etwa 10 Stunden. Mit dem Zug kommt ihr beispielsweise mit dem TGV nach Avignon, Aix oder Marseille. Allerdings müsst ihr dabei meistens über Paris fahren und dort umsteigen. Good news für alle aus dem Südwesten: Von Straßburg aus fahrt in knapp 6 Stunden ohne umzusteigen nach Avignon. Mit dem Flugzeug könnt ihr nach Marseille oder nach Nizza fliegen.

ÜBERNACHTEN: Ich bin Fan von Ferienhäusern, gerade in Regionen wie der Provence. Wir mieten uns gerne eines zusammen mit Freunden, dann kann man die richtig großen, schönen Häuser mit Pool und Schnickschnack nehmen und sich die Kosten aufteilen. Und all das Schöne des Südens so richtig zelebrieren: Gemeinsam kochen und abends stundenlang auf der Veranda sitzen und Wein trinken. Außerdem hat man eine tolle Base, von der aus man zu Ausflügen starten kann.

Natürlich hat Frankreichs Süden auch tolle Campingplätze zu bieten – je nach Saison sind die allerdings recht voll: In Frankreich beginnen Anfang Juli die Sommerferien, spätestens zum 14. Juli, dem Nationalfeiertag, ist alles knallvoll. Das geht dann etwa bis Mitte August. Also für die Hochsaison lieber rechtzeitig reservieren. Oder besser vorher oder nachher kommen.

Schöne Boutiquehotels, B&Bs und Pensionen findet ihr ebenfalls mit ein wenig Recherche im Netz.

WANN REISEN: Die schönsten Reisemonate für die Provence sind meiner Meinung nach der Mai und der Juni sowie der September.

CORONA: Der Lockdown in Frankreich wurde gerade erheblich gelockert. Es gilt aber immer noch eine nächtliche Ausgangssperre. Eine Quarantäne bei der Einreise ist nicht erforderlich, ihr braucht allerdings einen Nachweis für einen negativen PCR-Test (maximal 72 Stunden alt bei der Einreise, für alle ab 11 Jahren) und müsst eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass ihr getestet seid und keinerlei Covid19-Symptome habt.

Bei der Wiedereinreise nach Deutschland, muß man aktuell noch in Quarantäne, wenn man nicht geimpft oder genesen ist. (Stand Mitte Mai 2021) Man kann sich jedoch nach 5 Tagen freitesten. Hier scheint die Lage aber nicht ganz eindeutig zu sein. Checkt am Besten nochmal die Seite des Auswärtigen Amtes.  Aktuell ist Frankreich noch Hochinzidenzgebiet, aber wir hoffen mal auf weitere Besserung und Öffnungsschritte.

Weitere Einreiseinfos gibt es auch bei Zeitgeist Living. Tonja lebt in Südfrankreich und versucht die Bestimmungen aktuell zu halten.

GUIDE: Die Reiseführer aus dem Naturzeit-Verlag sind perfekt für Reisen mit Kindern, gerade wenn man die kleinen und großen Outdoor-Abenteuer sucht. Einen Band für die Provence gibt’s natürlich auch. Die Wild Swimming Reihe listet tolle Spots fürs Baden im Hinterland auf: In Seen, Flüssen und an Wasserfällen. Für Frankreich gibt es einen eigenen Band, auch die Provence und die angrenzenden Regionen findet ihr natürlich darin.

  

Hier findet ihr weitere Inspirationen für Familienreisen quer durch Frankreich – vom Elsass, in die Normandie, in die Bretagne und an die frz. Atlantikküste.

Über die Co-Autorin:

Petra lebt mit ihrer Familie im Umland von München und hat beruflich als PR Managerin für einen großen Reiseveranstalter jahrelang die Welt bereist. Als Mutter von drei Kids weiß sie mittlerweile die Vorzüge von Zielen vor der Haustür sehr zu schätzen. Deshalb trifft man sie auch gerne mal auf einem Berg an. Der darf in Bayern stehen, aber auch sehr gerne in den österreichischen Alpen oder in Südtirol.

Ab und zu überkommt sie dann aber doch die Sehnsucht nach Meer und Sand zwischen den Zehen – da trifft es sich gut, dass man von Oberbayern recht schnell in Italien ist. Auf ihrem Blog allesinklein.com schreibt sie über die kleinen und feinen Momente des Familienlebens. Und auch sonst ist das Schreiben ihr täglicher Begleiter – in ihrem Job als selbständige Redakteurin und Texterin.

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1 Comment

  • Reply Nicole 17. Mai 2021 at 18:31

    Huch, Lavendel stinkt? Meine Tochter liebt Lavendel, Lavendel war dank der Provence die erste Pflanze, die meine Tochter namentlich benennen konnte 🙂 Ansonsten kann ich den Punkt „Abwechslung reinbringen“ voll unterschreiben. In der Provence ist das zum Glück super easy. Meine Kids waren von den Ockerbrüchen total begeistert, natürlich auch vom Mont Ventoux, und ganz in der Nähe haben wir eine Wanderung durch die Gorge de Toulourenc gemacht, also direkt durch den Fluss, das war der Hit für die Kids. Auch die schmale Gorge du Régalon und eine Wanderung im Sainte-Baume-Massif sind auf große Begeisterung gestoßen. Wir waren mit dem Camper unterwegs, allerdings bin ich durch diesen Bericht gerade etwas angefixt, was so ein nettes Ferienhäuschen in der Provence angeht. Gerade nach der ganzen Corona-Beutelung könnte ich mir solch eine chillige Base gut vorstellen.
    VG, Nicole

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