Nordnorwegen

Vom Zauber der Arktis und zu Fuß zum Nordkap

Im September ist ein Reisetraum für mich in Erfüllung gegangen. Ich war nämlich mal wieder ganz ohne Familie unterwegs und bin zudem in mein Herzland Norwegen gereist. Es ging für mich nicht nur ans Nordkap, sondern auch auf die Vesterålen, eine Inselkette nördlich der Lofoten. Und das auch noch zur absoluten Nordlichtsaison. Ich war, milde ausgedrückt, total aus dem Häuschen.

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Das Nordkap scheint früher oder später immer das Ziel jedes passionierten Norwegen-Reisenden zu sein. Ich muß gestehen, daß mich das bis vor Kurzem gar nicht mal so gereizt hat. Ein Schieferplateau, das 300 Meter aus dem Meer herausragt. Sieht sicher auch nicht soviel anders aus als z.B. der westlichste Punkt Europas in Portugal, oder? Zumal das Nordkap eigentlich gar nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes ist, sondern genau genommen Kinnaroden, ein wenig spektakulärer Felsen etwas östlich vom Nordkap. Und sowieso ist das Nordkap gar nicht auf dem Festland, sondern auf der Insel Magerøya. Aber fangen wir mal von vorne an.

Mein langer Weg in die Arktis auf die schnelle Tour

Die meisten Touristen reisen wohl mit dem Auto oder Campervan an das Nordkap. Dauert natürlich ewig und drei Tage. Wer es schneller haben will, setzt sich einfach in Deutschland in den Flieger, steigt drei bis fünfmal um und landet am Ende auf dem winzigen Flughafen Honningsvåg in der norwegischen Finnmark. Allein die Anreise ist also ein Erlebnis für sich. Ich bin mit SAS ab Düsseldorf über Kopenhagen und Oslo nach Tromsø geflogen. Ab dann wurde es abenteuerlich, denn die kleinen Propellermaschinen von Wideroe starten und landen ca. im 20-30 Minuten-Takt in jedem erdenklichen Örtchen in der Arktis.

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Ab Tromsø gab es für mich dann also noch Stops in Hammerfest und Sørkjosen. Fliegen hat in der nördlichen Polarregion in etwa den gleichen Stellenwert wie Busfahren. Ständig steigen ganz selbstverständlich Leute ein und aus. Ob alt oder jung. Und natürlich sind alle (typisch Norweger) sehr stylish und mit den neuesten Handys unterwegs. Wer also meint, da oben würden nur noch Einsiedler und Hinterwäldler leben, irrt gewaltig. Die Piloten von Wideroe sollen im Übrigen zu den Besten der Welt gehören. Zum Glück hatten wir gutes Wetter und nur wenige Rumpler, daher kann ich dazu nichts sagen. Aber wenn man bedenkt, wie die Wetterlage am Polarkreis sein kann, kann ich mir das schon gut vorstellen.

Honningsvåg – das stylishste Fischerdörfchen, 71° Nord

Mein morgendlicher Blick aus dem Fenster des stylishen Scandichotels direkt am Hafen von Honningsvåg, ließ mein Herzchen erstmal Luftsprünge machen. Was für eine Aussicht. Nix wie raus aus den Federn und erstmal die kühle, glasklare Septemberluft einatmen. Direkt bei meiner Ankunft in der Nacht, hatte ich sogar schon die ersten Nordlichter gesehen. Wobei ich erst gar nicht realisiert hatte, daß das nun Nordlichter sind. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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Honningsvåg ist ein kleines Fischerörtchen auf der Insel Magerøya und hat gerade mal etwas über 2300 Einwohner. Aber auch hier findet man tatsächlich immer noch hübsche Cafes, Galerien, Geschäfte und die Arctico Ice-Bar. Die Besitzer, ein spanisches Paar, erneuern die Eisräume jedes Jahr aufs Neue und lassen dafür meterdicke Eisblöcke aus zugefrorenen Seen schneiden, die dann sorgfältig, in die auf – 5 Grad dauergekühlte Bar eingebaut werden. Das Eis schimmert blau, man sitzt auf Rentierfellen, hat ein Cape als Schutz vor der Kälte an und genießt seinen Drink. Ein sehr witziges Erlebnis.

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In der Hauptsaison tummeln sich in Honningsvåg, durch die ankommenden Hurtigruten-Kreuzfahrtschiffe, jede Menge Nordkap-Touristen auf den Straßen herum. Im September wirkt das Dorf dann doch etwas verschlafener, aber auch sehr idyllisch.

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Wie vor 100 Jahren – per Boot und zu Fuß zum Nordkap

Unsere Reise ans Nordkap ging dann natürlich nicht nur ganz schnöde per Bus weiter. Es gibt nämlich auch einen Weg, den Könige, Forscher und die ersten Touristen, schon vor 100 Jahren genommen haben. Nämlich per Boot und zu Fuß. Eine Straße dorthin gibt es erst seit 1956. Stattdessen sind wir also mit dem Bus nach Skarsvåg, dem nördlichsten Fischerdorf der Welt gefahren. Dort haben wir uns in neongelbe Anzüge geschmissen, die zur Not auch als Rettungswesten fungieren und sind per RIB-Boat in die Bucht von Hornvika gefahren. Ein Riesenspaß! Ihr hättet mich mal quieken hören müssen.

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Ursprünglich war Hornvika ein heiliger Platz der Sami. 1880 entstand dann jedoch der erste Nordkap-Tourismus und dafür wurde eigens ein Pier sowie 2-3 kleine Gebäude errichtet. Die Menschen kamen also per Boot (damals noch in Reifröcken und schnieken Anzügen), haben die 307 Meter auf das Plateau erklommen und sind bis zu den Steilhängen gelaufen.  Genau so haben wir es also auch gemacht und es war wirklich ein tolles Erlebnis, das mir in Erinnerung bleiben wird. Das Schwierigkeitslevel dieser Wanderung ist aus meiner Sicht relativ leicht und für jeden halbwegs fitten Menschen machbar. Die ganze Wanderung hat vielleicht 1 1/2 Stunden gedauert und das in einem gemütlichem Tempo.

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Mein magischer Moment am Nordkap

Die Ankunft am Nordkap ist dann erstmal, wie erwartet, wenig überraschend. Steile Felsklippen die ins Nordpolarmeer fallen, der berühmte Nordkap-Globus, die Nordkap-Halle, ein paar Touristen und ein Heiratsantrag (wofür ich die Kulisse ja dann doch wieder sehr spektakulär fand!). Die eigentliche Mystik dieses Ortes erahnt man erst, wenn man mal innehält und sich vor allen Dingen, den wundervollen Film in der Nordkap-Halle anschaut.  Dann sieht man nämlich auch wie das Nordkap im Nebel, in Dunkelheit, mit Schnee und Eis aussieht. Wenn am Himmel die Nordlichter tanzen und dort Rentiere statt Touristen entlangziehen.

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„Ich stehe hier quasi am Ende der Welt. Vor mir nur noch die Bering- und die Gröndlandsee, Spitzbergen und in 2000 km!! der Nordpol. Kein Laut ist zu hören, nur noch der Wind in meinen Ohren. Ich werde ganz ehrfürchtig, bekomme eine Gänsehaut bei der Vorstellung nur ein winziges Staubkorb auf unserem wundervollen Planeten zu sein, halte inne und diesen Moment für den Rest meines Lebens fest. Vielleicht ist dieser Ort tatsächlich heilig und einst lebten hier Riesen und Trolle. Ich verlasse diesen magischen Ort jedenfalls mit einem Gefühl des Glücks und inneren Friedens.“

Wer sich im Übrigen fragt, was der Kerl da zwischen den Felswänden am Nordkap herumklettert….. als wir dort ankamen, fand gerade das Finale der norwegischen Reality TV-Show 71° Nord statt, bei der die Teilnehmer irgendwelche irren Aufgaben lösen müssen.

Unberührtes, zauberhaftes Nordnorwegen

Wer das Nordkap gesehen hat, sollte sich dann natürlich auch die Zeit nehmen die Umgebung anzuschauen, wofür mir leider kaum Zeit blieb. Die karge Felslandschaft von Nordnorwegen strahlte auf mich ein ganz besondere Ruhe aus und ich kann irgendwie fast verstehen, warum es Menschen gibt, die in diese vermeintliche Ödnis ziehen. Ich kenne das Gefühl aus dem Outback Australiens. Man lernt irgendwann auch die ganz kleinen, unauffälligen Dinge zu schätzen und erkennt die Schönheit des großen Nichts. Ich mag es ja gerne puristisch. Irgendwie ist die Arktis scheinbar wie für mich geschaffen. Ohne das ich es vorher wusste.

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Das kleine Fischerdorf Kamøyvær, mit seinen bunten Häuschen, hat gerade mal 70 Einwohner. Dorthin ist die deutsche Künstlerin, Eva Schmutterer, der Liebe wegen vor über 20 Jahren ausgewandert. Eine herzliche, fröhliche Frau die das rauhe Leben der Region zu schätzen gelernt und in Kamøyvaer Ihre Kunstgalerie hat. In ihren Bildern fängt sie die Landschaften Nordnorwegens ein.

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„Hier oben muß man immer improvisieren, denn das Wetter entscheidet den Tagesablauf und man hat kein Kaufhaus vor der Tür. Zieht ein Sturm auf, fällt die Schule und der Job halt aus. Was sollen wir uns darüber aufregen? Es ändert ja doch nichts. Die Menschen rücken hier oben näher zusammen und stehen füreinander ein.“

Worte die mich berührt und sehr an meine norwegische Oma erinnert haben. Irgendwie ist das wohl die Seele und der Charakter der Norweger. Sie sind einfach unaufgeregt und leben im Einklang mit der Natur.

Zu gerne hätte ich noch die Vogelinsel Gjesværstappan gesehen, die ich nur im ersten aufziehenden Nebel erahnen konnte. Auf ihr leben Tausende von Papageientauchern, Basstölpeln und Kormoranen. Ich hätte gerne ein Sami-Dorf samt Rentieren besucht. Und ich würde diese Landschaft gerne mal im Winter erleben. Ganz im Norden von Norwegen gibt es viel zu entdecken. Verschiedene Touren kann man z.B. hier buchen. Irgendwann muß ich also wohl wiederkommen. Mit meinen drei Jungs. Sie werden es sicher genauso lieben wie ich.

Offenlegung: Ich wurde auf diese Reise nach Nordnorwegen von Visit Norway eingeladen. Meine Meinung bleibt davon wie immer unberührt.

8 Kommentare

  1. Wie schön <3
    Ich wollte ja auch immer auswandern, war auch alles geplant und dann kam Olli in mein Leben. War ja jobbedingt schon über 10 mal am Nordkapp, bin aber doch immer wieder fasziniert. Nordnorwegen ist neben Bergen und Köln einfach mit das schönste Fleckchen Erde. Möchte auch sehr gerne mal im Winter hoch, kenn bis jetzt nur Frühling, Sommer und Herbst. Kommt dann vermutlich 2018 (Flitterwochen mit den Hurtigruten) 🙂

    LG, Mila

    Ps. Eva Schmutterer ist wirklich total lieb, haben sie mehrfach besucht!

    • Nadine sagt

      Ja, wo einen die Liebe so hinführt was? 😉 Oha….und Flitterwochen sind auch schon geplant. Na da bin ich ja mal gespannt. Wobei ich mir ne Hochzeitsreise auf den Hurtigruten öhm…. interessant vorstelle. Ihr werdet den Altersdurchschnitt wohl extremst senken. Ob ich dort oben für immer leben könnte, bezweifle ich jetzt mal. Das wäre mir dann glaub ich doch zu einsam. Aber für ein paar Monate würde ich das auch gerne mal ausprobieren. Wäre ja dann ein schönes Ziel für Euch in der Elternzeit ;)). GlG/ Nadine

  2. Meimei wie schön war das denn??? Also das nächste mal nimmst mich aber bitte mit und dann will ich mit dir in diesen Silberumhängen Startreckmäßig einen schlürfen gehen und über die wahnsinnige Landschaft jammern ;-D. Und du sprichst dann ein klitzkleinwenig für mich Norwegisch……tihii. GlG Anne

    • Nadine sagt

      Haha…was für ne Vorstellung. 🙂 Ihr müsst wirklich unbedingt mal nach Norwegen. Es ist so wunderwunderschön da. Ich könnt ja fast immer heulen, weil es so unwirklich hübsch dort ist. Smak, Nadine

  3. Ich war 1970 da, Aber wie ich es sehe seid ihr von dem Heutigen Touristen Molloch verschont geblieben. Das muss ja nach neustem Berichten heut zu Tage nicht mehr schön sein. Als ich da war da war das noch eine Welktreise und recht abenteuerelich. Aber meiner Meinung war es ein schöneres reisen als heut zu tage. Und vor Allem man hatte nicht die heutigen hochgeschraubten Reisegedanken, Wir haben im Zelt geschlafen und die ganze Fahrt hat pro Nase 62 Euro Benzingeld gekostet. da kann man heute nur von träumenb. Abertrotzdem schöne Bildeer habt ihr gemacht und weiterhin schöne Reiseabenteuer !
    Mein Link http://harlekin.square7.ch/klapper.ja-nee.de/Bildershows/1970nordkap/0_main/Nordkap.htm

    mfg HJP

    • Nadine sagt

      Hallo Lump, mein Vater (eingefleischter Norwegen-Fan) ist da auch in den 70er Jahren rumgereist und klar, war das früher anders. Aber die Region ist auch heute immer noch sehr weit vom Massentourismus entfernt. Aber ich verstehe was Du meinst…..ich bin Ende der 90er Jahre ein Jahr um die Welt gereist und finde auch, daß das verglichen zu heute, viel mehr Abenteuer war. Heute sind alle immer online und vernetzt, können unterwegs nach ner Unterkunft googlen und den Weg suchen. Das gab es damals alles nicht. Wie mag es da erst den richtigen Pionieren oder Entdeckern gegangen sein? 😉 LG, Nadine

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