Roadtrip durch Montenegro
Tipps für eine Fahrt durch den wilden Norden des Landes

17. August 2022

Auf unserem Sommer-Roadtrip durch den Balkan, haben wir 6 Nächte in Montenegro verbracht, was eindeutig zu wenig war. Das Land ist zwar klein, es gibt jedoch einiges zu entdecken. Zudem hatten wir wir in den Bergen recht schlechtes Wetter und meine Jungs danach relativ wenig Lust auf Sightseeing. Highlights wie z.B. den Lake Skadar, die montenigrische Riviera oder spektakuläre Viewpoints haben wir dadurch verpasst.

Wer Montenegro entspannt entdecken möchte, sollte sich besser 14 Tage Zeit nehmen. Dennoch möchte ich euch ein paar Tipps für den wilden Norden des Landes und demnächst auch für die Bucht von Kotor mit auf den Weg geben. Zwei Regionen, die man auf keinen Fall verpassen sollte, wenn man nach Montenegro reist.

Tipps für einen Roadtrip durch Montenegro

#1 Montenegro Facts

Montenegro ist mit gerade mal 620.000 Einwohnern ein sehr kleines Land. Es liegt an der Adria und grenzt an Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Albanien und den Kosovo. Ein Roadtrip durch mehrere Länder bietet sich also unbedingt an. Es gehört nicht zur EU, ist jedoch seit 2010 offizieller Beitrittskandidat. Interessanterweise ist der Euro aber das offizielle Zahlungsmittel und von 2000 bis 2002 war sogar die Deutsche Mark die Landeswährung.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist Montenegro sehr arm und die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie im EU-Schnitt. Wir empfanden Montenegro jedoch, im Vergleich zu Bosnien-Herzegowina, als recht aufgeräumt und „wohlhabend“ und besonders an der Küste boomt der Tourismus.

#2 Anreise nach Montenegro

Mit dem Flugzeug

Da Montenegro seit Jahren ein beliebtes Urlaubsziel ist, reisen viele Touristen mit dem Flugzeug an. Dafür stehen die Flughäfen Podgorica oder Tivat zur Verfügung. Alternativ kann man auch ins kroatische Dubrovnik fliegen. Der Flughafen liegt nur ca. 20 km von der montenigrischen Grenze entfernt.

Mit dem eigenen Auto

Knapp 1.800 km liegen zwischen Köln und Montenegro. Eine Strecke, die ich mit unserem alten Skoda nicht gerne gefahren wäre. Wir haben jedoch viele Autos aus ganz Europa gesehen, selbst Schweden, die Niederlande oder Litauen. Für Reisende aus Süddeutschland oder Österreich ist die Strecke auf jeden Fall gut machbar. Kostentechnisch einplanen muss man aber natürlich Vignetten für Slowenien und Österreich sowie Mautgebühren. Für weitere Infos lege ich euch den Beitrag von Elisa von take an adVANture ans Herz, der jedoch von 2016 ist: Roadtrip Montenegro – Tipps für eine Tour mit dem eigenen Auto.
Die Grenzüberquerungen nach Bosnien-Herzegowina und Montenegro fanden wir im Sommer 2022 sehr unkompliziert. Man hatte uns jedoch vorgewarnt, denn zu Corona-Zeiten musste man an den Grenzen z.T. wohl stundenlang warten.

Hinweis: Wir hatten unsere Reisepässe dabei und haben bei der Ausreise auch Stempel bekommen. Ein gültiger Personalausweis soll angeblich ausreichen, ich würde das Risiko jedoch nicht eingehen. Ich habe gehört, dass der Ausweis nicht immer akzeptiert wird.

Mit dem Nachtzug

Für mich war klar, dass wir nicht fliegen werden. Daher sind wir von Deutschland aus mit dem Nachtzug nach Zagreb gereist, was wirklich sehr unkompliziert und zudem nachhaltig war.

Mit dem Mietwagen

Von Zagreb aus, startete dann unser Roadtrip durch die kroatische Region Dalmatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und zurück. Hier könnt ihr unsere ungefähre Strecke sehen. Die Straßen waren in allen drei Ländern auffallend gut bis sehr gut. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet. Nur die Grenzüberquerung von Bosnien-Herzegowina über die Tapa nach Montenegro war etwas abenteuerlicher. Zudem muss man auf den Straßen immer mit Steinschlag rechnen.

Hinweis: Auffällig fanden wir in Montenegro die immerwährende Präsenz der Polizei und das z.T. aggressive Fahrverhalten der Montenegriner. Das hatten wir weder in Kroatien noch in Bosnien-Herzegowina so erlebt. In Montenegro beträgt die Höchstgeschwindigkeit innerorts 50km/h, außerorts 80km/h und daran sollte man sich möglichst halten.

Die Polizei steht gefühlt hinter jedem Baum und blitzt. Tatsächlich wurden wir dann auch dreimal wegen Kleinigkeiten angehalten, sind aber immer mit einem blauen Auge davongekommen. Wir sind dann wirklich nur noch Strich 50 km/h gefahren, selbst wenn die Straßen endlos lang waren und wir das Gefühl hatten, vollkommen allein zu sein. Montenegriner fahren dagegen auffallend rasant und überholen einen ständig. Wie sie das mit der Omnipräsenz der Polizei schaffen, haben wir uns nicht erklären können.

Tipps für den Mietwagen

  • Wähle möglichst ein Premium-Schutz-Paket, das dich vor unliebsamen Überraschungen schützt (also ohne Selbstbeteiligung, Haftpflicht mind. 1 Mio., Glas- und Reifenschutz, Unterbodenschutz, alle Kilometer frei, gute Tankregelung)
  • Melde Fahrten in Nachbarländer schon bei der Anmietung des Autos an. Wir durften z.B. nach Bosnien-Herzegowina und Montenegro fahren, nicht aber nach Albanien. Die Autovermietung berechnet pro Land nochmal eine individuelle Extragebühr. Bei uns waren es ca. 30 € für zwei weitere Länder.
  • Das Licht muss immer angeschaltet sein, während des Überholvorgangs muss geblinkt werden und in den Tunneln darf nicht überholt werden.
  • In Montenegro herrscht Warnwestenpflicht, d.h. die Westen müssen gut sichtbar über dem Sitz hängen (wussten wir btw nicht – kein Wunder, dass wir ständig angehalten wurden ;))
  • Halte dich unbedingt an die Höchstgeschwindigkeiten (50 km/h innerorts, 80 km/h außerorts). Man gerät ständig in Polizeikontrollen.
  • Gib acht vor herabstürzenden Felsbrocken oder umherirrenden Tieren auf der Straße.

#3 Der wilde Norden Montenegros

Von Bosnien-Herzegowina nach Montenegro (Grenzübergang Hum)

Die letzten 30 km Straße in Bosnien-Herzegowina sind nicht geteert, teilweise einspurig und holprig und der Grenzposten Hum besteht aus einem alten Container. Hier bekommt man einen Ausreisestempel in seinen Pass und überquert danach eine nicht besonders vertrauenswirkende alte Holzbrücke, die über das Flüsschen Tapa führt. Fanden wir für europäische Verhältnisse recht abenteuerlich und wähnten uns eher in Südamerika.

Die Grenzanlage auf der anderen Seite ist dagegen topmodern und die Straßen sind picobello. Der Unterschied zwischen den beiden Balkanländern fällt sofort auf. Welcome to Montenegro!

Hinweis: Auf Instagram kamen einige Fragen auf, ob man die Strecke auch mit dem Wohnmobil oder gar Wohnwagen machen kann? Ich denke, es kommt auf den Wagen an und ob er z.B. auch offroad-tauglich ist. Uns kam tatsächlich auch ein Porsche aus Serbien entgegen. Da ich kein Camper bin, kann ich dazu nicht viel sagen. Ich würde die Strecke aber wohl nicht mit einem teuren Van machen.

Die spektakuläre Piva-Schlucht

Ab hier durchfährt man die spektakuläre Piva-Schlucht. Sie ist ca. 33km lang, 1.200 Meter tief und manch ein Ausblick erinnerte mich an das Bruchtal aus Herr der Ringe. Die Straßen sind zwar gut, aber es liegen immer wieder Steine auf dem Weg, die von den steil aufragenden Felswänden abbrechen. Dass jederzeit auch noch größere Felsbrocken abbrechen könnten, verdrängt man besser.

Auf dem Weg Richtung Pluzine durchquert man gefühlt mindestens 50 Tunnel und hat immer das azurblaue Wasser des Flüsschens Piva, die Piva-Talsperre sowie die Berge im Blick. Leider gibt es auf dieser Strecke kaum Buchten zum Aussteigen und Fotos machen. Ihr müsst mir also einfach glauben, das diese Straße der visuelle Knaller ist ;).

Irgendwann erreicht man dann das unaufgeregte, kleine Örtchen Pluzine, das direkt am Staudamm liegt. Hier kann ich euch einen Stop im Etno Restaurant Socica, mit Blick auf die goldene, orthodoxe Kirche empfehlen. Das Essen ist lecker, die Preise waren für uns jedoch, nach Bosnien-Herzegowina, überraschend hoch.

#4 Der Durmitor Nationalpark

Wir waren zwei Nächte im Örtchen Šavnik, das am Rande des Durmitor Nationalparks liegt. Hier wollten wir natürlich eine kleine Wanderung mit unserem 11-jährigen Sohn machen. Diese ist dann allerdings, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser gefallen. Über die Region zog eine regenreiche Kaltfront hinweg und die Temperaturen fielen tagsüber auf 11 Grad, nachts sogar auf nur 7 Grad.

Da wir für solche Wetterverhältnisse gar keine adäquaten Klamotten eingepackt hatten (wir kamen aus dem 40 Grad heißen Kroatien und Bosnien-Herzegowina), war ich ziemlich froh, über unsere entzückende Unterkunft – das Eco Village Nevidio* in Pošćenje. Aufgrund des schlechten Wetters, haben wir einen kleinen Teil der Region daher nur aus dem Auto heraus gesehen und den Rest des Tages kartenspielend in der warmen Stube des Nevidio Resorts verbracht.

Merke: Unbedingt Kleidung für kalte Regentage einpacken! Auch im Juli.

Das Eco Village Nevidio

Hier fühlte ich mich glatt 25 Jahre jünger und in meine Weltreise- und Backpacker-Zeit zurückgebeamt ;). Wir wohnten in einem kleinen Nurdach-Häuschen mit Bad, von dessen Terrasse man eine traumhafte Aussicht über den großen Garten und die Berglandschaft hatte. Die Fotos entstanden am Tag der Anreise, als sich die Sonne noch zeigte. Am Tag danach war dann Decke und heißer Tee angesagt.

Die Häuschen sind einfach, aber sauber und erfüllen ihren Zweck: schlafen. Denn eigentlich hält man sich hier hauptsächlich draußen auf. Ins Eco Village buchen sich viele Familien, aber auch junge Paare ein und man kommt schnell ins Gespräch. Auf der traumhaften Außenterrasse des Restaurants könnte man Tage verbringen und die Aussicht genießen, während die Kinder durchs Unterholz stromern. Wenn es nicht regnet.

Absolut großartig ist das Frühstücksbuffet, das aus lokalen Spezialiäten besteht und frisch zubereitet wird. Man kann sich täglich bis 11 Uhr daran bedienen. Auch die Gerichte der Tageskarte sind sehr empfehlenswert. Absolut unschlagbar sind auch die Preise, daher kann ich euch das Eco Village nur wärmstens ans Herz legen.

Den kleinen Nevidio Canyon erreicht man bei einem entspannten 20-minütigen Spaziergang, auf denen einen gerne der Camp-Hund begleitet. Kleiner Tipp: Direkt am Canyon kann man sehr idyllisch „wild campen“.

Zabljak – Eingangstor zum Durmitor Nationalpark

Der kleine Ort Zabljak ist das Eingangstor zum Durmitor-Nationalpark, liegt ca. 3 Stunden Fahrzeit von der montenegrischen Küste und 24 km von Šavnik entfernt. Im Dorfzentrum gibt es einen kleinen Marktplatz, Supermärkte, eine Bank, die Touristeninformation, diverse Shops, Restaurants und Cafes und natürlich auch Hostels und Hotels. Fotos habe ich leider nicht, da es ständig geregnet hat. Von Zabljak sind es dann nochmal 30 km bis zur Tara-Schlucht.

Die Tara-Schlucht und Durdevica-Tara-Brücke

Es war mir vorher tatsächlich nicht bewusst, aber im Durmitor Nationalpark liegt die tiefste Schlucht Europas und nach dem Gran Canyon, die zweittiefste Schlucht der Welt. Wir haben die 1.300 Meter tiefe Tara-Schlucht nur vom Aussichtspunkt der Durdevica-Tara-Brücke gesehen. Die eigentlichen Ausmaße der Schlucht sieht man aber wohl erst, wenn man eine der zahlreichen Raftingtouren bucht und durch das ursprüngliche Flusstal fährt. Danach stand uns bei 11 Grad und Regen aber nicht so der Sinn.

Vom Parkplatz der 172 Meter hohen Durdevica-Tara-Brücke hat man ebenfalls eine schöne Aussicht über das bewaldete Tal, allerdings ist der Aussichtsspot recht überlaufen und es gibt zahlreiche Souvenirbuden, Cafés und Zip-Line-Anbieter. Wirklich spektakulär fand ich die 365 Meter lange Brücke mit ihren Rundbögen auch nicht, aber das ist wohl Geschmackssache. Man kann die Brücke zu Fuss überqueren, muss sie sich jedoch mit Autoverkehr teilen. Und für meinen Geschmack sah sie auch schon etwas zu marode aus, um einen entspannten Spaziergang zu machen.

#4 Kloster Ostrog

Vom Durmitor Nationalpark bis in die Bucht von Kotor sind es ca. 160 km und man braucht für die Strecke ca. 2 1/2 Stunden. Wenn ihr durch Nikšić fahrt, lohnt es sich jedoch einen extra Umweg von ca. 25 km (one-way) zum Kloster Ostrog einzulegen. Die letzten 10 km haben es allerdings in sich, denn man fährt in endlosen Serpentinen die steilen Abhänge des Prekornica-Gebirges hinauf. Die Fahrt ist also nichts für schwache Nerven.

Kloster Ostrog ist eins der bedeutensten Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche und wurde 1656 direkt in den Steilhang hineingebaut. Es ist also ein echter Hingucker. Rechnet allerdings nicht damit alleine zu sein, denn es wird ganzjährig von tausenden Gläubigen besucht, die an das Grab des heiligen Vasilije pilgern.

Outdoor-Fans werden im Nordosten von Montenegro auf jeden Fall ihr Glück finden. Dort liegt z.B. auch noch der Nationalpark Biogradska Gora, einer der letzten Urwälder Europas. Und an der Grenze zum Kosovo liegt der Nationalpark Prokletijedem, der als ökologische Schatzkammer gilt und Abenteuer verspricht.

PIN ME:

Wir hatten eindeutig zu wenig Zeit und waren mit Kind auch ein wenig eingeschränkt. Klar wurde uns auf dieser Reise jedoch, dass der Balkan extrem viel zu bieten hat und man für Abenteuer nicht unbedingt auf einen anderen Kontinent fliegen muss. Wir wähnten uns mitunter auf jeden Fall überall, nur nicht in Europa.

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2 Comments

  • Reply Nina (Kommrum Reisen) 11. September 2022 at 19:54

    Hallo Nadine,

    toller Bericht! 🙂 Wir fühlen uns direkt zu unserem Montenegro-Roadtrip im Sommer 2019 zurückversetzt.
    Damals hatten wir 14 Tage in dem tollen Land … und es. hätte sogar noch mehr sein können.

    Viele Grüße,

    Nina

    • Reply nadine 12. September 2022 at 16:49

      Hallo Nina, lieben Dank! Wir hatten auf unserem Roadtrip durch den Balkan leider nur 6 Tage Zeit und zudem fürchterliches Wetter in den Bergen. Müssen wir wohl nochmal hin ;). LG, Nadine

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