Heimatperlen in NRW
Idyllische Natur, historisches Flair und Kriegsgeschichte im Dreiländereck Deutschland, Belgien, Niederlande

8. März 2021

Wie gut kennt ihr eigentlich euer eigenes Bundesland? Ich muß immer wieder festsstellen, dass ich von Nordrhein-Westfalen noch viel zu wenig kenne und es noch viel Entdeckungspotential gibt. Das Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande bietet z.B. eine idyllische Natur und ist reich an Kultur und historischem Flair. Da hier zudem der Westwall verlief, stößt man immer wieder auf Kriegsgeschichte. Wir waren zwar schon ein paar Mal in Monschau und im Naturpark Hohes Venn unterwegs, kennen jedoch immer noch viel zu wenig von der Region. Auch unser Besuch in der westlichsten Stadt Deutschlands, Aachen, ist schon wieder einige Jahre her. Sehr viel öfters waren wir dagegen in der niederländischen Stadt Maastricht, die direkt hinter der Grenze liegt.

Kürzlich wollten wir eine Wanderung über die Struffelt-Route machen. Vor Ort mussten wir dann jedoch feststellen, dass die Holzpfade wegen Renovierungsarbeiten bis Ende März gesperrt sind. Merke: unbedingt vorher checken! Es mußte also Plan B her und daher haben wir ganz spontan ein paar unbekannte Schätze entdeckt.

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Ausflug ins Dreiländereck Deutschland – Belgien – Niederlande: Idyllische Natur, historisches Flair und Kriegsgeschichte

Wanderung durch das Naturschutz- und Militärgebiet Brander Wald

Da unsere Kinder wandern ohne Ziel öde finden, entschieden wir uns vor Ort für einen Besuch des Naturschutz- und Militärgebietes Brander Wald bei Aachen. Hier stehen nämlich drei alte Panzer im Wald. Die Mischung aus Natur und Militär ist ein wenig skurril, denn einerseits grasen auf dem idyllischen Gelände Schafweiden, andererseits durchziehen tiefe Spurrillen militärischer Fahrzeuge die Landschaft. Wir liefen durch Wald, Heidelandschaften und vorbei an kleinen Bächen und standen dann irgendwann vor den Panzern, die in der Natur etwas deplaziert wirken. Von den Jungs wurden sie natürlich direkt als Spielplatz genutzt und erklettert. Auf dem weitläufigen Gelände soll es im Übrigen auch Panzersperren geben, wir haben diese aber nicht gefunden.

Achtung! Da die Bundeswehr das Gelände in der Woche für Schießübungen nutzt, ist der Zutritt nur am Wochenende und Feiertagen erlaubt. Parken kann man direkt am Brander Wald Spielplatz auf der Birkenstraße. Hier geht es zu unserer Wanderroute.

Die Kupferstadt Stolberg

Stolberg liegt nahe des Brander Waldes und die gleichnamige Burg Stolberg aus dem 12. Jh., ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Vichtbach durchzieht den kleinen Ort, der jahrhundertelang vom Kupferabbau geprägt wurde und spontan dachte ich, wir hätten versehentlich die Grenze zu Belgien überquert. Der Einschlag belgischer Architektur ist unverkennbar. In den 80er Jahren wurde die historische Altstadt umfassend saniert und die engen Gassen, alten Häuser, Brücken und Hofanlagen sind wirklich sehenswert.

Dennoch wirkte Stolberg auf uns etwas desolat. Bei meiner Recherche erfahre ich, dass die Stadt eine etwas unrühmliche rechtsextreme Geschichte hat. Ob dies stimmt, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass jedes zweite Ladenlokal leer steht und auch Cafes und Restaurants so wirken, als würden sie in Kürze für immer die Tore schließen. Corona hat die Lage mit Sicherheit nicht verbessert. Dabei hat Stolberg aus touristischer Perspektive unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient. Zumal ja auch das Umland sehr hübsch und geschichtlich interessant ist. Die 16 km lange Kupferroute, die zum Eifelsteig gehört, führt z.B. mitten durch den Ort.

Die Dreilägerbachtalsperre

Die imposante Dreilägerbach-Talsperre liegt ca. 18 km von Stolberg entfernt und wurde 1909 bis 1911 errichtet. Wandert man die Struffelt-Route entlang, kommt man automatisch an ihr vorbei. Es gibt diverse Wanderwege um die Trinkwassertalsperre herum und auf den umliegenden Wanderparkplätzen findet man entsprechend ausgeschilderte Info-Tafeln. Wir haben am Parkplatz Filterwerk bei Roetgen geparkt und uns für die Aussicht, einmal über den steilen Wanderweg hochgekämpft.

Die Panzersperre bei Roetgen

Vom Parkplatz aus, kann man direkt noch einen Abstecher zur Panzersperre Roetgen machen. Die so genannten Höckerlinien oder auch Drachenzähne, sieht man in der westlichen Grenzregion fast überall. Sie sind die Überreste des Westwalls, der aus unzähligen Bunkern, Stollen, Gräben und Panzersperren bestand.  Die etwa 100 Meter lange Höckerlinie ist die einzige noch erhaltene Sperre, die mitten durch einen Bach führt. 1944 gelang der 3. US-Panzer-Divison hier der Durchbruch und daher war Roetgen der erste Ort in Deutschland, der von amerikanischen Truppen eingenommen wurde. Heute ist sie Gedenkstätte und Mahnmal.

Der am stärksten umkämpfte Bereich des Westwalls war im Übrigen der Hürtgenwald in der Nordeifel, wo auch der Großvater meines Mannes fiel. Wir waren letztes Jahr im Hürtgenwald und in Simonskall und tief berührt. Bis 1945 fanden hier in schrecklichen Schlachten ca. 12.000 Deutsche und 32.000 US-Soldaten den Tod. Den Amerikanern ist der letzte große Kampf auch als „Bloody Hürtgen“ ein Begriff.

Wir mußten bei unserem Besuch wieder mal feststellen, dass wir viel zu wenig über unsere unrühmliche und schreckliche Geschichte wissen und uns mehr damit befassen sollten. Never forget, never again!

Seid ihr schon in dieser Ecke Deutschlands gewesen? Für uns als Rheinländer ist die Grenzregion auf jeden Fall eine Heimatperle, die wir in Zukunft noch genauer entdecken wollen. Auch auf belgischer und niederländischer Seite gibt es tolle Sachen zu entdecken, wie z.B. Maastricht, Tongeren oder Valkenburg. Hoffen wir also mal, dass wir auch bald wieder über nahe Grenzen reisen dürfen.

 

 

 

 

 

 

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3 Comments

  • Reply Janett 8. März 2021 at 14:47

    Wir waren letztens auch in dem Wald in Brand da die Familie meines Freundes aus der Nähe kommt. Es sind sogar vier Panzer dort, einer der Panzer steht etwas abseits, dort sind auch die Panzersperren. Das haben wir aber nur entdeckt weil Komoot uns auf den Umweg geführt hat. Weiter unten haben wir dann auch noch ein altes Schießübungsgelände gefunden – sehr makaber, vielleicht mach ich diesbezüglich was auf teilzeitwandern. Stolberg steht noch auf meiner ToDo-Liste, auch weil es ein Stolberg im Harz gibt und ich seinen Namensvetter auch mal kennenlernen will. Mal schauen. Ein paar Aachentipps hab ich dir bei Website verlinkt – vielleicht findest du ja noch ne Inspiration für deine nächste Tour in die Ecke.

    • Reply nadine 9. März 2021 at 16:04

      Ach lustig. Dann ist das wohl mal kein Geheimtipp. Wir sind da total per Zufall gelandet. Ich steh jetzt normalerweise nicht so auf Truppenübungsplätze, aber so integriert in eine Wanderung ist das ja doch spannender, wenn man Kids im Schlepptau hat. Und Aachen steht dann mal wieder auf dem Programm, wenn sich die Zahlen ein wenig beruhigt haben. Aktuell meiden wir Städte eher und fahren ins Grüne. Aber danke schon mal :). VlG, Nadine

  • Reply Andrea 14. März 2021 at 21:47

    Da ich ursprünglich aus Düren und mein Mann aus Aachen Brand kommt, war das gerade eine kleine Reise „in die Vergangenheit“, da wir ja momentan nicht oft in der Region sind.
    Schöne Grüße
    Andrea

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