Ein Wochenende in Zeeland
Bulli, Bike, Bier und Beach in West-Zeeuws-Vlaanderen

8. Juni 2022

Im Mai habe ich mit meiner Freundin ein ganz besonderes Mädels-Wochenende in der niederländischen Region West-Zeeuws-Vlaanderen verbracht. Sie liegt im äußersten Südwesten von Zeeland, gleich an der Grenze zu Belgien. Als Rheinländer:innen sind wir zwar oft bei unseren Nachbarn unterwegs, aber in dieser Ecke war ich auch noch nicht.

Die Region wird von der Westerschelde und der Nordsee begrenzt und strahlt, aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zu Belgien, bereits flämische Atmosphäre aus. Kein Wunder, denn dieses Stück von Zeeland gehörte bis 1814 zu Flandern. Auch sprachlich ist hier schon der flämische Dialekt zu spüren, der beachtliche Unterschiede zum gewöhnlichen Niederländisch aufweist. Wer einmal Sluis sagen soll, weiß was ich meine ;). Die endlosen Strände, Polder und Dünen sind jedoch typisch zeeländisch.

Offenlegung: Dieser Beitrag enthält Werbung! Wir wurden von der Region West-Zeeuws-Vlaanderen zu dieser Recherchereise eingeladen. Ein herzliches Dankeschön dafür! Meine Meinung bleibt davon unberührt und es ist mein Anspruch, unsere Erfahrungen ganz objektiv und unbeeinflusst darzustellen.

Ein Wochenende in Zeeland: Bulli, Bike, Bier und Beach in West-Zeeuws-Vlaanderen

Wir waren zwei Nächte in West-Zeeuws-Vlaanderen und ich kann jetzt schon sagen: es war zu kurz. Es hat jedoch für einen ersten Eindruck und eine Runde Tipps gereicht. Ich sag nur Bulli, Bike, Bier und Beach – ich bin mir sicher, da ist auch etwas für euch dabei.

#1 Übernachten im Retro-Bulli

Hotel kann ja jeder. Wie wäre es stattdessen mit einem kleinen Campingabenteuer in einem 70er Jahre VW-Bulli? Wir haben in einem waschechten Hippie-Bus übernachtet, der immer noch original eingerichtet ist. Also nix aufgepimpter Van, sondern waschechte Nussbaum-Optik ;). Da meine Freundin und ich, ihre 70er/80er Jahre-Kindheit in Van und Wohnwagen verbracht und halb Europa durchquert haben, kam daher auch wahrlich Retro-Feeling auf.

Der Vintage-Van ist ein Original VW T2B Devon aus Belgien, mit einem faltbaren PopUp-Dach und einer rotierenden Küche, die man nach draußen schieben kann. Ich würde allerdings davon abraten, denn in so einem Oldtimer, kann es auch schon mal an der ein oder anderen Ecke haken. Es gibt ein Waschbecken mit Wassertank, einen Mini-Kühlschrank mit Eisfach und einen Gasherd mit zwei Kochfeldern. Außerdem ist der Van mit einer lichtspendenden LED-Leiste, einer USB-Steckdose und einem kleinen Heizlüfter sowie einem Campingtisch und Stühlen ausgestattet.

Zudem gibt es das nötigste Koch-Equipment wie Töpfe, Pfannen, Teller, Tassen, Besteck und Geschirr-Handtücher. Auch Schlafsäcke und bezogene Kopfkissen sind bereits im Bus. Da es jedoch nachts trotz Heizlüfter kühl werden kann, unbedingt noch warme Decken einpacken.

Selber mitbringen solltet ihr außerdem:

  • eigene Handtücher
  • extra Kuscheldecken, Laken bzw. eigenes Bettzeug
  • Gewürze und weitere notwendige Kochutensilien
  • Taschenlampe
  • French Press oder Bialetti zum Kaffee kochen (es gibt nur einen Plastikfilter)
  • Badeschlappen (zum Duschen)

Unser Bus stand, umgeben von Feldern und Obstbäumen, auf dem kleinen Campingplatz De Boskreek, nahe des Städtchens Breskens. Die äußerst sympathischen Inhaber Kitty und Frank führen eigentlich einen Landwirtschafts- und Obstbetrieb, eröffneten aber mitten in der Pandemie noch den Mini-Campground. Der Platz ist klein, aber sehr ursprünglich und familiär.

Die sanitären Anlagen sind blitzsauber und für Kinder gibt es Trampoline und ein paar Alpakas, die man streicheln kann. Gegenüber vom Hof fährt die Buslinie 42 ab, die ins nahegelegene Breskens und zum Strand fährt. Und die wunderschönen belgischen Städte Brügge, Antwerpen und Gent, sind auch nur eine Stunde entfernt. Btw…. 2 Wochen später war ich in Gent – diese traumhaft hübsche Stadt dürft ihr nicht verpassen.

Bitte beachten: Ihr dürft den Bulli nicht fahren und es ist auch nur Platz für 2 Personen vorhanden.

#2 Mit dem E-Chopper entlang der endlosen Küste

Absolutes Must-Do: eine Tour mit dem E-Chopper! Ich fand es grandios und wäre mit dem Ding am Liebsten bis nach Hause gefahren ;). Ob E-Bike, E-Solex, E-Cabby oder E-Golfcart, bei Rent & Joy in Breskens ist für jeden Geschmack etwas dabei. Mit der Nase im Wind geht es anschließend geräuschlos immer entlang der zeeländischen Küste.

Wir sind die Panoramaroute von Breskens nach Cadzand-Bad gefahren, das direkt an der Grenze zu Belgien liegt. Hin und zurück beträgt die Strecke 30 km und man kann sicher einfach schnell durchheizen. Wir haben jedoch zahlreiche Stopps eingelegt und waren ca. 5 Stunden unterwegs. Beim nächsten Mal würde ich gerne das Hinterland mit hübschen Örtchen wie Sluis, Retranchement oder Cadzand erkunden.

Auf dem Küstenradweg gibt es wunderschöne Sandstrände und zahlreiche Strandpavillions wie das Moio Beach, Dok 14 oder Puur, wo man sich mit Blick auf das Meer einen Snack genehmigen kann. In Nieuwvliet-Bad stehen stylishe Beachhäuser direkt am Strand und der achteckige Leuchtturm, das Wahrzeichen von Breskens liegt ebenfalls auf dem Weg. Er ist der älteste, gusseiserne Turm der Niederlande und stammt aus dem Jahr 1867.

Anmietung E-Chopper:

  • Mindestalter 16 Jahre
  • Gültiger Moped- oder Autoführerschein
  • Keine Helmpflicht in den Niederlanden / Helmpflicht in Belgien.
  • Akkureichweite ca. 50 Kilometer
  • Höchstgeschwindigkeit ca. 25 km/h
  • Unbedingt ein warmes Oberteil anziehen, da man sich nicht bewegt und der Wind kalt ist.

#3 Spielend Bunker entdecken

Bunker aus dem 2. Weltkrieg sind jetzt erstmal nichts, was man mit einem Spielplatz verbinden würde. Aber warum eigentlich nicht? Es ist nicht das erste Mal, dass ich in den Niederlanden umfunktionierte Bunkeranlagen besichtigt habe. Im Geofort in Gelderland wurde z.B. ein cooles Technikmuseum integriert. Ich finde, es ist eine gute Idee aus Mahnmalen hoffnungsvolle Orte zu machen. Und da Kinder die Zukunft sind, ist der Spiel- und Bunkerpark Groede Podium eine tolle Sache. Hier können sie herumtollen, Abenteuer erleben und Tiere streicheln, aber auch zeitgleich etwas über den 2. Weltkrieg erfahren. können.

Wir haben eine ca. einstündige Bunkertour mit einem deutschsprachigen Guide, durch das „Bunkerdorf“ aus dem Jahr 1942 gemacht. Dabei haben wir viel über das Leben der etwa 250 deutschen Soldaten erfahren, die hier während des Krieges gearbeitet und gelebt haben. Einige der Bunker sind z.T. bis heute mit Fenster und Gardinen bemalt um sie, aus der Luft, wie ein echtes Dorf wirken zu lassen. Man kann den ein oder anderen Bunker von innen besichtigen, man benötigt jedoch eine Taschenlampe.

#4 Bummel und Bierchen in Groede

Ok, ich gebe erstmal zu…. ich trinke normalerweise kein Bierchen. Aber wenn es etwas Besonderes ist, nippe auch ich mal am Glas. Im kleinen Örtchen Groede könnt ihr euch im hippen Brouwerslokaal durch das umfangreiche Sortiment von Dutch Bargain probieren. Einer lokalen Biermarke, die 2011 von drei coolen Typen gegründet wurde. Auch hier kommen die flämischen Wurzeln zutage, denn es gibt fruchtig schmeckende Biersorten und dieser Bierstil kommt aus Belgien.

Für das Bier-Tasting könnt ihr euch im Brouwerslokaal die entsprechende Grundlage anfuttern ;). Von den klassischen niederländischen Snacks wie Bitterballen, Fritten und Frikandel bis hin zum mehrgängigen Menü ist alles dabei. Die Speisen sind jedoch eher deftig und fleischlastig.

Ein Bummel durch das beschauliche Dörfchen Groede lohnt sich ebenfalls. Die Grote Kerk (Kirche) bildet den Mittelpunkt des Dorfes und der Platz ist umrahmt von hübschen Häusern, die im flämischen Stil erbaut wurden sowie kleinen Cafés.

#5 Wanderung durch das Naturschutzgebiet Waterdunen

Vor der Küste von West-Zeeuws-Vlaanderen liegt ein tiefer Gezeitenkanal, der durch die starken Strömungen, Sand und Dünen dauerhaft im Meer verschwinden lässt. Um dies zu verhindern, wurden die Dünen landeinwärts verstärkt und ein Gezeitendurchlass gebaut, der für die Küstensicherheit sorgt. Dabei ist das Naturschutzgebiet Waterdunen entstanden, das im Herbst 2021 eröffnet wurde. Es ist für unzählige Vogelarten attraktiv, die hier einen Stopp auf ihrer Zugvogelroute einlegen und auch brüten.

Waterdunen ist aber auch ein Erholungsgebiet für Ruhesuchende, Naturliebhaber und Ornithologen. Das Gebiet liegt direkt hinter dem Deich und wird stark von den Gezeiten bestimmt. Man kann das Watt und die Salzwiesen daher auf ca. 14 Kilometer Wanderwegen sowie über Brücken und Holzpfade erkunden. Von den Beobachtungshütten aus, kann man die Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und auch Exkursionen sind möglich. Wir bekamen eine interessante Führung mit einem weiblichen Natur-Guide, die uns alles über die Fauna und Flora von Waterdunen erklärte.

Bitte beachten: Der größte Teil von Waterdunen ist für Hunde nicht zugänglich. Weitere Rad- und auch Reitwege sind noch im Aufbau und bis 2024 soll der Ferienpark Waterdunen, mit nachhaltigen Ferienhäusern, Glamping- und Campingmöglichkeiten, entstehen.

TIPP: Nach einer Wanderung kann man sehr gut im nahegelegenen Restaurant De Afslag einkehren, dass besonders für Familien ein Highlight ist. Während die Eltern entspannt auf der Außenterrasse etwas essen und trinken, können sich die Kinder auf dem großen Spielplatz austoben. Außerdem gibt es Tiere zum Gucken und einen Minigolfplatz.

#6 Tipps für den kleinen Hafenort Breskens

Breskens ist ein beschauliches Hafenörtchen mit bunten Fischerbooten und Jachten, das direkt an der Westerschelde Mündung liegt. Von hier legt die Westerschelde Fähre ab, die auf die gegenüberliegende Seite nach Vlissingen fährt. Zudem kann man von hier aus die ein- und ausfahrenden Containerschiffe beobachten, die nach Antwerpen fahren.

Tipp: Direkt am Hafen liegt das nette, kleine Fischereimuseum. Aktuell befindet es sich noch in einem etwas unscheinbaren Gebäude, in Kürze soll es jedoch in ein modernes Haus umziehen. Es beherbergt eine unzählige Anzahl an ausgestopften Tieren, Fossilien und Muscheln aus aller Welt, die dem Museum aus einem privaten Nachlass übergeben wurden. Es vermittelt einem aber auch sehr anschaulich, die Geschichte der Schifffahrt und Fischerei an der Westerschelde.

Sehr spannend fand ich die zahlreichen Funde aus der Eiszeit, wie z.B. Mammutknochen oder fossile Haifischzähne, die immer wieder in den Fischernetzen landen. Denn einst waren die Niederlande hier mit den britischen Inseln verbunden. Die Museumsmitarbeiter:innen sind sehr freundlich und geben gerne Auskunft über die einzelnen Ausstellungsstücke. Sehr süß ist auch die Fütterung der Seepferdchen.

Der 5.000 Einwohner zählende Ort hat einen breiten, sauberen Strand, mir haben die endlosen, makellosen Strände weiter südlich jedoch besser gefallen. Leider hatten wir zu wenig Zeit für Breskens, aber diese Tipps und Ideen habe ich auf jeden Fall für euch:

  • Robben gucken im Landschaftsschutzgebiet De Hooge Platen.
  • Fangfrischen Lobster am weiß-blauen Fischkutter Lucky Lobster kaufen.
  • Mit der Fußgängerfähre über die Westerschelde nach Vlissingen fahren.
  • Unbedingt in der Tapasbar Escobar essen gehen. Das mehrgängige Tapas-Menü für 2 Personen ist großartig, plant dafür aber mind. 3 Stunden Zeit ein. 2021 wurde die Escobar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.
  • Bei Sonnenuntergang am Strand von Breskens die ein- und auslaufenden Containerschiffen beobachten.

Seid ihr schon mal in West-Zeeuws-Vlaanderen gewesen? Dann gerne her mit euren Tipps. Im Übrigen spricht man in Zeeland nicht von Holland. An der niederländischen Küste gibt es die Provinzen Noord-Holland, Zuid-Holland und Zeeland. Wir Deutschen bringen das ja gerne mal durcheinander ;).

PIN ME:

Hier findet ihr weitere Reise-Inspirationen von mir für die Niederlande.

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