Nordirland von A – Z
Unsere Highlights, Tipps, Erfahrungen und Gedanken

11. Oktober 2018

Nordirland! Viele Leute schauten uns fragend an, als wir erzählten, dass wir diesen Sommer dort Urlaub machen würden. Für die Meisten hat das Land, aufgrund des jahrzehntelangen Nordirland-Konflikts, scheinbar immer noch einen fragwürdigen politischen Stand. Urlaub im Krisengebiet? Verwundertes Kopfschütteln! Dabei ist Nordirland mittlerweile ein absolut sicheres Reiseland und frei von Unruhen.

Bereits 1998 beendete das Karfreitagsabkommen den Bürgerkrieg zwischen irischen Nationalisten und pro-britischen Unionisten und seitdem hat sich sehr viel in dem kleinen Land zum Besseren verändert. Wahrscheinlich sitzt der jahrhundertealte Hass und das Misstrauen zwischen Protestanten und Katholiken immer noch tief. Als Touristen konnten wir davon jedoch nur wenig spüren oder wenn dann nur, in ganz bestimmten Ecken von Londonderry oder Belfast, erahnen.

„Nordirland hat unsere Herzen berührt.

Wegen seiner Geschichten und Legenden, der außergewöhnlichen, landschaftlichen Schönheit und Freundlichkeit der Menschen.“

Es hat uns aber auch zum Nachdenken gebracht. Mir (als Atheist) ist es immer wieder völlig unverständlich, wie sich ein Volk, wegen unterschiedlicher religiöser Auffassungen so bekriegen kann. Ob mitten in Europa oder im Rest der Welt.

Da wir Nordirland als Reiseziel mega fanden und meine Bilder auf Instagram sehr gut ankamen, habe ich mal sämtliche Infos, Tipps, Highlights und Gedanken von A-Z für euch zusammengefasst. Da mir das politische Konstrukt und die geschichtlichen Hintergründe nur grob bekannt sind, halte ich mich an dieser Stelle jedoch zurück, bevor ich was Falsches schreibe. Feedback nehme ich jedoch gerne entgegen.

Nordirland von A bis Z

A wie Anreise: Wir sind mit British Airways von Düsseldorf über London nach Belfast geflogen und haben uns dort einen Mietwagen genommen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wären wir aber mit dem eigenen Wagen gekommen, auch wenn das zwei Überfahrten mit der Fähre bedeutet hätte. Mit der Stena Line gibt es z.B. Fährverbindungen von Liverpool nach Belfast. Und wer ganz viel Zeit hat, könnte sich von Belfast sogar noch nach Cairnryan in Schottland übersetzen lassen. Ich muß eindeutig mal einen ganz langen Europa Roadtrip machen.

B wie Belfast: Belfast verbinden viele Menschen immer noch mit Kriegsschauplätzen wie Beirut oder Mostar. Dabei hat sich Belfast in den letzten Jahren zu einer kleinen Hipster-Stadt gemausert und hat unglaublich viel zu bieten. Tolle Shoppingmöglichkeiten, spannende Museen, coole Architektur, jahrhundertealte Pubs und Traditionen und einfach eine großartige Atmosphäre. Ich habe mich auf Anhieb in diesen Underdog verknallt und demnächst gibt es hier auch nochmal einen eigenen Post zu Belfast.

B wie Brexit: Ich bin nun wahrlich kein Fan des Brexits und halte das Ganze für einen Fehler. Daher sorge ich mich auch um das Wohl Nordirlands, auch wenn ich natürlich keine Vorstellung davon habe, wie sich ein Austritt aus der EU tatsächlich auswirken könnte. Ich frage mich jedoch, ob dann die alten Zäune und Mauern wieder errichtet werden? Sowohl in den Köpfen, aber auch real als Mauer? Ich hoffe nicht.

C wie Coastal Causeway Route: Der komplette Küstenabschnitt der Coastal Causeway Route von Belfast bis Londonderry ist ein Traum und hier jagt wirklich ein Highlight das Nächste. Einsame Sandstrände, bizarre Höhlen, spektakuläre Steilküsten, Fischerdörfer, uralte Burgruinen und Klippenpfade. Die Strecke gehört lt. Condé Nast Traveller zu den schönsten Küstenabschnitten der Welt und ich kann das nur bestätigen. Wir waren 5 Tage in der Umgebung und haben leider nicht alles geschafft. Verpasst haben wir z.B. den Klippenpfad The Gobbins oder Rathlin Island. Plant daher mindestens eine Woche ein, um euch alles entspannt anzusehen.

C wie Carrick-a-Rede: Carrick-a-Rede mit seinem vorgelagerten Felsen im Meer und der 20 Meter langen Hängebrücke ist definitiv ein Must-See. Diese wollen aber natürlich alle sehen, daher stellt euch hier auf sehr viel Trubel ein. Um die Brücke zu überqueren, muß man Eintrittskarten für ein bestimmtes Zeitfenster kaufen und dann erstmal Schlange stehen. Mit den kids eine Stunde oder länger zu warten, um dann 2 Minuten über die Brücke zu laufen, war uns zu anstrengend. Auch wenn wir das natürlich sehr gerne gemacht hätten. So haben wir einfach nur den kostenfreien Walk dorthin gemacht und das Spektakel aus der Ferne beobachtet. Hier sollte man, wie auch beim Giants Causeway oder den Dark Hedges, wohl besser ganz früh oder spät am Tag, anreisen.

D wie Dark Hedges: Nur eine Fernsehserie (GOT) und Instagram schaffen es wohl, eine Baumallee zu so einem Tourimagneten zu stilisieren. Noch vor ein paar Jahren standen die Dark Hedges in keinem Reiseführer. Auch nicht in unserem 8 Jahre alten Lonely Planet, den wir dabei hatten. Aber gut, ich bin ja ein Lemming. Auch ich wollte natürlich unbedingt die Dark Hedges sehen. Die knorrige, alte Baumallee sieht aber auch zu abgefahren aus. Fahrt auf gar keinen Fall tagsüber dorthin. Es ist völlig überfüllt und es rennen 10.000 Leute über die Straße. Parkplätze gibt es nicht. Jeder parkt irgendwie wild am Straßenrand und es geht chaotisch zu. Ein Besuch lohnt sich nur ganz frühmorgens oder kurz vor Sonnenuntergang. Wir haben solange gewartet, bis wir fast die Letzten waren und es stockdunkel wurde. Ich bin gespannt wie es hier weitergeht: in ein paar Jahren gibt es dann sicher ein Kassenhäuschen, einen gigantischen Parkplatz und Souvenirshops.

F wie Food: Wer Fish & Chips, Shepherds-Pie oder zum Frühstück gerne Porridge, Baked Beans, Ei, Würstchen und so fragwürdige Wurstspezialitäten wie Black oder White Pudding mag, der wird auf der irischen Insel sein kulinarisches Glück finden. Ich bin jetzt nicht so verrückt danach, aber hin und wieder mag ich es schon auch mal deftig. Noch lieber mag ich jedoch Süßes wie Scones mit Clotted Cream und Marmelade sowie eine gute Tasse Tee dazu. Ansonsten haben wir fast immer selber gekocht und bei der sehr guten Auswahl an Lebensmitteln war das auch recht easy. Der Tesco war unser Lieblingssupermarkt, auch wenn das Meiste (siehe Nachhaltigkeit) leider ganz schlimm in Plastik verpackt ist. Mittlerweile gibt es in Nordirland z.B. auch den Lidl oder Aldi, die ich aber auch daheim nur selten ansteuer. Gerade den Aldi fanden wir btw. jedoch um einiges besser als in Deutschland.

G wie Giants Causeway: Dieser Ort hat definitiv etwas Magisches – wenn nicht gerade Busladungen an Touristen auf den 40.000 hexagonalen Steinquadern herumklettern. Man kann sich jedoch gut vorstellen, wie hier einst gewaltige Lavamassen ins Meer strömten und die bizarre Landschaft des Giants Causeway formten. Vielleicht entstanden sie aber auch, (wie es nordirische Legenden erzählen) weil hier  einst Riesen miteinander kämpften. Viele Informationen rund um die Entstehung dieses Naturwunders gibt es im Besucherzentrum, das aber relativ hochpreisig ist. Wer Eintritt zahlt, hat praktischerweise aber auch direkt einen Parkplatz inklusive, die ansonsten Mangelware sind. Der Eintritt zum Giants Causeway ist jedoch frei. Viele Besucher parken daher einfach wild am Straßenrand und laufen dann die ca. 2-3 km dorthin.

G wie Grenze: Ich muß gestehen, dass wir uns anfangs fragten, ob es zwischen Nordirland und der Republik Irland eine Grenze gibt. Also zumindest in Form eines Schildes a la „Willkommen in Nordirland / Irland“. Fakt ist jedoch, dass man zwischen den beiden Ländern einfach hin und herfahren kann und es höchstens an den Straßenschildern bemerkt. In Nordirland sind es Meilen, in Irland km/h. Und wenn ihr Schilder nur noch auf gälisch seht, seid ihr definitiv in der Republik Irland.

G wie Games of Thrones: Winterfell, Kingsroad und River Run sagt sicher vielen Menschen sofort etwas. Mir ehrlich gesagt, erstmal nicht, denn ich bin kein Fan der Serie Games of Thrones, die an vielen Orten in Nordirland gedreht wurde.  Dem Hype von Games of Thrones (GoT) kann man sich jedoch fast nicht entziehen, wenn man in Nordirland unterwegs ist. Immer wieder begegneteten uns auf unserer Reise Schilder mit dem Hinweis, das hier ein wichtiger Drehort war oder gar ausgefallene Türen wie z.B. die Drachentür Nr. 6 im Pub Fullerton Arms. Ich werde also wohl demnächst mal bei GoT reinschauen. Einfach nur um zu sagen…. stimmt, da waren wir ja auch.

H wie Halloween: Wußtet ihr, dass Halloween eigentlich aus Irland und nicht den USA kommt? Der Brauchtum in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November kettenrasselnd durch die Straßen zu ziehen und Kürbisse aufzustellen, ist eigentlich keltisch und wurde von den irischen Einwanderern in die USA gebracht. In London(Derry) gibt es daher auch das größte Halloweenfest (inkl. Gothic Night und Gruselumzug) in Europa und das würde ich zu gerne mal miterleben. Im Gegensatz zu den meisten Leuten hierzulande, finde ich Halloween nämlich cool und echt spooky.

I wie Irish Pubs: Irish Pubs gehören zur irischen Insel wie Bier, Schafe und Regen. Mit den Kindern waren wir zwar nicht abends im Pub, aber gerne mal mittags zum Essen. Dann gibt es dort typisch irische Mittagsmenüs zu relativ günstigen Preisen. In den Pubs tobt irgendwie immer das pralle Leben, man trifft sich, quatscht, trinkt, isst und macht Musik. Wer also einen Irish Pub nicht betreten hat, hat das Herz der Iren nicht kennengelernt. Die Pubs im Übrigen fast immer fröhlich und quietschbunt gstrichen. Im Gegensatz zum Rest der nordirischen Häuser, die fast immer nur grau in grau und recht trist sind.

K wie Klima: Wer nach Nordirland fährt, rechnet in der Regel nicht mit 30 Grad und packt eher Schirm und Regenjacke als den Bikini ein. Tatsächlich war es im Mai und Juni, mit Tagestemperaturen von 33 Grad, aber auch in Nordirland so heiß wie selten zuvor. Das berichteten mir jedenfalls zahlreiche Nordiren. Im August war es genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten: mal Regen, mal Sonne und meist um die 22 Grad. Nachdem wir aus dem 38 Grad heißen Rheinland kamen, fühlte sich das für uns ehrlich gesagt, paradiesisch an und wir waren daher auch vollends zufrieden mit dem nordirischen Wetter. Ansonsten ist das Klima moderat. Aufgrund des Golfstroms sind die Winter mild und die Sommer kühl, es regnet relativ viel, alles ist megagrün und es wachsen sogar Palmen auf der irischen Insel.

L wie London(Derry): London(Derry) muß man gesehen haben, denn diese Stadt verkörpert die z.T. sehr traurige Geschichte Nordirlands. Sobald man die historische Altstadt mit seiner Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert verlässt, steht man im Bogside District, wo einst blutige Straßenkämpfe tobten. Nahe des Free Derry Corner steht noch die einstige „Mauer“ und es gibt 12 große Murals, die an die Geschehnisse des Bloody Sunday erinnern sollen und dem auch U2 den weltberühmten Song „Sunday, Bloody Sunday“ widmete. Die Gegend wirkt ziemlich arm, überall liegt Müll auf den Straßen herum und für einen kleinen Moment, fühlten wir uns tatsächlich in ein Krisengebiet gebeamt. Ansonsten ist (London)Derry jedoch eine quirlige Stadt, mit vielen Pubs, Traditionen und Kunst sowie dem größten Halloween-Festival in Europa (siehe H wie Halloween).

M wie Mentalität: Ich muß gestehen, ich kenne jetzt nicht so viele Iren um mir ein konkretes Bild über ihre Mentalität zu machen. Aber generell habe ich die Nord(Iren), als sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit wahrgenommen. Zudem sind sie völlig abgebrüht, was das Wetter angeht. Sie jammern nicht darüber, sondern nehmen es einfach hin und laufen mitunter auch bei 12 Grad und Nieselregen in Shirt und kurzer Hose die Berge hoch. Während wir….. mimimi….  uns jammernd und dick eingepackt im Friesennerz und Gummistiefeln aufmachen. Zudem sind sie sehr sehr trinkfest. Aber das scheint ein allgemeines Attribut auf den Inseln zu sein ;).

N wie Nachhaltigkeit: Was das Thema Nachhaltigkeit angeht, hat es uns Nordirland echt schwer gemacht. Zuhause versuche ich so gut es geht auf Plastik zu verzichten und kaufe viel Bio. In Nordirland regiert jedoch Convenience Food. Das ist natürlich praktisch, geht schnell und ist z.T. sogar echt lecker. Aber die Plastikmüllberge die man hinterlässt, sind gruselig. Man kann es fast nicht vermeiden. In Vollplastik eingeschweißte Lebensmittel, Obst und Gemüse regieren die Supermärkte. Da konnte ich mir manchmal echt nicht vorstellen, dass. Deutschland eigentlich der Plastikmüllproduzent Nr. 1 in Europa sein soll

O wie Overtourism: Noch ist Nordirland zum Glück weit entfernt vom Overtourism, aber wie ihr auch bei T wie Touristen nachlesen könnt, sind manche Gegenden eindeutig gefährdet. Alles was mit dem Games of Thrones-Hype zu tun hat, wird lemmingartig abgegrast. Allerdings sind Bettenburgen und die typische Touri-Infrastruktur mit Souvenirbuden und Co. noch Mangelware und ich hoffe, das bleibt auch so. Auch wenn ich mich für Nordirland natürlich freue, wenn Touristen Geld und somit auch etwas Wohlstand ins Land bringen. Overtourism ist eindeutig die negative Kehrseite der Medaille.

P wie Pfund (britisches): Den Euro gibt es in Nordirland nicht, auch wenn er in grenznahen Orten akzeptiert wird. Nordirland gehört nun mal zu Großbritannien und dort regiert das britische Pfund. Das Pfund fand ich im Vergleich zum Euro dieses Mal im Übrigen relativ günstig, daher hebt euch das Shoppen für Nordirland auf. Gerade Lebensmittel fanden wir extrem günstig. Der Schock war dann groß, als wir nach Irland fuhren und wieder mit dem Euro zahlen mussten. Je nach Supermarkt zahlt man fast das Doppelte.

R wie Republic of Ireland: Mir ist mehrfach aufgefallen, dass Leute Nordirland mit Irland gleichsetzen. Wenn ich z.B. auf Instagram ein Foto aus Nordirland einstellte, schrieben sie: „Wie toll! Ich muß auch unbedingt mal nach Irland!“ Dabei handelt es sich doch um zwei verschiedene Länder mit unterschiedlichen Währungen. Wir haben uns dann gefragt, ob dass das gleich Phänomen wie mit der Arktis und der Antarktis ist ;)? Für uns ging die Reise nach Nordirland im Übrigen weiter in die benachbarten irischen Regionen Donegal und Cavan. Den Süden der Republic of Ireland hatten wir z.T. schon vor 8 Jahren gesehen.

S wie Strände: Die Strände Nordirlands sind ein Träumchen. Teilweise menschenleer und blendendweiß. Hartgesottene stürzen sich mit Sicherheit auch in die eiskalten Fluten. Aber ich bin ja eher so Typ Waschlappen und halte höchstens mal meinen dicken Zeh ins Wasser. Ansonsten empfehle ich Wetsuits. Wunderschön sind z.B. der Strand von Portstewart oder der Whiterocks Beach. Wir waren aber noch an zahlreichen anderen Stränden, deren Namen ich jetzt leider gar nicht mehr weiß. Im Übrigen darf man in Nordirland manch einen Strand mit dem Auto befahren. Das hat mit Sicherheit Vorteile, wenn man z.B. mit Kind und Kegel ans andere Ende möchte, um sich dort auszubreiten. Ich bin allerdings nicht unbedingt ein Fan davon.

T wie Touristen: Von denen gibt es jede Menge. Interessanterweise haben wir jedoch nur verhältnismäßig wenig Deutsche getroffen. Hauptzielgruppe scheinen dagegen eher Chinesen, Inder und Spanier zu sein. Wir waren ehrlich verwundert und haben uns gefragt, ob diese Bevölkerungsgruppen besonders große Games of Thrones-Fans sind. Abgesehen von den Hauptattraktionen, an denen Busladungen von Touristen angekarrt werden, geht es aber immer noch recht gemächlich zu und man ist mitunter völlig allein.

T wie Torr Head Scenic Drive: Eine absolute Traumstraße ist der Torr Head Scenic Drive. Etwas anstrengend zu befahren, weil die Straße extrem schnal ist, aber die Kulisse ist einfach nur gigantisch. Die Straße führt immer am Meer entlang, rechts Abgrund und am Steilhang weidende Schafe, links Bergpanorama. Wir hatten Glück und haben von hier aus auch jede Menge Delfine gesehen.

U wie Unterkünfte: Zu Unterkünften kann ich euch jetzt nicht so viel sagen, da wir unser Ferienhaus in Portstewart vorab schon hier gebucht* hatten. Aber es scheint mir doch jede Menge Bed & Breakfasts zu geben. Da mir stylishe Ferienunterkünfte meist recht wichtig sind, war die Suche ehrlich gesagt nicht so leicht. Geblümte Bettüberwürfe und Vorhänge sind in der Regel nicht so meins, wenn ihr versteht was ich meine ;). Zudem steigen die Preise für Unterkünfte in der Hauptsaison natürlich auch in Nordirland an. Wer also mega Übernachtungstipps habt, dann gerne her damit. Wobei wir mit unserem Häuschen, etwas außerhalb von Portstewart doch sehr zufrieden waren.

V wie Verkehr: Sowohl in Nordirland als auch in Irland herrscht Linksverkehr und fahren ist nicht gerade ein Vergnügen. Das hatten wir schon auf unserer ersten Reise nach Irland vor 8 Jahren bemerkt. Die Straßen sind extrem schmal und die Bewohner der irischen Insel, nicht unbedingt die „vorsichtigsten Autofahrer“. Der ein oder andere Herzkasper blieb also nicht aus, wenn uns z.B. in einer scharfen engen Kurve ein Bus frontal entgegenkam und auch wenig Anstalten machte, auszuweichen.

W wie Wirtschaft: Die gesamt irische Insel war ja noch nie wirklich für ihren Reichtum bekannt, auch wenn sie eigentlich soviel Ruhe und Frieden ausstrahlt. Immer wieder gab es jedoch Machtkämpfe, Katastrophen, Kriege und Aufstände und es herrschte oft bittere Armut. Gerade bei der irischen Landbevölkerung gab es immer wieder große Hungernöte. In Nordirland ist diese Armut teilweise immer noch spürbar, auch wenn sich die Zeiten sicher ganz extrem verbessert haben. Viele kleine Ortschaften wirken oftmals trist, farblos und traurig. Die Häuser sind alle grau in grau und wir fühlten uns manchmal in die ehemalige DDR zurückversetzt. Selbst meine Kinder fragten, ob die Menschen noch nicht mal Geld für einen Topf Farbe hätten, um ihr Haus freundlich zu streichen. Oder ist es einfach Tradition, die Häuser grau verputzt zu lassen? Nur in den Touristenörtchen waren die Häuschen auch mal bunt und fröhlich.

Z wie Zeitumstellung: Genau wie nach England, hat man eine Stunde Zeitumstellung. D.h. ihr müsst die Uhrzeit eine Stunde zurück, von 12:00 auf 11:00 Uhr stellen.

Unser Reisefazit: Nordirland hat unsere Herzen im Sturm erobert und rückblickend gesehen, wären wir besser die vollen zwei Wochen dort geblieben. Stattdessen haben wir die zweite Woche in der Republic of Ireland verbracht. War auch schön, aber dadurch haben wir zuviel in Nordirland verpasst. Northern Ireland ist ein absolut sicheres Reiseland, das landschaftlich megaviel zu bieten hat. Für uns war das ein absolut stimmiger Urlaub mit viel Ruhe und Muße in der Natur, aber auch Action, Kultur und Highlights.

Habt ihr schon mal über eine Reise nach Nordirland nachgedacht? Ich muß ja gestehen, dass ich echt darüber nachgedacht habe, ob ich dieses Schätzchen, überhaupt mit euch teilen soll. Auch wenn Nordirland natürlich schon lange kein Geheimtipp mehr ist (und vom Lonely Planet zum Trendziel 2018 gekürt wurde), ist es irgendwie doch noch ein kleiner Outsider auf der Weltkarte. Andererseits sollte genau diesen Ländern halt auch mal ein Plätzchen eingeräumt werden, denn es gibt doch noch so viel mehr als immer nur Spanien, Italien und Norwegen ;).

Zu den Punkten E und J ist mir im Übrigen so gar nichts eingefallen. Wenn ihr Anregungen habt, dann bitte gerne her damit.

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5 Comments

  • Reply Viermal Fernweh 11. Oktober 2018 at 12:42

    Da bin ich aber froh, dass Du das Schätzchen geteilt hast. Ich will schon länger mal wieder nach Irland und jetzt umso mehr nach Nordirland. Klingt einfach toll. Und vielleicht ist sinnvoll so schnell wie möglich dorthin zu fahren, bevor es mit GOT-Fans aus aller Welt überschwemmt wird. GOT ist auf jeden Fall ein Argument für den Mann. 😉
    Danke für den Tipp und ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, Ines
    PS: Wieviel Zeit sollten wir einplanen, ist eine Woche zu wenig?

  • Reply nic 12. Oktober 2018 at 10:52

    Liebe Nadine,
    Religion ist ja nur eine Facette der „troubles“, die in erster Linie darauf zurückzuführen sind daß eine fremde Nation (England) hier eine Nachbarinsel besetzt und kolonialisiert hat, deren Selbstverwaltung zerstörte und fortan die Einheimischen so brutal unterdrückte daß sie selbst für das Gälischsprechen in heißem Wasser landeten. England tat was England in all seinen Kolonien tat: Alles Irische wurde zum Verbrechen und all ihre Schätze wurden annektiert und geplündert. Sie ließen Iren vor gefüllten Kornspeichern verhungern in der Potato Famine. Nicht idyllisch, aber die Großmütter und -väter der heutigen Generation unseres Alters wurden noch in Straßengräben im Untergrund unterrichtet weil sie erschossen worden wären hätte man sie beim Gälischsprechen und Irische Geschichte lernen erwischt.
    Die Iren sehen sich den „Kampf“ um schottische Unabhängigkeit halb amüsiert an – weil so viele in ihren Familien für den Kampf um Eire ihr Leben ließen.
    Und das steht alles auf dem Spiel im Moment, dieses Jahr hatten wir um die 28 gerade so verhinderte Anschläge auf nordirischem Boden. Es sieht alles friedlich aus seit dem GFA, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen daß Theresa May gerade mit Feuer spielt. Die IRA hat nach wie vor ihre Quellen und die Provisional IRA hat ihre Waffen nie abgegeben, die halten nur still seit Stormont exisitiert und auch die Unionistenseite, v.a. die DUP sind nach wie vor dieselben Verrückten die katholische Grundschulkinder auf dem Weg in die erste Klasse mit Urin und Fäkalien bewerfen…
    Das mag so nicht in den Nachrichten sein, aber damit leben die Menschen in Nordirland. Und seit Stormont ausgesetzt ist weil die IRA nicht mit der korrupten DUP zusammenarbeiten will (Arlene Fisher und Ian Paisley Junior wurden der Unterschlagung in Millionenhöhe und Bestechlichkeit überführt, das ist nicht nur Propaganda von einer Seite) gärt es ohnehin wieder unterschwellig, siehe oben. In Theresa Mays Meinung sind London und England „viel wichtiger als Nordirland“, sagte sie in einer Rede an Parteimitglieder die den Medien zugespielt wurde, sie nimmt es also ganz bewußt in Kauf sollte die Situation in Nordirland kippen durch Brexit. Die meisten Nordiren wollen mittlerweile mit Irland wiedervereinigt werden weil sie genug haben von all dem. Die heute 20jährigen sind die erste Generation die nicht im Bürgerkrieg aufgewachsen ist und sich relativ frei bewegen kann, v.a. in London/Derry (das für Protestanten/englische „Plants“ Londonlondonderry hieß und für Iren Londonderryderry und wo die falsche Religion im falschen Viertel oder auf den falschen Straßen zur Ermordung führte – bis 1998)
    Die grauen Häuser sind übrigens höchstwahrscheinlich Sozialbauten der Councils, die sind in ganz GB so farblos und trist. Councilmieter konnten ihre Häuser bis vor Kurzem mit Rabatt kaufen, aber viele konnten sich das nur gerade so leisten Dank der Rabatte auf den Kaufpreis, sonst wären sie nach wie vor in Sozialmiete. Englands image als das Land von „Downton Abbey“ und all das täuscht gerne darüber hinweg wie wenig die meisten Menschen verdienen und wie nahe sie am Abgrund in den Ruin stehen, sollte irgend etwas schiefgehen in ihrem Leben. Touristisches Image und Realität vor Ort sind zwei verschiedene Dinge (sieht man sehr schön an Cornwall – in Wirklichkeit die ärmste Region ganz Großbritanniens).
    Die Iren beider Seiten tragen es mit Humor (und das Trinken hat vielleicht auch ein Bißchen damit zu tun), da es verglichen mit den „troubles“ alles nicht so wichtig ist – der irische Nationalslogan ist „it could be worse“ und sie wissen besser als alle wieviel schlechter es sein kann…
    Sorry für den „downer“, aber ich merke immer wieder wie wenig selbst wir Kontinentaleuropäer darüber wissen was auf den britischen Inseln so abging direkt vor unserer Nase. Und nachdem mir in der Arbeit ein Pensionär unterkam der dereinst mit den englischen Truppen in Nordirland stationiert war und direkt beteiligt am „Bloody Sunday“ (soll heißen er hat Katholiken in den Rücken geschossen) weiß ich erst wieviel Hass und Verachtung diese spezielle Spezies von Engländern den Iren gegenüber fühlte – er ließ das durch seine Demenz so richtig ‚raus und es war zutiefst schockierend.
    Wie es für die Iren weitergeht steht zur Zeit in den Sternen. Ich hoffe innigst daß Theresa May und die DUP möglichst wenig mit der Entscheidung zu tun haben… ♥nic

    • Reply nadine 12. Oktober 2018 at 10:59

      Boah Nic!!! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll…… DANKE für diesen so aufschlußreichen Kommentar und Deine Sicht der Dinge. All das bekommt man hier auf dem Kontinent nun wirklich so gar nicht mit. GlG, Nadine

  • Reply Flögi 14. Oktober 2018 at 12:56

    Alles traumhaft schön. Ich habe jetzt nur die Bilder angeschaut.
    Ich möchte gerrne nach Irland reisen, mein Mann hat aber dort als Jugendliche eine mehrere wöchige Rucksackreise gemacht und er mag nicht zweimal an den selben Ort. So fällt es bei mir vielleicht für immerr flach, da wir sowieso so viele andere gemeinsame Pläne haben, für die das Leben nicht ausreicht…schade.
    Liebe Grüße

  • Reply Dominik (Dadblogger) 17. Oktober 2018 at 10:12

    Ich kaufe ein I wie instantly Fernweh 🙂 Sehr schöner Reisebericht! Und inspirierend. Setze ich auf Wiedervorlage, denn der nächste Familienurlaub kommt bestimmt. Wir waren vergangenes Jahr mit unserer damals Einjährigen in Irland, genauer Dublin und Wicklow Mountains. Mein Reiseartikel fokussiert stärker auf das Thema Reisen mit Baby, aber Land und Landschaften kommen auch nicht zu kurz. Mein Username verlinkt direkt dorthin, wen’s interessiert.

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