Elterngedanken

Warum Reisen die Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen

Jaja, werden jetzt vielleicht viele erstmal denken. Die Frau Hibbel als Reisebloggerin hat´s ja gut, die kommt mit ihren Kindern ständig an die schönsten Orte der Welt. Reisen mit Kindern? Die hat leicht reden.

Klar ist es großartig, mit seinen Kindern auf die Malediven oder nach Südafrika fliegen zu können. Davon spreche ich aber nicht unbedingt. Denn mit Reisen meine ich auch die kleinen Reisen vor unserer Haustür, quer durch unser schönes Deutschland oder ins nahe Ausland. Ich finde es grundsätzlich wichtig, mit Kindern die Welt zu entdecken. Egal wohin. Und auch wenn viele Menschen der Meinung sind, daß das mit Kindern nicht geht oder nichts bringt, fallen mir doch zig Gegenargumente ein. Ich bin der festen Überzeugung, daß Reisen die Entwicklung von Kindern nur positiv beeinflussen kann.

#1 Kinder schauen über den Tellerrand

Für die meisten Kinder ist die Welt ziemlich klein und ihr Hood besteht in der Regel nur aus ihrem Schul- und Kitaweg oder dem Spielplatz. Dieses Umfeld kommt einem als Kind naturgemäß riesig groß vor. Jahre später wundert man sich dann, wie klein in Wirklichkeit alles war. Ergo ist der Horizont eines Kindes auch relativ eingeschränkt. Prinzipiell ist das auch völlig ok, denn Kinder müssen die Welt noch nicht mit Erwachsenenaugen sehen. Es schadet aber auch nicht, wenn sie bereits früh über den Tellerrand schauen. Meine Kinder tingeln seit ihrer Geburt mit uns ständig um die Welt und erleben wie Menschen in anderen Ländern so leben. Das ist natürlich eine riesige Horizonterweiterung. Ich weiß nicht genau, wie unsere Welt für sie aus ihren derzeitigen Kinderaugen aussehen mag. Aber ich glaube, daß unser kleines Dorf für sie ihre Heimat und Anker ist und alles jenseits davon ein riesengroßer Spielplatz.

#2 Kinder werden flexibel

Ich würde mich als ziemlich flexiblen Menschen beschreiben. Ob wir uns nun auf Mallorca, in Oslo oder Berlin treffen, ist mir wurscht. Ich könnte (fast) überall leben und kann mich relativ schnell neuen Situationen anpassen. Sei es privat oder im Job. Diese Eigenschaft schiebe ich mal auf viele viele Reisejahre zurück, in denen ich heute hier und morgen dort war. Schon als Kind bin ich mit meiner Mutter + Stiefvater und meinem Vater +Stiefmutter gereist. Zudem bin ich zwischen dem Rheinland und Berlin hin- und hergetingelt, da meine Eltern getrennt sind. Damals war das ne echte Weltreise. Diese Flexibilität beobachte ich nun bei meinen Kindern. Sie machen fast alles mit, stellen sich schnell auf neue Situationen ein und freuen sich darauf, wenn sie z.B. mal allein mit der Klasse oder Kita wegfahren können. Mit Menschen, die sich aus ihrer Komfortzone so gar nicht rausbewegen wollen und total unflexibel sind, kommen wohl die Wenigsten klar. Die Welt ist im Jahr 2017 sehr mobil geworden und ob das nun immer gut ist, sei mal dahingestellt. Aber es ist sicher nicht positiv, total unbeweglich zu sein.

#3 Kinder werden tolerant

Wir sind Deutsche mit norwegischen und spanischen Wurzeln und dieses Land ist unsere Heimat. Ich für meinen Teil bin aber auch von Herzen Europäerin, wenn nicht sogar Weltenbürgerin. Wir sind tolerant anderen Menschen gegenüber und möchten auch, daß uns andere Menschen akzeptieren. Jeder Jeck ist anders und das ist gut so, sonst wäre die Welt ja ganz schön öde. Ob schwarz, ob weiß, blond oder braun, hetero oder homo….. wir sind alle Menschen. Egal welcher Herkunft. Wir haben Freunde und Bekannte aus aller Welt und aller Hautfarben, mit denen unsere Kinder schon von klein auf gespielt haben. Kinder begegnen anderen Menschen naturgemäß erstmal ohne Vorbehalte und es ist ihnen wurscht, welche Hautfarbe der  Spielkamerad hat. Vorurteile bekommen sie erst durch uns Erwachsene eingeflößt.

#4 Kinder lernen, unser wohlhabendes Leben zu schätzen

Ok, an dem Thema arbeiten wir (zugegeben) dauerhaft. Und das, obwohl meine Kinder wissen, das es sehr arme Menschen gibt, die nur in einer Wellblechhütte leben oder gar verhungern müssen. Trotzdem sind sie manchmal undankbar, schimpfen über das falsche Weihnachtsgeschenk oder klagen über das Essen, das sie nicht mögen. Aber fassen wir uns mal an die eigene Nase. Sind wir Erwachsenen soviel besser? Wir wissen, daß es unendlich viel Not und Elend gibt, wollen aber trotzdem immer noch mehr. Man orientiert sich halt ungern nach unten. Trotzdem denke ich, daß man Armut auch mal gesehen haben sollte, um sie überhaupt zu begreifen. Und irgendwann kommt dann auch die Erkenntnis: Verdammt, mir geht es so gut. Worüber soll ich eigentlich klagen? Besser helfen, statt über Lapalien jammern.

#5 Kinder werden schlau

Ich glaube, Reisen ist die beste Schule. Viel zu oft musste ich leider schon meinen größeren Sohn wegen Schulzeiten bei seinem Vater lassen und er hat dadurch ganz großartige Reiseerlebnisse verpasst. Meist ist in dieser Zeit noch nicht mal was Spannendes in der Schule passiert. Dafür aber auf unserer Reise, die ihm für seine Entwicklung in jeder Hinsicht unglaublich viel gebracht hätte. Man lernt andere Sprachen, Geographie, Kultur, Politik, Biologie und sogar Mathe, wenn man mal wieder 3 Trillionen Dong in Euro umrechnen muß.  Außerdem bekommen Kinder ein hervorragendes Allgemeinwissen. Ich finde, daß unser deutsches Schulsystem endlich etwas flexibler und moderner werden sollte. In jeglicher Hinsicht. Die Finnen bekommen das ja auch hin. Warum nicht mal für einen 3wöchigen Trip durch Ecuador ein Kind, das ansonsten gute Noten hat, freistellen?

#6 Kinder werden (und sind) robust

Wie oft habe ich schon gehört, daß man mit Kindern nicht reisen kann, weil das zu anstrengend und gefährlich für sie ist. In mancher Hinsicht mag das stimmen. Man muss mit seinen Kindern nun echt nicht 20 Stunden in nem verrockten Bus durch den Kongo fahren, sämtliche Kirchen Roms abklappern, durch Höhlen tauchen oder in Malariagebiete reisen. Aber die meisten Kinder sind so stark und robust, daß man ungefährliche Reisen mit ihnen machen kann. Meist trauen wir unseren Kindern nur viel zu wenig zu. Mal ganz davon abgesehen, werden in anderen Ländern ja auch Kinder groß. Sie essen scharfe Sachen, latschen kilometerweit bis zur Schule, halten die Hitze oder Kälte ihres Landes aus oder müssen gar arbeiten gehen, damit ihre Familie nicht verhungert. Gut, das sind jetzt keine erstrebenswerten Zustände. Fakt ist aber, daß Kinder all das können. Wir müssen unsere Kinder natürlich beschützen, aber wir müssen ihnen auch was zutrauen. Gib ihnen Wurzeln und Flügel.

#7 Kinder werden selbstbewusst

Und wenn Kinder bereits ein paar kleine Abenteuer und Aufgaben in ihrem Leben gemeistert hat, stellt sich automatisch auch ein Stück weit Selbstbewusstsein ein. Ein Aspekt, der nicht nur für das Reisen gilt, sondern besonders auch für das Leben zuhause. Unsere Eltern haben uns in den 70er und 80er Jahren definitiv mehr zugetraut, als wir unseren Kindern im Jahr 2017. Keine Ahnung woran das liegt, aber ich finde diese Entwicklung echt schräg bis fatal.

#8 Kinder bekommen ein Umweltbewusstsein

Wenn Kinder von klein auf unsere wunderschöne Erde kennenlernen, lernen sie auch automatisch, daß diese schützenswert ist. Unsere Nahrung wächst nicht in den Regalen der Supermärkte. Die Bestände der Urwälder werden täglich kleiner. Am Strand findet man mehr Plastik als Muscheln. Wenn die Polkappen schmelzen versinken die Malediven. Etc. Etc. Man kann Kindern viel graue Theorie vermitteln. Aber solche Dinge wirklich zu erleben, macht das Ganze doch jedem Menschen greifbarer, oder? Meine Jungs spielen auf Reisen fast immer draußen und mit dem was die Natur so hergibt. Ich finde das immer ganz erstaunlich, denn das zeigt mir, daß sie all den Spielkram in ihren Kinderzimmern kaum brauchen und eigentlich mit so wenig zufrieden und glücklich sein können.

Hat das Reisen für Kinder denn auch Nachteile?

Vielleicht gibt es welche, aber mir fällt kein einziger richtiger Nachteil ein. Vielleicht nur der Aspekt, daß unsere Jungs reisetechnisch z.T. schon so viel gesehen haben und dadurch nicht mehr so leicht aus der Fassung zu bringen sind. Die Messlatte liegt also relativ hoch. Irgendwann sagte mir mal jemand: „Was sollen sie denn mit 20 machen, wenn sie dann schon so viel erlebt haben, wie andere mit 80?“ Aber kann man eigentlich auch zu viel gesehen, erlebt und gelernt haben? Ich denke nicht.

Wie seht Ihr das? Findet Ihr das Reisen Nachteile für Kinder mit sich bringt? Wenn ja, welche? Oder sehe ich alles nur durch die rosarote Reisebrille?

 

9 Kommentare

  1. Dodo sagt

    Liebe Nadine,
    ich teile deine Gedanken, die du – wie immer – so treffend und nahbar formuliert hast. Und du hast Recht; man muss nicht sonst wohin reisen, denn das kann sich halt nicht jeder leisten. Aber einfach mal aus dem gewohnten Umfeld rauszukommen, ist immer eine Bereicherung!
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel. Immer lesenswert!

    • Nadine sagt

      Liebe Dodo! Ich freue mich immer ganz besonders über Deine Kommentare. Danke! ♥ Und ja genau so ist es. Hauptsache raus und die Welt sehen. GlG, Nadine

  2. Katrin sagt

    Hallo liebe Nadine!
    Dein Artikel spricht mir voll aus dem Herzen. Unser Sohn (4 Jahre) liebt das Reisen und fragt schon, wann wir wieder in den Urlaub fahren. Tokio (das ist in Japan, sagt er er dann immer) oder Chicago sind seine Vorschläge. Oder wir fahren wieder in den Tsitsikamma-Nationalpark, er fand die Hängebrücken dort sehr toll.
    Ich find es unglaublich bereichend für ein Kind. Und auch wir Erwachsene bekommen einen anderen Blick auf die Welt, als wenn wir alleine reisen würden. Und ja, man muss nicht die große Fernreise machen. Deutschland und Europa ist auch schön, sei es mit Auto oder Flugzeug / Bahn.

    • Nadine sagt

      Liebe Katrin, so ist mein kleiner Sohn auch und fragt mich zwischen Tür und Angel wann wir denn mal nach Indien fahren? Keine Ahnung wie er dann darauf kommt, aber man merkt ihm an, daß er total wißbegierig ist und noch ganz viel sehen möchte. Und er erzählt auch immer noch von den Malediven, was immerhin 2 1/2 Jahre her ist. Leider wird er das irgendwann vergessen, aber sein Gehirn hat das mit Sicherheit abgespeichert. So wie Dein Sohn den Tsitsikamma-Nationalpark. Also alles richtig gemacht. 🙂 GlG, Nadine

  3. Jennifer sagt

    Liebe Nadine,
    genau so ist es! Eines der größten Geschenke, das wir unseren Kindern machen können, ist das Reisen. Die Offenheit, Toleranz und Eigenständigkeit die sie dadurch erleben macht sie zu und mutigen, toleranten und neugierigen Kindern. Ein Bewusstsein zu schaffen, wie klein die Erde ist und wir auf ihr gut zusammenhalten und sie schützen und pflegen müssen ist ein Geschenk an uns alle.
    Liebe Grüße, Jennifer (neunzehngrad)

    • Nadine sagt

      Liebe Jennifer, das hast Du aber schön in Worte gefasst. ♥ Genau so ist es. Danke Dir. LG, Nadine

  4. Auf den Punkt gebracht bzw gleich mehre Punkte! Sehr schön (oder „toppen“, wie man bei uns sagt)!!
    LG
    Hartmut

  5. Liebe Natalie,

    vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Als wir unsere Reise gestartet haben, kam als eine der ersten Frage: „Was essen bloß die Kinder?“, hauptsächlich von der älteren Generation.
    Tatsache ist, unsere Jungs (3 & 5) essen und probieren fast alles! 🙂
    Darüber hinaus finde ich auch, reisen mit Kindern entschleunigt ungemein. Wann setzt man sich schonmal als Erwachsener einfach auf einen belebten Platz und schaut einfach mal den Leuten zu, während die Kinder um den Brunnen herumlaufen? Als Erwachsener will man doch eigentlich eher viel zu viel sehen, nix verpassen und dadurch ist man immer am hetzen.
    Und ich persönlich hoffe ja, das sich unsere Jungs, wenn sie groß sind, noch einmal die Plätze besuchen, die sie als Kind schon erlebt haben. Und einfach die Dinge aus anderer Perspektive betrachten….

  6. Ja, ich denke auch, dass es kaum Nachteile für das Reisen mit Kindern gibt. Außer, dass es nach einigen Jahren schwieriger wird, sie mit Naturwundern zu begeistern, weil sie schon soviel Beeindruckendes gesehen haben. Ich selbst musste warten bis ich 19 war um das Meer zum ersten Mal zu sehen. Für unsere drei Kinder sind lange Reisen entlang der Küste normal und jetzt nach 17 Jahren gemeinsamen Reisens normal.
    Die langen Reisezeiten sind definitiv super für die Bildung der Kinder. Sie merken gar nicht, was sie alles lernen und das ist die einzige Möglichkeit nachhaltig zu lernen und wachsen.
    liebe Grüße
    Gabi

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