Die schönsten Ausflugsziele im Rhein-Kreis Neuss

18 Tipps zwischen Natur, Kultur, Gastro & Industriecharme

by nadine

Wenn man an den Rhein-Kreis Neuss denkt, hat man vermutlich zuerst Industrieanlagen, Autobahnen oder den Braunkohletagebau vor Augen. Nicht unbedingt die Zutaten für einen gelungenen Tagesausflug. Genau das macht die Region aber so überraschend. Zwischen all der Industrie verstecken sich nämlich idyllische Rheinauen, mittelalterliche Ortskerne, historische Klöster, römische Ausgrabungsstätten und moderne Kunst. Manche dieser Orte sind selbst Einheimischen nicht bekannt. Kann ich sehr gut beurteilen, denn ich bin in Neuss aufgewachsen und lebe nun, nachdem ich jahrelang um die Welt getingelt bin, nun auch wieder mit meiner Familie im Rhein-Kreis-Neuss.

Und wie es manchmal so ist, muss man erst in die Ferne schweifen, um die Schönheit der eigenen Heimat zu erkennen. Aus meiner Sicht liegt das aber auch daran, dass die Stadt Neuss und das Umland in den letzten Jahren einen positiven Strukturwandel durchlaufen haben. Ich nehme euch also mal mit in meine Heimat, den Rhein-Kreis Neuss und verrate euch 18 schöne Ausflugsziele und Tipps zwischen Natur, Kultur, Gastro und Industriecharme.

[Aktualisierter Beitrag von April 2022]

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Die schönsten Ausflugsziele im Rhein-Kreis Neuss:

18 Tipps zwischen Natur, Kultur, Gastro & Industriecharme

Wo liegt der Rhein-Kreis-Neuss?

Der Rhein-Kreis Neuss liegt in Nordrhein-Westfalen genau zwischen Köln und Düsseldorf und wird deshalb oftmals übersehen. Dabei verbindet kaum eine andere Region im Rheinland so viele unterschiedliche Landschaften auf engem Raum. Hier treffen historische Orte wie Zons oder Liedberg auf Rheinauen, Naturschutzgebiete, moderne Kunst und Spuren der Industriekultur. Die Stadt Neuss ist das Herz des Landkreises, liegt am linken Rheinufer und direkt gegenüber von Düsseldorf. Beide Städte sind durch mehrere Rheinbrücken miteinander verbunden.

Historische Infos

Vor mehr als 2.000 Jahren ließen sich die Römer in Neuss nieder und gründeten ihre ersten Siedlungen entlang des Rheins. Neuss (römisch Novaesium) zählt daher wie Köln oder Trier zu den ältesten Städten Deutschlands. Im Mittelalter wurde die Region dann von den Normannen heimgesucht, im 15. Jahrhundert vom Herzog von Burgund belagert und in der napoleonischen Zeit ganz von den Franzosen eingenommen, bis sie von den Preußen befreit wurde. Anlässlich des 2000-jährigen Stadtjubiläums 1984 erschien sogar der Sonderband „Asterix in Novaesium” und noch heute stößt man bei Bauarbeiten immer wieder auf Relikte aus der Römerzeit.

Vielleicht steckt hinter dieser turbulenten Historie auch das Geheimnis der rheinischen Mentalität, die aus einer Prise italienischem La dolce Vita und französischem Laissez-faire besteht ;).

Auch der Rhein, der zweitlängste Fluss Deutschlands, hat in Jahrtausenden seine Spuren hinterlassen. Zwar hat sich sein Lauf immer wieder verändert, doch es gibt immer noch sumpfähnliche Gebiete, Auenwälder, Kopfweiden und Streuobstwiesen, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten.

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#1 Die Römerstadt Neuss

Die Neusser Innenstadt ist angenehm überschaubar und wird von einem grünen Wallring (historischer Grüngürtel) umschlossen, der dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer folgt. Zwischen Marktplatz, Quirinus-Münster, Fußgängerzone und historischen Gassen lässt sich die über 2.000-jährige Geschichte der Stadt bequem zu Fuß entdecken. Besonders während des Wochenmarkts oder zur Weihnachtszeit herrscht rund um das Quirinus Münster eine lebendige Atmosphäre.

#1.1 Die historische Innenstadt

Anders als viele andere historische Städte am Rhein verfügt Neuss heute nicht mehr über eine geschlossene mittelalterliche Altstadt. Große Teile der historischen Bebauung wurden im Zweiten Weltkrieg leider zerstört. Dennoch lassen sich an vielen Stellen noch Spuren der langen Stadtgeschichte entdecken. Zu den ältesten erhaltenen Bauwerken von Neuss zählen das ab 1209 errichtete imposante Quirinus-Münster, das mittelalterliche Obertor sowie die Reste der ehemaligen Stadtbefestigung mit Blutturm, Kehlturm und Teilen der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert.

Besonders interessant ist auch das Vogthaus (1597) mit seinem Glockenspiel, das Zeughaus (ab 1637), das Schwatte Päd (1559) und das Brauhaus Im Dom (frühes 17. Jahrhundert), weil sie zu den noch erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg gehören. Man muss mitunter jedoch genauer hinschauen, um diese historischen Einzeldenkmälern in der ansonsten modernen Innenstadt wahrzunehmen.

#2 Genuss- und Shoppingtipps für die Neusser Innenstadt

Wer nach dem Stadtbummel eine Pause einlegen möchte, findet in Neuss einige echte Lieblingsadressen. Und ich kann euch sagen, da hat sich in den letzten Jahren echt was getan, denn in meiner Jugend hatte Neuss in der Hinsicht nicht sonderlich viel zu bieten.

#2.1 Meine persönlichen Gastro-Tipps:

  • Für gehobene regionale Küche ist das Restaurant Spitzweg direkt um die Ecke vom Quirinus-Münster eine ausgezeichnete Wahl. Das traditionsreiche Restaurant wird sogar im Michelin Guide empfohlen und verbindet saisonale, regionale und internationale Küche. Das Essen ist echt der Hammer. Wenn ihr euch mal richtig verwöhnen lassen wollt, schaut hier vorbei.
  • Wer es unkompliziert und gemütlich mag, sollte bei Gastro Oma auf der Neustraße vorbeischauen. Das kleine Oma´s Bistro serviert hausgemachte Gerichte mit ukrainischen und osteuropäischen Einflüssen – von Pelmeni und Wareniki bis zu Borschtsch und Syrnyky. Besonders spannend ist der angeschlossene Shop: Hier kann man viele der handgefertigten Spezialitäten tiefgekühlt mit nach Hause nehmen oder sogar deutschlandweit liefern lassen. Die Gerichte werden aus natürlichen Zutaten hergestellt, von Hand zubereitet (man kann sogar dabei zuschauen) und direkt nach der Herstellung schockgefrostet, sodass Geschmack und Qualität erhalten bleiben.
  • Gleich nebenan lädt das urige Im neuen Marienbildchen zu einem Altbier oder einem deftigen Abendessen in typisch rheinischer Atmosphäre ein. Das Marienbildchen war schon in meiner Jugend Kultkneipe. Manche Dinge ändern sich dann halt doch nicht und das ist auch gut so.
  • Für eine Kaffeepause lohnt sich das gemütliche Café lonnes + leusch auf dem Münsterplatz mit hervorragendem Kaffee, hausgemachtem Kuchen und einem der schönsten Plätze zum Verweilen in der Altstadt. Aktuell haben sie, anlässlich der Landesgartenschau Neuss, auch eine leckere LAGA-Stulle auf der Karte.
  • Köstliche Pastéis de Nata und portugiesische Kaffeevaratiationen bekommt Ihr bei Cathinho das Natas auf der Münsterstraße.
  • Weinliebhaber sollten unbedingt im Cuvée im Stiftskeller vorbeischauen, wo ausgewählte Weine in entspannter Atmosphäre serviert werden.
  • Und wenn der Hunger noch einmal kommt, bietet das Vogthaus Neuss auf dem Münsterplatz moderne Brauhausküche mit großer Terrasse und Blick auf das Quirinus-Münster.

#2.2 Meine persönlichen Shopping-Tipps:

  • Auch Shoppingfans kommen in Neuss auf ihre Kosten. In der kleinen Boutique Store No.16 gibt es ausgewählte Mode und Accessoires abseits der großen Ketten.
  • Wer regionale Spezialitäten liebt, sollte unbedingt der traditionsreichen Gewürzmühle Engels seit 1919 einen Besuch abstatten. Gab es logischerweise auch schon in meiner Jugend ;). Hier duftet es nach Gewürzen aus aller Welt, hochwertigen Tees und Feinkost. Ein wunderbarer Ort für kulinarische Mitbringsel.
  • Bücherliebhaber sollten unbedingt einen Abstecher zur Gutenberg Buchladen auf der Neustraße machen. Die unabhängige Buchhandlung ist ein echter Wohlfühlort für alle, die gerne stöbern. Neben aktuellen Bestsellern und Klassikern findet man hier auch liebevoll ausgewählte Geschenkartikel, Karten und kleine Mitbringsel.

#2.3 Der Neusser Hafen

Einen spannenden Kontrast zur historischen Altstadt bildet mittlerweile der Neusser Hafen, der auch direkt an der Landesgartenschau liegt. Rund um das Hafenbecken 1 entwickelt sich das ehemalige Industrieareal zunehmend zu einem Ort für Freizeit, Gastronomie und Veranstaltungen. Hier könnt ihr mit einem Drink in der Hand in der HAFENBAR NEUSS oder bei einem Abendessen in der Hafenliebe Neuss beobachten, wie sich der Hafen Schritt für Schritt zu einem lebendigen Stadtquartier wandelt.

#2.4 Das größte Schützenfest am Rhein

Wer mal ein besonderes rheinisches Brauchtum erleben möchte, sollte am letzten Wochenende im August kommen. Dann findet nämlich das größte Schützenfest am Rhein mit großer Kirmes statt. Mit der Königsparade, den zahlreichen Festzügen und dem Königsschießen ist das Neusser Bürger-Schützenfest der gesellschaftliche Höhepunkt der Stadt, zu dem jedes Jahr bis zu eine Million Besucher:innen kommen.

Gut zu wissen: Das Neusser Bürger-Schützenfest gehört mit ca. 8.000 aktiven Schützen zu den weltweit größten seiner Art.

#3 Die Landesgartenschau (LAGA) Neuss 2026

Mit der Landesgartenschau 2026 hat Neuss ein neues grünes Herz bekommen. Auf dem rund 38 Hektar großen Gelände der ehemaligen Galopprennbahn ist ein weitläufiger Park mit Wiesen, Blumenbeeten, Spiel- und Sportflächen sowie mehr als 2.200 neu gepflanzten Bäumen entstanden. Dabei ist die Geschichte des Areals jedoch nicht verloren gegangen. Die ehemalige Wetthalle, Richtertürme, Pferdestallungen und Sandbahnen, auf denen einst Pferde galoppiert sind, wurden in die Gestaltung integriert. Da eine Pferderennbahn freie Sicht braucht, wirken manche Flächen noch recht kahl. Ich bin mir aber sicher, dass dieser Park ein echter Gewinn für die Stadt Neuss sein wird, wenn sich die Natur das Gelände zurückerobert.

Auf der LAGA werden vom 16. April bis zum 11. Oktober 2026 zahlreiche Ausstellungen, Schaugärten und Veranstaltungen angeboten. Der neue Park bleibt jedoch auch nach dem Ende der Schau erhalten und schafft dauerhaft einen attraktiven Erholungsraum zwischen Innenstadt, Hafen und Rhein. Wer Neuss besucht, sollte deshalb nicht nur die Innenstadt erkunden, sondern auch einen Spaziergang durch das neue „Grüne Herz“ der Stadt einplanen.

Gut zu wissen: Für den Besuch der LAGA wird noch bis zum 11. Oktober 2026 Eintritt erhoben wird. Dieser ist mit 20 € (Erwachsene) nicht ganz günstig, dafür sind jedoch verschiedene Veranstaltungen wie z. B. Yogasessions oder Aquarellmalen enthalten. Checkt vor einem Besuch daher am Besten den Veranstaltungskalender. Ab 17 Uhr gibt es ein günstiges Feierabendticket für 5 €.

#4 Die Feste Zons und seine Rheinauen

Nur rund 15 Kilometer südlich von Neuss liegt mit Zons eines der schönsten Ausflugsziele am Niederrhein. Die ehemalige kurkölnische Zollfeste aus dem 14. Jahrhundert gehört zu Dormagen und zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Städten Deutschlands. Noch heute wird die historische Altstadt von einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer mit Toren, Türmen und dem markanten Rheinturm umschlossen. Sobald man durch eines der alten Stadttore tritt, fühlt es sich an, als würde man mehrere Jahrhunderte zurückreisen.

Hinter den Mauern erwarten einen verwinkelte Kopfsteinpflastergassen, liebevoll restaurierte Fachwerk- und Backsteinhäuser sowie kleine Cafés, Galerien und individuelle Geschäfte. Am schönsten ist es, sich einfach treiben zu lassen und den besonderen Charme der Altstadt aufzusaugen. Rund um die Stadtmauer laden Grünanlagen und der Rheindeich zu einem Spaziergang ein, bei dem man immer wieder schöne Ausblicke auf den Rhein und seine Auen genießen kann.

Mein Tipp: Verbindet den Besuch mit einem Spaziergang durch das Naturschutzgebiet Zonser Grind oder fahrt mit der Rheinfähre nach Düsseldorf-Urdenbach über. Hier könnt ihr durch die Urdenbacher Kämpe spazieren, die eine idyllische Auenlandschaft mit Kopfweiden, Feuchtwiesen, Hecken und blühenden Obstbäumen bietet. So wird aus einem Stadtbummel ein herrlicher Tagesausflug. Haltet unbedingt auch Ausschau nach den quietschgrünen Halsbandsittichen, die sich seit Ende der 1960er Jahre zwischen Bonn und Düsseldorf entlang des Rheins ausgebreitet haben. Besonders abends fliegen oft Hunderte Vögel gemeinsam ihre Runde, um sich unter großem Spektakel in ihren Schlafbäumen niederzulassen.

#5 Haus Piwipp in Dormagen am Rhein

Ein kleiner Geheimtipp am Rhein ist das traditionsreiche Haus Piwipp im Stadtteil Dormagen Rheinfeld. Haus Piwipp ist ein ehemaliges Fähr- und Schifferhaus, das heute ein beliebtes Ausflugslokal mit schöner Terrasse, Beachbar und Blick auf den Rhein ist. Besonders charmant ist die Anreise mit dem Piwipper Böötchen, einer kleinen Personenfähre, die Rheinfeld mit Monheim auf der anderen Rheinseite verbindet (Achtung: Verkehrt nur im Sommer und Wochenenden & Feiertagen). Eine Überfahrt fühlt sich fast wie eine kleine Zeitreise an und lässt sich wunderbar mit einer Radtour oder einem entspannten Spaziergang nach Monheim am Rhein verbinden.

Mein Tipp: Nehmt euch Zeit, setzt euch bei schönem Wetter mit einem Getränk in die Piwipper Beachbar, beobachtet die vorbeiziehenden Schiffe und genießt den entschleunigten Blick aufs Wasser. Hat fast was von Urlaub.

#6 Das Kloster Knechtsteden

Ein weiteres lohnendes Ausflugsziel ist das Kloster Knechtsteden in Dormagen. Die ehemalige Prämonstratenserabtei aus dem frühen 12. Jahrhundert zählt zu den bedeutendsten romanischen Klosteranlagen am Niederrhein und beeindruckt mit ihrer imposanten Basilika, den historischen Klostergebäuden und der weitläufigen Parkanlage. Rund um das Kloster führen zahlreiche Wander- und Radwege durch den Knechtstedener Wald, ideal, um Kultur und Natur miteinander zu verbinden. Besonders schön ist die ruhige Atmosphäre, die diesen Ort zu einer kleinen Auszeit vom Alltag macht. Auf dem Gelände befindet sich zudem das katholische Norbert-Gymnasium und die Gaststätte Klosterhof Knechtsteden mit Außengastronomie.

#7 Der Wildtierpark Tannenbusch

Wenn euch der Sinn nach Natur steht, solltet ihr dem Tannenbusch in Dormagen einen Besuch abstatten. Das weitläufige Wald- und Erholungsgebiet eignet sich wunderbar für einen entspannten Spaziergang oder eine kleine Wanderung. Besonders beliebt ist das kostenlose Wild- und Streichelgehege, in dem Ziegen, Schafe, Damwild, Wildschweine und weitere heimische Tiere aus nächster Nähe beobachtet werden können. Neuerdings leben dort auch zwei Capybaras. Gerade für Familien ist der Tannenbusch ein schönes Ausflugsziel, aber auch wer einfach ein wenig Ruhe zwischen alten Bäumen und Waldwegen sucht, wird sich hier wohlfühlen. Ein Waldspielplatz und ein gemütliches Waldcafé machen den Ausflug perfekt.

#8 Der Straberger See

Der Straberger See bei Dormagen ist zwar ursprünglich ein Baggersee, hat sich aber längst zu einem der beliebtesten Naherholungsgebiete der Region entwickelt. Da hier noch immer Kies abgebaut wird, lässt sich der See bislang nicht komplett umrunden. Im Sommer verwandelt sich der Strabeach jedoch in die Chill-out-Area der Dormagener. Das Strandbad bietet eine große Liegewiese, Sandflächen, einen Kinderspielplatz, ein Beachvolleyballfeld, einen Imbiss sowie einen flach abfallenden Badebereich. Ein besonderes Highlight ist die 21 Quadratmeter große Badeinsel mitten im See.

Für Action sorgt der Wakebeach 257, dessen knapp 600 Meter lange Full-Size-Wakeboardanlage zu den modernsten der Region zählt. Neben Wakeboarden und Wasserski werden auch Anfängerkurse sowie Feriencamps für Kinder angeboten. Wer es etwas entspannter mag, kann ein Stand-up-Paddle-Board ausleihen oder den Tag mit einem kühlen Getränk an der Beachbar ausklingen lassen. Ob sportlich aktiv oder einfach nur mit den Füßen im Sand, der Straberger See ist der perfekte Ort für einen Sommertag am Wasser.

Fun Fact: Eine kuriose Geschichte machte den Straberger See 1994 weit über die Region hinaus bekannt. Der Brillenkaiman Sammy entwischte seinem Besitzer und versteckte sich mehrere Tage im See. Die spektakuläre Suchaktion sorgte bundesweit für Schlagzeilen und machte den kleinen Kaiman zum wohl berühmtesten Sommerloch-Tier Deutschlands. Noch heute erinnert man sich in Dormagen gerne an die Geschichte und auch das Hallenbad trägt im zu Ehren den Namen „Sammys“.

Persönliche Bitte: Da es im Sommer leider nicht genügend Parkplätze gibt, sollte man besser mit dem Fahrrad oder dem Bus kommen (Bushaltestelle „Nievenheimer See”). Für uns als direkte Anwohner ist es nämlich kein Vergnügen, wenn wir in der Hochsaison ständig zugeparkt werden ;). Zudem die dringende Bitte: Nehmt euren Müll wieder mit und werft ihn nicht in die Landschaft!

#9 Die Museum Insel Hombroich

Zu den außergewöhnlichsten Ausflugszielen im Rhein-Kreis Neuss gehört die Museum Insel Hombroich. Das einzigartige Kunst- und Kulturzentrum verbindet auf faszinierende Weise Architektur, Kunst und Natur. Zwischen Wiesen, alten Bäumen, Teichen und Auenlandschaften verteilen sich zehn minimalistische Ausstellungspavillons, in denen asiatische und moderne Kunst gezeigt wird. Ganz nach dem Motto „Kunst parallel zur Natur“.

Das Besondere an Hombroich ist die entschleunigte Atmosphäre. Statt künstlicher Beleuchtung, großer Hinweisschilder oder Absperrungen darf sich die Landschaft frei entfalten und die Kunst fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein. Bei einem Spaziergang über das weitläufige Gelände vergisst man schnell den Alltag und entdeckt an jeder Ecke neue Perspektiven. Gleichzeitig vermittelt die Museum Insel Hombroich einen Eindruck davon, wie die ursprüngliche Auenlandschaft des Rheinlands einst ausgesehen haben könnte. Kein Wunder, dass sich hier auch zahlreiche Vogelarten und Amphibien wohlfühlen. Für mich ist Hombroich einer dieser seltenen Orte, an denen Kunst nicht nur betrachtet, sondern mit allen Sinnen erlebt wird.

#10 Die Raketenstation Hombroich mit der Langen Foundation

Ein absolutes Highlight für Kunst- und Architekturliebhaber ist die Raketenstation Hombroich mit der Langen Foundation. Kaum zu glauben, dass sich dort, wo heute zeitgenössische Kunst und außergewöhnliche Architektur begeistern, einst eine NATO-Raketenstation befand. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde das Gelände zu einem einzigartigen Kulturort umgestaltet, auf dem heute Künstler, Musiker und Wissenschaftler leben und arbeiten. Zwischen alten Wachtürmen, Flugzeughangars und Bunkern, gibt es begehbare Kunstobjekte und Skulpturen zu sehen.

Das Herzstück ist die Langen Foundation, deren minimalistisches Ausstellungsgebäude vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando entworfen wurde. Umgeben von Wasser, Beton und Glas verschmelzen hier Architektur, Landschaft und wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu einem besonderen Gesamterlebnis.

#11 Die Erftauen

Die Erft ist ein rund 100 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins, der bei Euskirchen entspringt und in Neuss-Grimlinghausen in den Rhein mündet. Im Juli 2021 geriet sie leider unfreiwillig in die Schlagzeilen, als die Flutkatastrophe ganze Landstriche verwüstete und Orte wie Erftstadt schwer beschädigte.

Im Alltag zeigt sich die Erft jedoch von ihrer ganz anderen Seite: ruhig, grün und beinahe verwunschen. Entlang ihrer Ufer führen wunderschöne Spazier- und Radwege durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wiesen, Auen und alten Baumbeständen. Besonders idyllisch ist der Abschnitt rund um die Museum Insel Hombroich, wo die Erft harmonisch durch die rheinische Kulturlandschaft fließt. Hier kann man mit etwas Glück Longhorn-Rinder, Störche und Kraniche beobachten und im Frühjahr sogar frischen Bärlauch sammeln. Ein perfekter Ort, um Natur, Bewegung und Entschleunigung miteinander zu verbinden.

#12 Der Kinderbauernhof und Wildgehege Selikum

Direkt an der Erft liegt auch der Neusser Kinderbauernhof Selikum, ein wunderbarer Ausflugstipp für Familien und Naturliebhaber. In der historischen Hofanlage leben Ziegen, Schweine, Hühner, Enten und Pfaue, die besonders bei den kleinen Besuchern für Begeisterung sorgen. Dazu gibt es einen schönen Spielplatz zum Toben sowie weitere Tiergehege auf den angrenzenden Wiesen mit Schafen, Zwergeseln und Ponys. In der alten Scheune informiert außerdem eine Natur- und Landschaftsausstellung über die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

Wer nach dem Besuch noch weiterlaufen möchte, kann von hier aus wunderbar in den angrenzenden Selikumer Wald eintauchen. Dort wartet ein großes Damwildgehege und über ruhige Wege geht es entlang der idyllischen Erftauen wieder zurück. Eine herrlich entspannte Runde, bei der sich Naturerlebnis, Bewegung und ein bisschen Bauernhof-Idylle perfekt verbinden.

#13 Das Schloss Hülchrath

Ein echtes Kleinod am Niederrhein ist Schloss Hülchrath bei Grevenbroich. Die imposante Wasserburg stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist ein typisches Beispiel für die zahlreichen historischen Adelssitze, die die Region prägen. Seit 1805 befindet sich das Schloss in Privatbesitz, daher sind die Innenräume leider nicht öffentlich zugänglich. Wer den besonderen Ort dennoch erleben möchte, kann Schloss Hülchrath als Eventlocation buchen – zum Beispiel für eine stimmungsvolle Hochzeit oder eine besondere Feier.

Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel aus Schloss, Wassergraben und dem historischen Ortsteil Hülchrath, der gemeinsam mit der Burg komplett unter Denkmalschutz steht. Mit seinen alten Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen wirkt der kleine Ort fast wie aus der Zeit gefallen und lädt zum entspannten Spaziergang ein. Ein schöner Ausflug lässt sich mit einem Besuch des nahegelegenen Klosters Langwaden verbinden, das mit seinem Biergarten und Spielplatz auch für Familien ein lohnendes Ziel ist.

#14 Das Kloster Langwaden

Das Kloster Langwaden bei Grevenbroich ist ein ruhiger und geschichtsträchtiger Ausflugsort im Rhein-Kreis Neuss. Die Anlage geht auf ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert zurück und wird heute von Zisterziensermönchen bewohnt, die dem Ort eine besondere spirituelle Atmosphäre verleihen. Umgeben von einem weitläufigen Park mit altem Baumbestand lädt das Kloster zu Spaziergängen und kleinen Auszeiten ein. Im Klosterrestaurant können Besucher:innen außerdem einkehren und die besondere Stimmung des Ortes genießen.

Gut zu wissen: Schloss Hülchrath und Kloster Langwaden liegen nur ca. 2 Kilometer voneinander entfernt. Ihr könnte beide Sehenswürdigkeiten daher gut bei einer kleinen Wanderung oder Radtour miteinander verbinden.

#15 Die Tulpenfelder bei Grevenbroich

Für kunterbunte Tulpenfelder muss man nicht bis nach Holland fahren. Man findet sie im Frühjahr auch beim Paulushof von Martin Francken bei Grevenbroich Kapellen. Für wenige Wochen verwandeln sich seine Felder dann in ein farbenprächtiges Blütenmeer aus roten, gelben, rosa, weißen und violetten Tulpen. Die Blütezeit liegt je nach Wetter meist zwischen Anfang April und Anfang Mai und lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher:innen und Fotografen an.

Die Tulpen werden hier allerdings nicht als Schnittblumen angebaut, sondern zur Zucht von Tulpenzwiebeln. Deshalb ist es wichtig, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben und die Felder nicht zu betreten. Wer die Farbenpracht in Ruhe genießen möchte, kommt am besten früh morgens oder unter der Woche vorbei. So lässt sich einer der schönsten Frühlingsorte am Niederrhein besonders entspannt erleben.

#16 Der Tagebau Garzweiler

Der Tagebau Garzweiler gehört zu den eindrucksvollsten und gleichzeitig umstrittensten Landschaften im Rheinland. Teile davon liegen im Rhein-Kreis Neuss. Wo einst Dörfer und Felder lagen, erstreckt sich heute eine riesige Grube, die an Mordor erinnert. Hier schaufeln gewaltige Bagger Braunkohle aus der Erde, für die die rheinische Natur und Landschaft zerstört und Grundwasserreserven geschädigt wurden. Auch 16 Dörfer mit einer bis zu 1000jährigen Geschichte, mussten dafür weichen. Die Dimensionen sind kaum zu begreifen, bis man selbst einmal am Rand des Tagebaus steht.

Mittlerweile hat sich der Tagebau aber auch zu einem außergewöhnlichen Ausflugsziel entwickelt. Vom Skywalk bei Jackerath ragt eine Aussichtsplattform rund 14 Meter über die Abbruchkante hinaus und eröffnet einen spektakulären Blick auf die terrassenförmige Grube und die riesigen Bergbaumaschinen. Infotafeln, Aussichtspunkte sowie geführte Touren machen den Strukturwandel der Region erlebbar und zeigen eindrucksvoll, wie sich diese Landschaft in den kommenden Jahrzehnten verändern wird. Ein Besuch am Tagebau hinterlässt also gemischte Gefühle.

#17 Das historische Liedberg

Ein echter Geheimtipp im Rhein-Kreis Neuss ist das kleine Örtchen Liedberg bei Korschenbroich. Schon die Anfahrt ist besonders, denn der historische Ortskern liegt auf einer rund 34 Meter hohen Quarzitkuppe. Quasi ein kleiner „Berg“ mitten in der flachen Niederrheinlandschaft. Mit seinen verwinkelten Gassen, Kopfsteinpflaster, liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und dem malerischen Marktplatz wirkt Liedberg fast wie aus der Zeit gefallen.

Über dem Ort thront das imposante Schloss Liedberg, eine ehemalige kurkölnische Landesburg aus dem 14. Jahrhundert, die nach aufwendiger Restaurierung heute wieder in neuem Glanz erstrahlt. Auch der historische Mühlenturm und der angrenzende „Haag“, ein naturnaher Wald auf der alten Quarzitkuppe, machen Liedberg zu einem wunderbaren Ziel für einen entspannten Spaziergang.

#18 Der Alpenpark Neuss

Ein eher ungewöhnliches Ausflugsziel mitten in Neuss ist der Alpenpark Neuss. Da wir bisher keine großen Wintersportler waren, habe ich keine persönlichen Erfahrungen mit der Skihalle Neuss gemacht. Lustigerweise hat mein Teenager jedoch eine Zeitlang im Skiverleih gejobbt. Was vor einigen Jahren mit der ersten Skihalle Deutschlands begann, hat sich inzwischen zu einem großen Aktiv-Freizeitpark entwickelt. Auf der 300 Meter langen Indoor-Piste kann man das ganze Jahr über Ski und Snowboard fahren, egal ob Anfänger oder Profi.

Rund um die Skihalle gibt es aber noch viele weitere Erlebnisse: vom Kletterpark über Adventure-Golf bis hin zu verschiedenen Outdoor-Aktivitäten. Wer mag, kann sogar in den Baumhaus-Chalets übernachten oder nach einem aktiven Tag in alpiner Atmosphäre einkehren. Der Alpenpark Neuss zeigt damit eine ganz andere Seite der Stadt: Hier treffen Wintersport, Abenteuer und ein Hauch von Bergwelt auf niederrheinische Landschaft. Ein spannender Tipp für Familien, Aktivurlauber oder alle, die einmal etwas völlig anderes ausprobieren möchten, ohne weit reisen zu müssen.

Mein Fazit: Unterschätzt, aber voller Überraschungen

Vielleicht muss man manchmal erst weit reisen, um wieder zu entdecken, was direkt vor der eigenen Haustür liegt. Mit etwas Abstand sehe ich den Rhein-Kreis Neuss heute jedenfalls mit ganz anderen Augen als in meiner Jugend. Vielleicht ist er nicht die Region mit den großen Postkartenmotiven, aber genau darin liegt auch sein Charme. Zwischen Rheinauen, alten Klöstern, historischen Ortskernen, verwunschenen Landschaften und außergewöhnlichen Kulturorten verstecken sich jede Menge kleine Schätze.

Heute weiß ich jedenfalls: Der Rhein-Kreis Neuss ist vielleicht kein klassisches Reiseziel, aber genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn wer sich Zeit nimmt und abseits der bekannten Wege unterwegs ist, findet hier überraschend viele Orte zum Durchatmen, Staunen und Genießen.

Weitere Tipps für Neuss und Umgebung findet ihr auch bei meinen Neusser Reisebloggerkolleginnen Teilzeitreisender und 2onthego.

Hier findet ihr weitere Reiseinspirationen für Nordrhein-Westfalen:

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2 comments

Janett 10. August 2026 - 11:00

Wow, was ist dein Artikel umfangreich! Noch eine Ergänzung zum Tagebau, weil ich da letztens an einer Tour teilnehmen konnte. Die Aussichtsplattform auf den Tagebau wird wohl umziehen, weil darunter das eine oder andere noch weggebuddelt wird. Und: Eine Zwischennutzung vom „See“ wird es, sofern überhaupt Wasser kommt, schon nach 5 – 10 Jahren kommen, ist dann halt nur so Semicool. Die Tour durch den Tagebau kann ich übrigens nur empfehlen, sehr spannend sich das mal anzuschauen und zu hören, was in Sachen Nachhaltigkeit dort auch passieren wird.

Reply
nadine 11. August 2026 - 16:01

Danke für die Infos und Tipps, Janett! Muss ich mir wohl nochmal anschauen, denn mein letzter Besuch ist schon ein paar Jahre her. Das dieses gewaltige Loch irgendwann überhaupt mal mit Wasser gefüllt sein wird, kann ich mir aktuell und angesichts dessen, was gerade noch vom Rhein übrig ist, kaum vorstellen. So oder so, werde ich es aber eh nicht mehr erleben, es sei denn ich werde ü100 Jahre alt ;). Halb gefüllt stelle ich mir aber auch irgendwie doof vor. LG, Nadine

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