Die Lessingstadt Wolfenbüttel mit Kindern
Niedersachsens Geheimtipp für Fachwerkliebhaber

6. September 2019

[Werbung: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Wolfenbüttel Tourismus.]

Ihr habt noch nie von der Lessingstadt Wolfenbüttel gehört? Zugegeben, ich mußte auch erstmal auf der Landkarte suchen. Wolfenbüttel liegt in Niedersachsen, nahe Braunschweig, hat ca. 54.000 Einwohner und ist ein Fachwerkträumchen. Auf dem Weg nach Berlin bin ich  schon zigmal unwissend an der Kleinstadt vorbeigefahren. Damit euch das nicht auch passiert, möchte ich euch Wolfenbüttel heute mal vorstellen. Denn die pittoreske Stadt ist wirklich einen Besuch wert.

Wolfenbüttel liegt am Ufer der Oker und ist extrem hübsch, unaufgeregt, gemütlich und nahbar. Hipsterecken und Touristenmassen werdet ihr hier kaum finden und genau das macht die Stadt aus. Sie ist quasi noch ein Geheimtipp, den ich eigentlich für mich behalten müsste. Nicht auszudenken, dass hier irgendwann Busladungen an Touristen, die idyllischen kleinen Gassen überfluten. Asiaten und Amerikaner würden sich vor Verzückung wohl kaum einkriegen. Die Stadt möchte jedoch gerne aus ihrem Schatten heraustreten und touristisch wahrgenommen werden. Ich wünsche ihr diese Aufmerksamkeit sehr, hoffe jedoch, dass sie die richtige touristische Dosis findet. Nicht zu viel, nicht zu wenig, gerade richtig.

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Wolfenbüttel: Niedersachsens Geheimtipp für Fachwerkliebhaber

Rund 600 Fachwerkhäuser stehen in der Innenstadt von Wolfenbüttel. Feuersbrünste und Kriege scheinen in den letzten Jahrhunderten fast spurlos an der Stadt vorübergezogen zu sein. Es gibt wirklich nur sehr wenig Bausünden in der Stadt. Die Häuser stammen aus allen Epochen und jedes hat ein individuelles Aussehen. An den Häusern der wohlhabenderen Familien befinden sich oft Schnitzwerke, Verzierungen oder Lebensweisheiten. Das älteste Fachwerkhaus der Stadt stammt aus dem Jahr 1535. Mit einer Breite von gerade mal 2,20 Meter steht hier sogar das schmalste Haus Norddeutschlands. Das „schmale Haus“ ist eigentlich ein Ferienhaus, zur Zeit jedoch langfristig vermietet. Sehr schade, denn ich hätte zu gerne in diesem Haus übernachtet, da es auch eine spannende Innenarchitektur hat.

Was soll ich sagen? Ich war verzückt und konnte meine Kamera nicht mehr aus der Hand legen. Manchmal wandelten wir sogar ganz allein durch die pittoresken Straßen. Meine Kinder fanden diese kulturellen Wanderungen durch die Stadt naturgemäß nur so medium spannend. Wolfenbüttel hat zum Ausgleich aber auch ein paar kinderfreundliche Museen, den Seeliger Park samt Disc Golf-Anlage, das Stadtbad Okeraue mit Minigolfplatz sowie Spielplätze. Und mit einem Eis konnte ich sie dann doch immer nochmal bis zur nächsten hübschen Ecke locken.

Die Must-Sees in Wolfenbüttel

#1 Im 16. Jahrhundert gab es in Wolfenbüttel eine weitverzweigte Grachtenanlage. Diverse Hochwasser führten jedoch dazu, dass die Grachten zugeschüttet oder unter die Erde verlegt wurden. Wie malerisch diese Wasserwege ausgesehen haben müssen, kann man immer noch in Klein Venedig erahnen. Die Fachwerkhäuser stehen direkt an der Gracht und manch ein Bewohner hat sogar eine Miniterrasse, von der er die Füße ins Wasser halten kann.

#2 Gotthold Ephraim Lessing, einer der berühmtesten deutschen Dichter aus dem 18. Jahrhundert, prägte Wolfenbüttel ganz besonders. Er schrieb u.a. Bücher wie „Nathan der Weise“. 1770 wurde er Bibliothekar der Herzog August Bibliothek und lebte im angrenzenden Lessinghaus. Da man in ganz Wolfenbüttel auf Lessings Spuren wandeln kann, kam Wolfenbüttel auch zu seinem Beinamen Lessingstadt.

#3 Die Herzog August Bibliothek wurde 1572 gegründet und ist heute eine moderne Forschungsbibliothek von internationalem Rang. Sie beherbergt ca. 1 Million Bücher, davon sind ca. 350.000 Bände aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die historischen Bücher türmen sich bis an die Decke und die Sammlung ist wirklich außergewöhnlich und sehr sehenswert. Der größte Schatz und Besuchermagnet ist das 1983 in London für 32,5 Millionen DM ersteigerte Evangeliar Heinrichs des Löwen. Es ist eines der prächtigsten und kunsthistorisch wertvollsten Handschriften des Mittelalters.

#4 Unter der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis liegt ein Raum der ganz besonderen Art. Dort liegen nämlich 29 herzögliche Mitglieder  aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der Welfengruft. Man kann an den kunstvoll verzierten Sarkophagen vorbeispazieren und an den Größen erahnen, dass hier auch Kinder oder direkt zwei Personen bestattet wurden. In den XL Sarg des Fürsten von Wolfenbüttel-Braunschweig musste immerhin auch die immense Lockenperücke sowie der ausladende Samtmantel hineinpassen. Meine Jungs fanden die Gruft logischerweise etwas gruselig und fragten, wann denn der kleine Vampir aus einem der Särge herausspringen würde.

#5 Von 1432 bis 1754 war Wolfenbüttel die welfische Residenzstadt und eines der kulturellen Zentren in Norddeutschland. Daher ist das Schloss Wolfenbüttel ein Highlight der Stadt. Es ist übrigens auch das zweitgrößte Schloss Niedersachsens. Heute beherbergt es ein Gymnasium und das Schloss Museum. Im Museum kann man die z.T. noch originalen Privaträume des Herzogpaares besichtigen. Und auch junge Besucher kommen dank kindgerechtem Audio-Guide auf ihre Kosten. Wir lernten dort Z.B. auch, wozu ein „Floh-Ei“ benötigt wurde.  Dieses steckten sich die feinen Herrschaften inkl. einem Tropfen Blut unter ihren edlen, parfümierten Zwirn. Körperhygiene war zur damaligen Zeit ja eher nicht so angesagt. Das im Ei enthaltene Blut lockte die Flöhe an und sie wurden gefangen, statt sich am Wirt festzubeißen.

#6 Ebenfalls sehenswert ist das kostenfreie Bürgermuseum, direkt gegenüber vom Schloss. Hier wurden fünf Jahrhunderte Stadtgeschichte zu einer modernen, interaktiven Sammlung zusammengetragen. Man erfährt z.B. dass es um 1900 Fuhrkarren für die Fäkalien der Bewohner gab, das die Stadt oft unter Hochwasser zu leiden hatte, einige Jahre die Nazi-Hochburgs Deutschlands war oder die sehr beliebten 50er-Jahre-Phonomöbel Kuba von hier kamen. Wer sich für die Geschichte von Kuba interessiert, kann auch direkt noch einen Abstecher ins gleichnamige Kuba-Museum einlegen.

#7 Wunderschön anzusehen ist auch die geschlossene Ansammlung an Fachwerk-Wohnhäusern rund um die Krumme Straße und Harzstraße. Hier ist ein Gebäude wirklich schöner als das Andere und ich wäre am Liebsten sofort irgendwo eingezogen. Alte Häuser sind einfach immer noch am Allerschönsten und ich wünschte manchmal, dass Wände sprechen könnten.

#8 Übernachtet haben wir in zwei Ferienzimmern auf der 1. Etage des wunderschönen Fachwerkhauses auf der Kleinen Kirchstraße 1. Das Haus liegt zentral und direkt gegenüber von der Hauptkirche. Die insgesamt 3 Privatzimmer sind mit einem Minikühlschrank und einem Fernseher ausgestattet und teilen sich ein Badezimmer mit Dusche und WC. Frühstück ist ebenfalls auf Anfrage möglich.

#9 Wolfenbüttel ist die Heimat des Kräuterschnaps Jägermeister. Da ich keinen Schnaps trinke, war ich dementsprechend unwissend. Wer jedoch Interesse an einer Werksführung hat, kann dies am Jägermeister-Montag machen.

#10 Sehr chillig ist der KOMM Beach Club, der bis vor Kurzem Strandwolf hieß. Gerade mit Kindern ist diese Location im Sommer sehr nett. Füße im Sand, Cocktail in der Hand, lecker Essen und Blick auf den Ententeich. Hippe Locations findet man also doch auch in Wolfenbüttel. Direkt um die Ecke ist zudem noch ein sehr schöner Kinderspielplatz. Bei schlechterem Wetter kann ich das italienische Restaurant l`Oliveto in der Lange Herzogstraße 44 empfehlen. Die Pizza und Pasta ist sehr lecker.

#11 Für einen Besuch in Wolfenbüttel lohnt eine Echt-Lessig-Karte, die man für 13,50 € pro Person in der Touristinformation kaufen kann.  Mit dieser hat man freien Eintritt in das Schloss, die Bibliothek und das Lessing-Haus, bekommt eine Stadtführung sowie ein Leihset für eine Runde Disc-Golf im Seeliger Park.

#12 Auch der Landkreis Wolfenbüttel hat ein paar sehenswerte Attraktionen zu bieten. Leider konnten wir sie uns aber, aufgrund eines privaten Notfalles, nicht mehr anschauen. Es gibt z.B. den UNESCO-Global-Geopark Kaiserpfalz Werla oder das Städtchen Hornburg, das auch das Rotenburg des Nordens genannt wird. Wiederkommen und das Nördliche Harzvorland erkunden, ist also Pflicht. 

Weitere Infos zu Wolfenbüttel könnt ihr im Übrigen bei meinen Reisebloggerkollegen Lena von Family4travel und Marc von Reisezoom nachlesen:

Wolfenbüttel mit Kindern: Ein Wochenende in Niedersachsens vielleicht schönster Stadt

Wolfenbüttel mit Kind und Kamera: Wenn ein Ausflug zum Urlaub wird [+ Tipps & Empfehlungen]

Weitere Infos, Geheimtipps und Geschichten könnt ihr zudem auf dem Blog Echt Lessig der Stadt Wolfenbüttel nachlesen.

Offenlegung: Wir haben Wolfenbüttel im Zuge einer bezahlten Zusammenarbeit mit Wolfenbüttel Tourismus entdeckt. Redaktionelle Beiträge dieser Art könnte ich nicht schreiben, wenn ich mir nicht ein eigenes Bild vor Ort machen würde. Da meine Reise jedoch keine Vorgaben enthielt, könnt ihr euch wie immer darauf verlassen, dass mein Bericht meine eigene Meinung und Begeisterung widerspiegelt.

 

 

 

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3 Comments

  • Reply Stephanie 6. September 2019 at 11:31

    Danke für Deinen schönen Beitrag und Euren Besuch in Wolfenbüttel

  • Reply Thorsten 7. September 2019 at 9:49

    Da komme ich aus Niedersachsen und habe noch nie von Wolfenbüttel gehört. Danke für den Tipp. Da planen wir direkt mal einen Ausflug hin. VG, Thorsten

  • Reply Maren 8. September 2019 at 21:22

    Wunderschön! Wird direkt auf meine Deutschland-Liste gesetzt. VG, Maren

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