Aurora Borealis-Liebe

Startschuß für die Nordlichtsaison und ein paar Laientipps

Ein Jahr ist es nun schon wieder her, dass ich in Nordnorwegen war und ich denke immer noch oft und gerne an diesen Trip zurück, der eindeutig mit zu den Coolsten in meinem Leben gehört. Das hat hauptsächlich auch damit zu tun, dass ich das erste Mal in meinem Leben Nordlichter gesehen habe. Eine Sache, die unbedingt noch ganz oft wiederholt werden muss. Ich hatte nämlich echt Pipi in den Augen, vor lauter Ehrfurcht und Freude.

Auf diesem Trip habe ich ganz viel in Sachen Polarlichter gelernt, die ich bis dato nicht wusste. Sehr hilfreich war dafür u.a. ein Besuch im Andøya Spacecenter auf den Vesterålen, wo die Aurora Borealis und deren Aktivität erforscht wird. Was wir dort getrieben haben, könnt Ihr hier nochmal nachlesen. Was ich zuvor nicht wusste, war z.B., das es eigentlich das ganze Jahr über Nordlichter gibt. Denn diese entstehen durch immerwährende Sonneneruptionen und werden dann durch „Winde“ an die nördliche und südliche Polarkappe der Erde getragen. Man kann sie aber logischerweise erst dann sehen, wenn es total dunkel ist. Und das ist in der nördlichen Hemisphäre erst wieder ab September der Fall.

Die meisten Menschen glauben zudem, dass Nordlichter erst im tiefsten Winter zu sehen sind. Auch das stimmt nicht, daher ist der September bereits ein super Monat um sie zu sichten. Pluspunkt ist zudem, dass man dann sogar noch schönes Wetter in Norwegen haben kann. Ich bin immerhin im TShirt zum Nordkapp gewandert. Blöderweise können wir mit Schulkindern nie im September verreisen. Muss ich also darauf warten, dass die Sommerferien irgendwann vielleicht mal wieder in den September fallen.

In der vergangenen Wochen waren die Sonneneruptionen im Übrigen so stark, dass die Aurora Borealis bis in den Alpenraum zu sehen war. Rein theoretisch. Denn eine dicke Wolkendecke und eine viel zu große Lichtverschmutzung machen die Sichtung in unseren Breitengraden leider fast unmöglich.

Die Vesterålen eignen sich dafür perfekt für Polarlicht-Spotting, da sie nahezu keine Lightpollution haben. Wenn es dunkel ist, ist es auch wirklich stockfinster wie z.B. im Geisterdorf Nyksund. Ganz großartig fand ich auch, dass wir eine kleine Einführung in Punkto Nordlichtfotografie von Kolbjørn Hoseth Larsen und Sven Roar Martinsen erhalten haben. Ich habe gesehen, dass die Jungs mittlerweile auch Outdoor-Events anbieten. Falls ich also nochmal in der Ecke sein sollte, werde ich auf jeden Fall eine der Aktivitäten buchen.

Nach der Theorie ging es abends raus zum Fjord, wo wir bei Lagerfeuer, getrocknetem Rentierfleisch und Schnäpschen auf Nordlichter gewartet haben. Ein Event ganz nach meinem Geschmack und ich hätte die ganze Nacht dort sitzen können. Leider war die Aktivität der Aurora Borealis an diesem Abend sehr niedrig und der Himmel zudem nicht ganz klar. Fotos zu schießen, war für einen absoluten Anfänger wie mich, daher sehr schwierig. Aber ich war trotzdem total happy und aus dem Häuschen, als  ich ein paar wacklige erste Aufnahmen einfangen konnte. Also seht mir die grisseligen Fotos bitte nach.

Auch wenn ich also ganz weit davon entfernt bin, tolle Ratschläge zum Thema Nordlichtfotografie zu geben, möchte ich Euch dennoch die Tipps von Kolbjørn nicht vorenthalten. Die waren nämlich wirklich hilfreich.

7 Tipps für die Nordlichtfotografie:

#1  Es muss dunkel und der Himmel möglichst ganz klar sein.

#2 Die Aurora muss logischerweise präsent sein. Dies kann man am Besten mit der Spaceweatherlive-App checken.

#3 Sucht Euch einen Ort mit ganz wenig Lichtverschmutzung. In der Stadt nahezu unmöglich, daher müsst Ihr raus aufs Land.

#4 Schnappt Euch Eure Kamera und nehmt unbedingt ein Stativ mit. Ohne Stativ geht es eigentlich gar nicht. Die Kamera sollte im manuellen Modus sein und ein Weitwinkelobjektiv haben.

#5 Kameraeinstellungen: offene Blende, Belichtungszeit 2-30 Sekunden, ISO so niedrig wie möglich, Fotos im RAW-Modus. Lest Euch hierzu am Besten mal die Anleitung von Gabi von den 5Reicherts durch. Die hat im Übrigen auch ein tolles Buch zum Thema Nordlichtfotografie herausgebracht. Weitere Infos gibts auch bei Geertje von NordicFamily.

#6 Warme Klamotten, Handschuhe und Mütze, Stirnlampe (damit ihr die Hände frei habt), heißen Kaffee, eine Sitzunterlage, nette Gesellschaft und jede Menge Geduld.

#7 Einen tollen Tipp fand ich auch, eine Geschichte zu erzählen. Einfach nur den Himmel zu fotografieren, sieht meist öde aus. Viel besser ist es, einen Hintergrund wie z.B. Bergspitzen zu haben oder ganz dramatisch…. eine Rentierherde ;)).

Abschließend sollte ich noch sagen, dass ich die Nordlichter auf den ersten Blick gar nicht als solche erkannt habe. Zum ersten Mal sah ich sie in Honningsvåg am Nordkapp und sie erschienen nur als hellgraue Schlieren und Streifen am Himmel. Das war natürlich erstmal ein wenig enttäuschend, hatte ich mir das Ganze eher als Farbexplosion am Himmel vorgestellt. Das liegt aber auch an der Intensität der Sonneneruptionen. Als ich dort war, lag die Stärke leider immer nur so bei 4 von 10 Punkten und das menschliche Auge, kann die Farben da scheinbar gar nicht rausfiltern. Im Gegensatz zu den Kameras, die die grauen Schlieren auf einmal in ein grünes Licht tauchen. Außerdem kann man die Lichter immer nur für ca. 20 Minuten sehen, danach verschwinden sie wieder und man muß auf Neue warten.

Fazit ist also: ich muss wieder hin und wohl auf Sonneneruption Stärke 10 warten. Vielleicht sehe ich das Wunder dann auch mit meinen kurzsichtigen Äuglein. Und ihr so? Habt ihr die Nordlichter schon mal in voller Stärke erleben dürfen?

Offenlegung: Ich wurde von VisitNorway zu dieser Reise eingeladen.

 

8 Kommentare

  1. Liebe Nadine,
    hach ja, die Nordlichter! Mir juckt es schon wieder reichlich in den Fingern, und sobald möglich möchte ich für ein paar Tage ohne Kids gen Norden reisen. Spontan einen Flug buchen, sobald die Vorhersagen für die Aurora gut stehen. In Finnland habe ich tatsächlich mal Lichter der Stufe 9 (glaube ich) erlebt. Das war der Wahnsinn! Selbst die Einheimischen haben am nächsten Tag über nichts anderes geredet. Wir waren aber nach der langen Anreise zu müde und zu durchgefroren, um ordentliche Fotos zu machen. Liegt ja noch ein ganzer Urlaub vor uns, dachten wir, aber die Aurora hatte ich gesamtes Pulver bereits verschossen. Mist. In Nordnorwegen hatten wir mehrfach Glück, aber auch eher schwächere Lichter, meist nur KP 3/4, ein Mal auch 5. Süchtig bin ich allemal, und ich WILL, ich WILL, ich WILL noch ein paar nette Fotos machen 🙂
    Liebe Grüße, Nicole

  2. Flögi sagt

    Wundervoll. Hast Glück gehabt. Das Nordlicht ist noch ein absolutes muß, was ich im Leben unbedingt erleben möchte.
    Liebe Grüße

  3. Wahhh, ich will die Nordlichter auch unbedingt mal sehen. Ob ich die dann erkenne mit meiner Farbsehschwäche, sein mal dahingestellt. Nimm mich unbedingt mit, bitte !!!

    • Nadine sagt

      Ja, das weiß ich jetzt natürlich auch nicht, lach. Aber da ich ja auch so ein kurzsichtiges Hühnchen bin, sehen wir dann ggfs. beide nix, Christina. Haha. Vielleicht nehmen wir dann besser noch nen Blindenhund mit. 😉 LG, Nadine

  4. Nordlichter sind echt noch so ein Traum von mir! Auch wenn Nordnorwegen schon im Sommer frisch ist, würde ich den skandinavischen Winter in Kauf nehmen, allein um dieses Spektakel mal zu erleben.

    • Nadine sagt

      Du musst doch gar nicht im Winter fahren, Angela. Die Nordlichtsaison fängt ab September an. Ihr könntet also auch prima mal in den Herbstferien fahren.So kalt ist es dann noch nicht. Ich war zweimal im Herbst in Norwegen und fand es voll schön. Auch da gibt es so ne Art Indian Summer. LG, Nadine

  5. Für mich war letztes Jahr auch das erste mal… ein tolles Erlebnis! Aber wir sahen die Lichter fast 2 h ununterbrochen… da war nach 20 Minuten nicht Schluss! Das habe ich noch nie gehört…

    LG
    Hartmut

    • Nadine sagt

      Wie eigenartig. Bist Du sicher, Hartmut? Das haben uns die Norweger bei dem Nordlicht-Workshop erzählt. Die sagten die wären nie länger als 20 Minuten zu sehen, kommen dann aber zurück. Oder ich hab irgenwas komplett missverstanden. LG, Nadine

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