Als ich vor fast 15 Jahren meinen Reiseblog gestartet habe, war die Welt eine andere. Instagram steckte noch in den Kinderschuhen, TikTok existierte nicht und die meisten Menschen ließen sich ihre Reiseinspiration nicht von Algorithmen liefern, sondern von Reiseführern, Magazinen oder eben Reiseblogs. Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, fühle ich mich manchmal wie ein Blog-Dino, der nicht mehr in die heutige Zeit passt ;).
In den vergangenen 15 Jahren habe ich drölfzigtausend Kilometer zurückgelegt, faszinierende Länder entdeckt, unzählige Nächte in fremden Betten geschlafen, zahlreiche Kooperationen mit Destinationen und Unternehmen durchgeführt und Menschen getroffen, die mich nachhaltig geprägt haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Reisen war schon von Kindesbeinen an ein wichtiger Teil meines Lebens. Schon vor dem Blog, Social Media und der Geburt meiner Kinder war ich ständig unterwegs und habe unter anderem eine Weltreise gemacht und Australien in einem Campervan umrundet. Mit dem Blog hat sich die Art, wie ich reise, jedoch noch einmal eklatant verändert. Rückblickend kann ich aus 15 Jahren Reisebloggen einige Learnings ziehen und würde das ein oder andere heute sicher anders machen. Was genau? Das verrate ich euch in diesem Beitrag.

15 Jahre Reisebloggen:
Meine Learnings und was ich heute anders machen würde
- 15 Jahre Reisebloggen:
- Meine Learnings und was ich heute anders machen würde
- #1 Weniger Reiseziele, mehr Zeit
- #2 Weniger Trends, mehr Underdogs
- #3 Weniger Fotos, mehr echte Momente
- #4 Akzeptieren, dass nachhaltiges Reisen kompliziert ist
- #5 Weniger Vergleich, mehr Authentizität
- #6 Häufiger mal stolz auf meine Leistung sein
- #7 Ein dickeres Fell wachsen lassen
- #8 Öfter Nein zu Anderen und Ja zu mir selbst
- #9 Zusammen ist man weniger allein
- #10 Was ich nicht anders machen würde
- Meine Learnings und was ich heute anders machen würde
#1 Weniger Reiseziele, mehr Zeit
Ich war schon immer ein Mensch, der ständig Fernweh hat und dem Heimweh mehr oder weniger fremd ist. Kaum kehre ich meinem Zuhause den Rücken, habe ich es auch schon fast vergessen. Lange unterwegs zu sein und tief in andere Kulturen einzutauchen war daher eines der besten Dinge, die ich in meinem Leben gemacht habe. Ich weiß, dass die schönsten Erinnerungen oft dort entstehen, wo man länger bleibt. Dort, wo man den Rhythmus eines Ortes kennenlernt und nicht ständig auf die Uhr schaut. Und wo man mit Menschen in Kontakt kommt, die einen berühren.
Heute hier, morgen da!
Mit dem Blog wurde jedoch „heute hier, morgen da” zu meinem Lifestyle und damit habe ich ein wenig meinen inneren Kompass verloren. Ich habe immer öfter versucht, möglichst viel in kurzer Zeit zu erleben, um Content für den Blog zu sammeln und die Kunden zufriedenzustellen. Als meine Kinder dann auch noch in die Schule kamen, war es unmöglich, lange unterwegs zu sein. Denn Reisen in der absoluten Hochsaison ist nun mal unbezahlbar. Ich fiebere daher dem Ende der Schulzeit meines jüngeren Sohnes entgegen. Dann möchte ich zu meinen Ursprüngen zurück: Weniger Reiseziele, mehr Zeit! Ich muss nicht jedes Land dieser Welt bereisen. Aber ich möchte in die Länder, die mich wirklich interessieren, eintauchen und sie mit allen Sinnen erleben.

#2 Weniger Trends, mehr Underdogs
Auch Reiseblogger sind natürlich nicht immun gegen Trends. Sobald neue Hotspots auftauchen, fahren plötzlich alle an dieselben Orte. Auf einmal reisen alle nach Albanien, in den Oman oder nach Island und auch ich frage mich, ob ich nicht vielleicht doch noch schnell hinmuss. Insbesondere Instagram triggert mich hier schnell. Ich sehe ein schönes Bild und denke sofort: Da will ich auch hin! Dabei weiß ich, dass viele Bilder meist nur gestellt ist und selten den wahren Moment abbildet. Die Menschenmassen, die mitunter Schlange für das gleiche Foto stehen, werden schließlich selten gezeigt.
Herz für die vermeintlichen Outsider!
Zum Glück bin ich in dieser Hinsicht meist standhaft geblieben. Natürlich interessieren mich auch Albanien, der Oman oder Island, aber es widerstrebt mir irgendwie auch, mich an die Orte zu begeben, wo bereits jeder Stein zigmal umgedreht wurde. Ich hatte daher schon immer ein Herz für die Underdogs. Für die vermeintlich unscheinbaren Orte. Für die kleine Stadt, von der kaum jemand spricht. Das Dorf abseits der bekannten Route. Die Region, die auf keiner Bucket-List steht. Ich vertraue dabei stark meinem eigenen Gefühl und achte weniger darauf, was gerade als „Must-see“ gilt. Ob das nun Mannheim, Bosnien-Herzegowina oder China ist. Es lohnt sich fast immer abseits der bekannten Pfade zu reisen.
#3 Weniger Fotos, mehr echte Momente
In den letzten 15 Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, schöne Momente mit der Kamera festzuhalten, und dabei die Welt des Öfteren nur noch durch den Sucher gesehen. Gerade bei Blogkooperationen sind gute Bilder sehr wichtig. Wenn man mit Kindern unterwegs ist und das eine Kind heult, während das andere auf Klippen entlang balanciert, artet das Fotografieren jedoch oft in puren Stress aus. Natürlich liebe ich Fotos und freue mich über jede gelungene Aufnahme. Aber manchmal war ich so damit beschäftigt, ein gutes Bild zu schießen, dass ich den Moment verpasst habe.
Mehr Fotos an einem Wochenende als nach einem Jahr Weltreise!
Wie ich es auf meiner einjährigen Weltreise geschafft habe, so wenige Fotos zu machen wie heute auf einem Wochenendtrip, ist mir ein Rätsel. Ich werde also häufiger versuchen, die Kamera einfach in der Tasche zu lassen. Man muss nicht jeden Sonnenuntergang fotografieren. Und manche Erinnerungen brauchen kein Foto. Sie bleiben trotzdem.
#4 Akzeptieren, dass nachhaltiges Reisen kompliziert ist
Fünf Jahre lang habe ich versucht, möglichst nachhaltig unterwegs zu sein. Ich bin mit der Bahn gereist, statt das Flugzeug zu nehmen, und habe nahe Reiseziele gewählt, obwohl ich Fernweh nach Asien hatte. Ich habe achtsam konsumiert und darauf geachtet, unterwegs so wenige Fußspuren wie möglich zu hinterlassen. All diese Überlegungen sind mir auch heute noch wichtig.
Gleichzeitig habe ich erkannt, dass die Realität oft viel komplexer ist als einfache Schwarz-Weiß-Antworten. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass die Verantwortung für das Klima viel zu oft auf das Individuum abgeschoben wird, statt dass sich der Staat darum kümmert. Ich denke einerseits, dass ich als einzelner kleiner Mensch überhaupt keinen Einfluss habe, andererseits aber auch, dass viele Tropfen ein ganzes Meer ergeben. Wenn wir alle an einem Strang ziehen würden, könnten wir etwas bewegen. Ihr seht, ich bin hier nach wie vor zwiegespalten.
Bewusste Entscheidungen, statt klarer Regeln!
Zwischen dem Wunsch, die Welt zu entdecken, und den Auswirkungen auf Klima und Umwelt entstehen also Fragen, die sich nicht einfach beantworten lassen. Früher suchte ich nach klaren Regeln. Heute versuche ich, bewusste Entscheidungen zu treffen. Möchte ich einfach nur Urlaub machen – dann kann ich auch in der Nähe bleiben – oder eine abenteuerliche Reise unternehmen? Gibt es eine Alternative zum Flugzeug? Kann ich länger bleiben, statt häufiger unterwegs zu sein? Wie kann ich einen Ort intensiver erleben? Perfekte Lösungen gibt es nicht. Aber sich überhaupt darüber Gedanken zu machen und nach Alternativen zu suchen, ist auch etwas wert.

#5 Weniger Vergleich, mehr Authentizität
Die sozialen Medien haben das Reisen grundlegend verändert. Und aus meiner Sicht nicht unbedingt zum Besseren. Man sieht Menschen, die scheinbar ständig unterwegs sind. Traumstrände, Luxushotels, spektakuläre Drohnenaufnahmen und Abenteuer in den entlegensten Winkeln der Welt. Dadurch wird Neid geschürt und man fühlt sich schlecht, wenn man nur in die Eifel fährt, statt durch Patagonien zu trampen. Durch die sozialen Medien sind zudem Probleme wie Overtourism und Kampagnen wie „Tourist go home” entstanden. Mir ist bewusst, dass auch ich mit Planet Hibbel Teil dieser Maschinerie bin, obwohl ich immer versucht habe, mich davon abzugrenzen. Ihr werdet jedoch keine Bilder von mir finden, auf denen ich mit Flatterkleid und Hut vor einer Kulisse posiere ;). Nichtsdestotrotz haben aber auch meine Beiträge Einfluss auf euch. Erst kürzlich schrieb mir jemand auf Instagram, dass sie nur wegen mir in einem bestimmten Hotel in China gelandet ist.
Authentisch reisen!
Ich plädiere dafür, authentisch zu reisen und sich nicht mit anderen zu vergleichen. Denn jede Reise hat ihren eigenen Wert. Wir müssen nicht alle in die Mongolei aufbrechen, nur weil uns das in den sozialen Medien suggeriert wird. Ein Wochenende im Schwarzwald kann genauso bereichernd sein wie eine Fernreise nach Asien. Ein Spaziergang am Rhein kann bedeutender sein als der Besuch einer berühmten Sehenswürdigkeit. Reisen ist kein Wettbewerb. Und Geschmäcker sind zum Glück verschieden.
#6 Häufiger mal stolz auf meine Leistung sein
Ich beschwere mich absolut nicht über meinen Job. Er ist toll und ich liebe ihn. Allerdings hat er auch jede Menge Tücken, die der normale Leser nicht zu sehen bekommt. In der Regel denken die Leute, meine Tätigkeit sei keine richtige Arbeit und ich bekomme alles geschenkt. Nichts davon ist wahr. Dennoch macht das etwas mit mir. Bis heute rede ich ungern darüber, was ich beruflich mache. Manchmal schäme ich mich fast dafür, weil ich die negative Sicht vieler Menschen auf „Influenza“ kenne. Natürlich arbeite ich nicht auf dem Bau. Aber als selbstständige Reisebloggerin bin ich multitasking unterwegs und habe gefühlt 20 Jobs in einem.
Mehr Schein als Sein!
Wenn ich beruflich unterwegs bin, arbeite ich von früh bis spät (12-16 Stunden krieg ich locker hin) und hetze von einem Termin zum nächsten. Wenn ich wieder zu Hause bin, bräuchte ich erst einmal Urlaub, aber dann geht der Schreibtischjob los. Freunde, die mich schon einmal auf einer solchen Jobreise begleitet haben, sagten im Anschluss immer: „Das könnte ich nicht!” Denn Fakt ist: Ich mache keinen Urlaub!
Ich war schon 9 Tage beruflich in der Karibik unterwegs und in der ganzen Zeit genau einmal für 10 Minuten im Wasser. Mehr Zeit hatte ich nicht. Mein Job ist es, euch zu inspirieren und alles wie Urlaub aussehen zu lassen. Die Leute beschweren sich ja auch nicht über Urlaubswerbung im Fernsehen oder in Magazinen. Dass ich das mit dem Inspirieren gar nicht mal so schlecht mache, verraten mir die monatlichen Aufrufe meines Blogs, positive Erwähnungen in den Medien, nette Kommentare und persönliche E-Mails. Und ja, darauf bin ich dann doch auch mal stolz.

#7 Ein dickeres Fell wachsen lassen
Wer sich im Internet bzw. in den sozialen Medien bewegt, kennt die Abgründe. Vieles daran ist toll und wahnsinnig inspirierend. Über das Bloggen habe ich schon Freunde fürs Leben gefunden. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch Empörung und Wut fremder Menschen, die mich oft sprachlos machen. Als ich vor fast 15 Jahren hier anfing, war Bloggen noch eine happy-peppy Angelegenheit. Ich habe geschrieben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und habe viele nette Rückmeldungen bekommen. Heute überlege ich mir ganz genau, was und wie ich etwas schreibe, denn der kleinste Fehler kann zu Shitstorms führen. Das führt immer wieder dazu, dass ich mich am liebsten aus dieser Online-Welt verabschieden würde. Ob ich in der Hinsicht jemals ein dickes Fell bekommen werde, weiß ich nicht. Allerdings schaffe ich es immer öfter, achselzuckend darüber hinwegzusehen. Trotzdem: Auf meinem Blog herrscht Netiquette. Bitte haltet euch daran!
Hinzu kommen die gesetzlichen Hürden, mit denen Selbstständige immer wieder konfrontiert sind. Da gibt es rückwirkend neue Gesetze, die einem das Leben schwer machen, oder steuerliche Fragen, die niemand beantworten kann und reiner Willkür unterliegen. Mein Fell müsste mittlerweile eigentlich das eines Yetis sein. Wenn ich heute also noch einmal etwas Berufliches mit dem Internet vorhätte, würde ich mich in jeglicher Hinsicht rechtlich schlau machen. Die gesetzlichen Anforderungen sind nämlich so hoch, dass es einem mitunter direkt wieder vergeht.
#8 Öfter Nein zu Anderen und Ja zu mir selbst
Es gibt definitiv auch Vorteile, älter zu werden. Ich sage nämlich immer öfter „Nein” zu anderen und damit „Ja” zu mir selbst. In meinen Anfängen bin ich Kooperationen eingegangen, die ich heute nicht mehr machen würde, habe mich oft unter Wert verkauft und zu Dingen ja gesagt, die ich eigentlich gar nicht wollte. Heute sage ich einfach nein, wenn mir die Rahmenbedingungen nicht zusagen. Nicht, weil ich es mir immer leisten könnte, sondern weil ich denke, dass eine wertschätzende Zusammenarbeit für beide Seiten wichtig ist.
Ich bin jedoch immer wieder erstaunt darüber, wie selbstverständlich es für andere Menschen zu sein scheint, dass ich kostenlos eine Dienstleistung für sie erbringen soll. Ich bin eine One-Woman-Show (mit Co-Autorin Petra auch mal two women), die neben all den selbständigen Tätigkeiten, die dieser Job mit sich bringt, auch noch einen Haushalt führt, einen Ehemann hat und zwei Teenager großzieht. Also NEIN: Ich habe weder Zeit noch Lust, für einen Niedriglohn, den Wert eines 20-Euro-Produkts oder gar kostenlos zu arbeiten.
Ganz selten mache ich auch noch unbezahlte Kooperationen bzw. Pressereisen, aber nur, wenn ich einen echten Mehrwert erkennen kann. Denn was man in dieser Thematik nicht vergessen darf: Ich zahle für jedes vermeintliche „Geschenk” Steuern und somit auch für meine eigene Arbeit.

#9 Zusammen ist man weniger allein
Von 2011 bis 2020 war Planet Hibbel eine One-Woman-Show. Und wer selbstständig ist, weiß, dass es ohne Kolleginnen und Kollegen mitunter recht einsam werden kann. Daher war es eine ziemlich gute Idee von mir, als ich im Corona-Sommer 2020 ganz spontan nach einer Co-Autorin suchte. Nach nur einer Mail von Petra wusste ich: Die isses! Seitdem ist sie quasi Planet Hibbels Dependance Süddeutschland und bereichert meinen Blog mit ihren ganz eigenen Geschichten. Natürlich ist es nicht immer einfach, das Zepter aus der Hand zu legen und den Anderen einfach mal machen zu lassen. Damit man nicht zur schrulligen Eigenbrötlerin wird, ist es jedoch auch gut, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten.
Wir sehen uns zwar immer noch viel zu selten, denn die Strecke Rheinland–Voralpenland ist für einen spontanen Pausenkaffee dann doch zu groß. Wir texten und quatschen jedoch regelmäßig, wodurch sich der Kolleginnen-Effekt verstärkt. Darüber hinaus ist Petra für mich aber auch eine Freundin geworden, mit der ich auch ohne Blog die Welt entdecken würde :).
#10 Was ich nicht anders machen würde
Trotz aller Erkenntnisse gibt es etwas, das ich jederzeit wieder genauso machen würde. Neugierig bleiben. Reisen hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Menschen leben, denken und fühlen. Es hat meinen Horizont erweitert und mir immer wieder neue Perspektiven eröffnet. Viele meiner schönsten Erinnerungen verdanke ich genau dieser Neugier. Und auch das Bloggen hat mir in den letzten 15 Jahren wahnsinnig viel gegeben. Ich durfte meine Leidenschaft zum Beruf machen und habe dadurch unglaublich tolle Dinge erleben dürfen. Ich hatte das große Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, und gehörte zu den ersten Reisebloggern Deutschlands. Auch wenn es null geplant war.
Wenn man mich jedoch heute fragen würde, ob ich im Jahr 2026 noch einmal einen Reiseblog starten würde, wäre meine Antwort nein, denn alles hat seine Zeit. Auch wenn authentische Texte und Geschichten nach wie vor gelesen werden, ist es durch KI, soziale Medien und den rauen Ton in der Gesellschaft doch nicht mehr das Gleiche. Ich möchte jedoch nach wie vor offen bleiben. Für neue Orte, neue Menschen und auch für neue Sichtweisen auf das eigene Leben.
