Diesen Sommer waren wir zum ersten Mal eine Woche lang ohne unsere inzwischen recht großen Kinder unterwegs. Nach zwei Nächten in Mons in Belgien ging es weiter nach Nordfrankreich, erst nach Valenciennes und von dort aus ins 50 Kilometer entfernte Lille. Damit wechselten wir von zwei eher beschaulichen Städten ins quirlige Großstadtleben. Lille wirkt auf den ersten Blick urban, lebendig und geschäftig, hat aber trotzdem etwas erstaunlich Gemütliches. Wir waren drei Nächte in Lille, was auf jeden Fall die richtige Entscheidung war. Denn Lille ist trotz seiner überschaubaren Größe keine Stadt, die man einfach im Vorbeigehen abhaken sollte.
Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten gibt es viele kleine Gassen, gemütliche Cafés, schöne Plätze, überraschende Architektur, Museen, Märkte und jede Menge französisch-flämisches Lebensgefühl zu entdecken. Und auch außerhalb von Lille gibt es einige Orte, die einen Besuch wert sind. Kommt also mit nach Lille in Nordfrankreich! Ich zeige euch unsere persönlichen Highlights und die schönsten Tipps für ein verlängertes Wochenende.





Lille in Nordfrankreich:
Unsere persönlichen Highlights für ein Wochenende
- Lille in Nordfrankreich:
- Unsere persönlichen Highlights für ein Wochenende
- #1 Der Grand'Place – Lilles große Bühne
- #2 Vieux-Lille – das schönste Viertel der Stadt
- #3 Palais des Beaux-Arts – Kunst mitten in Lille
- #5 Mit der Ente durch Lille: Eine kleine Zeitreise
- #6 Genuss in Lille
- #7 Übernachten im The Kooch House in Tourcoing
- #8 La Piscine in Roubaix – Kunst im ehemaligen Schwimmbad
- #10 Die Villa Cavrois – Visionäre Architektur
- #11 Der Lille City Pass
- #12 Unser Fazit: Lille, wir kommen gerne wieder!
- Unsere persönlichen Highlights für ein Wochenende
#1 Der Grand’Place – Lilles große Bühne
Das Herz von Lille ist der Grand’Place, um den herum Gebäude aus ganz unterschiedlichen Epochen und Baustilen stehen. Besonders auffällig ist die Mischung aus flämischen Fassaden, historischen Bürgerhäusern und repräsentativen Gebäuden. Da es von hier aus nur wenige Schritte zur Alten Börse, zum Vieux-Lille und zu weiteren wichtigen Sehenswürdigkeiten sind, kommt man automatisch mehrfach vorbei. Der Grand’Place ist daher weniger eine Sehenswürdigkeit, die man einmal fotografiert und dann abhakt, sondern vielmehr ein guter Ausgangspunkt, um Lille zu erkunden. Tagsüber herrscht hier geschäftiges Treiben, abends sitzen die Menschen in den Restaurants und Cafés.
#1.1 Vieille Bourse (Die alte Börse)
Direkt am Grand’Place befindet sich mit der Vieille Bourse (Alte Börse) eines der schönsten Gebäude von Lille. Sie wurde etwa 1652 errichtet und besteht aus 24 miteinander verbundenen Häusern, die einen wunderschönen Innenhof umschließen. Die reich verzierte Fassade mit ihren Säulen, Ornamenten und farbenfrohen Details ist typisch für die flämische Architektur. Während man außen zunächst vielleicht einfach nur die beeindruckende Fassade bewundert, lohnt sich unbedingt ein Blick in den Innenhof. Je nach Tag findet man hier nämlich kleine Antiquariate und Bücherstände. Dadurch wirkt der Innenhof sehr lebendig und wie eine kleine Welt für sich.






#2 Vieux-Lille – das schönste Viertel der Stadt
Das Vieux-Lille ist der älteste Stadtteil Lilles und wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufwendig restauriert. Heute ist es eine der beliebtesten Gegenden der Stadt und das völlig zu Recht. Das Viertel ist äußerst hübsch und chillig. Anstelle breiter Straßen und moderner Geschäftshäuser erwarten einen hier Kopfsteinpflaster, schmale Gassen und wunderschöne Fassaden. Viele Häuser zeigen mit roten und braunen Ziegeln, hohen Giebeln und reich verzierten Details den typisch flämischen Einfluss. Dazwischen stehen elegante Gebäude aus späteren Epochen. Genau dieser Mix macht das Viertel so reizvoll.
Wir fanden es besonders schön, ohne konkreten Plan durch die Straßen zu laufen, denn in den vielen Gassen reiht sich ein hübsches Geschäft ans nächste. Kleine Feinkostläden, Bäckereien, Cafés und Restaurants wechseln sich mit Modegeschäften und hippen Boutiquen ab. Und natürlich sollte man sich zwischendurch auch eine Pause gönnen. Schließlich ist Lille eine Stadt, in der man wunderbar einfach irgendwo sitzen und das Leben beobachten kann.
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#2.1 Cathédrale Notre-Dame de la Treille
Werft unbedingt auch einen Blick in die Cathédrale Notre-Dame de la Treille im Vieux-Lille! Ich habe leider vergessen, Fotos zu machen, aber die Kirche hält eine Überraschung bereit. Die Westfassade wirkt nämlich auf den ersten Blick wie ein moderner Klotz aus hellem Stein, unterscheidet sich jedoch eklatant vom Rest des Gebäudes, was daran liegt, dass sich der Bau über 145 Jahre hingezogen hat.












#3 Palais des Beaux-Arts – Kunst mitten in Lille
Auch kulturell hat Lille einiges zu bieten. So zählt das Palais des Beaux-Arts, das direkt an der Place de la République liegt, zu den bedeutendsten Kunstmuseen Frankreichs. Schon das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist beeindruckend. Im Inneren warten unter anderem Gemälde, Skulpturen und Keramiken, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen. Außerdem besitzt das Museum eine bedeutende Sammlung von Zeichnungen sowie Reliefpläne befestigter Städte, darunter zahlreiche Arbeiten aus dem Umfeld von Vauban.
Da wir diesmal ohne Teenager unterwegs waren, haben wir uns das Museum in aller Ruhe anschauen können, und man muss auch kein ausgewiesener Kunstfan sein, um hier einen interessanten Nachmittag zu verbringen. Gerade an Regentagen ist das Palais des Beaux-Arts eine perfekte Alternative zum Stadtbummel. Und auch die Umgebung rund um die Place de la République ist sehenswert. Hier treffen historische Architektur und städtisches Leben aufeinander.
Gut zu wissen: Für Inhaber des Lille City Pass ist der Eintritt ins Museum frei.





#5 Mit der Ente durch Lille: Eine kleine Zeitreise
Es gibt Autos, die sind einfach nur Autos. Und dann gibt es die Ente. Wer wie ich in den 1980er-Jahren aufgewachsen ist, weiß vermutlich sofort, was ich meine. Ein Citroën 2CV war damals kein Oldtimer, sondern gehörte ganz selbstverständlich zum Straßenbild und war ein absolutes Alltagsauto. Aus irgendeinem Grund gab es zur Ente auch ein kultiges Spiel unter Kindern und Teenagern: Wenn man eine Ente sah, wurde man je nach Farbe des Autos geküsst oder geknufft. Wir fühlten uns also wieder wie 14 Jahre alt ;).
Besonders cool war es deshalb, dass wir Lille in einem knallroten Citroën 2CV vom Anbieter Tradi Balade erkunden konnten. Unsere Tour führte ganz entspannt durch die Innenstadt bis vor die Stadttore und zur Citadelle im Westen der Stadt. Wir saßen in der kleinen, wunderbar klapprigen Cabrio-Ente, schauten aus den Fenstern und ließen Lille an uns vorbeiziehen. Viel gemütlicher kann Sightseeing kaum sein. Unsere Fahrerin versorgte uns derweil mit vielen spannenden Infos über Lille.
Unser Fazit: Für uns war die Fahrt durch Lille nicht nur eine besondere Art der Stadtrundfahrt, sondern auch eine kleine Zeitreise in unsere Kindheit und Jugend. Die Fahrt ist herrlich unperfekt, denn das Auto ist alles andere als bequem und eilig darf man es auch nicht haben ;). Man wird quasi durch die Gegend geschaukelt und bekommt obendrein diese unverwechselbare, knatternde Geräuschkulisse dazu. Nach mehreren Stunden zu Fuß ist das eine richtig schöne Abwechslung und natürlich auch typisch französisch.
Gut zu wissen: Die Touren starten direkt am Place Rihour vor dem Tourist Office. Unbedingt zeitig buchen, denn sie sind zu den Stoßzeiten oft ausgebucht.




#6 Genuss in Lille
Natürlich sollte man in Lille auch genügend Zeit fürs Essen einplanen. Die Küche des Nordens ist deftig, bodenständig und stark von der flämischen Nachbarschaft beeinflusst. In den sogenannten Estaminets bekommt man traditionelle Gerichte in gemütlicher Atmosphäre. Dazu passt natürlich ein Bier aus der Region.
Hier ein paar lohnenswerte Tipps:
- Das La Petite Cour ist ein richtig charmantes Bistro im Herzen von Vieux-Lille, versteckt in einem historischen Haus aus dem 17. Jahrhundert. An warmen Sommerabenden ist es besonders schön im romantischen Innenhof zu sitzen. Aber auch die Innenräume wirken, mit dem charmanten Sammelsurium aus alten Möbeln und verspielten Details, wie ein nostalgisches französisches Wohnzimmer. Dazu gibt es (nord)französische Küche, die perfekt zu diesem gemütlichen Ort passt.
- Das Bocal im Vieux-Lille ist ein gemütliches Fischbistro, das sich auf frische Meeresfrüchte und kreativ interpretierte Streetfood-Klassiker spezialisiert hat. Auf der Karte stehen unter anderem knuspriger Fish and Chips, Fisch-Burger und leckere Krabbenkroketten. Ideal für eine unkomplizierte, maritime Mahlzeit.
- Das T&V Banh Mi ist eine kleine, unkomplizierte Adresse in Lille für vietnamesisches Streetfood. Uns haben die Bánh Mì richtig gut gefallen. Lecker, frisch und mit knusprigem Baguette, würziger Füllung, Kräutern und knackigem Gemüse sind sie genau das Richtige für einen unkomplizierten Lunch.








#7 Übernachten im The Kooch House in Tourcoing
Tatsächlich haben wir unsere drei Nächte nicht direkt in Lille, sondern im Vorort Tourcoing verbracht, was für uns jedoch überhaupt kein Problem war. Die Tram fuhr nämlich direkt vor der Haustür ab und brachte uns in etwa 25 Minuten zum Bahnhof Lille-Europe. Dafür wohnten wir in einer ruhigen Umgebung und hatten auch direkt einen Parkplatz vor der Tür, da wir mit dem Auto vor Ort waren. Tagsüber ging es also mit der Tram ins quirlige Stadtleben und abends zurück in unsere charmante Unterkunft, das The Kooch House 1.4*, in Tourcoing.
Das Kooch House befindet sich in einem wunderschönen, historischen Bürgerhaus und hat genau den besonderen Charme, der vielen modernen Hotels fehlt: Hohe Decken, alte Architektur, liebevoll ausgewählte Möbel, Bücher und kleine Details. Wir haben in der gemütlichen Zweizimmerwohnung übernachtet, die mit ihrer individuellen Einrichtung für uns ein Ort war, an dem wir uns sofort ein bisschen zu Hause fühlten. Für uns zwei war das Kooch House deshalb eine richtig schöne Basis, um Lille und die Umgebung zu erkunden.
Gut zu wissen: Das The Kooch House 1* vermietet noch weitere Zimmer im Haus, u. a. eine große Wohnung mit drei Schlafräumen, die sich perfekt für eine Gruppe von Freunden eignet. Wer ein Zimmer einzeln bucht, teilt sich den Wohn- und Essbereich mit anderen Gästen.





#8 La Piscine in Roubaix – Kunst im ehemaligen Schwimmbad
Ein Museum in einem ehemaligen Schwimmbad? Das klingt erst einmal ungewöhnlich und ist auch genau das, was das La Piscine in Roubaix so besonders macht. Das Musée d’Art et d’Industrie André Diligent befindet sich nämlich in einem wunderschönen Art-déco-Schwimmbad aus den 1930er Jahren.
Schon die Architektur ist ein Erlebnis. Wo früher Menschen ihre Bahnen zogen, stehen heute Skulpturen und Kunstwerke rund um das ehemalige Becken. Die alten Umkleidekabinen, Glasfenster und die beeindruckende Halle wurden dabei weitestgehend erhalten. Dazu kommen Sammlungen aus den Bereichen Kunst, Design und Industriegeschichte. Für uns war La Piscine daher eines dieser Museen, bei denen nicht nur die Ausstellung, sondern auch der Ort selbst zum eigentlichen Highlight wird. Wer ein Faible für außergewöhnliche Museen und Architektur hat, sollte den kurzen Abstecher von Lille nach Roubaix also unbedingt einplanen.
Gut zu wissen: Roubaix liegt etwa 10-12 Kilometer vom Zentrum Lilles entfernt. Mit der Metro kommt man jedoch in ca. 30 Minuten dorthin. Der Eintritt ins Museum La Piscine ist frei, wenn man einen Lille City Pass hat.





#10 Die Villa Cavrois – Visionäre Architektur
Und auch die Villa Cavrois in Croix hat uns ziemlich begeistert, obwohl der Architekturstil der französischen Moderne hier sehr eigenwillig ist. Sie wurde zwischen 1929 und 1932 vom Architekten Robert Mallet-Stevens für den Textilunternehmer Paul Cavrois, seine Frau und ihre sieben Kinder entworfen. Mit einer Wohn- und Nutzfläche von rund 2.800 Quadratmetern, einem fünf Hektar großen Park und sogar einem Schwimmbad, war sie daher fast schon ein modernes Schloss für eine Großfamilie.
Das Haus war seiner Zeit weit voraus: Zentralheizung, Aufzug, Telefon und eine konsequent durchgestaltete Inneneinrichtung gehörten zum Konzept. Nach dem Tod der letzten Bewohnerin wurde die Villa leider zu einem Lost Place und über die Jahre geplündert. Erst 2001 kaufte der französische Staat das Anwesen und ließ es aufwendig restaurieren. Seit 2015 ist die Villa nun als Museum für Besucher:innen geöffnet. Heute kann man durch die originalgetreu restaurierten Räume spazieren und erhält einen faszinierenden Eindruck davon, wie modern und visionär Wohnen schon vor fast 100 Jahren sein konnte.
Gut zu wissen: Die Villa Cavrois liegt in Croix, etwa 10 Kilometer nordöstlich vom Zentrum von Lille und ist mit der Tram in ca. 30–35 Minuten gut erreichbar. Der Eintritt in die Villa Cavrois ist frei, wenn man einen Lille City Pass hat.





#11 Der Lille City Pass
Der Hello Lille City Pass kann sich bei einem intensiven Sightseeing-Tag durchaus lohnen. Wir hatten den 24 Stunden Pass und konnten damit verschiedene Museen und Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise die Villa Cavrois, das Museum La Piscine und das Palais des Beaux-Arts, kostenfrei besuchen. Außerdem haben wir den öffentlichen Nahverkehr kostenfrei genutzt.
Gerade wenn man an einem Tag mehrere kostenpflichtige Attraktionen einplant, hat man den Preis schnell wieder heraus. Für uns war die Karte daher praktisch, da wir nicht jedes Mal überlegen mussten, ob sich der Eintritt für einen kurzen Besuch lohnt. Einfach Pass zeigen und rein. Gerade bei einem Aufenthalt von drei Nächten in Lille würde ich die 24-Stunden-Variante für einen Tag mit viel Programm empfehlen.
#12 Unser Fazit: Lille, wir kommen gerne wieder!
Lille hat uns mit seiner Mischung aus französischem Lebensgefühl, flämischer Architektur, guter Küche und jeder Menge kleiner Entdeckungen ziemlich schnell um den Finger gewickelt. Zwischen hübschen Altstadtgassen, beeindruckenden Museen, kleinen Cafés und überraschend cooler Architektur gibt es einfach unglaublich viel zu entdecken. Unser persönliches Highlight war dabei die Stadtrundfahrt mit der nostalgischen Ente.
Drei Nächte waren für uns eine gute Basis, aber tatsächlich hat die Zeit nicht ganz gereicht, um alles zu erkunden, was wir uns vorgenommen hatten. Wir müssen daher wohl nochmal wiederkommen. Im Übrigen könnt ihr von Lille aus auch noch sehr gut 75 km weiter bis nach Dunkerque ans Meer fahren und wer mag, auch noch weitere hübsche Orte entlang der Küste abklappen.
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