Elterndasein

Jetzt mal Butter bei die Fische…. so reist es sich mit zwei Jungs im Gepäck

In der Regel predigen wir Familienreiseblogger ja immer wie toll man mit Kindern reisen kann, wie prima alles klappt und wie unbegründet die Sorgen der Eltern sind, die zaudern und sich nicht so Recht trauen. Nun, prinzipiell stehe ich auch voll hinter diesen Ausagen und wenn meine Kinder eins sind, dann wirklich tiptop reisetauglich. Es gibt nicht viel was sie nicht mitmachen, sie freuen sich auf jeden Trip, sind schnell zu begeistern, werden (zum Glück) selten krank und überhaupt….mit ihnen durch die Weltgeschichte zu reisen, macht wirklich Spaß. Ob lange Roadtrips, jede Nacht woanders, Langstrecken fliegen oder Ausflüge in die Natur…. es läuft.

Was bei uns allerdings phasenweise eher weniger gut läuft, ist das Miteinander der Kinder untereinander und irgendwann auch unter uns Großen bzw. uns Viern. Denn so sehr sich die Jungs auch lieben, so oft streiten sie auch und hacken aufeinander rum. Lustigerweise fragte mich Heike von KölnFormat (als wir in Norwegen unterwegs waren), nach einem geposteten Instagram-Foto, ob die Jungs immer so lieb wären. Haha! Also meine kann sie nicht meinen.

Gerade zwei Jungs konkurrieren (aus einem mir unerfindlichen Grund) doch ständig miteinander. Hinzu kommt, daß sie sich wirklich ständig und überall prügeln müssen. Ob nun Zuhause aufm Wohnzimmerteppich, in der Lobby eines Hotels, im Auto, Supermarkt oder auf einer gefährlichen Felsklippe. Ständig heult einer oder schreit herum. Natürlich nicht ohne uns Eltern in diese Fehden mit hineinzuziehen. Gutes Zureden oder der 80ste Versuch von uns Großen diesen meist lächerlichen Streit zu schlichten, endet meist mit nochmehr Theater. Am Ende diskutieren wir Großen sogar noch rum. Kurzum, die Nerven liegen oftmals blank und Erholung sieht weiß Gott anders aus.

Wochenlang 24 Stunden am Stück mit den Räubern zusammen zu sein, ist hard work. Zumal die in den Ferien ja meist auch sehr viel später ins Bett gehen und wir spätestens ne halbe Stunde nach ihnen ebenfalls völligst k.o. in die Koje fallen. Gefühlte Paarzeit am Tag: 10 Minuten. Und wenn wir viel Glück haben, haben wir den Tag über ganze 5 Sätze miteinander gewechselt. Denn sobald wir auch nur ansatzweise versuchen eine Unterhaltung zu führen, quakt unter Garantie wieder einer dazwischen. In meinem Spiegel-Interview vom letzten Sommer habe ich mal gesagt, daß auf Reisen „Zeit zu Zweit Mangelware“ ist. Und das ist wahrscheinlich der größte Kasus Knacktus, wenn man mit Kindern reist: ein klein wenig Zeit für sich selbst zu haben.

Ich muss gestehen, dass ich Institutionen wie Familienhotels unter diesem Aspekt wirklich sehr zu schätzen gelernt habe. Da kann ich die Brut in den Kids-Club „abschieben“ (Achtung: Ironie!!) und habe wenigstens mal etwas Zeit für mich. Früher hätte ich freiwillig keinen Fuß in so eine Familienbespassungsanlage gesetzt, mittlerweile habe ich jedoch die Ruhe und Muße, die einem dadurch als Eltern geschenkt wird, sehr zu schätzen gelernt.

Allen Eltern die mehr als zwei Kinder haben, zolle ich an dieser Stelle mal meinen allergrößten Respekt. Claudi von Wasfürmich war z.B. gerade erst mit ihren 4 Jungs (!!) auf Reisen. Das sieht immer so unfassbar harmonisch bei denen aus. Wir raufen uns mit Zwein ja schon oft die Haare. Und nun sagt mir bitte, daß das bei Euch GENAUSO abläuft wie bei uns ;). Der totale Urlaubswahnsinn halt. Warum soll das auf Reisen auch anders sein als daheim?

18 Kommentare

  1. Liebe Nadine,
    also bei uns läuft es auf Reisen auch genau so wie zuhause, gefühlt aber vielleicht doch sogar ein wenig besser, wenn wir unterwegs sind… weiß auch nicht genau, an was das liegt. Dann mag es vielleicht am Geschlechtergleichgwicht liegen, dass bei uns zumindest nicht gerauft wird… Tränen gibt es trotzdem natürlich auch bei uns immer wieder.
    Sind ja grade erst 4 Wochen auf engstem Raum unterwegs gewesen, was aber überraschend gut ging. Wie auch immer… wenn du mich fragst, würde ich gleich morgen wieder losziehen…
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    • Nadine sagt

      Hei Hartmut! Also so langsam werdet ihr Schweden mir unheimlich ;))). Wie ihr das 4 Wochen auf so engen Raum mit den Kindern gehandelt habt…. Hut ab! Ich bin mir sicher, daß hätte mit unseren Jungs in der Form nicht funktioniert. Jedenfalls nicht ohne Tote und Verletzte ;). Ich denke es liegt schon auch ein bisschen am Pärchen, auch wenn andere Pärchen-Eltern sicher gegenteiliges berichten könnten. Mein Bruder und ich haben uns als Kinder jedenfalls nicht annähernd so viel gestritten wie unsere Jungs. Und gekloppt haben wir uns auch nur seltenst. Ist aber bestimmt auch Typsache. Ich freue mich jedenfalls für Euch, daß das bei Euch so gut klappt. Bei uns dann vielleicht mal, wenn die Zwei groß sind ;). GlG, Nadine

  2. Hi Nadine, da sprichst du mir echt aus der Seele! Mit Kindern reisen kann manchmal echt anstrengend sein. Immer 100% verfügbar zu sein kann zur Herausforderung werden…ist zu hause ja auch nicht viel anders, aber ich finds super, dass du auch das mal ansprichst und nicht nur das Bild mit der rosaroten Brille malst! Liebe Grüße, Eva

    • Nadine sagt

      Hallo Eva, zuhause bin ich (im Gegensatz zum Urlaub) aber gar nicht immer 24 Stunden am Tag verfügar. Denn die Kids sind in der Schule und wir Großen im Büro. Daher finde ich, das Urlaub manchmal so was von Weihnachten hat. Konfliktpotential Hoch 10 ;). Und nee….rosarote Brille liegt mir nicht. Ich schreibe auch immer wieder mal darüber, was nicht so dolle läuft. LG, Nadine

  3. Also bei uns läuft immer alles super. Die Große kümmert sich um die Kleinste und streitet sich GAR NICHT mit dem Bruder deshalb, der auch immer ausgeglichen ist und kein Problem damit hat, dass er nie so gut sein kann wie seine große Schwster.
    Überhaupt kommt es NIE zu Konflikten zwischen den beiden älteren, und die Jüngste ist IMMER gut drauf und niedlich und wird von uns allen verhätschelt. Läuft auch immer brav mit übrigens, wenn wir wandern, und die beiden Großen motivieren sich gegenseitig dabei.
    Und wenn wir Auto fahren, spielen sie alle gemeinsam stille Spiele oder unterhalten sich mit uns über ihre gemeinsamen Interessen, wie Quantenphysik oder Philosophie.

    Nicht.

    Aaaahhh… Ich bin dann nach längeren Reisen schon auch froh, wenn ich endlich wieder gaaanz allein an meinem Schreibtisch sitze… und frage mich, wie das die Familien machen, die dauerhaft reisen und in einem Wohnmobil LEBEN. Wäre nichts für mich.

    LG
    Jenny

    • Nadine sagt

      Daaaanke, Jenny! You made my day. Es tut doch immer auch gut mal zu hören, daß es in anderen Familien gar nicht so großartig anders läuft. Dann fühlt man sich wenigstens relativ normal und nicht wie ein Fall für die Super-Nanny ;). Zum Glück haben Kinder ja meist nur Phasen und die legen sich auch wieder. Wenn man Glück hat, haben sie die angenehme Phase wenn man gerade auf Reisen ist (bei uns war das so in Neuengland und Kanada). Wenn man Pech hat, hat aber mind. auch ein Kind (oder auch Zwei) ne ganz miese Phase auf Reisen und zieht dann alle Anderen mit runter. So wie gerade in Norwegen. Da kann es dann noch so großartig sein. Hin und wieder hat man das Bedürfnis reißaus zu nehmen oder schimpft, das man die Brut ab jetzt zuhause lässt ;). GlG, Nadine

  4. Liebe Nadine,

    ich erhole mich im Moment bei der Arbeit von 15 Tagen Schweden mit Mann und Sohn (8). Nun streiten wir uns nicht sooo oft (höchstens ich mit meinem Mann während des Autofahrens!!!), aber meinen Einzelkind ist dafür oft langweilig, sodass wir Eltern stets als Spielkameraden herhalten müssen. Was natürlich irgendwo okay ist, aber auch anstrengend.

    Wir hatten allerdings kurz vor unseren Ferien Besuch von Freunden mit drei Kindern (6,8, und 10), Alter, was da abging…und der Geräuschpegel…irre.

    Liebe Grüße von Geraldine

    • Nadine sagt

      Hallo Geraldine, mit einem Einzelkind hat man dafür natürlich andere „Problemchen“. Die dauerzubespaßen ist natürlich auch nicht immer erquickend, aber immerhin kriegt man deshalb nicht unbedingt nen Herzkasper. 😉 Und ja…. 5 Jungs auf einem Haufen haben was von ner Fußballmannschaft. Wenn meine Freundin mit ihren 3 Jungs da ist, gehts auch immer hoch her. Dann erhol Dich mal gut vom Urlaub. LG, Nadine

  5. Soo, nun bin ich aufgetaucht nach meinem eigenen Urlaub haha. Ich hatte dich das vor allem DESHALB gefragt, weil meine beiden Kinder zu dem Zeitpunkt als ich dein Foto sah, sich gerade mal wieder kreuz und quer durch die Supermärkte der USA gerauft haben. Und ich schon ANGST habe, einen zu betreten. 🙂

    Aber insofern: danke für die Info, dass es bei euch auch normal abläuft haha, das beruhigt mich ein wenig. <3

    • Nadine sagt

      Yep. Kenn ich alles, Heike. Keine Sorge. Du bist nicht allein auf der Welt. Wir Eltern teilen wohl fast alle den gleichen Wahnsinn :). LG, Nadine

  6. Was Heike sagt! Mein ewiges Mantra in der Beziehung: „Gekabbelt wird draußen!“ Diese ewige Klopperei läuft bei uns meist freundschaftlich ab, aber das schränkt die Bruchgefahr alles Umstehenden auch nicht ein. Und dann macht ihr Kindskopp von Vater meistens auch noch mit und ist keinen Deut besser! Das einzige, das so halbwegs hilft: Auspowern. Nach den ersten 5 Kilometern werden sie ruhiger. Am Anfang. Spätestens in der zweiten Urlaubswoche tritt der Trainingseffekt ein… Es ist nicht einfach. 🙂

    • Nadine sagt

      Hallo Lena, „gekloppt wird draußen“ ist auch mein Mantra, das interessiert die nur gar nicht ;). Und freundschaftlich fängt es bei uns auch meist an und auf einmal wird aus Spaß Ernst und es fliegen richtig die Fetzen. Auspowern ist in der Tat das einzig Sinnvolle. Am Besten vor nen Hundeschlitten spannen ;)). GlG, Nadine

  7. Haha, wenn ich mir so die Kommentare durchlese ist es doch überall so…. Auch bei uns läuft es nicht anders. Zwar wird bei uns nicht gerauft und gezankt, aber mit drei Teenager Mädels im Schlepptau ist dann Zickenterror angesagt. Ahhhh auch nicht besser…

    Liebe Grüße, Nathalie

    • Nadine sagt

      Zickenterror ist sicher auch anstrengend. Können die Jungs zwar auch, aber Mädels haben das sicher sehr perfektionistisch drauf. Du hast mein Mitleid ;). LG, Nadine

  8. Oh man, das macht mir ja Mut…Unsere Kleine ist ja erst 15 Monate und bislang vergöttert sie ihren großen Bruder noch sehr, der sie auch (fast immer) süß findet…Ich befürchte aber auch, dass das wohl nachlassen wird. Allerdings beobachten wir auch das Phänomen, das auch Hartmut beschreibt, nämlich das wir alle auf Reisen viel weniger bis fast gar nicht streiten und VIEL entspannter sind als in unserem Vollzeitarbeits-Alltag mit zwei Kindern. Und da beneide ich dann diejenigen, die dem System den Rücken gekehrt haben, manchmal schon. Auch wenn ich eigentlich weiß, dass das nichts für mich wäre auf lange Sicht. Aber so 6 Monate im Jahr wäre es doch schön 😉

    • Nadine sagt

      Joa, so 6 Monate hätte ich auch mal Lust drauf. Ob ich dann tiefenentspannt bin, sei mal dahingestellt, aber Spaß würde es sicher trotzdem machen. Und das mit dem Streiten und Kloppen ist natürlich auch eine Frage des Alters. Wir sprechen uns also nochmal ;). GlG, Nadine

  9. Düdümm! Das war’s dann wohl mit meiner Hoffnung, dass das Reisen und Leben wieder einfacher wird, wenn die Mädels erst etwas größer und verständiger sind. Es wird wohl doch nur anders anstrengend werden. Danke für den Blick hinter die Kulissen!
    Liebe Grüße, Nicole

    • Nadine sagt

      Ja, naja…wie heisst es doch immer so schön? Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen. Ich glaube in vielerlei Hinsicht wird es einfacher, weil die Kids halt viel selbständiger werden. Dafür hat man dann andere Dinge an den Hacken. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben. Harhar. Also niemals aufgeben, liebe Nicole! LG, Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.