Kopenhagen mit Kindern
Hip, hyggelig und klimafreundlich

14. April 2020

Hei København! Die Tage guckten meine Jungs die „Sendung mit der Maus in Kopenhagen“ und waren vollkommen begeistert. Vor allen Dingen wegen des lockeren dänischen Schulsystems ;). „Mama, weißte noch? Letzten Sommer in Kopenhagen? Das war cool. Da müssen wir unbedingt nochmal hin.“

Ganz ihrer Meinung! Auch wenn die Stadt leider empfindlich teuer ist. Hier kostet ein Smørrebrød schon mal locker 14 € und danach ist man nicht unbedingt satt. Aber sie ist halt auch hip, hyggelig und vor allen Dingen klimafreundlich. Kopenhagen möchte nämlich bis 2025 die erste klimaneutrale Hauptstadt der Welt werden und richtet ihre gesamte Stadtplanung an diesem Ziel aus.

In Deutschland sind wir von klimafreundlichen, grünen Städten leider noch ein bißchen entfernt. Im Zuge der Coronakrise könnten wir aber nun endlich mal überdenken, wie unsere Städte und Infrastruktur in Zukunft aussehen könnten. Für mich ist Kopenhagen jedenfalls eine absolute Vorzeigestadt und wir könnten uns einiges von ihr abschauen.

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Kopenhagen mit Kindern: Hip, hyggelig und klimafreundlich

Da ich zuvor schon zweimal in Kopenhagen war und bereits die obligatorischen Sehenswürdigkeiten kannte, haben wir den Tag letzten Juli einfach nur dazu genutzt, um entspannt durch die Stadt zu schlendern. So richtige Geheimtipps habe ich daher nicht für euch, aber manchmal sagen ja auch Bilder mehr als 1000 Worte.

Copenhagenization: Mehr Räder als Autos

In der Innenstadt von Kopenhagen fahren eindeutig mehr Fahrräder als Autos und das ist wirklich superangenehm. Keine stinkenden Auspuffgase, Lärm und die ständige Sorge, das die Kinder überfahren werden könnten. Seit 2017 gehört Kopenhagen mit zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt und viele Einwohner besitzen kein Auto mehr. Meine norwegische Cousine lebte viele Jahre in Kopenhagen und konnte mir dies persönlich bestätigen. Parken ist daher auch empfindlich teuer. Dafür hat Kopenhagen 390 km Radwege, breite Radspuren und sogar Radautobahnen. Dadurch können Pendler schnell aus der Vorstadt zum Arbeiten in die City pendeln. Ob im Anzug, im Minirock oder mit 3 Kindern im Lastenrad – hier fährt gefühlt wirklich jeder auf zwei Rädern durch die Gegend. Im Englischen gibt es dafür sogar mittlerweile einen Begriff, wenn Regionen fahrradfreundlicher werden: Copenhagenization!

Auch Touristen können sich Räder, ausgestattet mit Elektromotor und GPS, ausleihen und die Stadt so erkunden. Zudem dürfen Fahrräder zu jeder Tageszeit in den S-Bahnen kostenlos mitgenommen werden. Auch Regionalzüge und Lokalbahnen in Nordseeland bieten eine Fahrradmitnahme an, hier müssen jedoch zusätzliche Fahrradtickets gekauft werden.

Am Beispiel von Kopenhagen zeigt sich, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stadt eindeutig über die Verkehrspolitik geht. Selten habe ich eine so entspannte und ruhige Stadt erlebt. Wäre es nicht toll, wenn Städte zukünftig alle so aussehen könnten? Dann könnte ich mir auch eine Rückkehr vom Dorf in die Stadt vorstellen.

Wir sind nicht mit dem Fahrrad gefahren, dafür aber umso mehr gelaufen. Im Juli verlief sich der Touristenansturm in der Stadt einigermaßen gut. An den  obligatorischen Highlights wie dem Tivoli oder Nyhavn ballte es sich dann dafür umso mehr. Die Hauptattraktionen sollte man daher wohl am Besten früh morgens abgrasen.

Ein Tag reicht eigentlich nicht für Kopenhagen, daher nehmt euch beim ersten Besuch unbedingt mehr Zeit. Die Stadt ist zwar überschaubar groß, aber um ihren entschleunigten Spirit zu genießen, muß man einfach länger bleiben. Im Zuge dessen lohnt sich dann auch der Kauf der Copenhagen Card, über die ich hier schon mal berichtet habe. Da wir eine Woche in einem tollen Ferienhaus in Nordseeland verbrachten, haben wir die Karte vermehrt für Attraktionen in der Region nutzt. Rund um Kopenhagen gibt es nämlich auch einiges zu sehen und mit der Karte könnt ihr viele der Museen, Schlösser und Co. kostenfrei besuchen.

Die Freistadt Christiania

Bei unserem Bummel durch Kopenhagen landeten wir per Zufall in der Freistadt Christiania, einer ehemaligen Hippie-Kommune. 1971 nisteteten sich ein paar Hausbesetzer in den alten Gebäuden von Christianshavn ein und blieben bis heute. Auch jetzt säumen kleine Cafes und Shops mit Rasta-Mützen, Haschpfeifen und T-Shirts mit revolutionären Parolen, die Straßen. Was auf den ersten Blick recht harmlos und nach einem gemütlichen Hippieviertel aussieht, ist eigentlich Kopenhagens No-Go-Area. Mir war das tatsächlich nicht so richtig bewusst. Das merkten wir aber schnell, als mir ein muskelbepackter, etwas grimmig guckender Mensch zu verstehen gab, dass ich sofort meine Kamera wegpacken soll. Wenn man durch das Zentrum von Christiania, der Pusher Street läuft, weiß man auch schnell warum. Die  kunterbunte und mit Laternen geschmückte Hauptstraße ist quasi ein öffentlicher Umschlagplatz für den Drogenhandel.

Ein bißchen mulmig war uns das dann auch mit den Kindern. Aber wenn man sich an die Regeln von Christiania hält, hat man nicht unbedingt etwas zu befürchten. Ganz ungefährlich ist ein Besuch jedoch nicht, denn hier betritt man quasi rechtsfreien Raum. Der dänischen Polizei gefällt das im Übrigen nicht, aber selbst für diese ist es zu gefährlich. Kopenhagener machen daher auch einen großen Bogen um Christiania und ich möchte einen Besuch daher auch nicht unbedingt anpreisen.



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Die Forgotten Giants

Der dänische Künstler Thomas Dambo hat mit seinen Forgotten Giants der Stadt Kopenhagen ganz besondere Kunstwerke hinterlassen. Nämlich sechs hölzerne Riesentrolle, die er aus Sperrmüllfunden und Recyclingabfällen entworfen hat. Sie sitzen, stehen oder liegen versteckt in der gesamten Stadt und wer sie alle sehen möchte, muß sich ein wenig auf die Suche begeben. Das ist so gewollt, denn die Suchenden sollen andere Teile der Stadt erkunden und vor allem die Natur bewusster wahrnehmen. Um die Schnitzeljagd nach den Trollen besonders spannend zu gestalten, hat der Künstler an jedem Altholzgiganten einen Hinweis auf den nächsten Standort eines anderen Trolls hinterlassen. Wir haben nur zwei Trolle entdeckt und ihre Standorte werde ich natürlich nicht verraten, um euch den Spaß nicht zu verderben ;).

Was wir von Kopenhagen für die Zukunft lernen können:

#1 Lebensqualität wird in Kopenhagen groß geschrieben und die Stadt setzt stark auf die Interessen seiner Bewohner. In der dunklen Jahreszeit liegt der Fokus auf Hygge, einem gemütlichen, behaglichen Lifestyle. Im Sommer, wenn die Sonne kaum unterzugehen scheint, ist Kopenhagen dafür dann extrem outdoorbetont und lebenswert. Die Menschen sitzen in jeder freien Minute in der Sonne und genießen die Nähe zum Meer. Überall am Ufer sind Holzpodeste und selbst im alten Hafen ist das Wasser wieder so sauber, das man darin baden könnte.

#2 Es gibt Unterwassergärten, in denen wieder Muscheln und Seegras wachsen und wo sich Schulklassen, mit der Thematik Umwelt auseinandersetzen können. Schulgärten haben in Dänemark von jeher eine lange Tradition und seit 2009 gehört das Gärtnern offiziell auf den Stundenplan. In den Kindergärten und Schulen sollen in Kürze bis zu 90 % des Essens ökologisch nachhaltig produziert werden. Im Übrigen gibt es in Dänemark keine Schulpflicht, sondern nur eine neunjährige Unterrichtspflicht. Und die darf dann auch gerne Zuhause per Homeschooling stattfinden. Außerdem gibt es bis zur 7. Klasse keine Noten. Kein Wunder, das meine Kinder das dänische Schulsystem so cool finden ;).

#3 Rund um Kopenhagen sieht man jede Menge Windräder, um dem Ziel schnell näher zu kommen. Was hierzulande Proteste auslöst, stört in Dänemark kaum einen. Die Stadt setzt auf erneuerbare Energien aus Windkraft, Solarwärme und Biomasse. Diese wird z.T. auch aus dem verbrannten Abfall der Kopenhagener gewonnen. Berichten zufolge, werden aus der freigesetzten Energie bis zu 160.000 Haushalte mit Fernwärme und 62.500 Häuser mit elektrischer Energie versorgt.

#4 Auch bepflanzte Dächer für Neubauten sind mittlerweile Pflicht, was zur Folge hat, das es auf Parkhäusern, Behörden, Wohnhäusern und Hotels grünt und blüht. Es gibt zahlreiche Spielpätze (sogar auf Dächern) und sogenannte Pocketparks, kleine Gründflächen zwischen den Häusern. Der großartige Effekt sind eine nachweisliche verbesserte Luftqualität und Biodiversität. Maximal 10 Minuten soll es jeder Einwohner bis zur nächsten Grünfläche haben.

#5 Kopenhagen setzt zudem auf digitale Technik. Mit dem Online-Ticket kann man easy öffentliche Verkehrsmittel nutzen und man benötigt eigentlich kaum noch Bargeld um eine Tasse Kaffee zu bezahlen. Das macht viele Abläufe schneller und reduziert Kosten und Papier. Für freie Straßen sorgt zudem eine moderne GPS-Technologie.

Ich finde das klingt alles ziemlich toll und ich hätte davon auch gerne einiges für uns. Dann könnten wir z.B. über die Radautobahn nach Düsseldorf oder Köln fahren, statt uns in den täglichen kilometerlagen Stau zu stellen.

Mein Lesestoff für Kopenhagen und Dänemark*:

  

Weitere Tipps zu Kopenhagen und der Region Nordseeland findet ihr in meinem Dänemark Archiv.

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1 Comment

  • Reply Janina 15. April 2020 at 13:34

    Da kriege ich gleich wieder Dänemark-Fernweh… Mindestens genauso wie Kopenhagen hat es mir und der Familie im letzten Jahr übrigens Aarhus angetan. Wie wahnsinnig wohl ich mich einfach in Dänemark fühle!
    Danke für Deine tollen Beiträge und liebe Grüße aus Berlin, Janina

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