Umweltfreundliche Weihnachtsrituale
Ein nachhaltiger Weihnachtsbaum und Klimaschutz verschenken

2. Dezember 2020

Traditionen und Rituale gehören seit jeher zur Natur des Menschen. Gerade in unserer globalisierten, schnelllebigen Welt geben sie uns ein Stück Halt und Verbundenheit. Wie sehr mich manches deutsches Ritual geprägt hat, habe ich meist erst bemerkt, wenn ich lange auf Reisen war. Zweimal habe ich Weihnachten in Australien verbracht. BBQ, Beach und Badehose fand ich jedesmal so schräg, dass einfach kein Christmasfeeling bei mir aufkam. Den Zauber von Weihnachten verspüre ich wohl nur beim Geruch von Zimt & Zucker, Tannengrün und Mandarinen. Beim Gesäusel von Weihnachtsmucke, wenn die Nissedør meiner norwegischen Oma wie von Geisterhand bei uns einzieht, Michel aus Lönneberga im TV läuft und wir den 2. Weihnachtstag all day long in PJ´s rumschlunzen.

Wir haben in Deutschland viele herzerwärmende und gemütliche Traditionen, wie z.B. Laternenumzüge zu St. Martin, Weckmänner, Märchen, Sauerteigbrot, Ostereier suchen oder Weihnachtsmärkte. Bräuche wie diese, sollten unbedingt gehegt und gepflegt werden. Manchmal sollten sie aber auch hinterfragt werden. „Das war schon immer so“ ist kein Argument, wenn es schädlich, unsinnig und überholt ist. Das gilt natürlich nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr.

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Ein nachhaltiger Friesenbaum oder auch Jöölboom

Dieses Jahr habe ich beschlossen, die Tradition des klassischen Weihnachtsbaumes über Bord zu werfen. Schon seit Jahren hadern wir damit, Bäume zu fällen und nach ein paar Tagen wegzuwerfen. In den letzten 8 Jahren gab es hier daher immer einen Baum im Topf. Manche haben überlebt und jahrelang ihr Dasein auf unserem Höfchen gefristet, andere sind nach ein paar Wochen gestorben. Vor zwei Jahren haben wir sogar mal einen im Wald ausgesetzt. Ich weiß, ist verboten. Tatsächlich hat er auch bis zu diesem Sommer überlebt. Dann ist er aber aufgrund mangelnden Regens vertrocknet. Alles doof also.

Grundsätzlich finde ich die heidnische Tradition des Weihnachtsbaumes sehr schön. Wer mag nicht diesen Geruch und das heimelige Gefühl, das ein geschmückter Baum ins Haus bringt? Schon im Mittelalter verzierten die Menschen ihr Haus mit immergrünen Zweigen der Tanne, mit Mistelzweigen und Wacholder. Im 16. Jahrhundert wurde es dann Brauch, einen Weihnachtsbaum mit Süßigkeiten zu schmücken, im 18. Jahrhundert kamen Kerzen hinzu und heutzutage stehen fast 30 Millionen Weihnachtsbäume in deutschen Haushalten.

30.000.000! In einer Zeit, in der Bäume die wahrscheinlich einzige Möglichkeit sind, unsere wahnsinnige CO2-Produktion zu kompensieren. Bäume nehmen CO2 auf, geben Sauerstoff ab, fördern die biologische Vielfalt und wirken der Bodenerosion entgegen. Sie sind also überlebenswichtig für uns. Den klassischen Weihnachtsbaum finden wir daher nicht mehr zeitgemäß. Man könnte anstelle der Weihnachtsbaumplantagen ja auch einen Mischwald pflanzen, der dauerhaft CO2 bindet.

Wir haben uns daher nun für einen minimalistischen Weihnachtsbaum aus Holz*  entschieden, den wir jedes Jahr wiederverwenden können. Zugegeben, an seine Schlichtheit muß man sich erstmal gewöhnen. Aber mit Lichterkette, Kugeln und Lametta 😉 macht er einen manierlichen Eindruck. Im Übrigen ist unser Holzbaum auch als Friesenbaum oder Jöölboom bekannt. In Norddeutschland ist das einfache geschmückte Holzgestell schon lange Tradition. Für den Nadelduft, holen wir uns einfach ein paar Äste ins Haus oder zünden Räucherkerzen Tannenduft aus dem Erzgebirge* an. Ein Tannenbaum darf nun also weiterleben und munter Sauerstoff für uns produzieren. Daher finde ich die Idee Bäume und ergo Klimaschutz zu verschenken, auch ganz wunderbar.

Im Übrigen kaufe ich mir selten mal Weihnachtsdeko neu, sondern nutze Altes immer wieder und dekoriere auch gerne mit Fundstücken aus der Natur. Hier habe ich btw ein süßes DIY gefunden, wie man sich einen Mini-Jöölboom selber bauen kann und bei Meerblog gibt es einen Post über die Rückkehr des friesischen Weihnachtsbaumes Jöölboom.

Das perfekte Weihnachtsgeschenk: Klimaschutz

Alle Jahre wieder rennen wir für das perfekte Weihnachtsgeschenk durch die Läden und durchstöbern die Onlinewelt. Wir konsumieren Zeugs, dass die Welt nicht braucht. Dabei haben die Meisten von uns wahrscheinlich fast alles und brauchen nichts. Tatsächlich finde ich Weihnachten so ganz ohne ein Päckchen, aber auch etwas traurig. Daher verschenke ich mittlerweile am Liebsten eine Kleinigkeit in Kombi mit Klimaschutz. Und da gibt es mittlerweile wirklich viele tolle Möglichkeiten, von denen ich hier mal ein paar aufliste:

  • Crowdfarming: Lebensmittel direkt vom Erzeuger Adoptiert eine Kuh, einen Bienenstock, einen Kartoffelacker, einen Orangen- oder einen Avocadobaum. Die Bio-Erzeugnisse bekommt ihr direkt nach Hause geliefert. Alternativ kann man auch nur eine Kiste kaufen. Mein Favorit wären ja z.B. 5 kg Mangos, direkt vom Erzeuger. Die kann man sich ja dann auch mit Freunden oder Familie teilen.
  • Treedom: Pflanze oder verschenke einen Baum  Meiner Ma, leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, habe ich dieses Jahr bereits einen Kaffeebaum geschenkt. Mit der Spende pflanzt ein Kleinbauer einen Baum auf seinem Land, pflegt ihn und erhält mit den Früchten eine Einnahmequelle, die zugleich lokale Ernährungssicherheit stärkt. Der Baum bindet im Laufe seines Lebens CO2, stärkt die  Artenvielfalt und verringert die Bodenerosion. Bei der Verpflanzung wird er geolokalisiert und fotografiert. Ein Geschenk, das den Planeten grüner macht und Menschen auf der ganzen Welt hilft! 
  • ForestFinance: faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Bewirtschaftung Meinem Mann, ausgesprochener Schokoholic, habe ich die Patenschaft für einen Kakaobaum geschenkt. Dieser wird in Peru nachhaltig bewirtschaftet und schaft faire Arbeitsbedingungen. Mit der Kakaobaum-Patenschaft bekommt man fünf Tafeln Fair Trade-Schokolade, eine Pflanzurkunde und die Garantie, dass der Patenbaum für mindestens 25 Jahre gehegt und gepflegt wird.
  • PLANT-MY-Tree: deutsche Wälder aufforsten Wie übel die deutschen Wälder dran sind, habe ich dieses Jahr im Harz und Bergischen Land gesehen und sie benötigen unbedingt unsere Hilfe. Mit einer Baumpflanzung bei plantmytree unterstützt man regionale, nachhaltige Klimaschutzprojekte und sorgt dafür, dass unsere Wälder wieder aufgeforstet werden.
  • Treemer: Bienen retten und Bäume pflanzen Mit einer Spende bei Treemer kann man seltene Bäume von der Eibe bis zum Mammutbaum in Deutschland pflanzen. Mit seltenen Baumarten kann man stabile Mischwälder unterstützen und fördert die Diversität. Einige dieser Bäume haben schon in der Urzeit Klimakapriolen getrotzt und kommen mit der Klimaerwärmung daher auch relativ gut zurecht. Wer mag kann auch Aufforstungsprojekte für den Bienenschutz unterstützen, indem Blühwiesen, Wildkräuter und blühende Bäume gepflanzt werden.
  • Brot für die Welt: Zukunftsfähige Lebens- und Wirtschaftsweise unterstützen Mit einer Spende bei Brot für die Welt unterstützt man Kleinbauernfamilien und Indigene in ihrem Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt und den Raubbau an der Natur. Damit werden die Ursachen des Klimawandels bekämpft und seine Folgen gemildert. Mit 31 € spendet man z.B. Material für eine ökologische Baumschule in Nord-Sumatra.
  • Atmosfair: CO2 kompensieren und Klimaschutz verschenken Auch bei Atmosfair, das die Meisten zur CO2-Kompensation ihrer Flüge nutzen, kann man Klimaschutz verschenken. Wir zahlen mittlerweile auch für jede längere Reise mit dem Auto CO2-Kompensation und unterstützen damit Hilfsprojekte auf der ganzen Welt.

Natürlich gibt es noch unzählige weitere Unternehmen, die Bäume pflanzen und mit Spenden Klimaprojekte unterstützen. Falls ihr noch weitere seriöse Anbieter kennt, mit denen ihr schon Erfahrung gesammelt habt, dann gerne her damit. Leider kann man wohl nie mit 100 %iger Sicherheit sagen, ob Spenden auch wirklich ankommen. Ich hoffe aber einfach mal darauf, dass die Betreiber das Wohl des Planeten auch wirklich im Auge haben und das Geld dort ankommt, wo es dringend benötigt wird. Damit unsere Welt wieder grüner wird und lebenswert bleibt.

Hier findet ihr „Meine Tipps für ein Slow Christmas und 30 sinnvolle Geschenkideen für Groß und Klein“ von 2019.

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8 Comments

  • Reply Stine 3. Dezember 2020 at 8:36

    Der Spruch! Herrlich. Den minimalistischen Baum finde ich gewöhnungsbedürftig, aber in der Tat suchen wir auch schon seit Jahren nach einer Alternative. Bäume abholzen und wegwerfen finde ich ebenfalls traurig. Danke auch für die Spendentipps. Da ist auf jeden Fall etwas dabei. LG, Stine

    • Reply nadine 5. Dezember 2020 at 20:00

      Wir haben jahrelang nach einer Alternative gesucht und sind nun happy mit unserem Friesenbaum. Ich denke, es ist alles auch immer Gewöhnungssache. Der Mensch hat sich auch an Anschnallgurte, Rauchverbote in Kneipen oder Corona „gewöhnt“ ;). Und solange es nicht richtig weh tut, kann ich der Umwelt zuliebe auch gerne auf Dinge verzichten. Abgesehen davon glaube ich, dass da dauerhaft noch richtig krasse Einschränkungen auf uns zukommen werden. Dagegen ist die Frage Weihnachtsbaum Top oder Flop pillepalle. Ich hoffe Du findest Deine passende Alternative, liebe Stine! LG, Nadine

  • Reply M.K. 3. Dezember 2020 at 8:38

    Also ich finde es voll hygge bei euch, ich mag aber auch den schlichten skandinavischen Style. Der Baum ist auf jeden Fall eine Alternative. Mal sehen ob ich meine Familie dazu überreden kann. Viele Grüße, M.

    • Reply nadine 5. Dezember 2020 at 20:02

      Das freut mich. Vielen lieben Dank! Naja so ganz ohne Gegenwehr hat das hier auch nicht stattgefunden. Aber die Jungs kennen schon das Ökogefasel ihrer Mutter und sehen es am Ende doch meist ein ;). VlG, Nadine

  • Reply Mina 4. Dezember 2020 at 16:34

    Der Baum stellt eine gute Alternative dar. Auch im Untertaunus wurden unendlich viele kaputte Fichten in den vergangenen Monaten abgeholzt. Stellenweise sieht der Wald aus wie eine Mondlandschaft und das scheint noch nicht das Ende zu sein. Das regt zum Umdenken an und wir überlegen gerade auch in diesem Jahr eine Alternative zum Weihnachtsbaum zu machen. Die Idee ein lokales Baumpflanzprojekt zu unterstützen finde ich super und werden statt der Flaschen Wein in diesem Jahr die € 15,– investieren und den Beschenkten eine Urkunde für das Baumprojekt geben. Hoffentlich kommen schnell die Mischwälder wieder durch. Danke für den tollen Tipp.
    Woher hast du die schönen Schwarz/Weiß Bilder Smaland und die Birkenbaumstämme? LG Mina

    • Reply nadine 5. Dezember 2020 at 20:19

      Lokale Baumpflanzprojekte zu unterstützen finde ich auch super. Ich war dieses Jahr wirklich erschüttert, wie schlecht es unseren Wäldern geht. Quer durch Deutschland. Cool finde ich auch die Idee eher exotische Bäume wie den Mammutbaum zu pflanzen, da dieser Hitze und Trockenheit gut übersteht. Wir müssen halt umdenken, auch wenn es manchmal schwer fällt. Uffz, die Bilder…. ich glaube die Birkenstämme sind von Junique und das Smaland Bild habe ich selber anfertigen lassen. Guck mal bei mapiful. LG, Nadine

  • Reply Anita 5. Dezember 2020 at 17:59

    Hallo Nadine, 30 Millionen Bäume, das ist wirklich heftig, und das nur in Deutschland… Wir haben auch entschieden, dieses Jahr keinen Baum zu kaufen. Letztes Jahr haben wir kurz vor Weihnachten einen Baum geholt. Es waren nur noch ein paar Restbäume übrig und es war klar, dass die keiner mehr kauft und sie einfach so entsorgt werden müssten. Das war auch ziemlich traurig, zu wissen, dass diese Bäume eigentlich völlig umsonst gestorben sind. Die Spendentipps hören sich gut an, die werde ich mir mal in aller Ruhe anschauen. LG, Anita

    • Reply nadine 5. Dezember 2020 at 20:22

      Liebe Anita, ja die Zahl ist heftig…. und das nur in Deutschland. Es sind halt Monokulturen, die z.T. mit Pestiziden gespritzt sind. Das tragen wir uns dann wieder ins Wohnzimmer. Es sei denn Du kaufst Dir eine teure Biotanne. Mir gefällt das alles nicht mehr und daher mußte eine Alternative her. Ach und diese armen Bäume die zum Schluß noch übrig bleiben und dann in der Verbrennungsanlage landen, sind völlig umsonst gefällt worden. Dann besser selber einen fällen. GlG, Nadine

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