Im Oktober 2025 sind wir für zwei Wochen mit unserem Auto an die Costa Brava gereist. Und das war definitiv eine hervorragende Idee, denn im Gegensatz zum Sommer hat uns Kataloniens wilde Küste im Herbst mit ganz viel Ruhe und Entschleunigung belohnt. Auch in Girona, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die ca. 100 km nördlich von Barcelona liegt, ist im Oktober vergleichsweise wenig los. Man kann also ganz entspannt durch die mittelalterlichen Gassen schlendern, die vielen, spätestens seit Game of Thrones, als Drehorte bekannt sind.
Girona hat uns mit seinen römischen Mauern, den verwinkelten Gassen, dem jüdischen Erbe, der katalanischen Alltagskultur und den überraschend vielen Grünflächen auf Anhieb supergut gefallen. Zudem wirkt die Stadt wie ein ruhiger Gegenpol zu Barcelona, das immer wieder mit Overtourism zu kämpfen hat. Girona eignet sich daher perfekt für einen Tagesausflug von der Küste aus oder als entspannter Zwischenstopp auf einer Reise durch Katalonien. In diesem Beitrag nehme ich euch daher mal mit zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die ihr ganz entspannt an einem Tag erkunden könnt.





Sehenswürdigkeiten in Girona:
Entschleunigt durch Geschichte, Gassen und Gärten
#1 Die bunten Häuser am Onyar
Fast jeder kennt wohl dieses Motiv, das man auf Postkarten sieht: Die bunten Häuser, die sich im Fluss Onyar spiegeln. Je nachdem, aus welcher Richtung man kommt, sind die farbenfrohen Hausfassaden das Erste, was man von Gironas Innenstadt zu sehen bekommt. Früher waren die Häuser entlang des Flusses die Rückseiten einfacher Wohnhäuser. Heute prägen sie das Stadtbild und verleihen Girona Leichtigkeit und Farbe. Besonders schön ist die Aussicht von einer der Brücken, etwa von der Pont de Pedra oder der modernen Pont de les Peixateries Velles.
Gut zu wissen: Je nach Tageszeit und Licht wirken die Fassaden immer wieder anders. Morgens ist es ruhig, mittags lebendig und abends, wenn die Sonne untergeht, fast poetisch.



#2 Die Brücken von Girona
Girona verfügt über mehrere sehenswerte Brücken mit jeweils eigenem Charakter. Die rote Eisenbrücke Pont de les Peixateries Velles ist besonders bekannt und wird Gustave Eiffel zugeschrieben. Sie verbindet die Altstadt mit der Neustadt und ist ein schöner Ort, um kurz innezuhalten und den Blick über den Onyar schweifen zu lassen. In der Nähe befindet sich die schlichtere Pont de Pedra, die ebenfalls tolle Ausblicke auf die bunten Hausfassaden bietet.

#3 Die Altstadt Barri Vell
Direkt hinter den bunten Häusern beginnt der historische Stadtkern von Girona, das Barri Vell. Hier, im Herzen Gironas, spielt sich das ab, was die Stadt so besonders macht: enge Gassen, kleine Plätze, steinerne Treppen und eine fast zeitlose Ruhe. Vor allem morgens und abends, wenn die Tagesbesucher wieder verschwunden sind. Im Oktober war es tagsüber allerdings ebenfalls sehr ruhig und entspannt.
Beim Spaziergang durch den Barri Vell lohnt es sich, den Stadtplan bewusst wegzulegen. Girona erschließt sich nämlich am besten ohne Ziel, indem man abbiegt, innehält und wieder umkehrt. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Detail: ein schmiedeeiserner Balkon, eine unscheinbare Kapelle, ein kleiner Innenhof oder manchmal auch ein spektakuläres Hotel, das sich hinter unscheinbaren Toren verbirgt.
#3.1 Pujada de Sant Domènec
Mitten in der Altstadt liegt die Pujada de Sant Domènec, die durch Game of Thrones international bekannt wurde. In der Serie diente die mittelalterliche Treppe, die zum ehemaligen Kloster Sant Domènec aus dem 13. Jahrhundert führt, als Kulisse für Szenen in Braavos. Ich habe GoT übrigens noch nie gesehen, obwohl ich schon mehrere Drehorte, z. B. in Nordirland oder Kroatien, unbewusst bereist habe. Ich sollte die Serie also wohl endlich mal gucken.
Mein Tipp: Falls ich noch einmal nach Girona kommen sollte, werde ich auf jeden Fall in der Altstadt übernachten, denn das Ambiente ist zauberhaft und die Auswahl an traumhaften Unterkünften groß. Wie wäre es z.B. mit dem Hotel Palau Frugit* oder dem Hotel Nord*?
#3.2 Die Catedral de Santa Maria
Die Kathedrale von Girona (Catedral de Santa Maria), die sichtbar über der Altstadt thront, ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Schon der Aufstieg über die monumentale Freitreppe ist ein Erlebnis und dürfte vielen Serienfans ebenfalls aus Game of Thrones bekannt vorkommen. Architektonisch ist die Kathedrale etwas Besonderes, denn sie besitzt das weltweit größte gotische Kirchenschiff mit nur einem einzigen Gewölbe. Der Bau begann im 11. Jahrhundert und wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg durchgeführt. Dies spiegelt sich im Stilmix aus Romanik, Gotik und Barock wider.







#4 Die Stadtmauer (Passeig de la Muralla)
Ein Spaziergang auf der antiken Stadtmauer zählt zu den schönsten Erlebnissen in Girona. Der Passeig de la Muralla stammt in seinen ältesten Teilen noch aus römischer Zeit und wurde im Mittelalter erweitert. Man kann einige Abschnitte der Mauer kostenfrei begehen und von oben eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven auf die Dächer der Altstadt, Klöster, Gärten und das grüne Umland. Der Mauerweg ist nicht sonderlich anstrengend, aber es geht über Treppen, kleine Türme und Aussichtsplattformen, immer wieder hoch und runter. Wer Girona besser verstehen möchte, sollte diesen Rundgang auf jeden Fall einplanen.
PIN IT AND SAVE IT FOR LATER!

#4.1 Der Jardins dels Alemanys
Der Jardins dels Alemanys ist ein ruhiger, fast schon verwunschener Ort mit alten Bäumen und Blick auf historische Mauern. Vom Aussichtsturm aus hat man einen tollen Blick über ganz Girona und es gibt einen direkten Zugang zu einem längeren Abschnitt der Stadtmauer. Von hier aus soll auch ein Weg hinauf zum ehemaligen Kloster Sant Domènec führen.






#5 Das jüdische Viertel El Call
El Call zählt zu den am besten erhaltenen jüdischen Vierteln Europas. Bis zum 15. Jahrhundert lebte hier eine bedeutende jüdische Gemeinde, deren Geschichte untrennbar mit Girona verbunden ist. Die Gassen von El Call sind besonders schmal und verwinkelt. Daher ist ein wenig verlaufen fast Pflicht ;). Hinter hohen Steinmauern liegen heute teilweise schick renovierte Häuser und charmante kleine Hotels.



#6 Die Arabischen Bäder (Banys Àrabs)
Nicht besonders groß, aber sehr sehenswert sind die sogenannten Arabischen Bäder (Banys Àrabs) in Girona. Ihre Entstehungszeit wird auf das 12. Jahrhundert datiert und ihr Baustil ist romanisch, obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt. Sie wurden jedoch von der maurischen Badekultur inspiriert und dienten der Körperpflege und Begegnung. Heute sind die Banys Àrabs ein stiller Ort aus Stein, Licht und Bögen. Besonders der zentrale Raum mit seinen Säulen und der Kuppel wirkt sehr mystisch.




#7 Praktische Tipps für einen entspannten Besuch
- Beste Reisezeit: Frühling und Herbst sind ideal. Angenehme Temperaturen und wenig Trubel.
- Dauer: Wir haben Girona an einem Tag entdeckt. Wer es ganz entspannt angehen lassen möchte, kann aber auch gut 2-3 Nächte bleiben.
- Fortbewegung: Alles ist fußläufig erreichbar.
- Kulinarik: Unbedingt Xuixo`s probieren. Goldbraun frittiertes, gefülltes und mit Zucker überzogenes Gebäck.
- Restauranttipp: La Fabrica, extrem leckere vegetarische und vegane Gerichte und Getränke



Fazit: Leise, tiefgründig und entschleunigend
Girona hat uns auf Anhieb in seinen Bann gezogen und wir hätten uns am liebsten direkt für ein paar Monate in eines der wunderschönen Altstadthäuser mit Hinterhof einquartiert. Die Stadt zeigt, wie gut Kultur, Geschichte und Ruhe miteinander funktionieren können. Girona mag im Schatten der nahegelegenen Stadt Barcelona verblassen, aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Mit nur 100.000 Einwohner:innen würde die Stadt Menschenmassen, die sich durch die engen Gassen quetschen, auf Dauer wahrscheinlich auch nicht verkraften. Wer jedoch offen ist für langsames Reisen, achtsames Entdecken und Orte, die nicht alles auf einmal preisgeben, wird sich hier sehr wohlfühlen.
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