Im Nachtzug nach Kroatien
So war unsere erste Nachtzugreise mit Kind plus persönliche Tipps

23. Juli 2022

Dobar dan! Wir sind aus unseren dreiwöchigen Sommerferien zurück. Körperlich zwar schon wieder anwesend, mental aber immer noch auf den Straßen des Balkans. Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass wir durch Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro gereist sind. Mit dabei, unser 11jähriger Sohn, der von unserem Trip genauso begeistert war, wie wir Großen. Unser 15jähriger Teenager wird langsam flügge und war das erste Mal anderweitig verplant.

Während meiner Weltreise 1999 bin ich ein paar Mal mit dem Nachtzug durch Asien gereist. Mein Mann war dagegen in den 90er Jahren sehr oft per Interrail unterwegs. Der Nachtzug nach Kroatien war für uns als Familie nun also ein Debüt. Ein Trip, den wir schon seit zwei Jahren machen wollten, durch Corona aber immer verschieben mussten. Nun war es endlich soweit und was soll ich sagen? Der Trip war wirklich sehr cool und in Gedanken plane ich schon die nächste Reise im Nachtzug.

Im Nachtzug nach Kroatien: So war unsere erste Nachtzugreise mit Kind plus persönliche Tipps

Eine Reise im Nachtzug ist immer noch etwas ganz Besonderes und egal wem wir davon erzählten, jeder war erstaunt bis begeistert. Für die meisten Menschen ist halt das Flugzeug immer noch die erste Wahl, dicht gefolgt vom eigenen Auto bzw. Wohnwagen/ Campervan. Dabei kann man gerade Kroatien, ganz hervorragend mit dem ÖBB Nightjet (Österreichische Bundesbahn) erreichen.

Für mich war daher von Anfang an klar mit dem Zug dorthin zu reisen. Aus Klimaschutzgründen, weil ich endlich wieder slow travel`n wollte und wir Bock auf ein kleines Abenteuer hatten. Natürlich gibt es bei der Buchung und Reise ein paar Dinge zu beachten, aber im Grunde war es easy und alles lief wie geschmiert. Was man von einer Flugreise dieser Tage ja nicht unbedingt behaupten kann.

Tipps für die Nachtzug-Buchung

Ich sag mal so…. der anstrengendste Teil der Reise war die Buchung der Tickets. Ich bin nämlich ein ausgesprochener Frühbucher und wurde hier sehr auf die Probe gestellt. Eigentlich wollte ich die Strecke Köln – München – Zagreb direkt in einem Rutsch bei der Deutschen Bahn buchen. Das ist zwar rein theoretisch möglich, aber da die Deutsche Bahn auf die Freigabe der Tickets seitens des ÖBB warten muss, kann man recht lange nicht die Preise für die Weiterfahrt nach Kroatien sehen. Auf so eine Überraschung hatte ich keine Lust.

Früh und separat buchen lohnt sich!

Also habe ich die Tickets separat gebucht. Die Strecke von Köln HBF nach München HBF über die Deutsche Bahn, die Tickets von München Ost nach Zagreb HBF über den ÖBB. Der Sommerfahrplan wurde seitens des ÖBB im Übrigen erst ca. Mitte Februar freigegeben. Vorher war eine Buchung gar nicht möglich. Das fand ich ziemlich gewöhnungsbedürftig, denn üblicherweise fange ich schon ca. 8 Monate vorher an, unseren Sommerurlaub zu planen. Für manch einen mag 4 Monate vorher früh sein, wenn man jedoch einen Sparpreis ergattern möchte, muss man schnell sein und den frühesten Buchungszeitraum abpassen.

Im Übrigen wäre ich auch gerne mit dem Nachtzug nach Rijeka oder Split gefahren, auf dieser Nachtstrecke wurde allerdings kein Schlafwagen angeboten. Für uns kam mit Kind daher nur die Fahrt nach Zagreb in Frage. Dies war allerdings eine gute Wahl, denn Zagreb ist hübsch und für eine südeuropäische Hauptstadt erstaunlich relaxt.

Kosten für eine Nachtzugreise

Preistechnisch ist es kaum ein Unterschied, ob ihr die Tickets einzeln oder im Gesamtpaket bei der Deutschen Bahn bucht. Für die Hin- und Rückfahrt von Köln nach München haben wir für 2 Erwachsene und 1 Kind im ICE inkl. Sitzplatzreservierung 227 € bezahlt. Was ich, typisch DB, recht teuer fand. Für die Fahrt von München nach Zagreb und zurück im privaten 3er-Schlafwagen 408 € (Sparschiene, kein Storno möglich).

Flug- oder Autoreise versus Zug: die Kosten relativieren sich

Der Preis erscheint auf den ersten Blick recht hoch, wenn man es mit einer Flug- oder Autoreise vergleicht. Von uns bis nach Zagreb sind es jedoch über 1000 km, bis ans Meer, z.B. nach Split sogar fast 1500 km. Wenn man die hohen Spritpreise, Verschleiß, Mautgebühren und eine evtl. Übernachtung bedenkt, relativiert sich das Ganze also wieder. Und auch der vermeintlich günstige Flug schneidet nicht unbedingt so viel besser ab. Denn hier kommen oft noch Gebühren für Gepäck, Sitzplätze, Pre-Boarding und die Anreise vom Flughafen in die Innenstadt hinzu. 600 € für die Hin- und Rückreise von 3 Personen fand ich also ok.

Hinzu kamen für uns dann allerdings noch die Kosten für 3 Wochen Mietwagen, denn eine Weiterfahrt mit dem Zug wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Alternativ fährt Flixbus viele Orte im Balkan an, aber dies wollten wit mit Kind dann doch nicht machen.

Buchbare Kategorien im Nachtzug

Bei der ÖBB habt ihr die Wahl zwischen Sitz-, Liege- und Schlafwagen. Da wir mit Kind nicht sitzend durch die Nacht fahren und uns auch kein Abteil mit anderen Menschen teilen wollten, kam nur der Schlafwagen in Frage.

  • Sitzwagen:
    Der Sitzwagen ist natürlich am günstigsten, macht für Familien über Nacht jedoch gar keinen Sinn. Für Studenten oder alleinreisende Menschen, die Lust auf Gesellschaft haben und Geld sparen wollen, lohnt sich der Sitzwagen aber bestimmt. Man kommt für ziemlich kleines Geld nach Südeuropa. Hier muss man jedoch damit rechnen sich das Abteil mit 5 weiteren Personen zu teilen.
  • Liegewagen:
    Alternativ können Familien den 4er oder 6er Liegewagen buchen. Für Familien mit mehreren Kindern ist dies eigentlich die einzige Möglichkeit über Nacht zu reisen. Ich habe mir das 6er Abteil angeschaut und fand es relativ beengt. Die Betten sind jedoch frisch bezogen und sehen genauso aus wie im Schlafwagen. Der Liegewagen hat jedoch keine Waschgelegenheit, man muss also die Gemeinschaftstoilette auf dem Gang nutzen. Wären wir mit unserem Teenager gereist, hätten wir also das 4er Abteil gebucht.

    Mir den Liegewagen mit fremden Personen zu teilen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich habe aber gehört, dass es auch Damenabteile gibt, die alleine reisende Frauen buchen können. Zudem kann man den Liegewagen ab 3 Personen wohl auch für sich privat buchen, dazu kann ich aber nichts Konkretes sagen.
  • Schlafwagen:
    Den Schlafwagen gibt es in der Single, Double oder Triple Version mit kleiner Waschgelegenheit (Waschbecken und Spiegel). Man bekommt Wasserflaschen und O-Saft in Getränkepäckchen und morgens wird ein kleines Frühstück mit Kaffee serviert. Hier darf man allerdings nicht zu viel erwarten. Wer mehr Geld ausgeben möchte, kann auch das Deluxe-Abteil mit eigener Toilette und Features wie Handtüchern buchen. Auch der Schlafwagen ist recht beengt, aber ich fand das für eine Nacht vollkommen ok.

    Die drei übereinander liegenden Betten sind frisch bezogen, halbwegs bequem und haben eine Absturzsicherung. Jüngere Kinder würde ich allerdings auf keine Fall ganz oben schlafen lassen. Zudem sind die Betten nichts für wirklich große Menschen. An den Fenstern sind Verdunkelungsrollos, die kaum Licht ins Abteil lassen.

Unsere Hin- und Rückfahrt von München nach Zagreb

Unsere Reise mit dem Nachtzug fand ich recht entspannt, auch wenn ich erwartungsgemäß mehr schlecht als recht geschlafen habe. Aber ich bin perse eine schwierige Schläferin. Als wir eine halbe Stunde vor Abreise am Bahnhof ankamen, stand der Zug schon bereit und fuhr sowohl auf der Hin- als auch Rückfahrt gegen 21:20 Uhr superpünktlich ab. Da die Abteile recht klein sind, haben wir unsere zwei großen Reisetaschen gerade so hineinbekommen. Packt euch Waschzeug, Pyjamas und Ersatzkleidung daher am Besten griffbereit nach oben. Und denkt unbedingt an Ohropax, denn die Geräusche des Zuges als auch zusteigender Gäste sind z.T. schon laut.

Die Fahrt ging über Salzburg, Villach, Jesenice, Ljubljana und Dobova nach Zagreb. Je nach Stop kann sich die Fahrt auch mal leicht verlängern. Auf der Rückreise wurde auf der Strecke z.B. noch ein Abteil mit lautem Getöse angekoppelt. Trotzdem waren wir schon um 6:45 Uhr am Bahnhof München. Da Kroatien zudem nicht Mitglied des Schengen-Abkommens ist, wurden unsere Pässe an der Grenze Slowenien/ Kroatien gecheckt und die Zollbeamten warfen einen kurzen Blick ins Abteil. Allerdings hat uns auch der deutsche Grenzschutz auf der Rückreise geweckt, in dem er um 5:30 Uhr lautstark an unsere Tür hämmerte. An Schlaf war da nicht mehr zu denken, aber so haben wir wenigstens noch etwas vom Sonnenaufgang und der Landschaft gesehen.

Auf der Hinreise kamen wir durch mehrere längere Stops sehr entspannt um 08:30 Uhr in Zagreb an, haben unser Gepäck im Hotel untergestellt und sind erstmal frühstücken gegangen. Auf der Rückreise waren wir vor der Abfahrt noch in Zagreb Abendessen, haben einen letzten Sundowner getrunken und sind dann entspannt zum HBF gedackelt. In diesem Moment wurde mir wieder mal klar, warum ich Slow Travel liebe.

Sich in München auf’s Ohr legen und am nächsten Morgen, bei aufgehender Sonne in Zagreb ankommen und vom Schaffner einen heißen Kaffee serviert bekommen. Unbezahlbar!

Klare Vorteile einer Nachtzugreise

  • Eine Reise im Nachtzug ist unschlagbar umweltschonend und erspart einem ein schlechtes Reisegewissen. Eine Zugfahrt verursacht im Durchschnitt 24 Mal weniger CO₂ als ein Flug.
  • Wenn der Zug pünktlich ist, ist eine Reise im Nachtzug sehr zeiteffizient. Man steht nicht im Stau und muss nicht am Flughafen Schlange stehen. Wir haben z.B. auch schon die Strecke Köln – Innsbruck mit dem Zug zurückgelegt und waren in 6 1/2 Std. am Ziel. Mit dem Auto haben wir schon bis zu 10 Stunden gebraucht.
  • Durch die Anreise in der Nacht spart man sich zwei Übernachtungen am Zielort.
  • Man schläft vielleicht nicht perfekt, aber immerhin liegt man im Bett, kann die Augen schließen, vor sich hin träumen oder ggfs. ein Hörbuch hören. Im Auto oder im Flugzeug ist an Schlaf meist nicht zu denken.
  • Hauptbahnhöfe liegen fast immer mitten in der Stadt. Daher ist man direkt mitten im Geschehen und es entfallen Transfers vom Flughafen in die City. Auch die weitere Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist in der Regel sehr gut.
  • Nachtzugtickets durch Europa kann man schon für kleines Geld ergattern, man muss jedoch früh und direkt nach Öffnung des Kontingents buchen. Das ist bei Flugtickets aber ja auch nicht anders.
  • Ob Polen, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Frankreich, Italien oder Schweden – Nachtzugreisen sind wieder in und es gibt schon einige spannende Ziele. Und es werden hoffentlich noch viel mehr folgen.
  • Eine Reise im Nachtzug ist mal wieder ein kleines Abenteuer! Schnell von A nach B fliegen kann ja jeder ;).

Nachteile einer Nachtzugreise

  • Spontan buchen ist eher schwierig, da die Schlafwagen schnell ausgebucht sind. Zudem muss man das Zeitfenster für die Buchung ganz genau abpassen, um noch einen günstigen Tarif zu ergattern.
  • Es gibt immer noch zu wenig Auswahl und die Tickets sind, im Vergleich zum Flug, zu teuer. Gerade Familien haben es hier kostentechnisch schwer.
  • Man sieht zu wenig von der Landschaft. In der Regel wird es dunkel, wenn der Zug abfährt und gerade hell wenn man ankommt.
  • Die Gepäckaufbewahrung am Bahnhof München Ost ist ein Witz. Alle Schließfächer waren belegt oder defekt. Wir mussten unser Gepäck auf unserem Stop zwischen der Fahrt Köln/ München daher stundenlang mit uns rumschleppen. Am Bahnhof Zagreb gibt es ebenfalls Schließfächer. Wie diese sind kann ich nicht beurteilen, da wir unser Gepäck bis zur letzten Minute in unserem Mietwagen verstaut hatten.

Weitere Tipps:

  • Da es auch zu längeren Verspätungen kommen kann, unbedingt Reiseproviant (Snacks und Getränke) einpacken.
  • Wasserflaschen mitnehmen. Das Wasser aus dem Hahn besser nicht trinken.
  • Reisepässe bzw. Ausweise griffbereit halten, da der Zoll auch in der Nacht in den Zug kommt und kontrolliert.
  • Zeit und Muße mitbringen, denn auf einer Zugreise kann es natürlich auch immer zu unerwarteten Ausfällen oder anderweitigen Hindernissen kommen. Aber Zeit ist bekanntlich ja der größte Luxus.
  • Zahnbürste, Ohropax, Pyjama und Co. obenauf oder in eine gesonderte kleine Tasche packen.
  • Die Absperrsicherung an den Hochbetten ist eher eine Zierde. Jüngere Kinder auf jeden Fall unten schlafen lassen.

PIN ME:

Würde ich es wieder so machen? Auf jeden Fall. Ich bin froh, dass wir mit dem Zug klimafreundlich unterwegs waren und uns die über 5000 km lange Strecke mit unserem eigenen Auto (von Zuhause und quer durch den Balkan) erspart haben. Unsere Reise war ein echtes kleines Abenteuer und unser Sohn konnte erleben, worum es beim Reisen wirklich geht. Dass auch der Weg das Ziel ist und man nicht immer nur schnell und effizient durchs Leben hetzen muss.

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2 Comments

  • Reply Katja Häußler 25. Juli 2022 at 19:05

    Hallo Nadine,
    vielen Dank für deinen Bericht übers Nachtzugfahren! Wie toll, da komme ich auch gleich ins Schwärmen! Wir waren 2019 auch mit dem Nachtzug von München nach Udine und dann weiter nach Triest unterwegs. War ein tolles Reiseabenteuer für die ganze Familie.
    Wie hast du gebucht? Online über die ÖBB? Ich weiß nur noch, dass ich damals umständlich telefonisch buchen musste. Hoffe, dass sich das geändert hat.

    • Reply nadine 26. Juli 2022 at 10:32

      Hallo Katja! Ja, ich habe online gebucht. Zuvor habe ich aber mehrfach bei der ÖBB angerufen und gefragt, wann denn endlich der Sommerfahrplan geöffnet wird. Nix für ungeduldige Menschen ;). Ich würde ja gerne mal mit dem Nachtzug bis nach Sizilien fahren, aber bisher kommt man glaub ich nur bis Rom. VlG, Nadine

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