Tipps für die holländische Nordseeinsel Texel

Meeresgetier, Schafe und Herbstgefühle

Dass Thema Herbst nimmt dieses Jahr irgendwie kein Ende und ich werde euch damit auch noch ein wenig in den Ohren liegen. Anfang Oktober waren wir nämlich für ein verlängertes Wochenende auf der holländischen Nordseeinsel Texel.  Ich muß ja gestehen, dass ich die Nordsee im Herbst viel lieber mag als im Sommer, denn ich gehe, bis auf den dicken Zeh, eh nicht ins Wasser oder brutschel stundenlang im Sand. Lieber mag ich endlose Strandspaziergänge und lasse mir eine frische, salzige Brise um die Nase wehen. Außerdem sieht so ein wolkenverhangener Himmel doch direkt mal viel dramatischer aus, als ein strahlendblauer, oder?

Anreise mit der Texel-Fähre ab Den Helder

Texel ist ganz easy ab Den Helder in Noord-Holland zu erreichen. Vom Raum Köln/ Düsseldorf aus sind das in etwa 3 1/2 Stunden Fahrzeit. Wenn man nicht, wie wir, in einem unendlichen Freitagsnachmittags-Stau steht und dadurch fast die letzte Fähre des Tages verpasst. Die Fähre von Den Helder nach Texel verkehrt ganzjährig von 06:30 Uhr bis 21:30 Uhr im stündlichen Rythmus und braucht gerade mal 20 Minuten für die Überfahrt. Checkt aber auf jeden Fall den Fahrplan, denn im Winter fahren sie seltener als im Sommer. Übers Wochenende kostet die Hin- und Rückfahrt mit einem normalen PKW und inkl. Personen 37 €. Die E-Tickets bucht man vorab am Besten über die Teso-Website. Ist ganz einfach und die Registrierung erfolgt dann auch nur auf der Hinfahrt über Euer KFZ-Kennzeichen per automatischer Erkennung.

Das Vakantieventrum Dennennord

Da wir die letzte Fähre genommen haben, kamen wir erst gegen 22 Uhr auf Texel an. Aber auch im Stockdunkeln wurde uns schnell klar, dass die Insel eine sehr überschaubare Größe hat. In 15 Minuten waren wir an unserer Unterkunft, dem Vakantiecentrum Dennennord. Die Ferienanlage liegt relativ zentral und ruhig am Waldrand und in der Nähe der größten Dorfes Den Burg. Innerhalb von wenigen Minuten ist man in den Dünen oder am Strand und in max. 20 Fahrminuten am anderen Ende der Insel. Ein Aspekt, den wir sehr sympathisch fanden, denn man will ja seinen Urlaub auch nicht immer nur im Auto verbringen.

Die Anlage ist autofrei, d.h. man fährt nur je einmal zum Ein- und Ausladen vor sein Haus und parkt den Rest der Zeit auf dem Parkplatz auf dem Außengelände. Gerade mit meinen Kindern, die oft nicht rechts und links gucken, fand ich das super. Denn so konnten wir sie einfach übers Gelände stromern lassen und morgens zum Brötchen kaufen losschicken. Spielplätze, Minigolfanlage, Fußballplatz und der Kids-Club sind sowieso in unmittelbarer Laufnähe.

Der Park vermietet verschiedene Bungalows, Chalets und Mobilheime und Haustiere sind willkommen. Außerdem sind das Restaurant und der gut sortierte Spar-Supermarkt ganzjährig geöffnet. Wir bewohnten eine Viletta, ein freistehendes und gut ausgestattetes Chalet für 4 Personen. Die neuen Unterkünfte haben Zentralheizung, einen geräumigen Wohn- und Essraum, Küche, zwei Schlafzimmer, Toilette, ein Badezimmer mit Wanne sowie eine Holzveranda mit Blick auf einen kleinen Teich.  Die Küche ist ausgestattet mit einer Mikrowelle, Herd und Geschirrspülmaschine. Sie hat jedoch keinen Ofen (zum Brötchen aufbacken) und an unserer Badewanne war leider der Stöpsel kaputt und daher nicht nutzbar. Kleines Minus. Ansonsten fühlten wir uns mit den kids dort recht wohl und es war sehr ruhig.

Krabbenfischen und Seehunde beobachten mit der TX10 Emmie

Einmal wie Bubba Gump fühlen? Das kann man definitiv auf einer Fahrt mit dem Krabbenkutter TX 10 Emmie, der täglich von März bis Oktober/ Montag bis Samstag um 10:30 Uhr am hübschen Hafen von Oudeschild ablegt. Ein Ausflug, der für uns total spannend war, weil wir live mitverfolgen konnte, wie die Krabben gefischt, an Bord gekocht und dann hinaus in die weite Welt verschifft werden.

Wir tuckerten an diesem Morgen in einem gemütliche Tempo raus aufs spiegelglatte Meer. An Bord zwei Krabbenfischer, die den Job seit 30 Jahren machen und uns zeigten, wie ihr Alltag so aussieht. Und das war ziemlich interessant für uns, aber auch ein bisschen traurig und erschreckend zugleich. Logischerweise werden die Krabben nämlich mit großen, engmaschigen Schleppnetzen gefangen, denen natürlich auch andere Meeresbewohner nicht immer entkommen können.

Das Gewusel das an Bord gehievt wurde, ließ uns erstmal stauen. Die Nordsee lebt!! Und wie. Neben Krabben, jeder Menge Seesternen, Krebsen, Babyflundern, Neunaugen und Knurrhähnen gab es auch immer wieder ein Meerestier, dass wir definitiv noch nie gesehen haben. Irgendwie dachte ich immer, dass die Nordsee schon so verdreckt und überfischt ist, dass dort eh nicht mehr viel zu holen sein kann. Aber die immer noch bestehende Artenvielfalt hat uns dann doch erstaunt.

Umso trauriger war es natürlich, dass auch viele Tiere sterben, die für die Krabbenfischer gar nicht interessant sind. Die Jungs versuchten daher eifrig Babyflundern, Seesterne oder Krebse zu retten und schmissen sie ins Meer zurück. Auch die Seehunde, die in diesen Gewässern heimisch sind und wieder mal aus dem Wasser lugten, zeigten uns, dass dieser Lebensraum und ihre Bewohner unbedingt geschützt werden müssen.

Die Krabben werden dann durch Maschinen an Bord von den anderen Tieren getrennt und direkt in großen Bottichen gekocht. Und dann geht es auch direkt weiter nach Marokko oder China, wo sie gepult werden. Das wusste ich zwar schon, lässt mich aber immer wieder kopfschüttelnd zurück. Einmal von Holland oder Deutschland bis nach China und dann wieder zurück in unsere Läden. Wir hatten an Bord die Möglichkeit fangfrische Krabben zu pulen und essen, aber irgendwie war mir der Appetit vergangen. So spannend und interessant der Trip auch war. Vielleicht sollten wir uns alle viel öfter mal anschauen wie Tiere gefangen, getötet und geschlachtet werden. Dann gäbe es sicher sehr viel weniger Fleischkonsum auf unserem Planeten. Wir essen ja schon seit Langem nur noch sehr wenig Fleisch, aber auch den Konsum von Fisch werden wir in Zukunft weiter reduzieren.

Lämmer bekuscheln in der Schapenboerderij Texel

Normalerweise würde ich sagen, dass meine Kinder zu groß für Streichelgehege sind. Die Schapenboerderij Texel ist aber so entzückend, dass man sie einfach nur weiterempfehlen muß. Genauso so sollten Tiere in Gefangenschaft nämlich leben und ich würde mal behaupten, die sind wirklich glücklich beim Bauern Hans Witte.

Auf dem Hof leben 25 verschiedene Schafsrassen, die fast täglich Lämmer gebären. Außerdem Ziegen, Enten, Schweine, Hühner, Kälber, Esel und Ponys, die allesamt in einer großen glücklichen Gemeinschaft zusammenwohnen und herumlaufen.

Der Hof ist von Februar bis November täglich von 10:30 bis 15:30 Uhr geöffnet und der Eintritt kostet € 5 für Erwachsene, 4 € für Kinder von 2 bis 12 Jahren und Kinder unter 2 sind frei. Im gemütlichen Kaffee mit Hofladen stolpert man schon mal über ein freilaufendes Huhn oder ein Zicklein und ich habe mir dort eine wundervolle Schafwolldecke gekauft, die seitdem intensivst genutzt wird. Der sympathische Bauer Hans Witte zeigt den Besuchern zudem, wie er mit seinen australischen Hütehunden die Schafherden zusammentreibt und wenn man Glück hat, kann man auch verfolgen, wie die Schafe geschoren werden.

Schafe gibt es auf Texel im Übrigen mehr als Menschen und das Texelschaf, eine eigenartig aussehende Rasse mit kurzen Beinen, einem muskulösen Hals und einer flachen Stirn, kommt sogar von der Insel. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als mir Bauer Hans Witte zudem erklärte, dass sein riesiges Texelschaf mit der Megawolle eigentlich noch ein Lamm ist.

Texel hat überraschend viel zu bieten und wir waren eigentlich immer unterwegs. 3 volle Tage haben also nicht wirklich gereicht, um sich alles in Ruhe anzuschauen und auch mal zu chillen. Eine Woche hält man es glaub ich locker und entspannt auf dieser Insel aus. Daher gibts Teil 2 meiner Tipps dann demnächst.

Seid Ihr schon mal auf Texel gewesen? Wie hat es Euch gefallen?

Offenlegung: Wir wurden von Texel Tourismus zu dieser Reise eingeladen. Ein herzliches Dankeschön dafür. Meine Meinung bleibt davon unangetastet.

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