Frau Hibbel im Juni

5 Fragen am Fünften – ein bißchen Tacheles, skandinavischer Lifestyle und die ewige Suche nach der Butter

Oha, dachte ich diesmal beim Lesen von Nic´s Juni-Fragen „5 Fragen am Fünften“. Soll ich diesen Monat überhaupt mitmachen, fasse ich mich besser ultrakurz oder kotze ich mich einfach mal aus? Denn Ihre Auswanderungsfrage hat bei mir im Kopf einiges zum Rotieren gebracht und das hat sehr viel mit deutscher Politik zu tun. Ein Thema, über das ich auf meinem Blog nur sehr selten und ungern schreibe, weil ich so gar keine Lust auf grenzwertige Diskussionen und Angriffe habe. Ich habe also echt gegrübelt und mir dann gedacht, ach was….. jetzt schreibste einfach mal, was Dir hierzulande gerade so dermaßen auf den Keks geht. Denn eigentlich mag ich auch nicht nur die heitiei-Familienreisebloggerin sein, die immer nur perfekte Reisemomente mit Euch teilt.

Knall, Bum, Päng…. heute mal Tacheles!

1. Wenn du emigrieren müsstest (oder wolltest), in welches Land würdest du auswandern?

Ja, ich würde gerne auswandern. Will ich schon so lange ich denken kann, aber früher war ich viel zu unstet und konnte mich für kein Land entscheiden. Dann kamen meine Kinder und nun bin ich durch das 50/50 Wechselmodell meines großen Sohnes, noch an meinen jetzigen Wohnort „gefesselt“, bis er eigene Wege geht. Nach meiner jahrelangen Reiserei rund um die Welt, fühlte ich mich sogar mal für ein paar Jahre fast schon heimisch in Deutschland. Wenn man erstmal gesehen hat, wie groß die Armut in anderen Erdteilen ist, weiß man unseren priviligierten Sozialstaat seeeehr zu schätzen. Und das tue ich auch immer noch. Ich bin weit entfernt von reich, aber mir geht es gut und ich kann mich über mein Leben in Deutschland eigentlich null beklagen. Das wäre eindeutig Jammern auf hohem Niveau. Zudem ist Deutschland meine Heimat und immer wenn ich mal längere Zeit fort war, mußte ich mir eingestehen, dass ich Deutscher bin, als mir lieb ist. Ich sag nur pünktlich, zuverlässig und ordentlich ;).

Was mich an Deutschland jedoch total kirre macht ist der Stillstand, die unfassbare Bürokratie, die „German Angst“ und das Dauer-Gemecker. Mir geht einfach nicht in den Kopf, warum unser Schulsystem im Jahr 1985 stehen geblieben ist und Weiterentwicklung so unwichtig zu sein scheint. Warum Deutschland immer nur auf Ereignisse reagiert und nicht zukunftsorientiert und präventiv denkt. Das meine über 70jährigen alten Eltern zwei noch viel ältere Menschen pflegen, damit weitestgehend alleine gelassen werden und ergo ziemlich auf dem Zahnfleisch gehen. Dass das Thema Altenpflege so vernachlässigt wird und mir schlecht wird bei dem Gedanken, in diesem Land selber alt zu werden. Das unser Internet eine mittlere Katastrophe ist und man seit der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) den Eindruck bekommt, das es gänzlich zu Tode generiert wird.

In vielen Lebensbereichen wird Deutschland mittlerweile total abgehängt und man könnte den Eindruck bekommen, dass sich auf dem einstigen Erfolg und den Jahren des Wirtschaftswunders ausgeruht wird. Marc von Reisezoom hat dazu btw vor Kurzem einen recht interessanten Beitrag geschrieben: Deutschland, Du bist mir fremd geworden. Ich bin also nicht allein auf weiter Flur. Es befremdet mich zudem, das sehr viel gemeckert und geschimpft wird, viel Neid und Missgunst herrscht und die Menschen sich nicht einfach mal für Andere mitfreuen können. Vieles geht mir nicht in den Schädel und weil ich mich mit diesen unangenehmen „deutschen Eigenschaften“ nicht identifizieren kann, würde ich gerne auswandern.

Norge, my Love! ♥

Fakt ist, ich könnte an sehr vielen Orten auf dieser Erde leben, wenn meine Familie bei mir ist. Am Wohlsten fühle ich mich jedoch in Norwegen, wo der andere Teil meiner Familie lebt und alles so viel gelassener, einfacher, zukunftsorientierter und gleichzeitig naturverbundener erscheint. Bin ich in Norwegen, fühle ich mich sofort wie Zuhause. Die Natur, der Lifestyle und die Menschen entsprechen einfach voll meinem Naturell. Ich könnte aber auch sehr gut in Spanien leben. 20 Jahre Beziehung mit zwei Spaniern und mein halb-spanischer Sohn haben mich wohl geprägt. Schweden, Portugal oder Frankreich finde ich auch toll. Auf jeden Fall würde es wohl ein europäisches Land sein. Weil ich Europa großartig finde und in 18 Monaten Australien und Neuseeland festgestellt habe, das mir diese Länder zu weit vom Rest der Welt entfernt sind.

2. Nach welchen Kriterien suchst du einen Film aus und fällt es dir schwer, ihn einfach auszuschalten und nicht zu Ende zu gucken, wenn du ihn dann doch nicht so gut findest?

Wenn mir ein Film nicht gefällt, kann ich ihn ohne Probleme von jetzt auf gleich ausschalten. Wenn mir ein Film aber so richtig nahe geht, gehe ich darin auch total auf und kann mitunter hemmlungslos in mein Taschentuch heulen. Ich bin auf kein Genre festgestgelegt und gucke eigentlich fast alles querbeet. Es sei denn, es handelt sich um blutrünstige Horrorfilme, kitschige Seifenopern oder flache Komödien. Da muß ich passen. Wenn mich die Kurzbeschreibung oder der Trailer anspricht, werde ich neugierig und dank Netflix und Amazon ist das ja heute auch alles problemlos möglich. In den letzten Jahren bin ich zudem zum totalen Seriengucker geworden und habe die Vikings, Homeland, The Affair oder This is Us geradezu verschlungen. Querbeet, sag ich ja.

3. Wann hast du das letzte Mal zusammen mit Anderen gesungen?

Ich glaube bevor ich ich in der Öffentlichkeit singen würde, müsste man mich schon total abfüllen. Regelmäßig schief singen, tue ich allerdings mit meinen Kindern. Mein 11jähriger Sohn findet mich so langsam dann aber schon ein bisskn peinlich ;).

4. Was ist dir im Bezug aufs andere Geschlecht ein Rätsel?

Rätsel tun sich mir täglich auf, da ich ja nun mit drei Männern in einem Haushalt lebe. Ich finde es z.B. immer total amüsant, wie Kerle hilfesuchend vor dem Kühlschrank stehen und die Butter nicht finden können. Egal was sie suchen….. immer muß ich ran und sehe es dann quasi auf den ersten Blick. Wie lief das in der Steinzeit ab? Mussten die Frauen da auch erst das Mammut ausfindig machen, bevor die Kerle loszogen? Erstaunlich finde ich auch, dass ich mir die Haare abschneiden oder die Bude umstellen könnte und keiner merkt´s. Vielleicht sollte ich mal ne Woche auf Reisen gehen und ne andere Blondine ins Haus stellen…. haha ;). Großartig finde ich an Männern, dass sie viel unkomplizierter sind und einfacher denken. Davon könnten sie mir gerne was abgeben, weil es sicher einiges im Leben vereinfacht. Seitdem ich zwei Söhne habe, habe ich jedenfalls gelernt, dass man bestimmte Dinge und Verhaltensweisen nur bedingt anerziehen oder trainieren kann. Männer und Frauen sind von Geburt einfach total unterschiedlich. Aber irgendwie ist das ja auch gut so.

Vor 3 Jahren habe ich im Übrigen mal ein erheiterndes Blogstöckchen dazu an den Kopf geworfen bekommen: Mein Leben als Mann….. was anders wäre.

5. Was liegt auf deinem Nachttisch herum?

Mindestens 5 verschiedene Bücher, die ich quasi gleichzeitig lese, aber je nach Tagesverfassung wechsel. Da ist vom Ratgeber über die Biographie bis zum Roman alles dabei. Ohrstöpsel, weil ich leider megageräuschempfindlich bin. Ich höre quasi die Flöhe husten und könnte daher nachts zum Meuchelmörder werden, falls jemand zu laut atmet. Ich sag jetzt nicht wer ;). Ein Lavendel-Roll-On, falls ich nicht einschlafen kann. Meine Kinder und ich schwören drauf. Eine Taschentuchbox und mein Wecker.

Soviel von mir heute aus den Weiten des (derzeit recht komplizierten) www. Ich hoffe, ich habe mit meiner kleinen Deutschland-Standpauke niemandem ans Bein gepinkelt und eigentlich bin ich ja nur für Love, Peace and Happiness! Also habt es fein, Ihr Lieben!

8 Kommentare

  1. Hach Norge <3
    Oliver hätte ja gerne irgendwann ein Haus irgendwo in der Natur. Zuerst lag natürlich die Eifel nahe, aber mittlerweile habe ich ihn doch dazu bekommen, das man doch auch in Norwegen gucken könnte. Wenn das klappen sollte, dann komm ich wohl aus dem Grinsen gar nicht mehr raus.
    Liebe Grüße
    Mila

    • Nadine sagt

      An Eurer Stelle wäre ich auch schon längst in Norwegen, liebe Mila. Wenn es doch nicht so läuft, wie ihr euch das vorstellt, kommt ihr halt zurück. Mit Kindern sieht die Sache schon anders aus. Allein das ganz Schulbrimborium macht man ja mal nicht so eben. GlG, Nadine

  2. Carla sagt

    Oh, ich kann Dich sehr gut verstehen. Dieser Stillstand geht mir auch zunehmend auf den Keks. Man hat das Gefühl, dass sich in diesem Land kaum noch was bewegt oder wenn dann nur rückwärts. Geiles Schnurrbartbild. Steht Dir ;). VG, Carla

    • Nadine sagt

      Ja, ich verstehe es leider auch so gar nicht und schiebe diese Lähmung immer auf unser Nachkriegstrauma. Anders kann ich es mir nicht erklären. Da hilft nur noch Schnurrbart zur allgemeinen Aufheiterung ;). LG, Nadine

  3. Mal wieder schön zu lesen, Nadine.

    Besonders bei 4. unterschreibe ich auch nochmal alles, das du schreibst.

    Und ja… mir geht der Stillstand und das „nur noch Verwalten“ unseres Landes so dermaßen auf den nicht vorhandenen Sack!!! Ich kann’s kaum sagen. Bildung, Digitalisierung, Umweltschutz offensichtlich alles nicht so wichtig. Wir sind dabei uns selbst abzuhängen. Das kotzt mich an.

    Auch, wenn ich eigentlich gar keine Lust auf Meckern habe… 😉

    Liebe Grüße
    Nic

    • Nadine sagt

      Tsja, es ist ein Dilemma, Nic. Ich habe eigentlich auch so gar keine Lust mich in meine kritisierte Meckerei einzureihen. 😉 Wenn man jedoch immer nur seinen Mund hält und so tut, als wäre alles in bester Ordnung, passiert wahrscheinlich auch wirklich gar nichts mehr in diesem Land. In jeglicher Hinsicht. Ich möchte eigentlich auch lieber motivierende, positive Posts schreiben, aber in Punkto Politik sind einem als normaler Bürger halt auch einfach die Hände gebunden. Und der katastrophale Pflegenotstand und die miese Bildungslage sind leider Themen, die unsere Familie hier täglich betreffen.
      Das hat dann auch gar nichts mit Klagen und Jammern zu tun, sondern ist leider einfach nur die traurige Wahrheit. 95 Jahre alt zu werden oder dement zu sein, ist nirgendwo auf der Welt schön, aber das sich in unserem reichen Land „kein Schwein“ dafür interessiert, ist halt krass. Mir graut es jedenfalls vorm Alter in Deutschland.

      So und nun wieder auf zu schönen Themen. 🙂 Winker ins schöne Hamburg, Nadine

  4. Danke für diese erheiternden Einblicke. Was das Gejammer angeht, gebe ich dir zu tausend Prozent recht. Ich bin ja nun schon seit fast drei Jahren in Asien unterwegs und bei alldem Chaos was hier herrscht, genieße ich vor allem eines…. die Einfachheit. Die Menschen hier sind Meister darin, mit wenigen Dingen glücklich zu sein und erfreuen sich einfach an dem, was sie haben. Wenn ich da an Deutschland zurück denke, habe ich das eben nicht so leicht in Erinnerung.

    • Nadine sagt

      Liebe Stephie, Du kannst das aus der Ferne sicher sehr gut beurteilen. Hier wird man ja im Laufe der Jahre etwas betriebsblind. Vor lauter Reichtum vergisst man, wie gut es einem eigentlich geht und mit Leichtigkeit hatten es die Deutschen ja noch nie so. Außer zur Fußball-WM ;). Dennoch denke ich, daß auch hier so langsam wieder die Tendenz zur Einfachheit geht. Das Rad dreht sich einfach zu schnell, der Überfluss macht einen ganz träge und die Informationsflut taub und blind. Kein Wunder, das Themen wie Minimalismus und Natur wieder ganz groß im Kommen sind. Und das finde ich auch ziemlich gut so. GlG ins ferne Asien, Nadine

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