Slow Travel nach Finnland
Mit Finnlines entspannt und umweltfreundlich von Travemünde nach Helsinki

10. November 2022

Diesen Oktober ist ein kleiner Traum für mich wahr geworden, denn ich wollte unbedingt mal die finnische Ruska erleben. Die ist nämlich das Pendant zum nordamerikanischen Indian Summer ist. Wir waren zwar nur in Südfinnland unterwegs, aber auch hier haben sich die Laubbäume, Sträucher und Moose in den spektakulärsten Herbstfarben gezeigt. Ein Träumchen!

Da wir mit unserem Auto den Süden des Landes erkunden wollten und unsere Anreise so nachhaltig wie möglich sein sollte, kam als Anreiseoption nur eine Fahrt mit Finnlines in Frage. Die Fahrt von Travemünde nach Helsinki dauert zwar schlappe 30 Stunden, umweltfreundlicher reisen bedeutet jedoch auch, den Weg zum Ziel zu machen. Und das haben wir auch voll ausgekostet.

Offenlegung: Dieser Beitrag enthält Werbung. Wir wurden von Finnlines zu dieser Überfahrt eingeladen. Meine eigene Meinung bleibt davon wie immer unberührt und mein Blogpost beruht ausschließlich auf unseren eigenen Erfahrungen. Ein herzliches Dankeschön auch an Kapitän Pekka für den äußerst angenehmen, spannenden und kurzweiligen Aufenthalt auf seiner Brücke.  

Slow Travel nach Finnland: Mit Finnlines entspannt und umweltfreundlich von Travemünde nach Helsinki

Was bedeutet Slow Travel?

Slow Travel bedeutet langsam und bewusst zu reisen, sich auf Menschen und Orte einzulassen und sich Zeit zu nehmen. Es ist das Gegenteil von Massentourismus, schnellen Flugreisen, Listen von Must-Sees und unzähligen fotografischen Dokumentationen auf Social Media. Sich 30 Stunden Zeit für die Anreise zu nehmen, heißt auch diesen (in der Regel unbeliebten) Teil als Reiseerfahrung zu sehen.

An Bord der Finnlines stellt sich das Gefühl von Slow Travel auf jeden Fall sehr schnell ein. Man tuckert nämlich gemächlich mit 20 Knoten (ca. 40 km/h) einmal quer über die Ostsee und bekommt mal wieder ein Gespür für die Entfernung. Dabei entspannt man in einer komfortablen Kabine, in der bordeigenen finnischen Sauna oder genießt frische Meeresluft und die unendliche Weite auf dem Panoramadeck. Kein Stau oder Stress am Airport Check-In. Einfach nur Zeit, um mal wieder in aller Ruhe ein Buch zu lesen, Karten zu spielen, Kaffee zu trinken oder im Bord-Restaurant lecker zu essen.

Unser Trip von Travemünde nach Helsinki und zurück

Einchecken in Travemünde

Die Fähren von Travemünde nach Helsinki legen in der Regel immer zwischen 2 und 3 Uhr in der Nacht ab, was auch daran liegt, dass die unzähligen Fracht-Container verladen werden müssen. Die Abfahrtszeit hörte sich für mich, mit Kind im Schlepptau, erstmal abenteuerlich an. Es war dann allerdings sehr gut machbar.

Wir sind mit unserem Auto Freitag nachmittags losgefahren und kamen gegen 22:30 Uhr in Travemünde an. Gegen Vorlage unserer Online-Tickets und Personalausweise bekamen wir dann am Check-In Terminal unsere Kabine zugewiesen und Voucher für die vorab gebuchten Mahlzeitenpakete. Gegen 23:30 Uhr durften wir dann mit unserem Auto an Bord fahren. Da unsere Kabine noch gereinigt wurde, konnten wir sie nicht direkt beziehen und haben erst noch im Bord-Restaurant gewartet. Gegen ca. 1 Uhr lagen wir dann aber auch schon in unseren Betten und haben die Abfahrt verschlafen.

Hinweis: Der Check-In ist ab ca. 21 Uhr bis zwei Stunden vor Abfahrt geöffnet. Gegen ca. 23:30 Uhr werden zuerst LKW eingeschifft, kurz danach dürfen PKW an Bord fahren. Wohnmobile und höhere Autos fahren ungefähr gegen Mitternacht aufs Schiff. 

Unsere komfortable Außenkabine

Wir sind schon oft mit Fähren gereist, hatten aber noch nie eine so geräumige und komfortable Kabine an Bord eines Schiffes. Unsere Außenkabine für 4 Personen hatte Meerblick und war mit einem sehr bequemen Doppelbett, einem Sofabett, einem Oberbett sowie Dusche/WC, Kühlschrank, TV, Safe und Haartrockner ausgestattet. 30 Stunden Überfahrt ließen sich dort sehr gut aushalten. Hier findet Ihr eine weitere Auswahl an Kabinen.

Tipp: Da die Auto-Decks während der Überfahrt geschlossen sind, packt man sich für die Zeit an Bord am Besten eine extra Reisetasche. Es empfiehlt es sich nicht, eine große Auspack-Aktion mit großen Koffern zu starten, da die Autos auf den Decks dicht an dicht stehen. Wir hatten für uns Drei daher zwei kleine Taschen mit Schlafanzügen, Kulturbeutel, Ersatzkleidung, Bücher und Zeitschriften, Kartenspiel sowie Snacks dabei. Shampoo und Duschgel benötigt man nicht, die befinden sich in der Dusche.

Aktivitäten an Bord

Auf der Hinfahrt waren wir zwei Nächte und einen Seetag an Bord der Finnlady, auf dem Rückweg war es nur eine Übernachtung und dafür 1 1/2 Seetage. Dies ist der unterschiedlichen Abfahrtszeit geschuldet. So oder so beträgt die Fahrzeit ca. 30 Stunden und man hat viel Zeit sich den Ostseewind um die Nase wehen zu lassen. In der Nebensaison gibt es kein Entertainment, im Sommer bietet Finnlines jedoch Live-Musik und ein Kinderprogramm an.

An Bord kann man die kostenlose finnische Sauna (getrennt für Damen und Herren) mit Whirlpool nutzen, sich im Fitnessraum auspowern oder sich einen Massagetermin buchen. Für die Kleinen gibt es eine Kinderspielecke mit Bällebad und für die Größeren eine Teenager-Lounge samt Tischkicker. Wer online bleiben möchte kann ein kostenpflichtiges Wlan-Paket buchen. Alle anderen Gäste chillen einfach an Deck, besuchen den kleinen Sailors Shop oder trinken einen Kaffee im Star Café und spielen Karten.

Copyright: Finnlines

Verpflegung an Bord

Absolut lohnenswert ist die Buchung eines Mahlzeitenpaketes. Auf der Hinfahrt beinhaltet es 1 x Frühstück, 1 x Brunch und 1 x Abendessen, das in Buffetform serviert wird und sehr reichhaltig ist. Neben den klassischen europäischen Gerichten werden auch finnische Spezialitäten wie z.B. Lachs, eingelegte Heringe oder karelische Piroggen angeboten.

Brunch: Das Brunch findet zwischen 09:30 Uhr und 12:30 Uhr statt und startet mit einem ausgewogenen Frühstücksangebot. Dann gibt es z.B. auch Puuro (finnisches Porrdige). Ab 11 Uhr wird das Frühstück durch ein abwechslungsreiches Mittagsbuffet ersetzt. Wer mag kann also auch gerne zweimal kommen.

Superior Abendessen: Zwischen 18:30 Uhr und 20 Uhr wird ein üppiges Buffet im Restaurant Mare Balticum serviert. Dann gibt es diverse Vorspeisen, Salate, Fisch, Fleisch, Gemüse und Desserts. Wasser, Milch, Säfte, Kaffee, Tee, Bier, Wein, Kaffee und Tee sind im Preis enthalten.

Frühstück kurz vor Helsinki: Bevor die Fähre gegen ca. 10 Uhr in Helsinki ankommt, gibt es nochmal ein großes Frühstücksbuffet. Damit ist man dann direkt für den Tag gestärkt und kommt entspannt in Finnland an.

Snacks im Star Café: Zwischen den Öffnungszeiten des Restaurants bietet das Star Café Kuchen, Gebäck, Snacks, Getränke etc. an. Wir waren von unserem Mahlzeitenpaket allerdings so gesättigt, dass wir das Café nicht genutzt haben.

Tipp: Natürlich muss man kein Mahlzeitenpaket buchen. Wer Geld sparen möchte, kann sich auch mit Sandwiches und Snacks aus dem Star Café über Wasser halten oder z.B. nur das Brunch oder Dinner einzeln buchen. Der Verzehr von eigenem Essen ist in den öffentlichen Bereichen jedoch nicht gestattet.

Die Mahlzeitenpakete sind für eine Familie erstmal ein stolzer Preis. Erwachsene zahlen 62 €, Kinder ab 6 Jahren 31 €, Teenager zwischen 13 und 18 Jahren 46,50 € und Kinder bis zu 5 Jahren (in Begleitung ihrer zahlenden Eltern) sind kostenfrei. Wer das Geld ausgeben möchte, hat es dann allerdings auch gut investiert. Die Buffets sind sehr reichhaltig und man ist gefühlt ständig mit lecker essen beschäftigt, was die Reisezeit sehr angenehm macht. Man kann die Mahlzeitenpakete auch einzeln und spontan an Bord buchen. Bestellt man sie jedoch schon mit dem Kauf der Tickets, sind sie günstiger.

Besuch auf der Kapitänsbrücke

In den Genuss eines Besuchs auf der Kapitänsbrücke kommt leider nicht jeder. Wir hatten allerdings das große Glück eine Einladung von Kapitän Pekka Stenvik zu bekommen und durften ihm einige Fragen rund um die MS Finnlady, seine Arbeit bei Finnlines und den täglichen Transport von Tausenden Tonnen Fracht und bis zu 500 Passagieren stellen. Kurz vor unserer Reise gab es leider Anschläge auf 4 Ostsee-Pipelines, die auf unserer Route lagen. Auch dies war natürlich ein Gesprächsthema. Mir war dbzgl. erst etwas mulmig zumute, aber Kapitän Pekka erklärte uns sehr ausführlich, dass wir diese Zonen weiträumig umschiffen.

Finnlines arbeitet im Übrigen mit zwei wechselnden Mannschaften. Drei Wochen lebt und arbeitet die Besatzung an Bord und bekommt dafür dann anschließend drei Wochen frei.

Info für Menschen die unter Seekrankheit leiden:

Natürlich kann es auf der Ostsee auch mal stürmisch werden. Wir hatten auf unserer Überfahrt zwar keinen Sturm, dennoch waren die Wellen bis zu 3 Meter hoch. Davon merkten wir allerdings recht wenig. Um die wertvolle Fracht nicht zu beschädigen und die Gemüter der Passagiere zu schonen, kann das Schiff nämlich Stabilisatoren ausfahren. Nichtsdestotrotz sollten Menschen die unter Seekrankheit leiden, immer entsprechende Medikamente einpacken.

Ankunft in Helsinki

Finnlines erreicht den Industriehafen Vuosaari gegen 9/10 Uhr am Morgen. Er befindet sich östlich von Helsinki und ca. 20 Autominuten von der Innenstadt entfernt. Bei der Einfahrt in das Hafengebiet fährt man ca. 45 Minuten entlang unzähliger Inselchen und waldiger Küstenlandschaft. Dafür lohnt es sich dann auch unbedingt früher aufzustehen. Vom Hafen Vuosaari legt dann auch wieder die Fähre Richtung Travemünde ab.

Umweltfreundliche Anreise mit Finnlines

„Ihr reist mit der Fähre? Na, das ist ja auch nicht umweltfreundlicher als ein Flug!“ Typische Kommentare, wenn es um eine Anreise mit dem Schiff geht. Tatsächlich ist eine reine Passagierfähre die Schweröl verbrennt, auch wirklich nicht unbedingt nachhaltiger. Finnlines ist jedoch eine kombinierte Fracht- und Passagierfähre. D.h., dass sich die Emissionen auf beide Kategorien verteilen. Die Passagiere nutzen also ein bestehendes Transportmittel, das täglich die Versorgung Finnlands mit Gütern gewährleistet. Man schippert also nicht nur zum „Vergnügen“ über die Meere ;).

Da der Transport über Land einfach viel zu lange dauern würde, werden rund 90 % der finnischen Exporte und 80 % der Importe über die Ostsee transportiert. Der Ro-Pax-Dienst (Roll On/Roll Off = Frachtgut, Pax = Passagiere) von Finnlines transportiert dabei jährlich über eine Millionen Tonnen Fracht und hunderttausende Passagiere auf dem Seeweg. Man stelle sich vor, dass all die Güter und Personen in PKW und LKW über Land reisen würden. Zudem achtet Finnlines auf eine hohe Auslastung und gewährleistet so eine nachhaltige und verantwortungsvolle Reise.

CO2-Emissionen von Flug und Fähre im Vergleich:

CO2-Emissionen pro Fähr-Passagier
Travemünde – Helsinki
CO2-Emissionen pro Flug-Passagier
Düsseldorf – Helsinki
69–79 kg CO2427 kg CO2

Erschreckend fand ich im Übrigen, dass unsere Auto-Fahrstrecke von unserem Heimatort bis nach Travemünde ebenfalls 73,92 kg CO₂ verbraucht hat. Wobei hier natürlich mehrere Personen im Auto saßen.

Hinweis: Abweichungen bei den Co2-Emissionen für die Fähre sind auf die Anzahl der Passagiere, Wetterbedingungen und Streckenführung zurückzuführen.

Fun Fact: Würde man alle Wagen aneinanderreihen, die auf dem Frachtdeck der Finnlady Platz finden, würde eine über 4 Kilometer lange LKW-Schlange entstehen.

In den letzten Jahren hat Finnlines zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Flotte umweltfreundlicher zu machen. Unter anderem durch die Investition in ökoeffiziente Schiffe mit Hybrid-Antrieb. Bis 2050 möchte Finnlines seine CO2-Emissionen um mindestens 50% gegenüber dem Jahr 2008 senken. Visit Finland hat Finnlines im Bereich Nachhaltigkeit dafür mit dem Sustainable Travel Label ausgezeichnet.

Über Finnlines: Finnlines ist die einzige Reederei die Deutschland und Finnland auf dem direktem Seeweg verbindet. Die Finnlines-Fähren transportieren nicht nur Passagiere und Fahrzeuge, sondern vor allem auch zahlreiche wichtige Güter. Damit leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung der Länder im Ostseeraum. Finnlines verbindet die Strecken Travemünde – Helsinki, Travemünde – Malmö sowie Kapellskär – Naantali mit Stop auf den Åland-Inseln. Zudem verfügt Finnlines über die höchste Eisklasse für Passagierschiffe, was besonders im Winter wichtig ist.  

Weitere Tipps für Finnland im Herbst:

Ruska und Ruhe – 10 wundervolle Gründe für eine Reise in der Nebensaison

Instagram Story Highlights/ Anreise Finnlines und Südfinnland

Seid ihr schon mal mit Finnlines gereist? Ich habe die Reise tatsächlich schon mal im Alter von 10 Jahren mit meinen Eltern gemacht. In den 80er Jahren hieß das Schiff allerdings noch Finnjet. Wir fanden unseren Trip mit Finnlines auf jeden Fall äußerst entspannend und angenehm und ich träume nun von einer Winterreise. Dann ist es auch durchaus möglich, dass sich die Finnlines-Fähre den Weg durch eine Eisdecke bahnen muss.

PIN ME:

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply Katrin 10. November 2022 at 18:50

    Schöner Artikel und ein klares Statement für Slow Travel! Danke dafür!

    • Reply nadine 12. November 2022 at 8:48

      Lieben Dank, Katrin! Das freut mich.

  • Reply Oli 12. November 2022 at 3:18

    Die Zahlen bei den Emissionen kommen mir etwas arg tief vor. Bist du sicher, dass du richtig gerechnet hast und nicht auf das Greenwashing der Schiffsbetreiber reingefallen bist?

    Die Schiffsgesellschaft nennen zwar gerne Emissionen pro Passagier, unterschlagen dabei aber, dass sie das mitgenommene Fahrzeug aus der Gleichung rausgerechnet haben.

    Ich hab das mal bei einer Schweizer Umweltschutzorganisation nachgeschlagen, die das allgemein so sagt: Ein Passagier in einer durchschnittlichen Fähre verursacht pro Kilometer rund 18 Kilo CO₂, das mitgeführte Auto rund 100 zusätzlich.

    Das heisst, du müsstest bei dir also wahrscheinlich folgendermassen rechnen: 375 kg fürs Auto + 75 für die Autofahrt + 75 kg Mal Anzahl der Passagiere und am Ende teilst du alles durch die Zahl von Reisenden.

    Bei zwei Passagieren kommst du da auf 300 kg pro Person für die ganze Reise. Das ist zwar noch immer noch besser als ein Flug, aber kein sooo grosser Unterschied. Bei vier Personen wärst du bei rund 190.

    Oder habe ich da einen Rechenfehler drin?

    • Reply nadine 12. November 2022 at 8:48

      Hi Oli! Da hast Du Recht. Die Zahl ist ohne Auto. Es gibt ja auch genug Passagiere, die nicht mit dem eigenen Wagen anreisen. An Bord waren z.B. auch einige Schulklassen oder Reisegruppen. Da müsste man dann einen Reisebus durch die Anzahl der Passagier teilen. Wie ich unter der Tabelle geschrieben habe, muss man auch noch die Anreise mit dem eigenen Auto hinzurechnen. Wenn Du in Hamburg wohnst, ist der CO2-Anteil für die Anreise natürlich halb so wild. Wenn Du, wie wir, halb Deutschland durchquerst, sieht das schon wieder anders aus. Letzten Endes ist die Berechnung sehr individuell. Ich fand aber erstmal den konkreten Vergleich pro Passagier Fähre/ Flucht wichtig und die Zahl weicht ja schon stark ab. Und wenn Mensch nur 1500 kg pro Jahr verbrauchen darf, sind jede 100 kg zusätzlich megawichtig. Da wir normalerweise zu Viert reisen, sind 190 kg also auf jeden Fall besser als 427 kg. Meinst Du nicht? LG, Nadine

    Leave a Reply

    Wichtiger Hinweis, bevor Du einen Kommentar abschicken kannst:

    Wenn Du einen Kommentar abschickst, erklärst Du Dich mit der Speicherung des oben angegebenen Namens und der E-Mailadresse durch diese Website einverstanden. In meiner Datenschutzerklärung erfährst Du mehr dazu.