Das Riesengebirge in Polen

Zwischen Bergen, Kurorten und abenteuerlichen Burgen

by nadine

Wer schon mal vom Riesengebirge in Polen gehört hat, denkt wahrscheinlich auf Anhieb an Berge, Wanderschuhe und die Schneekoppe, die mit 1.603 Metern der höchste Berg Niederschlesiens ist. Was viele aber vielleicht nicht wissen, ist, dass es dort auch Kurorte, Thermalquellen, pittoreske Altstädte sowie wunderschöne Burgen gibt. Ich hatte vom Riesengebirge auf jeden Fall nur eine vage Vorstellung und war über die Vielfalt der Region dann auch einigermaßen erstaunt. Da wir aber letzten Sommer auch schon in Schlesien, Krakau und der Hohen Tatra unterwegs waren, waren wir wiederum auch nicht gänzlich überrascht. Denn bisher hat uns alles, was wir von Polen gesehen haben, ausgesprochen gut gefallen.

Wir sind also nicht nur durch die wunderschöne Bergwelt des Riesengebirges gewandert, sondern waren auch in historischen Städten unterwegs. Wir haben in altehrwürdigen Kurorten die Seele baumeln lassen, abenteuerliche Burgen und wunderschöne Villen entdeckt und über eine original norwegische Stabkirche inmitten der polnischen Bergwelt gestaunt. Dazu kamen jede Menge Geschichte und die Erkenntnis, dass diese Region kulturell unglaublich viel zu erzählen hat. Genau diese Mischung hat uns besonders gut gefallen. Ich nehme euch also mit ins Riesengebirge in Polen und verrate euch, warum sich eine Reise in diese Region mit ihren Bergen, Kurorten und Burgen unbedingt lohnt.

Offenlegung: Dieser Artikel wurde in bezahlter Zusammenarbeit mit dem Polnischen Fremdenverkehrsamt in Berlin und seinen Partnern erstellt. Unter www.polen.travel findet ihr viele weitere Informationen über Reisen nach Polen. Weitere Informationen über die Region Niederschlesien finden Sie unter Dolnyslak Travel. Dieser Beitrag enthält zudem Werbe- und Affiliatelinks*. Tätigst Du über diesen Link eine Buchung, erhalte ich eine kleine Provision. Du bezahlst den gleichen Preis.  

Das Riesengebirge in Polen:

Zwischen Bergen, Kurorten und abenteuerlichen Burgen

#1 Karpacz – lebendiger Ausgangspunkt fürs Riesengebirge

Karpacz ist einer der bekanntesten Ferienorte im polnischen Riesengebirge, entsprechend lebendig geht es hier zu. Rund um den Ortskern gibt es zahlreiche Restaurants, Cafés, Geschäfte und Unterkünfte. Der Ort ist also ideal für alle, die im Urlaub gerne mitten im Geschehen sein möchten und kurze Wege zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten schätzen. Bei unserem Besuch wurde im Ort gerade an mehreren Stellen gebaut, sodass sich das Erscheinungsbild sicher noch verändern wird. Karpacz ist auf jeden Fall ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen ins Riesengebirge und für Ausflüge in die Umgebung. Wir haben etwa fünf Kilometer außerhalb von Karpacz in einem ruhigen Dörfchen in einer sehr gemütlichen Unterkunft gewohnt. Für dieseLocation benötigt man aber auf jeden Fall ein Auto.

Gut zu wissen: Die Infrastruktur ist in Karpacz sehr gut. Es gibt jede Menge Supermärkte und Lokalitäten.

#2 Osada Malawka – Wohnen mit Blick auf die Schneekoppe

In unserer Unterkunft, der „Osada Malawka pod Śnieżką„, bewohnten wir eine sehr gemütliche Ferienwohnung, die zwei Schlafzimmer, ein Bad, einen Wohn- und Essbereich sowie eine Küche hatte. Auf dem Grundstück gibt es jedoch noch zwei weitere Ferienhäuser, die man anmieten kann. Die „Osada Malawka” liegt etwa fünf Kilometer außerhalb von Karpacz in einem ruhigen und beschaulichen Dorf. Von dort aus ist man mit dem Auto schnell im touristischen Örtchen Karpacz und erreicht viele Sehenswürdigkeiten des Riesengebirges.

Besonders schön: Von unserer Unterkunft konnten wir die Schneekoppe sehen und nach einem ereignisreichen Tag noch gemütlich auf der Terrasse sitzen. Je nach Wohneinheit gibt es außerdem eine Sauna und einen Whirlpool, was nach einer Wanderung natürlich besonders verlockend ist.

Mein Tipp: Wer nicht unbedingt in Karpacz wohnen möchte, findet in der Osada Malawka* eine angenehm ruhige Alternative und gleichzeitig einen guten Ausgangspunkt, um das polnische Riesengebirge zu erkunden.

#3 Die mittelalterliche Stabkirche Wang – Ein Stück Norwegen in Polen

Eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten des polnischen Riesengebirges ist die Stabkirche Wang in Karpacz. Sie sieht ganz und gar nicht so aus, wie man sich eine typische polnische Kirche vorstellt. Mit ihren dunklen Holzbalken, kunstvollen Schnitzereien, Drachenköpfen und steilen Dächern könnte sie vielmehr einer nordischen Sage entsprungen sein. Und tatsächlich kommt sie auch original aus Norwegen.

Sie wurde um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert im norwegischen Vang erbaut und ist somit fast 800 Jahre alt. Als die Kirche für die Bewohner:innen des Ortes zu klein wurde, dachte man über einen Abriss nach. Stattdessen kaufte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Kirche im Jahr 1841, ließ sie in ihre Einzelteile zerlegen und nach Niederschlesien bringen. Dort wurde sie auf einem bewaldeten Hügel bei Karpacz wieder aufgebaut. Seit 1844 steht sie nun dort und wer sie sieht, reibt sich wohl erst einmal verwundert die Augen. Mit meinen norwegischen Wurzeln kamen bei mir jedenfalls sofort heimische Gefühle auf.

Gut zu wissen: Der Eintritt in die Kirche ist kostenpflichtig. Tickets können am kleinen Kassenhäuschen erworben werden und im Preis inbegriffen ist eine guided Tour in Form eines kleinen Gottesdienstes. Dieser ist auf Polnisch, aber man erhält eine englische Übersetzung als Text. Der Besuch des Außengeländes ist kostenfrei.

#4 Wandern im Riesengebirge – unterwegs im Karkonoski Park Narodowy

Direkt an der Stabkirche Wang startet auch der Wanderweg hoch zur Samotnia-Hütte, die auf 1.195 Metern Höhe direkt am Kleinen Teich liegt. Der Weg führt zunächst über einen steil gepflasterten Weg durch den Wald und wird mit zunehmender Höhe immer alpiner. Da wir den großen Hauptweg nicht ganz so interessant fanden, empfehle ich, auf der Höhe des zweiten Kassenhäuschens und der Picknicktische unbedingt auf den gelben Weg abzubiegen. Er führt über mit Wurzeln bewachsene kleine Pfade durch dichte Wälder und vorbei an Blaubeerbüschen und bietet im Laufe der Wanderung tolle Ausblicke auf die Steilwände des Riesengebirges.

Oben angekommen ist die Samotnia-Hütte der perfekte Ort für eine Pause. Sie liegt auf 1.195 Metern im Kessel des Kleinen Teichs und ist von den Bergen des Riesengebirges umgeben. Über ihr erhebt sich der Smogornia, und wer noch weiterwandern möchte, kann von hier aus unter anderem Richtung Słonecznik oder zur Schneekoppe aufbrechen, die mit 1.603 Metern der höchste Gipfel des Riesengebirges ist.

#4.1 Aufstieg zur Samotnia-Berghütte

In der hübschen Samotnia-Berghütte bekommt man warme Speisen und Getränke und kann es sich sowohl in den Innenräumen als auch auf der Außenterrasse mit Blick auf den Kleinen Teich gemütlich machen. Nach dem Aufstieg schmeckt eine warme Mahlzeit gleich doppelt so gut und bei dieser Kulisse fällt es ohnehin schwer, direkt wieder weiterzulaufen.

Für uns war die Tour eine schöne Gelegenheit, den Besuch der Stabkirche mit einer Wanderung zu verbinden. Nach dem eher kulturellen Auftakt ging es hinaus in die Natur, durch Wälder und über die Bergwege des Riesengebirges. Oben wartete mit der Samotnia-Hütte dann ein wirklich hübsches Ziel für eine wohlverdiente Pause.

Mein Tipp: Im August sind auch in Polen Sommerferien. Entsprechend beliebt war dieser Wanderweg bei polnischen Touristen, und auch auf der Hütte ging es recht trubelig zu. Wenn ihr die Wanderwege lieber für euch allein haben möchtet, solltet ihr entweder früh am Tag starten oder außerhalb der Ferienzeiten kommen.

Gut zu wissen: Der Eintritt in den Karkonoski Park Narodowy (Nationalpark Riesengebirge) ist kostenpflichtig. Tickets kosten aktuell 11 PLN (etwa 2,60 Euro) pro Person und können direkt am kleinen Kassenhäuschen neben der Stabkirche Wang erworben werden.

#5 Jelenia Góra – historisches Stadtleben im Riesengebirge

Jelenia Góra, das ehemalige Hirschberg, ist für mich eine Stadt, der man bei einer Reise durchs polnische Riesengebirge ruhig einen Besuch abstatten sollte. Sie liegt im Hirschberger Tal und bringt mit ihrem historischen Flair ein wenig Stadtleben ins Naturprogramm.

Besonders sehenswert ist der mittelalterliche Marktplatz mit seinen bunten Bürgerhäusern und den typischen Laubengängen. Hier lohnt es sich, einfach ein bisschen durch die Altstadt zu schlendern, sich in ein Café zu setzen oder ein Lody (Eis) zu schlecken und das Treiben zu beobachten. Spannend ist auch die Geschichte der Stadt, die über Jahrhunderte eng mit Schlesien und dem Riesengebirge verbunden war. Für uns war das auch eine persönliche Zeitreise, da meine Schwiegermutter 1943 in Hirschberg geboren wurde. Wir haben hier auch direkt mehrere deutsche Reisegruppen mit älteren Herrschaften gesichtet, die wahrscheinlich auf den Spuren ihrer Vergangenheit wandelten.

Mit seiner 900-jährigen Geschichte ist Jelenia Góra auf jeden Fall ein schöner Kontrast zur Natur des Riesengebirges und den eher touristisch geprägten Bergorten. Man bekommt eine ganz andere Seite der Region zu sehen und kann die Wanderschuhe gegen gemütliche Stadtschuhe tauschen.

Extra Tipp: Wer beim Stadtbummel plötzlich über kleine Hirsche stolpert, ist auf dem richtigen Weg. Der Hirsch gehört nämlich zu Jelenia Góra wie die bunten Bürgerhäuser zum Marktplatz. Unter dem Namen „Szlak Jelonków“ – Hirschpfad wurden inzwischen 30 kleine Bronzefiguren in der Stadt verteilt. Sie erinnern an das Wappentier und den Namen der Stadt (Hirschberg) und können wie eine kleine Stadtrallye gesucht werden. Eine nette Idee, die vor allem mit Kindern Spaß machen dürfte. Hat mich im Übrigen sehr an Breslau erinnert, wo man überall in der Innenstadt kleine Zwerge findet.

#6 Cieplice Śląskie-Zdrój – Thermalquellen und norwegische Holzarchitektur

Zu Jelenia Góra gehört auch der Vorort Cieplice Śląskie-Zdrój, früher bekannt als Bad Warmbrunn. Cieplice ist einer der traditionsreichsten Kurorte der Region und bekannt für seine heißen Thermalquellen. Schon seit Jahrhunderten kommen Menschen daher hierher, um die Heilwirkung des Wassers zu nutzen. Wir haben das warme Wasser zwar nicht entdecken können, aber man kann wunderbar durch die entspannte Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden und dem Kurpark spazieren. Und wer mag, kann natürlich auch länger bleiben und die Thermalangebote nutzen.

#6.1 Der norwegische Pavillon

Aus irgendeinem Grund hat man es in Niederschlesien mit Norwegen, denn auch hier befindet sich eine skandinavische Besonderheit. Im Kurpark steht nämlich der wunderschöne Norwegische Pavillon, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Vorbild eines Restaurants in Oslo errichtet wurde. Allein das Gebäude ist schon einen kleinen Abstecher wert, denn mit seinen Holzdetails wirkt es definitiv wie ein Stück Norwegen in Polen. Heute befindet sich im Norwegischen Pavillon ein Restaurant, in dem wir auch gegessen haben. Die Küche hat uns allerdings nicht ganz überzeugt.

#7 Świeradów-Zdrój – Kurgeschichte und Outdooraction

Noch mehr Kurortflair bietet Świeradów-Zdrój. Das ehemalige Bad Flinsberg liegt etwa 45 Kilometer von Karpacz entfernt und ist von den dichten Wäldern und Bergen des Isergebirges umgeben. Das Isergebirge zieht sich übrigens über die Grenze von Polen nach Tschechien, das wir zuvor erkundet haben. Bereits im 18. Jahrhundert war Świeradów-Zdrój für seine Heilquellen und seine lange Kurtradition bekannt. Bis heute prägen daher historische Kurhäuser, Parkanlagen und Mineralquellen das Bild des Ortes. Świeradów-Zdrój ist also nicht nur etwas für Kurgäste. Der Ort liegt inmitten wunderschöner Natur und ist daher ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen, beispielsweise zum Berg Stóg Izerski (Heufuder), der mit 1.107 Metern ein beliebtes Wanderziel ist.

#7.1 Der Sky Walk

Am Stadtrand von Świeradów-Zdrój fällt bereits aus der Ferne eine außergewöhnliche Attraktion ins Auge: der Sky Walk – Pfad in den Wolken. Der 65 Meter hohe Aussichtsturm steht am Hang des Młynica-Berges und ist ein imposanter Anblick. Ein 850 Meter langer Steg führt hinauf zu einer Aussichtsplattform in 62 Metern Höhe. Von dort aus hat man einen tollen Blick über den Kurort und das Isergebirge. Für den Rückweg gibt es sogar eine 105 Meter lange Rutsche. Wir waren allerdings selbst nicht dort.

#7.2 Die Wandelhalle aus Lärchenholz

Besonders beeindruckt war ich dagegen vom historischen Kurhaus aus dem Jahr 1899 mit seiner 80 Meter langen Wandelhalle aus Lärchenholz. Mit ihren filigranen Holzdetails, den bunten Glasfenstern und den floralen Malereien wirkt sie wie eine Mischung aus Bahnhofshalle und Jugendstil-Salon. In der Mitte der Halle befindet sich die Trinkhalle, in der man auch heute noch das Heilwasser probieren kann. Bei unserem Besuch war diese leider ausgeschaltet. Es gibt aber auch in den Außenanlagen Brunnen, an denen man das Wasser trinken kann.

Ich mochte an Świeradów-Zdrój vor allem diese Mischung: Einerseits hat man hier das nostalgische Flair eines alten schlesischen Kurortes, andererseits ist man direkt in der Natur.

#8 Gerhart Hauptmann und seine Villa Wiesenstein

Mitten im Grünen, etwas oberhalb von Jagniątków, steht ein Haus, das auf den ersten Blick eher wie ein kleines Schloss als wie eine Dichtervilla aussieht. Hier lebte Gerhart Hauptmann, deutscher Schriftsteller und Dramatiker, der 1912 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Als er 1862 in Schlesien geboren wurde, gehörte das Riesengebirge noch zu Preußen und war daher eine deutsch geprägte Region. Hauptmann ließ die Villa Wiesenstein zwischen 1900 und 1901 im damaligen Agnetendorf (Jagniątków), nach den Plänen des Berliner Architekten Hans Grisebach erbauen. Das Haus wurde auf mächtigen Granitfelsen errichtet und als Aussichtsvilla mit Blick auf das Riesengebirge geplant. Und wenn man dort steht und auf die Landschaft blickt, kann man durchaus verstehen, warum sich Hauptmann ausgerechnet hier niederließ.

Hauptmann lebte von 1901 bis zu seinem Tod 1946 in seiner Villa. Für ihn war Wiesenstein jedoch weit mehr als nur ein Wohnhaus. Die Villa war Rückzugsort, Arbeitsplatz und gleichzeitig Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle. Heute befindet sich in dem ehemaligen Wohnhaus das Gerhart-Hauptmann-Museum. Bei einem Rundgang kann man unter anderem sein Arbeitszimmer, die ehemalige Bibliothek und die beeindruckende, mit Wandmalereien geschmückte Eingangshalle besichtigen.

#9 Zamek Kynast – Burgruine mit Aussicht

Wenn ihr die Villa Wiesenstein besucht, könnt ihr den Ausflug übrigens auch wunderbar mit der Burgruine Kynast verbinden. Die beiden Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Wer genügend Zeit mitbringt, kann von Jagniątków aus zur Burg hinaufwandern. Leider hat es bei uns zeitlich nicht mehr gereicht, da die Burg bereits um 17 Uhr schließt. Den Aufstieg solltet ihr also nicht erst am späten Nachmittag vornehmen. Es gibt jedoch auch einen Wanderparkplatz unterhalb der Burg. Von dort aus soll der Weg durch den Wald bergauf und teilweise über unebene, steinige Passagen führen. Festes Schuhwerk ist daher empfehlenswert. Oben angekommen, soll euch eine schöne Aussicht über das Hirschberger Tal und bei guter Sicht weit hinein ins Riesengebirge erwarten.

PIN IT AND SAVE IT FOR LATER!

#10 Zackelfall – Wanderung zu einem pittoresken Wasserfall

Wer Lust auf einen kleinen Ausflug in die Natur hat, sollte dem Zackelfall (Wodospad Kamieńczyka) bei Szklarska Poręba einen Besuch abstatten. Vom kostenpflichtigen Parkplatz an der Hauptstraße sind es nur etwa 1,2 Kilometer bis zum Zackelfall. Der Weg wird aber vor allem auf dem letzten Stück recht steil und steinig, was ein wenig Kondition erfordert. Nach etwa 25 bis 30 Minuten erreicht man das Kassenhäuschen direkt vor dem Eingang zur Klamm. Der Zugang zur Klamm kostet 16 Złoty pro Person (Stand 2026).

Von dort aus führt der Weg über Treppen und schmale Pfade hinab in die enge Schlucht. Teilweise läuft man direkt an der Felswand entlang, während links und rechts die hohen Felswände aufragen. Die Klamm ist stellenweise nur wenige Meter breit, der Weg ist jedoch überraschend kurz. Erwartet also keine lange Wanderung durch die Klamm. Und dann steht man auch schon vor dem Zackelfall (Kamieńczyk), der hier insgesamt über drei Kaskaden 27 Meter tief in die Schlucht fällt und ein sehr beliebtes Fotomotiv ist.

Mein Tipp: Der Zackelfall ist auf jeden Fall ein Ziel, das man wunderbar zwischendurch einbauen kann. Es ist keine große Tagestour, aber dafür erlebt man eine wunderschöne Landschaft und am Ende des kurzen Weges einen beeindruckenden Wasserfall.

#11 Zamek Czocha – Indiana-Jones-Feeling inklusive

Und dann wäre da noch Zamek Czocha, eine Burg, bei der ich mich tatsächlich ein bisschen wie Indiana Jones gefühlt habe. Schon von außen sieht die mittelalterliche Burg ziemlich spektakulär aus. Sie thront auf einem Felsen über dem Leśniańskie See und wirkt mit ihren Türmen, Mauern und steilen Dächern wie eine Filmkulisse. Richtig spannend wird es aber erst im Inneren. Denn Zamek Czocha ist bekannt für ihre geheimen Türen, versteckten Treppen und Gänge. Bei speziellen Führungen kann man diese geheimnisvollen Bereiche sogar erkunden. Man läuft also durch die alten Gemäuer und fragt sich unweigerlich, was sich wohl hinter der nächsten Wand verbirgt. Dazu kommen dunkle Gewölbe, unterirdische Bereiche und jede Menge Geschichten und Legenden, die sich um die Burg ranken.

#11.1 Geheime Türen und Gänge

Die Geschichte dieser Geheimverstecke ist eng mit dem letzten deutschen Besitzer der Burg, Ernst Gütschow, verbunden. Der Dresdner Unternehmer und Kunstsammler kaufte Zamek Czocha 1909 und ließ die Burg anschließend umfassend vom Architekten Bodo Ebhardt umbauen. Ob dabei sämtliche geheimen Gänge neu entstanden oder teilweise ältere Strukturen integriert wurden, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen. Fest steht aber: Unter Gütschow bekam die Burg jede Menge versteckter Türen und geheimnisvoller Bereiche, die ihren besonderen Charakter prägen. Bis heute entdeckt man immer noch geheime Türen und es wird gemunkelt, dass in der Burg ein Schatz versteckt ist.

Wer es noch etwas schauriger mag, kann auch die Folterkammer erkunden, die hinter einer Tür im Burghof liegt. Und wer nach so viel Abenteuer noch nicht genug hat, kann sogar in der Burg Czocha* übernachten. Es gibt normale Zimmer und verschiedene Themenzimmer. So lässt sich das Burgenabenteuer bis zum nächsten Morgen verlängern.

Gut zu wissen: Die Burg Czocha liegt bei Leśna in Niederschlesien, nur rund 35 Kilometer von Görlitz und damit von der deutschen Grenze entfernt. Gerade für einen Abstecher von Deutschland aus ist Zamek Czocha also erstaunlich gut erreichbar.

#12 Mein Fazit: Das polnische Riesengebirge ist überraschend vielseitig

Das polnische Riesengebirge hat mich vor allem mit seiner Vielseitigkeit überrascht. Ich hatte mit Bergen und Wandern gerechnet, doch ich habe auch hübsche Städte, alte Kurorte, eine spannende Geschichte, Kunst, Literatur und eine spektakuläre Burg entdeckt. Überhaupt scheint das polnische Riesengebirge sehr gut darin zu sein, Gegensätze miteinander zu verbinden. Natur und Kultur, Aktivurlaub und Entspannung sowie Geschichte und modernes Reisen.

Da die Entfernungen nicht so groß sind, kann man beispielsweise morgens durch Jelenia Góra bummeln, mittags im norwegischen Kurpavillon sitzen und nachmittags eine Wanderung zum Wasserfall unternehmen. Man kann eine norwegische Stabkirche besichtigen, auf den Spuren Gerhart Hauptmanns wandeln oder sich im Schloss Czocha für ein paar Stunden wie in einem mittelalterlichen Fantasyfilm fühlen. Und genau deshalb empfehle ich euch, für das polnische Riesengebirge ein bisschen mehr Zeit einzuplanen.

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