Die Vesterålen – ein arktisches Inselparadies

Von Nordlichtern, den Hurtigruten und einem spukigen Fischerdorf

Vor ein paar Wochen hatte ich euch ja schon von meinem großartigen Trip im September ans Nordkap erzählt. Heute nehme ich Euch mit auf die Vesterålen, ein arktisches Inselparadies  nördlich der Lofoten, das auch gerne mal als deren kleine Schwester bezeichnet werden. Die Vesterålen bestehen insgesamt aus sechs Kommunen, drei davon haben wir besucht: Andøya, Langøya und Hadseløya. Ursprünglich sollte unser Trip eigentlich auf die Lofoten gehen und da diese schon lange auf meiner Bucketliste stehen, war ich kurzzeitig enttäuscht. Aber was soll ich sagen? Ein Träumchen. Liebe Vesterålen, verzeiht mein Zaudern! Ich bin immer noch total hin und weg und die Lofoten kann ja jeder ;).

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Mit den Hurtigruten auf die Vesterålen

Von unserem Haus bis auf die Vesterålen sind es schlappe 2.752 km mit dem Auto. Das wären bei den norwegischen Straßenverhältnissen in etwa 32 Stunden Autofahrt. Macht man nicht mal so eben. Viel schneller geht es also, wenn man bis nach Narvik fliegt und sich dort einen Mietwagen nimmt. Noch cooler ist allerdings die Kombi aus Mietwagen und einer Passage mit den Hurtigruten. Ich bin ab Tromsø über Nacht auf die MS Trollfjord der Hurtigruten gegangen und am nächsten Morgen ausgeschlafen und entspannt am Hafen Risøyhavn auf den Vesterålen angekommen. Die MS Trollfjord ist eins der modernsten Schiffe der Hurtigruten-Flotte und bietet eine komfortable und hochwertige Kabinenausstattung, Fitnessraum, Sauna und Schwimmbad an und verfügt zudem über PKW Stellplätze.

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Eine Fahrt mit den Hurtigruten hatte ich bisher irgendwie nie so Recht auf dem Schirm, obwohl ich mir 2015 im Hafen von Rørvik mal zwei Schiffe von innen angeschaut habe. Die Hurtigruten waren für mich bis dato aber eher ein Synonym für reiche Menschen ü65. Also eine Zielgruppe, zu der wir nicht so Recht passen. Meine Vorbehalte mußte ich jedoch schnell revidieren. Die Hurtigruten waren ursprünglich das Postschiff und Fortbewegungsmittel für jedermann an der norwegischen Westküste. Selbst meine norwegische Oma hat die Hurtigruten schon als junge Frau genutzt, um von Trondheim zu meinem Opa nach Rørvik zu kommen. Ergo nutzen auch heute noch viele Norweger mit ihren Kindern die Schiffe, um von A nach B zu reisen. Außerdem arbeitet Hurtigruten massiv an einem jüngeren Image. An Bord gibt es z.B. auch ein Spielzimmer oder das Young Explorers Programm. Die spannenden Programme für Kinder finde ich super und bin mir sicher, daß meine Jungs das Angebot lieben würden.

Inseltraum im Eismeer

Landschaftliches Markenzeichen der Vesterålen sind schroffe Gebirgsformationen, die sich direkt aus dem Meer erheben und einsame, weiße Sandstrände. Angeblich vereinen die Vesterålen alle Landschaften Norwegens auf kleinstem Raum. Gebirge, Flachland, Sümpfe, Inseln, Fjorde und Schären.

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Leider hatte ich nicht genug Zeit um das genauer zu überprüfen, aber die Landschaftsroute über die Insel Andøya nach Andenes ist ein Bilderbuchtraum und wird mir unvergessen bleiben. Auf dem letzten Bild könnt Ihr mich übrigens in einer Art Freiluftkirche sehen, in der auch gerne mal geheiratet wird. Falls ich in diesem Leben nochmal heiraten sollte….ähm, Herr Hibbel ;)? 

Spielplatz der Wale

Die Vesterålen sind das Mekka für Walbeobachtungen. Nirgendwo anders an der norwegischen Küste liegt das Kontinentalschelf so nah am Festland wie hier und ist zudem so nährstoffreich. Daher gehört diese Region zu den wenigen Orten, wo man mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent ganzjährig Wale entdecken kann. Im Sommer kommen die mächtigen Pottwale, im Winter Schwertwale und Orcas. Man kann aber auch einfach mit dem Kayak durch die Fjorde paddeln und tausende von Papageientauchern beobachten. Oder natürlich ganz viel wandern und die unglaubliche Natur und Ruhe genießen. Leider habe ich mich aus Zeitmangel weder sportlich betätigt noch Wale gesehen, aber immerhin einen Spaziergang durch das entspannte Andenes gemacht. Wer Ruhe und Entschleunigung sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.

Unsere Ankunft in Andenes wurde im übrigen von der hiesigen Presse mit Spannung erwartet. Ich muß sicher nicht erwähnen, daß ich es sehr lustig fand ein Interview zu geben und anschließend im Andøyer Dagbladet zu erscheinen. Passiert einem ja auch nicht alle Tage.

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Die Erforschung der Polarlichter

Ein besonderes Highlight der Insel ist das Andøya Space Center, eine Forschungsstation für Polarlichter. Seit 1962 wurden tausende kleine Forschungsraketen ins All geschossen, um die Aktivität der Sonnenwinde rund um den Polarkreis zu messen. Eruptionen auf der Sonne sind nämlich für die Entstehung der Nord- und Südlichter an den Polen verantwortlich. Am nördlichen Pol heißen diese im Übrigen Aurora Borealis, am südlichen Pol Aurora Australis. Wenn man sich also für das Phänomen der Polarlichter interessiert, ist man im Spaceship Aurora genau richtig. Dort kann man u.a. an einer virtuellen Mission ins Weltraum teilnehmen. Fragt besser nicht…. trotz Raumanzug und Kapitänsehre habe ich uns nicht heil zurück auf die Erde bekommen. Ein Captain Kirk wird wohl nicht mehr aus mir.

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Desweiteren konnten wir dem deutschen Physiker Dr. Alexander Biebricher, Chief Science Officer des Spaceship Aurora einige Fragen stellen. Wann trifft man bitte schon mal auf einen Atmosphärenphysiker?? Tiefergehende Fragen zum Thema Polarlichter und Astronomie stellt ihr jedoch besser ihm als mir. Physik war noch nie so meine Stärke.

Schlafen zwischen Fjord und Gebirge

Wenn man an Norwegen denkt, kommen einem ja meist direkt so hübsche kleine Cabins mit malerischer Aussicht in den Sinn. Genau sowas findet man im Andøy Friluftssenter von Ingvild und Nigel Turrell. Nigel ist eigentlich Engländer, den es vor ca. 20 Jahren der Liebe wegen nach Andøya verschlagen hat. Seit 1988 betreibt er mit seiner Frau Ingvild das Friluftsenter samt Restaurant und Unterkünften wie Familien-Cabins, Appartements oder Campingstellplätzen. Außerdem bieten sie sowohl im Sommer als auch Winter verschiedenste Outdoor-Aktivitäten wie z.B. Elch-Safari, Eis-Fischen oder Schneeschuh-Wanderungen an. Die Aussicht ist der Hammer, der Elch-Pie ein Gedicht (den müsst ihr essen!) und am abendlichen Lagerfeuer hätte ich für alle Zeiten sitzen können.

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Auf dieser Reise habe ich im Übrigen wieder mal bemerkt, daß ich jedes Lagerfeuer mit netten Menschen und guten Gesprächen allen Parties der Welt vorziehe. Im Grunde meines Herzens bin ich scheinbar immer noch ein kleiner Höhlenmensch geblieben.

Nyksund, das wieder erwachte Geisterdorf

Auf keinen Fall verpassen sollte man das alte Fischerdorf Nyksund, das gerade mal ca. 15 Einwohner und 40 Touristen pro Tag zählt. Das Besondere an Nyksund ist, daß es in der Vergangenheit einige Male von seinen Bewohnern verlassen wurde, da diese einfach keine Lebensgrundlage mehr sahen. 1985 entdeckte ein deutscher Sozialpädagoge das verlassene Dorf wieder und begann den Ort instand zu setzen, um eine Internationale Jugendbegegnungsstätte aufzubauen. Die dort lebenden Jugendlichen renovierten die halb zerfallenen Gebäude, mit allen Materialien die sie dort so finden konnten. Durch dieses Engagement, wurden auch die ehemaligen Besitzer dazu animiniert, das Dorf wieder aufzubauen. Das Jugendprojekt wurde 1989 eingestellt, aber die Menschen kamen peu a peu nach Nyksund zurück.

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Heute ist das Fischerdorf ein Mix aus alten zerfallenen Gebäuden, hippiemäßig anmutenden Gästehäusern wie z.B. Holmvik Brygge, wo wir auch übernachtet haben, sanierten Häusern oder modernen Cabins. Das Flair dieses Ortes kann man nicht wirklich beschreiben, man muß es erleben. Es hat was von einer spukigen Ghosttown und ich hatte des Öfteren das Gefühl, daß mir gleich ein Walfänger aus dem Jahr 1880 entgegenkommen könnte.

Das Dorf ist klein und überschaubar und kann bis heute nur über eine einzige Schotterstraße am Nordrand von Langoya erreicht werden. Von dort aus startet auch die Wanderroute Königinnenweg und wenn ihr ganz genau hinschaut, seht ihr vielleicht auch Sonja, die Königin von Norwegen wie sie dort entlangwandert. Angeblich kommt sie einmal im Jahr. Ich habe es mir ebenfalls nicht nehmen lassen, einmal auf den Hausberg zu klettern und diese sagenhafte Aussicht zu genießen. Und ich kam mir fast ein bißchen wie der letzte Mensch auf Erden vor.

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Im Übrigen ist Nyksund „the Place to be“ für jeden der unbedingt Nordlichter sehen will. Es liegt so einsam und fernab aller irdischen Lichtquellen, daß die Nächte dunkel als dunkler sind. Ich hatte in der Nacht leider kein Glück, wurde dafür aber mit einem gigantischen Sternenhimmel entschädigt.

Tradition und Moderne vereint

Wenn die Norweger eins (und noch viel mehr) drauf haben, dann Traditionelles mit Modernem zu verbinden. Das komfortable Vesteralen Kysthotell bietet eine große Auswahl unterschiedlicher Unterkünfte wie Einzel- und Doppelzimmer, Suiten, Fisherman Cabins, Nordland Häuser und auch Campingstellplätze. Besonders schön sind aber die traditionellen Fischerhäuser, die von innen topmodern ausgestattet sind. Wir haben in einem der gemütlichen Häuser übernachtet und der morgendliche Blick über den Fjord ist einfach unbezahlbar.

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Stockfisch wird zum Hipster

Norwegen ist ein teures Pflaster wenn es ums auswärts essen und trinken geht. Als Selbstversorger tut man sich also gut. Wer sich aber trotzdem mal den Luxus gönnen will, dem möchte ich drei ausgezeichnete Restaurants ans Herz legen. Fisch ist im Übrigen das Nationalgericht der Nordnorweger und man bekommt ihn in allen Variationen. Morgens, mittags, abends. Im Jahre 2016 wird die nordnorwegische Küche jedoch scheinbar von bärtigen Hipster-Köchen regiert, die traditionellen Gerichten wie z.B. Stockfisch mit innovativen Cross-Over-Inspirationen aus aller Welt, neues Leben einhauchen. Sehr sehr cool.

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Sehr gute Fischgerichte gibt es z.B. im Fiskekompaniet am Hafen von Tromsø. Der schwedische Koch hat lustigerweise ein paar Jahre in meiner Heimat Düsseldorf gelebt und wir hatten direkt Gesprächsstoff. Da es wirklich direkt neben der Ablegestelle der Hurtigruten liegt und diese erst gegen Mitternacht weiterfährt, kann man hier gut den langen Abend überbrücken. Das Restaurant Arresten in Andenes ist das ehemalige Gefängnis der Insel. Dieses kommt wie ein Saloon aus alten Wildwesttagen daher und man bekommt dort z.B. ausgefallene, trendige Salate. Eine moderne, leckere Küche gibt es ebenfalls im Ekspedisjonen in Sortland. Da bekommt man dann die gute alte Fischsuppe gerne auch mal in aufgepimpten Dosen serviert.

Nordlichtgarantie

Die Vesterålen sind ein extrem gutes Ziel um auf jeden Fall mal in den Genuß der Nordlichter zu kommen. Und ja….ich habe sie gesehen und ich bin vor Freude wie Rumpelstilzchen ums Feuer gehüpft. Meine Reisebegleiter könnten Euch davon erzählen ;). Wie, wo und wann erzähle ich jedoch beim nächsten Mal, denn das würde diesen Beitrag hier eindeutig sprengen.

Mein Reisefazit:

Mein Nordnorwegen-Trip war definitiv mein Reisehighlight 2016 und gehört mit zu den schönsten Trips, die ich überhaupt je gemacht habe. Mit Nordnorwegen bin ich also noch lange nicht fertig und ich komme auf jeden Fall wieder. Mit meinen drei Männern im Schlepptau. Ich möchte Wale und Papageientaucher sehen, wandern, erneut am Lagerfeuer sitzen, in einer der tollen Cabins übernachten und nächtelang die Polarlichter anstarren. Und ich möchte mir unbedingt nochmal Tromsø, das Tor zum Eismeer und Paris des Nordens anschauen. Das habe ich nämlich leider nur auf der Durchreise erlebt.

Seid Ihr schon mal auf den Vesterålen gewesen? Was waren Eure Highlights? Und habt Ihr noch Tipps?

Offenlegung: Ich wurde auf diese Reise nach Nordnorwegen von Visit Norway eingeladen. Meine Meinung bleibt davon wie immer unberührt.

PS. Einen weiteren spannenden Bericht über das arktische Geisterdorf Nyksund, findet Ihr im Übrigen auch bei meiner Reisebloggerkollegin Heike von Köln Format.

15 Kommentare

  1. Love, love love!
    Norge ist sooo schön. Bei den Bildern würde ich am liebsten sofort los! SOFORT! 🙂
    Liebe Grüße,
    Mila

  2. Boah. Das war aber cool. Und darf ich das mal sagen: Die Fotos sind aber diesmal besonders cool geworden. Neue Kamera?!?!? Ich bin begeistert. Hätte ich dich nicht, würd ich immer noch nix im Norden kennen und viel besser noch: ich will da echt hin jetzt. Wegen dir! Nur wegen dir! 😉 Winkewinke du Norweger! Anne!

    • Nadine sagt

      Danke, meine Liebe! Aber nee…keine neue Kamera. Die gleiche gute alte Fuji wie immer. Norwegen macht es einem aber auch echt leicht tolle Fotos zu machen. Und ja….da müsst ihr unbedingt mal hin. Wirklich. :-*

  3. Wow, das wäre genau meine Kragenweite 😉 das hört sich super an und die Bilder sind ein Traum! Ich bin mir sicher, das würde mir mega gefallen…
    Übrigens bin ich mittlerweile auch eher der Lagerfeuer- als der Party-Typ, besonders wenn es in so schöner Natur ist.

  4. Liebe Nadine,

    super tolle Bilder! Und es wirft mich zurück zu einer meiner schönsten Reisen! Die Nord-Norwegen Liebe verstehe ich voll und ganz! <3
    Die Whalewatching Tour hätte ich auch fast gemacht, dass war die See so stürmisch, dass sie abgesagt wurde. Ich war froh, lieber nicht fahren und nicht seekrank als fahren und über der Reling hängen. Auch deswegen muss ich nochmal hoch… 🙂

  5. Liebe Nadine,
    wow, so toll Bilder. Das macht Lust auf mehr. Norwegen steht schon lange auf meiner ‚Liste‘. Und nach deinem Bericht erst recht. Irgendwann werde ich es auch mal so weit in den Norden schaffen 😉
    Lg Nathalie

  6. Dietrich sagt

    Ein ganz hervorragender Bericht mit tollen Bildern. Wir waren 8 Jahre hintereinander im Urlaub auf den Lofoten, deswegen sind mir die Vesterrålen auch nicht ganz fremd. Ich komme bestimmt wieder!!!

    • Nadine sagt

      Danke schön, Dietrich! Die Lofoten stehen natürlich noch ganz fett auf meiner Liste. Da muß ich unbedingt auch mal hin, auch wenn man derzeit das Gefühl hat, die ganze Welt wäre dort. Fröhliches Weiterreisen und liebe Grüße, Nadine

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