Sizilien mit Kindern
Unsere Top-Highlights für Italiens größte Insel

29. März 2022

[Ein Beitrag von Co-Autorin Petra.]

Als ich vor kurzem über das Thema Urlaub mit Freunden schrieb, fiel mir wieder ein, dass einer der allerbesten Urlaube, die wir jemals gemacht haben, der auf Sizilien war. Und dass ich diese Empfehlung dringend teilen muss. Denn Sizilien ist einfach ein ganz wunderbarer Ort, der seine ganz eigene Aura hat. Ich bin bekennende Italien-Liebhaberin, aber südlicher als Kalabrien hatte ich es lange nicht geschafft.
Und dann kamen die Freunde und schlugen vor, dass wir ja mal nach Sizilien reisen könnten. Wir machten mit und wenn ich drüber nachdenke, waren die 2 Wochen dort vermutlich so schön, weil wir gar nix erwartet hatten.

Sizilien war eben ein weißer Fleck auf unserer persönlichen Landkarte und den haben wir nun mit etwas Farbe gefüllt. Auf der Suche nach einem passenden Domizil landeten wir eher zufällig in Donnalucata an der Südostküste. In das Haus am Meer (gefunden via Airbnb) hab ich mich sofort verliebt. Große Terrasse in den Dünen, offene Küche, von der aus man über die große Glasfront aufs Meer schaute. Platz für 4 Erwachsene, 4 Kinder und 1 Baby. Und das Meer keine 20 Schritte entfernt. Ein Traum. Abgesehen davon, dass der Südosten sich
grundsätzlich als echte Granaten-Destination entpuppt hat.

Photocredit: Petra Warth

Sizilien: Unsere Top-Highlights für Italiens größte Insel

Baden und Städte entdecken im Südosten

In Donnalucata war Mitte Juni noch nix los, Italiener kommen erst ab Juli zahlreicher und andere Reisende zieht es wohl eher an die Ost- oder die Nordküste. Also hatten wir den Strand, die Restaurants und Eisdielen praktisch für uns. Das Meer war schon
badetauglich und die Luft warm – ich weiß schon, warum ich den Juni als Reisezeit liebe. Perfektes Kontrastprogramm zum Strand sind dann die schnuckligen Orte, von denen Sizilien ja generell einige zu bieten hat.

Im Südosten sind das Orte wie das barocke Noto oder das verwinkelte, auf einem Felsen thronende Ragusa Ibla. In Marzamemi haben wir eins der schönsten Restaurants mit Meerblick entdeckt und auf der Piazza getanzt. Wir haben Granità und sizilianische Schokolade in rauen Mengen in uns hineingestopft und gelernt, dass man in Sizilien Eis aus einem Brioche-Brötchen essen kann. Das alles ist in relativ gut zu befahrender Distanz zueinander, so dass man chillige Strandtage und ein bisschen kulturell-urbanes Ergänzungsprogramm ganz wunderbar kombinieren kann.

Photocredit: Petra Warth

Warum nach Sizilien?

Wie soll ich es beschreiben, ohne ins Klischee zu fallen … Sizilien ist Italien in Bestform aber dann doch wieder ganz anders. Irgendwie echter, authentischer. Rauer, mit einer ganz eigenen Note. Sicher, der Strand ist nicht so fein gebürstet wie an anderen Orten. Wilde Müllkippen gibt es und Häuser, die nie fertig gebaut wurden. Aber gleichzeitig ist Sizilien unglaublich lieblich und fein. Und gleichzeitig so bodenständig. Ich glaube, genau diese Mischung ist es, die mich sehr begeistert hat.

Und auch wenn Sizilien irgendwie gar nicht richtig Italien ist, sondern etwas ganz Eigenes, dann sind es halt doch diese „Zutaten“, die ich aus anderen Regionen Italiens kenne und die ich so unfassbar toll finde: Das immer leckere Essen, diese unglaubliche Lässigkeit der Menschen, die Kinderfreundlichkeit und das gute Gefühl, dass all das hier der Seele einfach gut tut.

Sizilien mit der Familie: Momente, die bleiben

Ich erzähle mal eine kleine Anekdote: Seit dem Sizilien-Trip sind meine Kinder angefixt. Und zwar mit Granità. Das ist im Grunde Wasser, Zucker und Aroma (Zitrone ist der Klassiker). Das alles wird mehrmals durchgerührt und dann halbgefroren wie ein dickflüssiger, eiskristalliger Smoothie serviert. Dieses Granità also ist seit unserer Reise hoch im Kurs und wird überall bestellt, wo es Granità gibt. Und natürlich schmeckt es nirgends auch nur annähernd so gut wie in Sizilien.

Ich wiederum denke sehr oft an die langen Strandspaziergänge, die ich dort unternommen habe. Unser Kleinster war damals noch ein Baby und quasi in der Bauchtrage festgewachsen. Und ich denke an die wunderbaren Orte, die genau so sind, wie ich mir Italien immer wünsche. Ich glaube, wir sind alle der Meinung, dass Sizilien ein echt toller Ort ist – und das finde ich immer wichtig – dass die Kinder was
mitnehmen von dort und sie sich auch danach gerne daran zurückerinnern.

Photocredit: Petra Warth

Wohin mit Kindern auf Sizilien?

Wer mit Kindern reist, ist im Südosten auf jeden Fall gut aufgehoben. Die Strände dort sind sehr kindertauglich. Der Norden der Insel hat wohl das noch schönere Meer zu bieten, mit kleinen Felsbuchten, leuchtend blauem Wasser und so weiter. Aber unsere Kinder sind wahnsinnig große Sandbuddler. Wir haben Stunden damit zugebracht, mit dem Kescher kleine Fische und Krabben zu fangen (wurden natürlich alle wieder freigelassen), haben Eis in Massen gegessen und Pizza vertilgt. Und wie durch Zufall gab es drei Tage lang richtig viel Wind, das hat dann die Eltern glücklich gemacht, die zufälligerweise ihr Kitesurf-Equipment dabei hatten – und den Strand komplett für sich alleine (der „offizielle“ Kitestrand lag eigentlich ein paar Kilometer weiter weg).

Ausflüge lassen sich von dort aus super realisieren: Zum Beispiel nach Ragusa (dort gibt es besagtes Eis im Brioche), Modica (unbedingt in der Schokoladen-Manufaktur vorbeischauen) oder Noto. Oder ihr fahrt entlang der Küste nach Syrakus und, ja, auch wenn es touristisch ist – Taormina ist entzückend und das dortige Amphitheater ist eine wunderbare Location für ein Picknick mit antiker Kulisse drum herum. Einer meiner liebsten Orte ist definitiv Marzamemi. Bunte Fischerboote im Hafen, süße kleine Läden und Cafés und dazu eine Reihe toller Restaurants mit viel Local-Charme. Das ist nicht das klassische Sightseeing-Programm – aber ich mag es eben genau darum
umso lieber. Ganz in der Nähe liegt auch das Naturschutzgebiet Vendicari, mit gleich eine ganze Reihe von superschönen Stränden.

Das Highlight unserer Kinder will ich euch auch nicht vorenthalten: Das war der Besuch im Etnaland, einem großen Aquapark in der Nähe von Catania. Vom Südosten aus seid ihr da gut 2 Stunden unterwegs, aber sie sprechen immer noch davon, und keiner der Parks, die wir seitdem besucht haben, konnte dem das Wasser reichen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch mit Teenagern ist Sizilien sicher eine gute Adresse, weil das Nebeneinander von Chillen, Strand, spannenden kleinen Städtchen, antiken Ausgrabungsstätten und auch mal ein bisschen Sport (siehe Kiten oben, dazu auch Biken, Ätna-Touren usw) ganz
sicher auch einem Teenie gefällt. Und Pizza geht eh immer. Ich kann das ja in ein paar Jahren nochmal testen und dann berichten.

Was solltet ihr noch unbedingt machen?

Neben dem ganzen Sightseeing, Baden, Relaxen und so: unbedingt ESSEN! Die sizilianische Küche hat ihre ganz eigenen Akzente und setzt auf die feinen italienischen Gerichte nochmal einen drauf (für mehr stöbert doch mal in unserem Beitrag zu kulinarischen Reisen per Kochbuch, dort stellen wir auch ein schönes Buch zur sizilianischen Küche vor). Granità hab ich ja bereits erwähnt – da gibt es aber noch soviel mehr – alleine die Süßspeisen sind der Hammer. Dazu ganz viel frisches Obst und Gemüse, das dort quasi vor der Tür wächst, Fisch und Meeresfrüchte, Pastavariationen … ein Traum.

Kleine, süße Restaurants und Trattorien findet ihr überall, besonders schön fand ich sie wie gesagt in Marzamemi. Und sollte euch mal nach einem Ambiente gelüsten, das nach all den Trattorien ein wenig hipper daher kommt: Schaut mal ins Met in Marina di Ragusa, mit Terrasse direkt am Meer. Da gibt’s auch superleckere Drinks. Auch das Retrò in Donnalucata kann da mitmischen. Und ein paar Schritte weiter bekommt ihr im Mezzaparola Fisch und Meeresfrüchte im stylischen weiß-blauen Ambiente serviert.

Photocredit: Petra Warth

Tipps für die Unterkunft auf Sizilien

Da habt ihr natürlich alle Optionen. Von Hotel bis Agriturismo. Ich persönlich ziehe Ferienhäuser vor, weil man da seinen eigenen Rhythmus hat. Ein gemeinsames Essen auf der Terrasse mit dem Fisch, den man zuvor bei den Fischern am Hafen gekauft hat – herrlich. Nichtsdestotrotz hat auch ein Hotel durchaus seine Vorzüge. Viele der Familienresorts liegen eher an der Nordküste, beispielsweise in Cefalù und Umgebung. Es gibt auch kleinere Agenturen, die sich auf Sizilien spezialisiert haben, und schöne Objekte vermitteln. Das ist mitunter eine gute Alternative zu den großen Plattformen.

Wie im restlichen Italien sind auch auf Sizilien Juli und August die Hochsaison-Monate. Ich würde, wenn es geht, den Trubel und die höheren Preise, die dann herrschen, meiden und lieber im Frühjahr/Frühsommer oder dann ab September hinreisen. Das Landesinnere ist natürlich nicht so frequentiert wie die Küsten, aber es wird im Hochsommer mitunter brutal heiß, nicht vergessen. 40 Grad sind da keine Seltenheit.

Hinkommen – so reist ihr nach Sizilien

Wer die Strecke nicht scheut, kommt auch mit dem Auto nach Sizilien. Einmal quer durch Italien und dann mit der Fähre von Kalabrien aus nach Catania. Vermutlich ist das naheliegendste Transportmittel dann aber doch das Flugzeug. Laut CO2-Rechner liegt der Verbrauch für den Flug von München nach Catania pro Person bei knapp 0,5 Tonnen CO2. Mit dem Zug geht’s auch, aber da seid ihr mindestens einen Tag (24 Stunden) unterwegs und fahrt über Rom und Neapel nach Catania.

Vor Ort braucht man, sofern man keine Pauschalreise gebucht hat und sich sowieso nur wenig bewegen möchte, einen Mietwagen. Kindersitze kann man mieten, ich würde aber eher dazu raten, einen mitzunehmen – zumindest eine Sitzerhöhung, wenn das vom Alter her geht, (die sind weniger sperrig). Denn erfahrungsgemäß kann es sein, dass plötzlich doch kein Sitz vorhanden ist, obwohl der mitgebucht wurde oder die Qualität der Sitze einfach nicht stimmt.

Sonst noch was?

Aber sicher. Mein Tipp wäre: hinfahren. Es lohnt sich echt. Und das mit der Zufahrt quer durch Italien ist vielleicht gar nicht mal die schlechteste Idee.

PIN ME:

Über die Co-Autorin:

Petra lebt mit ihrer Familie im Umland von München und hat beruflich als PR Managerin für einen großen Reiseveranstalter jahrelang die Welt bereist. Als Mutter von drei Kids weiß sie mittlerweile die Vorzüge von Zielen vor der Haustür sehr zu schätzen. Deshalb trifft man sie auch gerne mal auf einem Berg an. Der darf in Bayern stehen, aber auch sehr gerne in den österreichischen Alpen oder in Südtirol.

Ab und zu überkommt sie dann aber doch die Sehnsucht nach Meer und Sand zwischen den Zehen – da trifft es sich gut, dass man von Oberbayern recht schnell in Italien ist. Auf ihrem Blog allesinklein.com schreibt sie über die kleinen und feinen Momente des Familienlebens. Und auch sonst ist das Schreiben ihr täglicher Begleiter – in ihrem Job als selbständige Redakteurin und Texterin.

Blog: allesinklein Instagram: allesinklein Facebook: allesinklein

You Might Also Like

3 Comments

  • Reply Jens 31. März 2022 at 0:01

    Liebe Petra,
    was für ein schöner Artikel, wunderbare Fotos, vor allem die Leckereien und Deine tollen Tipps. Ich bin selbst auch ein großer Italienfan und wann immer es möglich ist, reise ich nach Italien. Allerdings war ich in Sizilien zuletzt vor 30 Jahren und würde nun gerne einmal wieder dorthin reisen. Am liebsten mit unseren Kindern, denen es sicher auch gefallen würde. Aber Dein Artikel hat mich immerhin für ein paar köstliche Minuten mitgerissen und ich habe Pizza, Pasta und Granitas verköstigt und die herrliche Sommerhitze genossen. Vielen Dank dafür! Und ich habe auch selbst noch einen Tipp für eine kurzweilige Reise nach Sizilien: die Tante Poldi Bücher oder noch besser Hörbücher von Mario Giordano. Aber am besten ist natürlich eine reale Reise, fraglos.
    Herzliche Grüße e a presto,
    Jens

  • Reply Steffi 1. April 2022 at 12:01

    Ein super Beitrag. Ich hatte Sizilien wirklich noch nie als Reiseziel auf dem Schirm. Aber der Sommer und die Leichtigkeit, die der Text und die Bilder verströmen, haben mich sofort gefesselt. Ich werde es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.
    LG Steffi

  • Reply Lena 1. April 2022 at 13:20

    Hach ja, Sizilien! Dein Artikel führt mir vor Augen, dass wir in unseren 10 Tagen damals viele Ecken der Insel leider nicht erkundet haben. Der Südosten ist für uns ein weißer Fleck geblieben. Dafür können wir auf Catania, Agrigento, Sciacca und Palermo Loblieder singen. 🙂 (Vielleicht als weiterführende Literatur für Sizilien-Interessierte: Ich habe recht ausführlich über alle Stationen gebloggt.) Auf Donnalucata und Umgebung hätte ich jetzt aber auch voll Bock…

  • Leave a Reply

    Wichtiger Hinweis, bevor Du einen Kommentar abschicken kannst:

    Wenn Du einen Kommentar abschickst, erklärst Du Dich mit der Speicherung des oben angegebenen Namens und der E-Mailadresse durch diese Website einverstanden. In meiner Datenschutzerklärung erfährst Du mehr dazu.