Valenciennes in Nordfrankreich

Tipps für Natur, Kultur und Wellness

by nadine

Schon mal von Valenciennes gehört? Noch nie? Damit seid ihr vermutlich nicht allein. Die Stadt liegt in Nordfrankreich, genauer gesagt im Département Nord, rund 50 Kilometer südöstlich von Lille und nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Trotzdem haben viele Frankreich-Reisende sie nicht unbedingt auf dem Schirm. Ich gebe zu, auch wir hatten Valenciennes bisher nicht so recht auf dem Schirm. Da unser Teenager zwei Wochen mit einer Jugendgruppe in der Normandie war, wollten wir nicht zu weit wegfahren. Und da wir ohnehin ein Wochenende in Mons in der belgischen Wallonie verbrachten, bot sich Valenciennes dann einfach an. Die beiden Städte liegen nämlich nur 40 Kilometer voneinander entfernt.

Valenciennes ist eher die Stadt für den zweiten Blick, denn sie bietet keine spektakulären Touristen-Highlights. Dafür hat sie aber ein paar kleine Geheimtipps auf Lager, die ich sehr cool fand und euch in diesem Beitrag verrate. Sie verbindet französisches Lebensgefühl mit flämischen Einflüssen, hat eine überraschend große Kunsttradition, viel Grün und historische Architektur. Wenn ihr jetzt also Lust auf eine Entdeckungstour durch Valenciennes in Nordfrankreich bekommen habt, seid ihr hier genau richtig. Ich verrate euch Tipps aus den Bereichen Natur, Kultur, Kunst, Industrie und Wellness. Ich wette, da ist auch etwas für euch dabei.

Hinweis: Unsere private Reise wurde von Tourisme Valenciennes unterstützt. Meine Eindrücke, Tipps und Schilderungen sind davon völlig unberührt und geben ausschließlich das wieder, was ich persönlich erlebt habe. Dieser Beitrag enthält zudem Werbe- und Affiliatelinks*. Tätigst Du über diesen Link eine Buchung, erhalte ich eine kleine Provision. Du bezahlst den gleichen Preis.

Valenciennes in Nordfrankreich:

Tipps für Natur, Kultur und Wellness

#1 Eine Stadt zwischen Kunst, Industrie und Geschichte

Valenciennes liegt im historischen Hennegau unmittelbar an der Grenze zu Belgien. Diese Lage hat die Stadt über Jahrhunderte geprägt: Handel, Textilindustrie und Bergbau spielten hier eine wichtige Rolle. Gleichzeitig hat Valenciennes wie kaum eine andere französische Stadt so viele bedeutende Künstler hervorgebracht. Der Maler Antoine Watteau und der Bildhauer Jean-Baptiste Carpeaux stammen beispielsweise von hier und haben mit ihren Werken das Stadtbild bis heute geprägt. Früher wurde Valenciennes daher sogar als das „Athen des Nordens“ bezeichnet.

Kunst ist in Valenciennes allgegenwärtig, sodass man rein theoretisch nicht einmal ein Museum betreten muss. Zwischen Plätzen, Straßencafés und alten Häusern warten immer wieder Skulpturen. Gleichzeitig ist Valenciennes stark durch seine industrielle Vergangenheit geprägt. Die Stadt liegt am Rand des ehemaligen nordfranzösischen Kohlereviers, und im Umland findet man immer noch Spuren des Bergbaus in Form von Halden, ehemaligen Zechen und renaturierten Landschaften. Die Kombination aus stilvoller Kunst und rauem Bergbau verleiht Valenciennes daher ein etwas ungewöhnliches Ambiente.

#2 Place d’Armes – das Herz der Stadt

Der beste Startpunkt für einen Spaziergang durch Valenciennes ist der zentrale Place d’Armes. Hier trifft sich die Stadt: Menschen sitzen in Straßencafés, Kinder spielen zwischen den Brunnen und rundherum reihen sich Geschäfte und Restaurants aneinander. Besonders auffällig ist die moderne Stahlskulptur „La Valenciennes”. Sie soll an den historischen Belfried erinnern, der im 19. Jahrhundert einstürzte. Direkt daneben erhebt sich das prachtvolle Rathaus (Hôtel de Ville), das zu den schönsten Gebäuden der Stadt zählt.

#3 Rundgang durch die Altstadt

Leider besitzt Valenciennes durch Kriege und Industrialisierung keine komplett erhaltene mittelalterliche Altstadt mehr. Dennoch gibt es rund um den Place d’Armes einige Gassen mit historischen Wohnhäusern und Prachtbauten. Besonders charmant ist das ehemalige Beginenviertel, in dem es plötzlich ruhig und fast dörflich wird. Genau hier zeigt Valenciennes seinen entspannten Charakter.

Wer durch die Gassen der Altstadt schlendert, entdeckt immer wieder blaue Türen und Fensterrahmen, eine charmante Anspielung auf den regionalen Blaustein, die „Pierre Bleue“, und zugleich auf die lokale Identität der Stadt. Valenciennes erhält mit seinen blau-weißen Details so seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Farbtupfer.

Mein Tipp: Wir haben in Valenciennes eine deutschsprachige Stadtführung mit Sharon gemacht. Dadurch haben wir die Stadt noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt und Hintergründe erfahren, über die man staunt. Vielen Dank, Sharon! Das war sehr kurzweilig.

#4 Die Église Saint-Géry und Saint Cordon

In der Église Saint-Géry wartet ein ganz besonderer Schatz: die Statue der Notre-Dame du Saint-Cordon, die Schutzpatronin von Valenciennes. Mit weit geöffneten Armen hält sie das legendäre „Cordon” in den Händen. Dieses himmlische Band soll die Stadt im Jahr 1008 vor der Pest bewahrt haben. Das Skurrile: Bis heute wird die Statue jedes Jahr im September bei einer großen Prozession durch Valenciennes getragen. Bei einem Besuch der Église Saint-Géry sollte man unbedingt auch die ungewöhnliche Holzdecke aus dem 13. Jahrhundert beachten.

#5 Die Jesuitenbibliothek – ein verborgenes Juwel

Ein echter Geheimtipp in Valenciennes ist die Bibliothèque des Jésuites, deren Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Sie befindet sich im ehemaligen Jesuitenkolleg und gehört zu den Orten, die Touristen oft übersehen. Zu dieser Zeit gründeten die Jesuiten ein wichtiges Bildungszentrum und sammelten hier über die Jahrhunderte zahlreiche Bücher und Manuskripte. Heute beherbergt die Bibliothek einen wertvollen historischen Bestand, darunter alte Drucke und mittelalterliche Handschriften.

Besonders beeindruckend ist der historische Lesesaal. Hohe Regale, alte Holzelemente und die besondere Atmosphäre machen ihn zu einem Ort, an dem man unwillkürlich leiser wird. Für mich sind solche Orte das Salz in der Suppe eines Städtetrips: Man steht nicht vor einer der großen, bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern entdeckt ein Stück Geschichte, das vielen Besuchern verborgen bleibt.

Gut zu wissen: Die Jesuitenbibliothek befindet sich im selben Gebäude wie die zentrale öffentliche Bibliothek (Bibliothèque municipale) der Stadt Valenciennes. Sie ist jedoch nicht jederzeit frei zugänglich. Führungen und Öffnungszeiten könnt ihr hier einsehen.

#6 Promenade des Arts – Kunst im öffentlichen Raum

Bis heute versteht sich Valenciennes als Künstlerstadt. Skulpturen zieren Plätze, Parks und Boulevards. Anstatt Kunst ausschließlich im Museum zu zeigen, begegnet sie einem hier also überall im Alltag. Besonders sehenswert ist die Promenade des Arts, ein etwa ein Kilometer langer Spazierweg, der verschiedene Kulturorte miteinander verbindet. Abends sorgen Lichtinstallationen für eine zusätzliche besondere Atmosphäre.

#6.1 Musée des Beaux-Arts

Kunstfans sollten das Musée des Beaux-Arts einplanen. Es beherbergt bedeutende Werke von Watteau, Carpeaux und flämischen Meistern. Das Museum ist derzeit jedoch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Prüft daher vor eurer Reise unbedingt den aktuellen Wiedereröffnungstermin.

#7 Parc de la Rhônelle – die grüne Oase

Der Parc de la Rhônelle liegt mitten in der Stadt und ist ein englischer Landschaftsgarten mit kleinen Wasserfällen, alten Bäumen und zahlreichen Skulpturen. Hier sitzen Einheimische auf Picknickdecken, Jogger drehen ihre Runden und zwischen den Blumen verstecken sich immer wieder Kunstwerke. Der perfekte Ort für eine Pause nach dem Sightseeing!

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#8 Mit dem E-Bike durch das Hinterland von Valenciennes

Wer Valenciennes nicht nur zu Fuß erkunden möchte, kann die Umgebung wunderbar mit dem E-Bike entdecken. Eine schöne Tour führt vom kleinen Yachthafen (Port de Plaisance) in Valenciennes hinaus nach Condé-sur-l’Escaut, einem historischen Städtchen, das rund 15 Kilometer nordöstlich der Innenstadt liegt. Wir haben uns dafür E-Bikes im Shop direkt am Hafen gemietet und eine ca. 36 km lange Rundtour vom Hafen nach Condé-sur-l’Escaut entlang der Étangs und zurück gemacht.

#8.1 Radtour nach Condé-sur-l’Escaut

Die Strecke führt über ausgewiesene Radwege, eine alte Bahntrasse und durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die die Region von einer ganz anderen Seite zeigt. Statt Stadtverkehr und Häuserzeilen begleiten einen unterwegs Felder, Kanäle, Seen, Dromedare (!) und die typischen Landschaften des ehemaligen Bergbaureviers. In Condé-sur-l’Escaut kann man einen kleinen Bummel einlegen, denn die Stadt hat eine mittelalterliche Befestigungsanlage und liegt an der Mündung der Schelde (auch Escaut genannt) in die Haine. Aber Achtung: Montags hat dort alles geschlossen und die Bürgersteige werden hochgeklappt. Wir waren natürlich an einem Montag dort ;).

8.2 Die Étang du Vinoble

Die Tour wird besonders reizvoll, wenn man hinter Condé-sur-l’Escaut in die Étangs fährt. Die zahlreichen ehemaligen Bergbau- und Tagebauflächen haben sich teilweise zu wertvollen Feucht- und Naherholungsgebieten entwickelt. Auf den Wegen entlang der Wasserflächen gibt es viel Natur zu erleben und mit etwas Glück lassen sich Wasservögel beobachten.

Die schwimmenden Pontons auf dem Étang du Vignoble werden für verschiedene Aktivitäten auf dem Wasser genutzt, unter anderem für Naturerkundungen mit dem Kanu. Sie ermöglichen es, den See und seine Tier- und Pflanzenwelt aus einer ganz anderen Perspektive zu entdecken. Hier erkennt man auf jeden Fall ganz genau, wie sich die Landschaft verändert hat. Wo einst Kohle abgebaut wurde, hat sich die Natur mittlerweile alles zurückerobert.

Mein Tipp: Für die Radtour solltet ihr mindestens einen halben Tag, besser noch mehr, einplanen. Mit E-Bikes ist die Strecke aber auch ohne sportliche Höchstleistungen gut machbar und man hat genügend Zeit für Pausen.

#9 Auszeit im Royal Hainaut Spa

Nach einem Tag auf dem Fahrrad oder einer ausgedehnten Sightseeingtour gibt es kaum etwas Schöneres als Entspannung. Eine besonders stilvolle Möglichkeit dafür bietet das Royal Hainaut Spa & Resort in Valenciennes. Das historische Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde aufwendig restauriert und verbindet den Charme eines ehemaligen Krankenhauses mit modernem 4-Sterne-Luxus. Schon die beeindruckende Architektur macht den Besuch zu etwas Besonderem.

Wir haben im Royal Hainaut eine Massage-Auszeit inklusive einstündigem Zugang zum Schwimmbad genossen. Der wunderschön gestaltete Spa-Bereich bietet genau den richtigen Rahmen, um nach einem aktiven Tag einfach einmal runterzufahren. Besonders schön ist das pittoreske Schwimmbad in den historischen Kellergewölben. Die Kombination aus alten Mauern, hohen Decken und modernem Spa-Ambiente sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre. Dazu eine Massage und zwei Stunden lang einfach nichts tun müssen – das ist für mich Slow Travel.

Mein Tipp: Gerade die Kombination aus historischem Ambiente, Pool und Massage macht das Royal Hainaut zu einem besonderen Erlebnis in Valenciennes. Reserviert den Spa-Aufenthalt jedoch am besten im Voraus. Wer mag kann im Royal Hainaut* natürlich auch direkt übernachten.

#10 Übernachten mit französischem Charme

Da wir drei Nächte in Valenciennes waren, haben wir nicht in einem Hotel, sondern in einer zentralen Ferienwohnung übernachtet, genauer gesagt im Hôtel particulier – Le 119*. Das wunderschöne historische Haus vereint französischen Charme mit einer gemütlichen Wohlfühlatmosphäre. Es ist ein Ort, an dem man nach einem Tag in Valenciennes ziemlich gerne die Füße hochlegt und einfach bleibt. Der Knaller ist, glaube ich, das 200 Quadratmeter große Superior Apartment im Erdgeschoss. Für uns zwei war es aber natürlich viel zu groß.

#11 Für Naschkatzen und Bierliebhaber

Auch kulinarisch lohnt es sich, in Valenciennes abseits der großen Restaurants auf Entdeckungstour zu gehen. Bei „Au tour du Chocolat” auf der Place Verte konnten wir uns durch feine Schokoladenkreationen probieren. Ein kleiner, ziemlich verführerischer Zwischenstopp für alle Naschkatzen! Und wer statt Schokolade lieber ein kühles Bier probieren möchte, sollte bei der Brasserie Au Delà vorbeischauen. Die kleine Micro Brewery braut mit viel Kreativität ihre eigenen Biere und ist damit ein schönes Beispiel für die lokale Genussszene.

#12 Mein Fazit: Unterschätzt, entspannt und überraschend vielseitig

Wer Städte abseits der bekannten Klassiker mag und Nordfrankreich mal von einer anderen Seiten kennenlernen möchte, sollte sich Valenciennes auf jeden Fall anschauen. Die Stadt lebt nicht unbedingt von spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern mehr von seiner Atmosphäre und kleinen Geheimtipps wie dem Royal Hainout oder der Jesuitenbibliothek. Natur, Kultur, Kunst, Industrie und Wellness verbinden sich hier jedoch zu einem entspannten Wochenendziel, das überraschend vielseitig ist. Und wer danach noch nach Lille weiterreist, rundet das Ganze zu einem perfekten Nordfrankreich-Kurztrip ab. Falls ihr dann noch Lust auf eine Reise entlang der nordfranzösischen Küste haben solltet, findet ihr HIER jede Menge Inspirationen.

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